Aufreger, Tierschutz

Von klugen Schweinen und dummen Menschen

Kaum ein Tier wird so unterschätzt wie das Schwein, denn es gehört mit Abstand zu den intelligentesten Säugetieren. Schweine sind ebenso anhänglich und freundlich wie Hunde, können sogar mehr Kommandos erlernen als diese und hören natürlich auf ihren Namen. Sie erkennen, wie Delfine und Primaten  ihr eigenes Spiegelbild, haben räumliches Vorstellungsvermögen und können sehr gut riechen und hören. Die meisten Menschen wissen kaum etwas über diese faszinierenden Tiere, ausser, dass sie „gut schmecken“ .(Anmerkung der Verfasserin: Darüber könnte man diskutieren )

Tatsächlich sind Schweine neugierige, hochentwickelte Säugetiere, von denen man annimmt, dass sie  über eine Intelligenz verfügen, die über die eines durchschnittlichen 3 Jahre alten Menschenkindes hinausgeht. schweine

Schweine sind sehr sozial, leben am liebsten in der Gemeinschaft, wo es strenge Rangordnungen gibt und wenn sie nicht vorher geschlachtet werden, können sie 12 Jahre alt werden. Dass sie sich gerne im Schlamm wälzen dient übrigens dem Schutz der Haut vor Sonnenbrand und Insekten im Sommer , denn ansonsten achten sie peinlichst auf Sauberkeit, auf Trennung von Liege- und Toilettenzone, …wenn sie denn dürfen. Schweine sind also weder doof noch schmutzig, solche Eigenschaften fallen eher spontan im Zusammenhang mit bestimmten Menschen ein, zum Beispiel beim Lesen der  neuen Studie der tierärztlichen Fakultät der Uni München  , die den Zustand von Mastschweinen in Bayern untersucht hat.

Die Ergebnisse sind alarmierend . Nicht nur, was den Tierschutz betrifft sondern weil diese Studie auch eine Menge über den Zustand unserer Gesellschaft aussagt. Sinngemäss steht in dieser Studie folgendes: „Allein in Bayern werden jedes Jahr etwa fünf Millionen Schweine geschlachtet. Nach deren Anlieferung im Schlachthof werden sie von einem Tierarzt begutachtet. Schon seit Längerem fällt dabei immer wieder auf, dass die Gliedmaßen der Tiere Veränderungen aufweisen. Das lässt auf eine „nicht tiergerechte Haltung rückschließen. (Ein gern benutzter Euphemismus für Tierquälerei).

Bisher wurde dieser Sachverhalt wenig beachtet. „Die Tiermediziner haben sich Vorder– und Hinterbeine der Mastschweine genauer angeschaut und dabei teils tennisballgroße Beulen entdeckt – sogenannte Ersatzschleimbeutel Der Druck entsteht, weil die Tiere auf zu harten Betonböden liegen müssen. Die sogenannten Vollspaltenböden – das sind Betonflächen, die mit knapp zwei Zentimeter breiten Schlitzen durchbrochen sind – sind heute Standard in der konventionellen Schweinemast. Der Vorteil für die Praxis: zeitaufwendiges Entmisten entfällt.“

Laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung muss der Stallboden für Schweine so beschaffen sein, dass von ihm keine Verletzungsgefahr ausgeht „Der Zusammenhang zwischen den schmerzhaften Veränderungen an Beinen, aber auch Klauen der Schweine mit dem harten Betonspaltenboden ist eindeutig. Eine Kontrollgruppe, Tiere, die auf Stroh gehalten wurden, zeigten in keinem einzigen Fall krankhafte Veränderungen. „ Dass es sich dabei nicht um die gern zitierten „Einzelfälle“ handelt, widerlegt die Aussage von Manfred Gareis LMU : „Wir haben an allen Schlachthöfen identische Werte ermittelt, wir können aufgrund der Konzeption sagen, dass die Tiere zu 90 Prozent Veränderungen aufweisen, 50 Prozent sehr auffällig, so dass wir einen Anlass sehen zu reagieren.“

Selbst wenn dies nur Stichproben gewesen sein sollten,  gibt es guten Grund zu der  Vermutung, dass ein beträchtlicher Prozentsatz der Schweine, die in Bayrischen Schlachthöfen landen,  so elend gehalten wurden, dass sie an ihren Gliedmassen oder an anderen Stellen des Körpers „Veränderungen“ aufweisen ! 

Sei es nun durch unsachgemässes Futter (was auch als mögliche Ursache genannt wurde)  oder die nicht artgerechten Betonspaltenböden . Unstrittig ist, sie leiden, und zwar beträchtlich !

Der Anblick der  Bilder aus dieser Studie , Tiere mit tennisball grossen Beulen,  Verletzungen und verkrüppelten Beinen , spricht für sich. 

Wenn Sie sich an die Einleitung dieses Artikels erinnern, es sind äusserst sensible, empfindungsfähige Tiere , denen wir all dies antun. Knapp 5 Millionen davon in diesem Jahr also allein in Bayern. Was ihnen bis zur Schlachtung widerfährt ist allgemein bekannt, politisch sanktioniert, vom Verbraucher abgenickt… Geiz-ist-geil, die Bauernlobby stark, und „es schmeckt doch so gut“…

Das einzig Erfreuliche in dieser beschämenden Angelegenheit : Die Anzahl derer, die der gnadenlosen Industrie der Ausbeutung an Wehrlosen den Rücken kehrt, wird täglich grösser.

Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch oder beziehen zumindest den Bedarf ausschliesslich aus Bio Haltung.

Zum Abschluss und um zu verdeutlichen,  dass nicht nur bei der Aufzucht  dringend über eine neue Gesetzgebung nachgedacht werden sollte,  (Stichwort Kameraüberwachung in Schlachthöfen ),  ein kurzer Auszug aus einem Interview mit einer ehemaligen Schlachthof Mitarbeiterin.

„Was passiert, wenn ein Tier nicht richtig betäubt wurde? Bei den Schweinen kommt es vor, dass die Tiere nur leicht betäubt oder wieder bei vollem Bewusstsein in der Brühmaschine landen. Ich schätze bei 20 Prozent der Tiere ist das der Fall! Die Brühmaschine ist ein Bad mit kochend heißem Wasser, in welches die Tiere eingetaucht werden, um die Haare vom Körper zu entfernen und die Haut aufzuweichen

  Gibt es Verstöße gegen Tierschutzauflagen? Die Arbeiter im Treibgang sind rüde und grob und benutzen den Elektrotreiber häufiger als nötig. Sie treiben die hinteren Tiere immer weiter an, so dass die vorderen Tiere oft fast erdrückt werden und panisch gegen die Wände rennen. Die Überfüllung der Warteboxen ist ein schwerwiegender Verstoß ebenso wie die überladenen LKWs bei der Anlieferung. Regelmäßig, also an jedem Schlachttag, werden kranke Tiere mit gebrochenen Gliedmaßen oder schweren Erkrankungen angeliefert.  Ich schätze, es sind bis zu 8 Tiere jeden Tag!

Wie schätzen Sie den Einfluss der Tätigkeit des Schlachtens auf das Allgemeinbefinden der Mitarbeiter ein? Eine Verrohung und Gewöhnung findet natürlich statt. Allerdings zeigen die Mitarbeiter kein Schuldbewusstsein oder schlechtes Gewissen. Sie essen alle gerne und viel Fleisch und sehen ihre Tätigkeit als ganz normal an.“(Bayerns Politiker übrigens offensichtlich auch, denn sonst wären diese Zustände nicht möglich !)    

Abschliessend noch eine Bitte : Es Ist Ihre Wählerstimme, die bewirken kann, dass derartige Zustände hoffentlich irgendwann der Vergangenheit angehören. Machen Sie den Abgeordneten Ihres Wahlkreises bei der nächsten Wahl darauf aufmerksam, dass Sie sich eine andere Agrarpolitik wünschen!11696379_1019683588043006_7981581247403702374_o

Quellen :

http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachthaus-interview

http://www.br.de/nachrichten/mastschweine-tierschutz-100.html

Gutes Karma to go gibt es auch auf Facebook 🙂

4 thoughts on “Von klugen Schweinen und dummen Menschen”

  1. Bestie Mensch – die Bezeichnung ist „abgenudelt“, aber eine zutreffendere fällt mir momentan nicht ein… Ich habe vor kurzem erst einen bemerkenswerten Comic gesehen: Ein außerirdisches Raumschiff landet, das menschliche Begrüßungs-Komittee steht bereit. Die Alien ignorieren dieses nach dem Aussteigen jedoch völlig, sie eilen mit ausgebreiteten Armen und voller Freude auf eine Gruppe Tiere – Kühe, Schweine, Pferde – und einem Baum zu…

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  2. „Solange der Mensch denkt, das Tiere nichts fühlen, müssen Tiere fühlen, das der Mensch nicht denkt“ – und auch eigentlich nichts fühlt, angesichts dieser Tatsachen. So abgestumpft scheinen die meisten zu sein. Danke für diesen Artikel, prägnant und klar.

    Passt noch ganz gut zum Text und dem anderen Kommentar: la belle verte – der grüne Planet https://vimeo.com/105858952

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  3. Danke für das nette feedback und das Video. Vielleicht sind viele Verbraucher gar nicht so abgestumpft, ich glaube, viele können sich das gesamte Ausmass des Grauens nicht einmal ansatzweise vorstellen und würden anders handeln. Auf die setze ich, mit meinem Blog 🙂

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  4. „Man darf in Worten protestieren, soviel man will. Es gibt nur eine Bedingung für die Freiheit, sie wir so gerne fordern: Euer Protest kann ruhig so laut wie möglich sein, solange er wirkungslos bleibt. Wir bedauern euer Leid zutiefst und würden es gerne lindern-wir haben es in der Tat sorgfältig untersucht und haben unseren Herrschern und unmittelbaren Vorgesetzen bereits darüber gesprochen-, doch jeder Versuch eurerseits, euch gewaltsam von euren Unterdrückern zu befreien, stellt eine Bedrohung für die zivilisierte Gesellschaft und für den demokratischen Prozess dar. Eine solche Bedrohung können wir nicht dulden. Wenn ihr zu Gewalt greift, werden wir euch, falls nötig, mit der maßvollen Antwort eines himmlischen Feuersturmes von der Landkarte tilgen.“ Aus dem Buch Noam Chomsky „Die Herren der Welt“.

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