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Online- Dating mal ganz anders…

Als Mick durch einen Unfall viel zu jung und buchstäblich über Nacht aus meinem Leben gerissen wurde, beschloss ich, mich nie mehr auf eine so tiefe Bindung einlassen zu wollen. Was hätte nach ihm auch noch Besseres kommen sollen?

Niemand würde mich je wieder so zum Lachen bringen wie er das immer tat. Niemals wieder würde mir jemand mit einem einzigen Blick aus klugen, blauen Augen den Wind aus den Segeln nehmen, wenn ich gereizt nach einem langen Arbeitstag nach Hause kam und mir nicht der Sinn nach Streicheleinheiten war. Sein Charme bezauberte jeden und obwohl er sich dessen wohl bewusst war, konnte man ihm nie böse sein. Niemand konnte das.

Ich hatte alles weit weg verräumt, was mich an ihn erinnerte und fand es mehr als taktlos, wenn meine Freundinnen mir rieten, ihn baldmöglichst zu ersetzen und meinten, ich würde es übertreiben mit meiner Trauer. Was wussten die schon ?

Wer mich ein bisschen kennt, weiß jedoch, dass „niemals“ ein dehnbarer Begriff in meiner Gedankenwelt ist und es dauert dann gar nicht soo lange, bis mir eine innere Stimme einladend zuflüsterte: „Da draußen wartet jemand auf Dich, jemand, den Du vielleicht doch wieder in dein Herz schließen wirst… Du musst ihn nur finden.“

So begann ich an den Abenden, wenn alle im Haus schliefen, im Internet heimlich auf einschlägigen Portalen nach einem Paar blauer Augen zu suchen, die mich ansprachen. Seit Mick war ich verschossen in blaue Augen. Verschossen in die unnachahmliche Art und Weise, wie das Licht sich in ihnen spiegelt, und auch jede Stimmung. Genau das wollte ich wieder haben.

Nach vielen Abenden und gefühlten Tausend Bildern, von denen mich keines so richtig ansprach, wurde ich auf der Seite einer Spanischen Agentur schließlich fündig. Aufgeregt überflog ich den Begleittext zum Foto:  In jedem Punkt perfekte Übereinstimmung. Ich atmete tief durch, bat Mick innerlich um Vergebung und verfasste eine Mail, in der ich kurz schilderte, wie ich mir eine gemeinsame Zukunft vorstellen würde.

Online-Dating funktioniert

Bereits am nächsten Morgen war die äußerst sympathische  Antwort im Postfach. Dazu weitere Bilder, die meine letzten Zweifel an dieser Aktion zerstreuten. Sie waren alle verwackelt und das Umfeld, in dem sie aufgenommen waren, nicht gerade einladend. Ich fand sie trotzdem umwerfend, saß verzückt lächelnd vor dem Rechner und hatte nur einen Gedanken:  Jetzt, wo mein Entschluss fest stand, wollte ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen, ihn so bald als irgend möglich da heraus zu holen

Mein Umfeld reagierte nicht ganz so begeistert auf diese Idee, wie ich erwartet hatte. Warum ausgerechnet einen Ausländer? Warum das Risiko einer unbekannten Herkunft und eventueller Krankheiten, die er einschleppen könnte, eingehen, wenn ich doch hier, vor der Haustüre, jederzeit unter zig Optionen auswählen könnte? Vielleicht handelte es sich ja um irgendeine versteckte Abzocke und ich in meiner Naivität wäre das ideale Opfer.

Nie vorher war mir aufgefallen, wieviel Halbwissen und Vorurteile in den Köpfen unterwegs sind, wenn es um das Thema Ausländer oder Ausland geht. Ich rollte innerlich mit den Augen, liess mich aber nicht irritieren, überwies die Vermittlungsgebühr und bereitete mich und das Haus auf den Tag der Ankunft vor.

Mein Kater kommt zu mir

Man hatte mir versichert, sobald sich ein Flugpate gefunden hätte, würde man den kleinen Kater zu mir auf die große Reise schicken. Tiere dürfen nicht ohne Begleitung im Flugzeug transportiert werden. Man braucht also jemanden, der sich bereit erklärt, für die Dauer der Reise eine sogenannte „Flugpatenschaft“ einzugehen. Jetzt blieb mir nur, abzuwarten, bis sich jemand fand, der auf diese Weise einem sicheren Todeskandidaten ein neues Leben in einem liebevollen Zuhause ermöglichen wollte.

Mein neuer Hausgenosse war als winziges Kitten halbtot in einer Mülltüte gefunden worden, von privaten Tierschützern versorgt, aufgepäppelt, und zur Vermittlung ins Netz gestellt.  Ich war nur zu gerne bereit, durch die Vermittlungsgebühr einen Teil der bisher angefallenen Kosten und den Transport zu übernehmen. In Spanien wollte ihn niemand haben, eine Vermittlung ins Ausland war seine einzige Chance und die sollte er erhalten.

Lilith Luna

Für den letzten und wichtigsten Teil der Rettung waren wir jedoch auf die Hilfe eines tierlieben Reisenden angewiesen, der durch seine Unterschrift am Counter bestätigte, dass mein kleiner Spanier im Frachtraum mitfliegen durfte.

Es vergingen bange Wochen. Ich erhielt zwar regelmäßig neue Bilder, lernte die Menschen dieser Organisation besser kennen und sehr schätzen,  aber nie klappte es mit der Zusammenführung. Die wenigen Flugpatenplätze sind heiß umkämpft, immer nahm ein dringenderer Notfall den erhofften Platz ein. Ich war bereits fast soweit,  eben mal selbst kurz nach Alicante zu fliegen, nur um „meinen Merlin“ endlich dort abzuholen, als die erlösende Mail kam. Ein Flugpate hatte sich gemeldet.

Es gibt Augenblicke im Leben, die man nie vergisst. Für mich war einer dieser magischen Augenblicke, als mir in der Ankunftshalle des Münchner Flughafens eine völig fremde Frau von ihrem Gepäckwagen eine Box reichte und lächelnd sagte: „Hier ist Ihr Blind Date, ich wünsche von Herzen alles Gute für den Kleinen, er hat es verdient .“ Es war der Beginn einer grossen Liebe 😉

Luni Karma 2

Merlin ist in jeder Hinsicht ein Jackpot und regierte  sein neues Reich vom ersten Tag an mit Charme und Dickköpfigkeit.   Nur an der Sprachbarriere müssen wir noch arbeiten. Manche Worte, wie  „Nein“ oder „Runter vom Tisch“  will er einfach nicht lernen 🙂 Wenn ich an den Abenden versuche, auf Facebook Flugpaten für die neuesten Notfälle zu gewinnen, blinzelt er mir mit seinen wunderschönen blauen Augen schläfrig zu und motiviert mich, weiter so viele Menschen für diese wunderbare Idee zu begeistern, wie irgend möglich.  Teilen wäre also in diesem Fall besonders nett ❤

(..und Pssst……..die Geschichte hat sich flüssiger mit nur einer Katze erzählen lassen….aber ich habe  damals BEIDE Kätzchen vom Bild adoptiert  🙂

DSC06098, Lilith Schläfchen

Bei SCARS in Griechenland warten so viele liebenswerte Katzen auf ihr erstes „Blinddate“. Bitte schreibt mir, wenn ihr euch für eine interessiert, eine Adoption ist ganz einfach ❤

<Album der Katzen bei SCARS die auf ein Zuhause warten

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Schätzchen Harriet

2 thoughts on “Online- Dating mal ganz anders…”

  1. Seit fast genau zwei Jahren bin ich katzenlos. Und ich hätte auch am liebsten ein Miezen-Pärchen. Würdest du mir den Link für das Miezekatzen-Online-Dating zukommen lassen, bitte? 😉
    Dein Merlin sieht wundervoll aus! ♥

    Gefällt 1 Person

  2. Aber gerne doch. Alles, was ich bislang von Dir lesen oder sehen konnte lässt darauf schliessen, dass bei Dir jede Katze wunderbar aufgehoben wäre 🙂 Pärchen ist wirklich für alle Beteiligten Win-Win. Kein schlechtes Gewissen, wenn man nicht nonstop als Unterhalter zur Verfügung stehen kann, und wer einmal synchron schmusen erlebt hat, ist sowieso süchtig 🙂 Die Organisation ist Animal Help Espania. Neben den Bildern auf der Seite sind meist noch viele andere Katzen und Hunde verfügbar. Am besten kontakt aufnehmen und beschreiben, was Du Dir vorstellst, bzw , wen sie Dir gerne vermitteln möchten. Es gibt aber auch noch unzählige andere sehr gute und seriöse Organisationen, also diesen Link bitte nur stellvertretend sehen Liebe Grüsse und DANKE …solche Kommentare wünsche ich mir mehr ❤ Bettina Marie
    http://www.animal-help-espania.de/component/virtuemart/katzen-in-spanien/katzenkinder?Itemid=177

    Gefällt mir

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