Veröffentlicht in Lifestyle, Tierschutz

Mäuseschwänzchen, Ratten und Schädlinge

Als ich heute Morgen nach einem langen Wochenende im Home Office keinen blinkenden Anrufbeantworter vorfand, war ich zunächst erleichtert. Auch das Telefon blieb erfreulich still und gab mir so Gelegenheit, mich gewissenhaft der Ablage zu widmen, sprich, den lästigen Papierkram von der einen Seite des Schreibtisches auf die andere zu stapeln. Soweit …so gut .
Nachdem sich aber auch bis Mittag niemand gemeldet hatte, wurde ich misstrauisch und überprüfte Stromkabel und Netzanschluss.

Bingo ! Fein säuberlich bis auf die Metallteile abgenagt, lagen die Kabel, in handliche Stücke zerlegt, am Boden. Dazu die Hinterlassenschaften einer größeren Mäusesippe mit offensichtlich ausgezeichneter Verdauung.
Ich seufzte. Der Nicht- Angriffs- Pakt war hiermit von der gegnerischen Seite gebrochen worden. Ab jetzt herrschte wohl oder übel Krieg!

Was über die Jahre stets erstaunlich gut funktioniert hat, ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Nager, ohne explosionsartige Vermehrung, angeknabberte Lebensmittel oder Schäden im Haus, war aus irgendeinem Grund aus dem Gleichgewicht geraten. Ich vermute, es könnte daran liegen, dass unsere Jägerin No1 leider nicht mehr unter uns weilt und ihre Schwester eher andere Hobbies pflegt, als die Mäusejagd. Vielleicht war auch im letzten Winter eine besonders gebärfreudige Sippe in unser altes Gemäuer, mit den einladenden Zwischendecken und Holzvertäfelungen eingezogen, jedenfalls raschelte, wuselte und knabberte es mittlerweile an jeder Ecke und dieser Vorfall brachte das Fass zum Überlaufen.

Mensch gegen Maus… kein allzu großes Problem, könnte man meinen. Mäuse liebender Mensch gegen Maus gestaltet sich jedoch schwierig, denn eine wirklich tierfreundliche Lösung gibt es bei größerem Befall eigentlich nicht.
Auch wenn die kleinen Nager sich rasant vermehren können, sie hier und da Spuren hinterlassen und im Haus nicht unbedingt der Traum jedes Hygiene Fanatikers sind, diese unglaublich intelligenten, sozialen und liebenswerten Tiere , haben sich das Leben als „Schädling“ nicht ausgesucht und daher sind Gift und Schnappfallen für mich keine Option.
Forscher an der Universität Chicago haben kürzlich im Magazin „Science“ dokumentiert, dass Ratten über ein deutlich weiter entwickeltes Sozialverhalten verfügen als bisher angenommen: Sie handeln nicht nur aus egoistischen Motiven, sondern auch aus Empathie. So befreiten die Tiere ihre Artgenossen aus einem Käfig, ohne eine Belohnung dafür zu bekommen. Zitat: „Die Aufgabe war nicht leicht, aber die Ratten hörten nicht auf, es wieder und wieder zu versuchen. Die einzige Motivation zu diesem Verhalten sei einzig und allein gewesen, der eingesperrten Ratte zu helfen. War der Käfig hingegen leer oder handelte es sich lediglich um eine Spielzeugratte, öffneten die Ratten den Käfig nicht.“ ( Quelle: Online Ausgabe /Zeit) .

Nun, das hätte jeder Rattenliebhaber auch ohne Studie leicht bestätigen können. Seit ich mehr oder weniger freiwillig Besitzerin zweier Farbratten wurde, die ihr Leben freilaufend in den offenen Schubladen einer alten Kommode im Arbeitszimmer verbrachten, weiß ich aus eigener Beobachtung, wie intelligent, liebenswert, reinlich und sanftmütig diese angeblichen Ekeltiere sind. Als die eine Ratte im Sterben lag, und das Häuschen nicht mehr verlassen konnte, brachte der gesunde Gefährte, der vormals um jeden Leckerbissen gezankt hatte, die besten Obststückchen und Maiskörner zu ihr, ehe er selbst begann, zu fressen. Seine Trauer um den Verlust war später so offensichtlich und herzzerreißend, dass ich der festen Überzeugung bin, oben genannte Studie kratzt noch nicht einmal an der Spitze des Eisberges, wie empfindungsfähig Nagetiere sind. Die Versuchung ist groß, mich an dieser Stelle etwas über Tierversuche auszulassen, allen voran, die völlig Unsinnigen, …Stichwort Botox.

Aber beschränken wir uns an dieser Stelle darauf, dass ich im örtlichen Baumarkt den Bestand an Lebendfallen aufkaufte und im Haus verteilt habe. Regelmäßiges Kontrollieren ist ein Muss. Denn leider klemmen sich die Tiere des Öfteren Schwanz oder Pfötchen im Schließmechanismus ein , verletzen sich oder werden so panisch, wenn sie über längere Zeit in der Falle festsitzen, dass sie an Herzversagen sterben. Sieht ganz so aus, als wäre ich mit dieser Aufgabe die nächste Zeit gut beschäftigt 🙂
Wer oder was ein Schädling ist, liegt sowieso auch immer im Auge des Betrachters.

Als ich neue Kabel für die Telefonanlage kaufen wollte, lernte ich zu meinem Erstaunen, dass ein neues Telefon samt Nebenapparat nur sage und schreibe zehn Euro teurer ist, als die Ersatzkabel. Im Klartext: …wegwerfen und komplett neu ersetzen ist „sinnvoller“ und „billiger“ als etwas zu reparieren. Jeder Deutsche produziert im Durchschnitt pro Jahr allein 21,6 kg Elektroschrott. Ich stelle mir gerade diesen gewaltigen Berg vor, weltweit und alle damit verbundenen Umweltschäden. Wir alle können nur hoffen, es kommt nie jemand auf unseren Planeten, der uns dann als die eigentlichen Schädlinge betrachtet. …und falls doch, dass er zumindest Lebendfallen verwendet 😉

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

3 Kommentare zu „Mäuseschwänzchen, Ratten und Schädlinge

  1. Ausgerechnet am betriebsamsten Wochenende der Sommersaison legte vor einigen Jahren ein possierlicher Siebenschläfer in dem Wirtshaus im Isartor, in welchem ich damals arbeitete, die große Spülmaschine durch Kabelverbiss lahm. Bis in die späten Nachtstunden hinein mussten wir per Hand Hunderte von Tellern, Besteckteilen, Schüsseln, Töpfe, Pfannen etc. spülen. Einem Herrn vom Bund Naturschutz gelang es anderntags, den Nager samt Familie aufzustöbern, einzufangen und etwa 200 km isaraufwärts wieder auszusetzen, in einem Waldstück. 😉

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  2. :-)…irgendetwas Leckeres müssen diese Kabel an sich haben. Vielleicht sollte man etwas widerlich schmeckendes in die Kunststoffmasse einarbeiten…. Aber cool, dass ihr jemanden vom Bund Naturschutz beauftragt habt, das ist (leider) nicht selbstverständlich !

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