Veröffentlicht in Aufreger, Lifestyle, Tierschutz

Warum es ziemlich schlau ist, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren…

Keine Ahnung, wie Sie das handhaben, aber was den Gebrauch von Antibiotika angeht, bin ich altmodisch. So wenig wie möglich und nur dann, wenn alle anderen Versuche,  die Infektion in den Griff zu bekommen, erfolglos waren , denn der übermässige Gebrauch von Antibiotika fördert Resistenzen, Keime die sich durch Mutation und Auslese so angepasst haben, dass keines der gängigen Antibiotika mehr gegen sie wirkt und die nur noch mit den sogenannten Reserve-Antibiotika behandelt werden können.  Wenn diese auch noch ausfallen, hat die Menschheit ein ernstes Problem. Ein sehr, sehr ernstes Problem !

In der Vergangenheit traten solche Keime,  zum Beispiel der MRSA (methicillinresistenter Staphylococcus aureus) , vor allem in Krankenhäusern auf. MRSA werden aber auch immer häufiger bei Nutztieren und in Lebensmitteln nachgewiesen, die dann eine Infektionsquelle für den Menschen sein können. Nehmen diese Resistenzen weiterhin so rasant zu und die letzten wirksamen Reserve- Antibiotika verlieren ihre Wirkung, weil die Keime sich auch an diese angepasst haben, dann wird es ungemütlich! Dann wären Standard OP´s wie ein Blinddarm oder ein Bruch, selbst eine Entbindung wieder äußerst risikoreich und längst ausgerottete Infektionskrankheiten und Seuchen, wie TBC oder die Pest, könnten ein unverhofftes Comeback feiern.

Bereits jetzt stecken sich in Europa jährlich rund 400 000 Menschen mit multiresistenten Keimen an, 25 000 davon sterben.. Tom Frieden, der Direktor der amerikanischen „Centers for Disease Control and Prevention“,  warnte erst kürzlich, dass die Menschheit kurz davor stehe, in die postantibiotische Ära einzutreten. Wie dramatisch das konkret aussieht, zeigte der Fall  des brasilianischen Models Mariana Bridi da Costa. Sie hatte keine Chance und starb, als sich bei ihr nach einer Harnwegsinfektion resistente Bakterien ausbreiteten. Was die Lage noch kritischer macht ist die Tatsache, dass die Pharmafirmen kaum mehr neue Antibiotikaklassen auf den Markt bringen. Waren es bis in die 70er Jahre noch mehr als 20, hat man seither gerade zwei Neue zugelassen.

Obwohl die Lage also mehr als ernst ist, gibt es eine große Anzahl von Menschen, die emsig daran arbeiten, dass alle oben genannten Horror-Szenarien baldmöglichst eintreten. Sollten Sie Fleisch aus Massentierhaltung konsumieren,  gehören Sie auch dazu. In allen großen Mastbetrieben sind die Tiere durch den dort anfallenden Stress und die unsäglichen Haltungsbedingungen äusserst krankheitsanfällig und müssen beständig mit Antibiotika vollgepumpt werden. Weil viele Keime gegen die Standard-Antibiotika bereits resistent sind, bekommt ein Tier manchmal bis zu 8 verschiedene Antibiotika, teilweise gleich drei gleichzeitig. Diese Antibiotika landen auch im Wasser, im Fleisch und letztlich auch bei Ihnen im Körper.

Ein ganz normales Masthuhn, zum Beispiel, lebt durchschnittlich 32 Tage und wird in dieser Zeit rein statistisch 2,3 Mal mit Antibiotika behandelt.  So kam im Jahr 2012 laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Menge von 1619 Tonnen Antibiotika zusammen, die bei Hühnern, Schweinen, Kühen und Puten eingesetzt wurden. Zum Vergleich: Für den humanmedizinischen Bereich wurden ca 250 bis 300 Tonnen geschätzt. Wenn Sie glauben 1619 Tonnen wären eine unglaubliche Menge, dann geht es Ihnen wie mir . Leider ist das jedoch nur die Spitze des Eisberges.

So wie es aussieht, hat unsere Regierung absolut keinen Plan, welche Mengen an Antibiotika nun genau in Umlauf sind. Nachdem man auch in Regierungskreisen den Eindruck hatte, dass es an der Zeit wäre, zu handeln, wurde eine Statistik zum Antibiotikaverbrauch in der Landwirtschaft in Auftrag gegeben. Doch die Daten, die als Grundlage dienen sollten, um die schwarzen Schafe in der Tierzucht herauszufinden, also Betriebe, in denen der Verbrauch von Antibiotika besonders groß und häufig ist,  sind nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung  substanzlos. Eine Abfrage bei den zuständigen Ministerien in allen Bundesländern hatte ergeben, dass aus Tausenden Betrieben gar keine Daten vorliegen. (Quelle/Süddeutsche Zeitung)

Besorgniserregend, dass man das BLV erst darauf aufmerksam machen musste, dass die Daten nicht vollständig sind und noch besorgniserregender, wenn ich daran die allgemeine Kompetenz ableite, in Sachen Antibiotika Verbrauch den Überblick zu behalten, geschweige denn, das System zu verändern. Der alte Mediziner Spruch in Sachen Antibiotika  „the more you use it, the more you lose it“…frei übersetzt… „je öfter Du es benutzt, desto unwirksamer wird es „, hat nach wie vor Gültigkeit. Die Zeit arbeitet in diesem Fall gegen uns und ich würde mich eher nicht auf staatliches Eingreifen verlassen…wo Geiz doch so geil ist und der Verbraucher eine „pöhse Partei“, die durchgreift und ihm somit sein Lebensrecht auf Billig- Schnitzel und Discounter Nuggets vermiesen möchte, eher nicht mehr wählen würde….

Aber zum Glück gibt es Menschen, die für sich selbst denken und nicht erst auf staatliches Eingreifen warten. Was uns wieder zu meiner  (zugegebenermaßen, etwas provokant formulierten) These bringt, dass Veganer vielleicht nicht besser aber in manchen Dingen einfach schlauer handeln als andere Leute. Lassen Sie uns an dieser Stelle nicht über Mitgefühl, oder Ethik diskutieren, auch nicht über Ideologien, Fühlendes Gemüse, Tierquälerei und „Luxusprobleme“ sondern über intelligentes Verhalten.

Wenn es darum geht, zu begreifen und darauf zu reagieren, dass wir durch unser Konsumverhalten, durch  Massentierhaltung und übermässigen Fleischkonsum uns selbst am meisten schaden und gefährden, dann sind Veganer bereits einen Schritt voraus. Gibt es in der Evolutionsgeschichte etwas intelligenteres, als arterhaltendes Handeln ?

Die Massentierhaltung hat weltweit verheerende  Auswirkungen. Sie beansprucht bereits jetzt zwei Drittel aller landwirtschaftlichen Flächen. Sie ist unter anderem verantwortlich für den Raubbau an Ressourcen, an der Abholzung des Regenwaldes, an  Wassermangel, Überfischung der Weltmeere, sie trägt durch den Methanausstoß der Tiere enorm zur Erderwärmung bei, belastet Gewässer und Böden mit gigantischen Güllemengen, den Exkrementen der jährlich weltweit in Massentierhaltung verbrauchten 21 Milliarden (!) Tiere, und birgt Seuchengefahren, die unser aller Leben bedrohen.

Das Billig -Angebot in den Kühltheken der Fleischereien und Supermärkten hat letztlich einen sehr hohen Preis , den am Ende unsere Erde bezahlt und WIR :-(.

Wenn Ihnen das nächste mal ein Veganer oder Vegetarier ein schlechtes Gewissen verursacht, weil er Sie auf Tierleid hinweist oder wenn Ihnen seine Weigerung Leichenteile zu konsumieren und das Engagement, mit dem er diese Haltung vertritt , auf die Nerven geht, dann denken Sie bitte daran: Sehr wahrscheinlich hat er/sie sich mit oben genannten Fakten bereits ausführlich auseinandergesetzt,  hat daraus Konsequenzen gezogen und versucht durch sein Verhalten gerade,  auch für Sie und Ihre Kinder, die Welt zu retten.  Peace ❤

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Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

4 Kommentare zu „Warum es ziemlich schlau ist, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren…

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