Veröffentlicht in Lifestyle, Tierschutz

Ein Sommer ohne Wespen wäre wesentlich unangenehmer als der Sommer mit ihnen…

Gestern im Biergarten war wieder einmal showtime. Erstaunlich, wie ein paar harmlose gelb-schwarz gestreifte Insekten allein durch ihre Anwesenheit Menschen in Hysterie und Panik versetzen können. Da wird wild um sich geschlagen, geflucht, fluchtartig  der Tisch verlassen und argwöhnisch die Umgebung abgesucht. Da wird erschlagen, zertreten, abgefackelt, ersäuft,  als wären die Störenfriede am Tisch nicht Wespen sondern kleine Drohnen mit tödlichen Kampfstoffen an Bord. Menschen sind manchmal wirklich seltsam.

Während ich dieses Spektakel um mich herum mit einer Mischung aus Belustigung und Bedauern verfolgte, fischte ich mit dem Strohhalm immer wieder abgestürzte Wespen aus meinem Glas. Magisch angezogen vom Duft des  frisch gepressten Karottensafts, waren sie vom Glasrand abgerutscht und strampelten jetzt in der zähen Flüssigkeit um ihr Leben. Wüsste ich es nicht besser, würde ich schwören, jedesmal so etwas wie Erleichterung auf dem winzigen Wespen Gesicht zu erkennen, wenn sie den Strohhalm fest umklammern, sich ohne Gegenwehr herausheben lassen und anschließend bedröppelt putzen. Possierlich und gewissenhaft werden nach der gründlichen Säuberung  Fühler und Flügel auf Funktion überprüft. Dann wird sofort der nächste Anflug gestartet, der nächste Versuch, etwas von der begehrten Beute abzubekommen. Eines muss man den Wespen lassen…hartnäckig sind sie…und gierig.

Zur Zeit sind sie besonders gierig auf Süßes, auf jede üppige Energiequelle. Je mehr davon , desto besser. Wenn der Nachwuchs erfolgreich großgezogen wurde,  benötigen die jungen Königinnen viel Zucker als Energiedepot um den Winter zu überstehen. Denn nur die Königinnen werden den Winter überleben, nur sie sind für den Fortbestand des Schwarms verantwortlich und werden für diese wichtige Aufgabe entsprechend umsorgt. Wie bei den Ameisen oder den Bienen sind alle Arbeiten aufgeteilt. Die einen Wespen sind für die Bauarbeiten des Nests verantwortlich, andere müssen es bewachen oder Nahrung für die Larven oder die Königin beschaffen. Kein Wunder, dass vieles, was wir im Sommer gerne im Freien verspeisen und was für die Wespen vermeintlich frei verfügbar und einladend  auf dem Tisch herumsteht, eine magische Anziehungskraft auf die ausgehungerten Akkordarbeiter ausübt.

Gestochen werde ich bei solchen Rettungsaktionen übrigens nie. Wespen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel aber normalerweise bringt man sie erst durch den Versuch sie zu vertreiben so richtig in Angriffsstimmung. Nicht nur fuchteln und wild um sich schlagen reizt die Insekten bis aufs Blut, sie anzupusten ist auch nicht ratsam. Beim Ausatmen wird  nämlich Kohlendioxid freigesetzt, für die Wespen eine Art Alarmsignal. Ich nenne diese Handlungsweise  „um einen Stich betteln“.  Die Wespe reagiert instinktiv auf jede Bedrohung mit ihrem Giftstachel und da sie diesen, anders als die Bienen,  öfter einsetzen kann, ohne dabei ihr Leben zu verlieren, ist die Reizschwelle niedriger.

Es stimmt, was in allen Zeitungen steht, in diesem Sommer gibt es tatsächlich ziemlich viele Wespen. Allergiker sind gefährdet und  auch auf Kinder mit klebrigen Fingern oder den Resten der letzten Eiscreme am Mund, sollte man gut acht geben. Für den Rest der Bevölkerung stellt ein Stich jedoch keine ernste Gefahr dar, es sei denn er findet im Mund statt. Bei solchen Stichen sind sehr oft Behältnisse, die man nicht einsehen kann, Getränkedosen oder Flaschen aus dunklem Glas beteiligt. Eine ertrinkende Wespe ist eine wütende Wespe, landet sie im Mund und sticht zu, sind die Folgen lebensbedrohlich.

Solange die kleinen Nervensägen jedoch nur lästig herumschwirren, ist ruhig bleiben oder eine alternative Nahrungsquelle anbieten die bewährteste Strategie. Überreife Weintrauben lieben sie besonders, ein paar von den Früchten neben dem Esstisch oder Grillplatz platziert macht Mensch wie Wespe glücklich, denn beide können in Ruhe verspeisen, was ihnen schmeckt.

Auch sonst spricht vieles dafür, die ungebetenen Gäste am Tisch nicht gleich mit Mordlust zu verfolgen. Wie Bienen haben diese toughen Organisationstalente eine wichtige Funktion in unserem Ökosystem. Ein Wespenstaat kann bis zu 2 kg Insekten pro Tag vernichten, die fleißigen Jäger sind zum Beispiel auch natürliche Feinde der Zecken.  So bekämpfen sie effizient und auf natürliche Weise unliebsame Schädlinge, da sie ihre Larven mit zerkauten Insekten füttern. Neben der Funktion als Gesundheitspolizei im Garten bestäuben sie, genau wie ihre beliebten Verwandten, die Bienen, auch Blütenpflanzen. Ein Sommer ohne Wespen wäre für uns daher wesentlich unangenehmer als der Sommer mit ihnen.

Wespen sind friedliebender als ihr mieses Image vermuten lässt. Einige Arten, wie die Mittlere Wespe, stehen sogar bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten, weil sie immer wieder grundlos vertrieben werden und man ihre Nester vernichtet. Eine oft überflüssige Maßnahme, denn bei frei hängenden Nestern handelt es sich um die Bauten harmloser Wespenarten, die weder an unseren Speisen interessiert sind noch durch aggressives Verhalten auffallen. Wie jedes Lebewesen sind sie darauf bedacht, ihren Nachwuchs zu schützen und so reicht es völlig aus, die Einflugschneise freizuhalten und hektische Bewegungen in der Nähe zu vermeiden.

Ich gebe zu, besonders in diesem Sommer gehöre ich als bekennende Wespenfreundin  einer unverstandenen Minderheit an :-). Trotzdem würde ich jedem gern ans Herz legen, sich im Bezug auf Wespen ein bisschen erwachsener zu verhalten. Die ungeliebten Störenfriede sind ein wichtiger Teil unseres Ökosystems, Schädlingsbekämpfer, Blütenbestäuber, Gesundheitspolizei im Garten, sie arbeiten hart, sorgen gewissenhaft für ihre Königinnen und den Nachwuchs, stechen nur, wenn sie sich angegriffen fühlen und lieben nun einmal Süßes. Eigentlich ganz sympathisch. Was ihnen fehlt, wäre einfach etwas freundlichere Publicity.

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

25 Kommentare zu „Ein Sommer ohne Wespen wäre wesentlich unangenehmer als der Sommer mit ihnen…

  1. Deinen Eintrag finde ich toll! Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal ein Wespennest im Garten und das ist prima. Denn dadurch ich habe endlich gelernt, entspannt zu bleiben, wenn sie mir um das Geschicht schwirren. In diesen Tagen verarbeite ich viele Äpfel und Mirabellen. Das erfreut die Wespen sehr, überall summt und schwirrt es. Natur eben.

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  2. Es wäre wirklich schön, wenn mehr verbreitet würde, dass Wespen relativ harmlos sind, wenn man sie nicht angreift, bzw. sie sich von wildem Abwehrgefuchtel angegriffen fühlen.
    Man kann auch einfach etwas weiter von sich selbst entfernt etwas Süßes für sie hinstellen und sie somit beschäftigen und ihre unersättliche Süßigkeiten-Gier befriedigen.
    Wie oft habe ich schon (leider) beobachtet, wie ansonsten ganz friedlich erscheinende Menschen hektisch werden und panisch um sich schlagen, sobald sich eine Wespe nähert. Sie fühlen sich dann leicht persönlich bedroht, so als habe es das Tier auf sie persönlich abgesehen.
    Das ist falsch. Das Schlagen und Fuchteln flößt den kleinen Tierchen Angst ein. Wie wir wissen, macht Angst viele angriffslustig, so auch die Wespen.
    Verhaltet euch ruhig, leckt das Eis vom Mund und genießt die Sonne. Es wird in den meisten fällen ebenso gut gehen, wie ei Spaziergang in der Nähe von Dachziegeln.
    Wünsche noch einen entspannten Spätsommer. Lasst sie leben, sie dienen uns.

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  3. Danke für diesen Beitrag! Ich rette auch Wespen aus meiner Wohnung und aus Gläsern und werd immer dumm angeschaut,weil ich ruhig bleibe und lediglich genau inspiziere was ich in den Mund nehme. Schön, nicht allein zu sein, auch wenn man das manchmal glaubt :-).
    Übrigens, wusstet ihr schon, dass ihr Hummeln die am Boden sitzen und nicht mehr wegkommen, mit ein paar Tropfen Saft, Obstrest o.ä. helfen kann? Dadurch gewinnt sie wieder Energie und kann das Unmögliche möglich machen – fliegen ;-).

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  4. Ein interessanter Eintrag. Ich bin vor einer Woche auf einem Parkplatz von einer Wespe oder Biene gestochen worden. Den Stachel sah ich im Arm stecken und konnte mich von ihm befreien, indem ich ihn rauszog. Warum ich diesen Stich abbekam weiß ich nicht – irgendwie hat sich das Tierlein bedroht gefühlt. War das wohl eine Biene weil der Stachel stecken blieb? Oder doch eine Wespe? Ich weiß es nicht.

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  5. Ganz so einfach ist es nicht.
    Ich hatte mein Leben lang keine Angst vor Wespen, habe nie gefuchtelt, welche vorm ertrinken gerettet und als Kind sogar mein Brot mit ihnen geteilt und staunend zugesehen wie sie davon gefessen haben.
    Ich wurde 3x in meinem Leben gestochen. Jedesmal aus dummen Zufall, weil ich die Wespen einfach nicht gesehen hatte. Die ersten beiden Stiche waren auch nicht schlimm.
    Der dritte Stich, vor ein paar Wochen, war allerdings die Hölle auf Erden. Er ging direkt ins Handgelenk und ich konnte meinen Arm trotz Kühlung und Salbe drei Tage nicht benutzen. Mein Mann musste zu Hause bleiben und unseren kleinen Sohn versorgen weil ich nicht dazu in der Lage war.
    Klar, Pech gehabt. Sowas passiert. Aber seitdem werde ich sehr nervös wenn ich Wespen sehe und ich kann die Angst nachvollziehen. Ich möchte nicht noch mal gestochen werden. Der Schmerz war wirklich krass. Und darum kann ich die argwöhnischen Blicke und die Feindeligkeit gut verstehen. Ja, sie sind nützlich, aber ich möchte trotzdem am liebsten im Umkreis von 5 Metern keine haben.

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  6. Für die Wespen:
    – habe 5 Meter neben dem Gartentisch eine Futterstelle im Blumenbeet eingerichtet auf der immer etwas überreifes Obst liegt, leicht zerquetscht. Weintrauben oder Pfirsiche sind sehr beliebt.

    Gegen die Wespen:
    – steht auf dem Tisch immer ein Topf Basilikum. Den Geruch mögen die Summer weniger.

    Ich wurde dieses Jahr einmal gestochen, weil ich eine Wespe bei der Gartenarbeit zwischen Unterarm und Bauch eingeklemmt habe und einmal als ich barfuss über Klee gelaufen bin. Ich habe direkt eine Zwiebel aufgeschnitten und drüber gerieben, dann ein altes Silbermesser am Wasserkocher heiß gemacht (eher sehr warm) und dann wiederholt auf den Stich gedrückt um das Gift zu vernichten. Es hat wunderbar funktioniert. Nach einer Stunde war nichts mehr zu spüren und der Stich so groß wie ein Stecknadelkopf.

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  7. Grundsätzlich stimme ich dem Kommentar durchaus zu. Je mehr man die Viecher ignoriert desto unproblematischer sind sie. Wenn man sie mal ne Weile beobachtet scannen sie ja nur ganz gründlich alles ab und suchen nach der gut riechenden Futterquelle. Beim Essen sperre ich sie auch schon mal vorläufig in ein Glas mit einem kleinen Rest Saft ein. Da sind sie erstmal beschäftigt, stören nicht und nachher werden sie wieder freigelassen.
    Allerdings bekomme ich ein Problem mit Wespen wenn sie mir ins Gesicht Richtung Mund fliegen. Da weiß ich mir meist nur mit einem gezielten festen Puster zu helfen, der die Wespe erstmal nen halben Meter in eine andere Richtung befördert, so dass man Zeit zum ausweichen hat.

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  8. Das mag ja alles stimmen.
    Aber Menschen wie ich, die von einem Stich einer Wespe sterben könnten, denen sei ihre Vorsicht und mitunter auch Mordlust gegenüber diesen kleinen Biestern doch bitte verziehen.
    Lieber ein paar Wespen als ich. Sorry ist so!

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  9. Notwehr und begründete Vorsicht ist für Allergiker sicher angebracht. Das versteht sich von selbst. Alle anderen haben die Wahl, wie sie damit umgehen, ob sie die Wespen als Teil der Natur sehen oder nur als Ärgernis, das man vernichten darf.

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  10. Hmmm…. bin zwar allergisch und gehöre zu den Flüchtenden, wobei ich sie eher mit einem Glas einfange und weiter weg vom Tisch wieder fliegen lasse. Meistens schütte ich in eine Untertasse etwas Cola und stelle das weit weg von uns hin. Seeeehr zum Bedauern meines Hundes, der Wespen jagt. (Darf sie nicht, macht sie trotzdem)

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  11. Ein wunderbarer Beitrag!

    Gestern habe ich mit meiner Schwägerin im Chinarestaurant auf der Terrasse zu Mittag gegessen, und wir haben die Gesellschaft von zwei sehr hartnäckigen Wespen „geniessen“ dürfen. Zum Glück ist die Schwägerin da ebenso gelassen wie ich, sodass wir nach dem Abdecken meines Saftglases einfach nur darauf geachtet haben, keine davon mit in den Mund zu nehmen, und sie ansonsten in Ruhe beobachten konnten. Essstäbchen eignen sich übrigens auch dazu, eine verunglückte Wespe wieder aus dem Glas zu fischen (leider liess sich das auch mit Abdeckung nicht ganz verhindern) :).

    Als Kind bin ich übrigens zweimal gestochen worden (und bin zum Glück nicht allergisch), nachdem ich Mutters unangebrachtes Verhalten (hektisch flüchten) nachgeahmt hatte. Mit etwa 10 Jahren wusste ich es dann besser und habe mir Gelassenheit angewöhnt…und seitdem keinen einzigen Stich mehr abbekommen! Rein aus Erfahrung kann ich also bestätigen, dass sie harmlos sind.

    So denke ich, dass auch für Allergiker alternative Futterstellen (reife Weintrauben etc.) oder Basilikum auf dem Tisch (muss das mal probieren..) erwägenswerte Massnahmen sind, zumal das Töten unter Umständen gefährlicher endet als ignorieren (nämlich dann, wenn man die Wespe nicht gleich erwischt und sie dann – zu Recht – erst richtig wütend wird).

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  12. Liebe Kathi, dankeschön für den Kommentar, besonders für den letzten wichtigen Satz, dass töten tatsächlich risikoreicher ist als ignorieren. Kann ich nur bestätigen. Ich bin selbst allergisch und war nicht immer so gelassen :-). Liebe Grüße.

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  13. Was mir aufgefallen ist sind von dem Problem meist e nur Nichtraucher betroffen… grad letztens bemerkt… jeder Tisch war in Aufruhr nur bei unserem war gar keine da 1 Zigarrenraucher, 2 normale Raucher und 1 E-Chig Raucher am Werke waren 😉

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