Aufreger, Tierschutz

Refugees Welcome ! Nazis rauss ! Mitdenken und differenzieren weiterhin erwünscht !

Gegen Ende des 2. Weltkrieges war mein Großvater in russischer Gefangenschaft und meine Großmutter flüchtete in Viehwaggons und nach endlos langen Fußmärschen bei eisiger Kälte ins sichere Bayern. Bis dorthin hatte sie sich auf der Flucht vor den anrückenden Russen tapfer mit ihrer kranken Mutter und der 4-jährigen Tochter durchgeschlagen und ihre Erzählungen von dem unbeschreiblichem Grauen und den katastrophalen Bedingungen dieser unfreiwilligen Reise werde ich nie vergessen.

Die Begeisterung der Gastgeber hielt sich verständlicherweise in engen Grenzen, denn die Bevölkerung hatte selbst kaum genug zum Überleben und die zwangseinquartierten Fremden waren zwar Landsleute aber mit einer ganz anderen Sprechweise und Lebensart.
Sie wurden geduldet, kritisch beobachtet und man nannte sie, zumindest in Nordbayern, nicht sehr schmeichelhaft, „Reigschlafda“, die „Hereingeschleiften“. Aber auch wenn neuerdings in den Medien oft etwas anderes behauptet wird, die Bayern sind durchaus fremdenfreundlich, sind ein großzügiges und hilfsbereites Volk, und so dauerte es nicht lange, und alle Neuankömmlinge waren in der neuen Heimat nicht nur integriert sondern zuhause.

Die Flüchtlinge fanden sich damit ab, Haus, Hof, Heimat, allen Besitz für immer verloren zu wissen und schufen sich neue Existenzen und die Bayrischen Gastgeber stellten bald fest, dass die andere Lebensart auch eine Bereicherung für den Freistaat war und der unerwünschte Flüchtlingsstrom ein Heer von innovativen Unternehmern und fleißigen Arbeitern ins Land gebracht hatte.

Die eigene Familiengeschichte und die Tatsache, dass ich viele Jahre meines Lebens im Ausland verbrachte, hat mein Denken geprägt. Sexismus, Rassismus, selbst Speziesismus sind mir zuwider, die sexuelle Ausrichtung eines Menschen ist mir egal, Antisemitismus, Diskriminierungen jeder Art würden mir nie in den Sinn kommen und Flüchtlingen zu helfen ist mir eine Herzensangelegenheit.

Daher habe es ziemlich satt, dass mir neuerdings von allen Seiten vorgeschrieben oder vorgekaut wird, was ich zu diesem Thema sagen/denken darf und was nicht und ärgere mich darüber, dass jede kritische Meinung zum Thema Einwanderung und Flüchtlinge sofort als „fremdenfeindlich“ eingestuft wird, dass keine sachliche Diskussion mehr möglich ist und Polemik plötzlich salonfähig.

Nach wie vor ist der „Braune Mob“ gottseidank eine kleine Minderheit, gemessen an der gewaltigen Welle der Hilfsbereitschaft und Empathie, die landesweit den Menschen in Not entgegen gebracht wird. Wir alle sind in der Pflicht dafür zu sorgen, dass dies so bleibt. In manchen Dingen wäre mir jedoch wichtig, wenn man etwas mehr differenzieren würde, ehe man verurteilt.

Ist es nicht nachvollziehbar, dass ich als Tierschützerin nicht gerade begeistert davon bin, dass man Schächten in Deutschland wieder legalisieren möchte? Für mich steht der Schutz der wehrlosen Kreatur vor religiösen Gepflogenheiten und notfalls auch vor Gastfreundschaft. Ich fordere deshalb in dieser Angelegenheit eine Anpassung an unsere Kultur. Ist diese Forderung jetzt Fremdenhass? Ich hasse garantiert niemanden und würde meine Stimme für die Wehrlosen auch dann erheben, wenn es grausame christliche Schlachtrituale wären, die ausgeweitet werden sollten.

Eine bereits im Juli 2007 erstellte umfassende Literaturstudie zur Problematik des Schächtens. kam zu folgendem Ergenbis:

„Während der unmittelbaren Führung des Halsschnittes am unbetäubten Tier muss von der Entstehung erheblicher Schmerzen und Leiden ausgegangen werden. Betrachtet man darüber hinaus den gesamten Vorgang von der Fixierung des Tieres bis zum endgültigen Verlust der Empfindungs- und Wahrnehmungsfähigkeit infolge der Ausblutung ist aber selbst unter optimalen Bedingungen wissenschaftlich erwiesen, dass es bei dem überwiegenden Teil betäubungslos geschlachteter Tiere zu erheblichen Leiden und Schmerzen kommt.“

Mit diesen Fakten im Kopf wage ich dann denn Drahtseilakt zwischen Toleranz und Tierschutz, muss aber zunehmend feststellen, dass kaum noch jemand differenziert.

Wie viele Namenlose aus der „schweigenden Mehrheit“ setze ich mich ohne großes „tam tam“ ganz selbstverständlich für Flüchtlinge ein, spende und unterstütze. Unser geltendes Asylrecht ist ein wichtiger Bestandteil des Grundgesetzes, auf den ich stolz bin.

Gleichzeitig verstören und verärgern mich aber auch die Augenzeugenberichte von Freunden oder Bekannten, es sind Helfer, Anwohner oder Polizeibeamte, die über Vandalismus, Gewalt und Frauenfeindlichkeit in den Asyleinrichtungen berichten.
Ich habe keine Lösung für dieses Problem aber würde mir wünschen, dass es zumindest öffentlich angesprochen werden dürfte, ohne dass den Berichterstattern sofort Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen wird.

Mir machen beide Szenarien gleichermaßen Angst. Der gewalttätige braune Mob in Freital, der mit Steinen wirft, Nazi Parolen brüllt und Asylheime anzündet aber auch die Videos aus Suhl, wo sich in den Asylanten Unterkünften wütende junge Männer rücksichtslos bekämpften, mit Betonteilen warfen, und mit Eisenstangen bewaffnet Scheiben und Mobiliar zertrümmerten.

Aber vor allem anderen habe die Bilder der verzweifelten Flüchtlinge auf Kos vor Augen, den erschöpften Vater mit seinem Kind im Arm, die Erleichterung in seinem Gesicht, als er endlich auf sicherem Boden ankommt. Es sind Menschen wie Du und ich, deren Existenz vernichtet wurde, die ausgehungert sind, traumatisiert und voller Angst….und solange wir dazu in der Lage sind, müssen wir helfen, die Kapazitäten und Aktivitäten noch um ein vielfaches erweitern …Wir schaffen das!

Die Akzeptanz in der Bevölkerung wäre jedoch um ein Vielfaches höher, wenn die Politik mehr auf die Sorgen der Menschen eingehen würden, die bereits heute mit jedem Cent rechnen müssen.

Ich kenne persönlich viele Menschen, denen in der Vergangenheit mit der Begründung, es mangele an den staatlichen Mitteln der dringend benötigte Rollstuhl nicht genehmigt wurde, Menschen, die sich das Studium ihrer Kinder vom Munde absparen, deren Kinder aber trotzdem Studiengebühren entrichten müssen.

Menschen, deren Rente so armselig ist, dass sie gegen Ende des Monats bei der Tafel anstehen müssen, Kranke, die kein Geld für notwendige Medikamente haben. Ich kenne die beschämend niedrigen Gehälter für Pflegeberufe und die finanzielle Not vieler Kommunen, weiß um die vielen Tierheime, die wegen Rückgang der Spenden vor dem AUS stehen.

Nicht immer spricht Fremdenhass, wenn sich Menschen um ihre Zukunft und ihre Rente sorgen, wenn sie Angst vor Veränderung haben oder der Meinung sind, dass ihre Bedürfnisse nicht wahr genommen werden.

Natürlich hat das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Aber auch ich wundere mich, warum die Millionen jetzt nur so sprudeln und warum das gleiche Engagement vorher für die anderen Bedürftigen nicht möglich war, möchte bei aller Gastfreundschaft diese Menschen nicht ganz vergessen wissen und finde es arrogant, sie allesamt als „dumm“ zu pauschalieren, oder „kaltherzig“, wenn sie auf ihre eigenen Bedürfnisse aufmerksam machen.

Ständig erreichen mich Aufrufe, jemanden aus meiner Freundesliste zu entfernen oder ab jetzt eine bestimmte Tierschutz Institution zu meiden. Wer sich gegen Schächten stark macht, wird bereits in der Nazi Szene angesiedelt, wer den Holocaust im Zusammenhang mit Massentierhaltung erwähnt, ist bereits „antisemitisch“. Ich bin über den Holocaust Vergleich auch nicht glücklich aber er stammt ursprünglich von einem jüdischen Mitbürger und das Bundesdeutsche Verfassungsgericht hat bereits vor fast 30 Jahren ausdrücklich die „KZ-Haltung“ der Legehennen als einen mit der Meinungsfreiheit konform gehenden Vergleich ausdrücklich für zulässig erklärt.

Denunziantentum und Verleumdung haben neuerdings Hochkonjunktur. Selbst die absurdesten und unsinnigsten Anschuldigungen werden heran gezogen, und besonders die „Nazikeule“, ist für viele Gegner der Tierrechtsszene eine willkommene Gelegenheit, der Bewegung zu schaden. Es reicht völlig aus, gegen Schächten zu sein oder einen unglücklichen Vergleich zu wählen.

Ich werde PETA nach wie vor für ihre hervorragende Arbeit schätzen und die klugen Aufsätze von Tierrechtler Kaplan mit Interesse lesen, denn noch habe ich ein ziemlich gutes Gespür für Recht und Unrecht und entscheide selbst, wie ich welchen Verein politisch einschätze, wie ich die Äußerungen einer Person auslege, wann und wofür meine Stimme erhebe, was ich lautstark und entschieden tue, sobald Fremdenhass auch nur ansatzweise vorkommt.

Nazis, alle Unbelehrbaren, die Menschen mit eindeutig brauner Gesinnung, die sich hasserfüllt und fremdenfeindlich äußern, oder schlimmer noch, so handeln, müssen gesellschaftlich ausgegrenzt und mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden.

Dass aber mittlerweile in allen Lagern polemisiert, gehetzt, verleumdet, belehrt und beleidigt wird, dass unbescholtene Menschen diskreditiert werden, finde ich abstoßend.
Ständig dem jeweils anderen zu sagen, was er für ein Arschloch ist, mag für manche Menschen ein willkommener Anlass sein, sich zu profilieren oder ungestraft Aggressionen loszuwerden, aber es löst keine Probleme sondern schafft nur neue.

Diese Art der „Problembewältigung“, die keine ist, spaltet gerade unsere Gesellschaft.
Es sind nicht die Flüchtlinge, nicht die Einwanderer, es ist diese Spaltung, die mir Sorgen macht, und die ziemlich unklug ist, in einer Zeit, in der wir mehr denn je zusammenstehen müssten, um gemeinsam, quer durch alle Gesellschaftsschichten und politische Lager, diese gewaltige Aufgabe zu stemmen.

Ich spreche mich hiermit öffentlich gegen Fremdenhass und Nazis aus…wann immer es Fremdenhass ist und wann immer es Nazis sind, über die wir reden. Der inflationäre Gebrauch dieser Begriffe macht diesen Nachsatz notwendig. Toleranz und Mitgefühl sind mir so selbstverständlich und wichtig wie Meinungsfreiheit.

Refugees Welcome ! Nazis rauss ! Mitdenken und differenzieren weiterhin erwünscht !

5 thoughts on “Refugees Welcome ! Nazis rauss ! Mitdenken und differenzieren weiterhin erwünscht !”

  1. Das Nazis, der Pöbel und das Pack, unserer Gesellschaft sind, ist unbestreitbar. Daß sich jetzt, sogenannte „Bürger“ ihnen anschliessen und Hassparolen verbreiten, ist asozial und primitiv.
    Auch meine Eltern waren Flüchtlingskinder. Sie mußten im Westen nicht mit Verfolgung und Brandschatzung leben.
    Deshalb kann und will ich nicht begreifen, warum Ossis, so hasserfüllt, gegen die sind, die Nichts, aber auch gar nichts haben.

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  2. Es sind nicht nur „Ossis“, dann wären wir ja bereits wieder in Schubladen Denken, dort ist lediglich die Spitze des Eisberges. Das Problem zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Nation. Ich finde deine Worte übrigens gut gewählt, denn sie sind deutlich und trotzdem frei von Polemik, was wieder beweist, dass man klar Stellung beziehen kann, ohne sich auf die gleiche Stufe zu stellen, wie der „Besorgte Mob“. Dankeschön für den Kommentar . PS… Begreifen kann ich es auch nicht 😦

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  3. Es ist doch so, dass gemeinsam mit involvierten Konzernen, vor allem der Waffen- und der Ölindustrie, sich die verantwortlichen Politiker die blutigen Hände reiben und sich so – teils über Umwege – die Taschen mit Blutgeld vollstopfen. Aber solange der Konzernlobbyismus die Politik dominiert kann man da nichts machen. Gleichzeitig übt man sich im heuchlerischen Bedauern für die Millionen an Flüchtlingen, die vor allem aus diesen Regionen nach Europa drängen und wettert gegen den Fremdenhass, weil inzwischen viele Menschen es nicht einsehen wollen, dass sie mit ihren Steuergeldern für eine Politik bezahlen sollen, mit der sich die Finanzeliten und deren Helfershelfer bereichern. Denn in Sachen Steuervermeidung sind die Konzerne und deren Eigner oftmals ganz vorne mit dabei. Wie bei den Bankenrettungen agiert man hier nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste/Kosten sozialisieren. Mit dem Massenelend lässt es sich eben gut Geld verdienen. So krank ist diese Welt! Denn die wahren Ursachen für dieses unsägliche Leid wagt kaum jemand auszusprechen: WER KRIEGE SÄT UND LÄNDER AUSRAUBT, ERNTET FLÜCHTLINGE…

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  4. Deinem Blog stimme ich in jeder Hinsicht zu. Ich möchte ihn noch ergänzen durch einen Aufruf, den ich an FreundInnen geschickt habe.

    Aufruf gegen Fremdenhass und für sozialen Frieden

    Wozu dieser Aufruf?
    Die unten stehenden Informationen sind nicht neu und vielen auch bewusst. Ich hoffe, dass durch eine möglichst weite Verbreitung nicht zuletzt auch einige der 83 % der AFD-WählerInnen erreicht werden, die sich als Nicht-Rassisten bezeichnen. Vielleicht wird ihnen klar, gegen wen sie ihre Wut richten müssten, nämlich gegen eine Regierung, die durch ihre Versäumnisse soziale Verunsicherung und Angst vor privatem wirtschaftlichen Abstieg in unteren und mittleren sozialen Schichten in starkem Maße mit verursachte.

    Grund für den Hass gegen Flüchtlinge ist nicht der Umstand allein, dass Menschen zu uns kommen, die einer anderen Kultur angehören, möglicherweise Muslime sind und kein Deutsch sprechen. Der Hass auf Flüchtlinge hat auch ganz reale andere Ursachen: Es speist sich auch aus einer Politik der letzten 20 Jahre, die dazu führte, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiterauseinander geht. Große Teile der Bevölkerung spüren die Benachteiligung gegenüber Besserverdienenden und fühlen sich auch von der Politik im Stich gelassen. Sie fühlen sich wie Menschen zweiter Klassse. Diese Enttäuschung über eine Politik, die sie weitgehend aus dem Blick verloren hat und sie an dem sog. Wirtschaftsaufschwung nicht teihaben lässt, schlägt sich in der immer geringeren Wahlbeteiligung nieder und vor allen in der Wut auf Flüchtlinge. Die Aufnahme der Flüchtlinge führt natürlich zu neuen finanziellen Belastungen für den Staat und verstärkt damit die soziale Verunsicherung in der Bevölkerung.
    Es drängt sich in diesem zusammenhang die Frage auf, ob Finanzminister Schäuble bewusst den Fremdenhass schürt, indem er das Ziel der schwarzen Null für höher bewertet und damit Kürzungen im Etat als den sozialen Frieden in Deutschland? Er bezieht sich in seiner Argumentation auch auf den Koalitionsvertrag, in dem die schwarze Null festgeschrieben wurde. Zu dieser Zeit wurde das Flüchtlingsthema in Deutschland noch ausgeblendet. Heute ist das nicht mehr möglich: Die Flüchtlinge sind angekommen und weitere Migranten stehen vor der Tür”, auch wenn sie weitgehend ausgesperrt wurden. Schäuble wehrt sich auch dagegen, die erheblichen Steuermehreinnahmen für Sozialausgaben auszugeben, die ein breiterer Kreis Bedürftiger erreichen könnte.
    Das Flüchtlingsthema verdeutlicht Probleme, die bisher immer schon vorhanden waren: die politische Vernachlässigung der mittleren und sozial schwachen Bevölkerungsschichten.
    Wie bekant ist, sind imm Zeitraum von 2000 bis 2009 die Reallöhne nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar um 4,5 % gesunken. Deutschland war damit das traurige Schlusslicht in der Reallohnentwicklung aller OECD-Länder. In dieser Zeit wurde auch die Grundlage für die hohen Exportüberschüsse Deutschlands gelegt, auf welche die deutsche Regierung sowie natürlich die die exportorientierte Wirtschaft so stolz ist. Gleichzeitig liegt darin eine der Ursachen für die Handelsbilanzungleichgewichte innerhalb der Eurozone, die zur Instabilität des Euro-Währungsgefüges beiträgt.
    Statt dessen gab es viele Steuergeschenke an Gutverdienende.
    Addiert man die zahlreichen Steuervergünstigungen für Spitzenverdiener, Reiche und Kapital,
    mehrfache Senkung des Spitzensteuersatzes,
    die mehrfache Senkung der Kapitalsteuer,
    Vergünstigungen bei der Erbschaftssteuer,
    Wegfall der Vermögenssteuer (bereits 1998 unter der Kohlregierung),
    dann kommt man auf gut 50 Milliarden Euro pro Jahr, die dem Fiskus bei den Kapital- und Gewinnsteuern verloren gehen. (vergl. Wirtschaftsinfo 44, “Bilanz 2010”, S. 39)

    Nicht berücksichtigt ist bei den Steuerausfällen das gigantische Ausmaß der Steuerhinterziehung, des Steuerbetrugs und der Steuerflucht. Jens Becker, Direktor am Max-Planck-Institut für Wirtschaftsforschung und Christoph Deutschmann, Prof. für Soziologie an der Universität Freiburg, wiesen schon 2011 in einem Zeitungsartikel “Es gibt zu viel Vermögen” (Handelsblatt 15.12.2011) darauf hin, dass der Trend zur Staatsverschuldung darauf zurückgeht, “dass die staatliche Steuerbasis systematisch untergraben wurde.” 2003 schätzte Dieter Ondracek, der damalige Vorsitzende der deutschen Steuergewerkschaft, den Umfang der Steuerhinterziehung in Deutschland auf 60-70 Milliarden Euro.

    Laut dem ZDF Politikbarometer von Ende Februar 2016 sagen 83 % der AFD-WählerInnen, dass sich ihre Partei nicht genug von den rassistischen Tendenzen in der Partei abgrenzt. Ein hoher Prozentsatz ist vermutlich wirklich nicht rassistisch, aber diese Menschen spüren Wut und vor allem Angst, noch stärker die finanziellen Lasten tragen zu müssen, die unter anderem durch die Aufnahme der Flüchtlinge auf uns zukommen. Wen wundert diese Angst, die auf auf den politischen Erfahrungen der letzten Jahre basiert, in denen die Reichen steuerlich entlastet und sie ihre Einkommen extrem steigern konnten, während der sog. wirtschaftliche Aufschwung bei den Ärmsten nicht ankam? Jüngste Studien des DIW in Berlin sowie der Kreditanstalt für Wiederaufbau belegen diesen Befund.
    Gabriel plädiert für mehr soziale Leistungen für die ärmeren Schichten – manche mögen sich vielleich zu Recht über seine plötzliche Solidarität mit den sozial Schwachen wundern und populistische Motive vermuten –, aber Maßnahmen in diesem Bereich würden den zunehmenden Ressentiments gegen Flüchtlinge entgegenwirken können.
    Seit Jahren wird immer wieder gefordert, mehr Geld zu investieren, in
    Bildungspolitik, um die Chancengleichheit vor allem für Kinder aus “bildungsfernen” sozialen Schichten zu erhöhen,
    Sozialpolitik, um Randgruppen besser zu integrieren,
    Gesundheitspolitik, um dem sich entwickelnde “Zweiklassenrecht”, in dem privat Versicherte privilegiert werden, entgegen zu steuern,
    Förderung des sozialen Wohnungsbaus,
    Investitionen, um Arbeitspätze gerade auch für die seit Jahre unverändert hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen zu schaffen und
    Bekämpfung der drohenden Altersarmut breiter Schichten, wie nun endlich thematisiert wird.

    Woher könnte also das Geld kommen, das für die sozialen Maßnahmen nötig wäre?
    Durch stärkere Belastund der Vermögenden und des Kapitals!
    Würde z. B. das oberste 1 % der Vermögenden mit einem privaten Gesamtvermögen von insgesamt 4,5, Billionen Euro mit nur 5 % Steuer zusätzlich belastet, würde der Staat 80-100 Millionen im Jahr mehr einnehmen.
    Es könnte ein gigantisches Förderprogramm aufgestellt werden, ohne die Bevölkerung zu belasten.

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