Lifestyle, Seelen Schokolade

150 Liter Bio Apfelsaft…oder „selbst ist die Frau“ :-)

Als sich letzte Woche im Garten die ersten Rehe zum Snack unter den Apfelbäumen einfanden, und genüsslich das überreife Fallobst verspeisten, fiel mir siedendheiss ein, es ist allerhöchste Zeit einen Termin in der Apfelkelterei zu vereinbaren.

Selbstgekelterter Apfelsaft aus Äpfeln, die so „Bio“ sind, dass sie einzig Sonne, Wind und Regen, etwas Vogeldreck und ein paar Würmer zum Gedeihen erhalten haben, ist sehr begehrt und super lecker. Da ich diese Arbeit allein nicht bewältigen kann, einige Zentner wollen dabei bewegt werden, ist die Ernte meist eine Gemeinschaftsaktion. Unterstützung bei der Ernte und Hilfe in der Kelterei, gegen einen Anteil am Saft.

Diesmal ging so ziemlich alles schief , was nur schief gehen kann. Der Termin in der Kelterei stand unverrückbar, es waren jedoch längst noch nicht alle Äpfel geerntet. Dazu regnete es in Strömen und aus den unterschiedlichsten Gründen fielen die seit Mai fest eingeplanten Ernte Helfer in letzter Minute aus.  Letzteres ist übrigens nicht wirklich neu, nur Platzregen und Zeitdruck gaben der diesjährigen Aktion noch einen besonderen Kick in Sachen Stress :-).

Mag das Dorfleben auch in mancher Hinsicht Nachteile mit sich bringen, in Sachen Nachbarschaftshilfe ist es unerreicht. Ein paar Telefonate und binnen einer Stunde waren die Bäume geleert, das Fallobst aufgelesen und das Auto bis zum Anschlag mit Äpfeln vollgestopft. So erreichte ich tropfnass aber pünktlich den begehrten Termin in der kleinen Kelterei eines Obst- und Gartenbau Vereins, dessen Mitglieder jeden Herbst Equipment und know-how der Saftgewinnung zur Verfügung stellen und begann damit, die kostbare Fracht umzuladen.

Im Inneren einer echten Kelterei sieht es nicht ganz so pittoresk aus, wie in den netten Werbefilmchen grosser Getränkehersteller. Es ist schrecklich laut und hektisch. Die Pressmaschinen machen einen Heidenlärm, alles ist gekachelt, sterile Fliesen, blinkende Metallarmaturen, und es klebt. Überall 🙂

Dafür sind die Mitarbeiter um so herzlicher.  Nachdem man kurz belustigt meine Versuche verfolgte, 5 Zentner Äpfel in unverschlossenen Säcken über den Hof zu balancieren und bereits die erste Ladung davon auf dem Boden lag, gab es Starthilfe in Form einer Transportkarre,  einer Tasse Kaffee und den segensreichen Worten : Lass Dir Zeit ….

Ab dann lief alles wie am Schnürchen:

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Das Obst wird gewogen und in einen Metallbehälter gekippt, dort gewaschen und im nächsten Arbeitsschritt zerkleinert.
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Die Äpfel werden dann gepresst und die festen Bestandteile über ein Laufband abtransportiert. Diese Reste sind ein begehrtes Futtermittel, das Bauern und Jäger gerne für ihre Tiere nutzen und neben der Kelterei warten bereits aufgereiht die Traktoren, zur Abholung.
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Im letzten Arbeitsschritt wird der Apfelsaft kurz erhitzt um eventuelle  Keime, Pilze und andere unerwünschte Organismen abzutöten und dann läuft das leckere Endprodukt bereits warm und duftend aus dem Abfüllrohr in die bereit gestellten Pappcontainer, deren ausgeklügeltes Innenleben ein kleines Zapfsystem beinhaltet. Ab jetzt kann also in der Küche wieder jederzeit frischer Apfelsaft gezapft werden. 🙂12111938_1510795009234475_6426947033131161644_n

Die erste Kostprobe, als kleiner Umtrunk zum Abschluss genehmigt, war vielversprechend.
Längst hatte ich vergessen, dass ich mir zwei Stunden vorher noch geschworen hatte, nächstes Jahr lieber die gesamte Ernte am Boden verrotten zu lassen, als wieder einmal Landfrau im Alleingang zu spielen.
Auf der Heimfahrt duftete es im Wagen betörend nach frischem, süssem Apfelsaft, satte 150 Liter , die Scheiben waren von der ausströmenden Wärme der Container beschlagen und ich steuerte vergnügt die ersten Abnahmestellen an…denn auch wenn nicht jeder Zeit oder die Möglichkeit hat, bei der jährlichen Saftaktion mitzuwirken, …getrunken wird der fertige Saft überall sehr gern :-).

PS:
Wer selbst nicht über Apfelbäume verfügt aber gerne eigenen Saft pressen würde, Kleinanzeige im örtlichen Anzeigenblatt, Unterstützung beim Ernten und Pressen gegen Saftanteil 🙂

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