Aufreger, Tierschutz

Käsefresser, Hundestreichler und Kampfveganer…Tierschützer unter sich

Die erfolgreichste Partei,  die sich uneingeschränkt für Tierschutz und Tierrechte einsetzt, dümpelt weiterhin bei ca 1 Prozent der Wählerstimmen vor sich hin. Ein ziemlich dürftiges Ergebnis, wenn man bedenkt, wie viele Menschen allein in der Tierschutz Szene aktiv sind und welches gewaltige Wählerpotential da draußen schlummert, würde man es nur schaffen, alle ins Boot zu holen.

Dieses Vorhaben gestaltet sich schwierig, denn Tierschützer untereinander können selten miteinander.

Nach wie vor sind diese damit beschäftigt, sich zu definieren, … festzulegen, wer sich überhaupt für eine Verbesserung  stark machen darf, wo die politische Mitte nach links und rechts endet und wer mit wem Bündnisse eingehen darf…oder auch nicht.

Darüber hinaus finden täglich auf irgendeiner Plattform öffentlich ausgetragene Schlammschlachten statt, deren Hintergründe für Nichteingeweihte meist schwer nachvollziehbar sind, die jedoch abschreckend und abstoßend wirken, für alle potentiellen Sympathisanten und Neueinsteiger.

Fast jeder Tierschutz Verein, jede Organisation wird irgendwann verleumdet, angegriffen oder scharf kritisiert, oft genug  aus den eigenen Reihen. Bekanntestes Beispiel PETA, eine Organisation, die über die Jahre unstrittig großartige Aufklärungsarbeit geleistet hat und enorm viel für Tiere erreicht, weltweit. Trotzdem findet sich regelmäßig zu jeder Publikation mindestens ein Kommentator aus der Tierschutz Szene, der sich abschätzig über diese Vereinigung äußert, sich einzig auf deren (vermeintliche ?!) Fehler bei den Kampagnen konzentriert und völlig außer acht lässt, dass er damit dem gemeinsamen Ziel schadet.

Manche Tierschützer haben eine sehr eng gefasste  Vorstellung, wie Öffentlichkeitsarbeit auszusehen hat und wer sie leisten darf.

In manchen Kreisen verleiht einzig der vegane Lebensstil die Berechtigung sich, sagen wir…für Stadttauben, rumänische Straßenhunde oder gegen Pelzindustrie, Tierversuche und Stierkampf stark zu machen.

Nicht-Veganer  oder Noch-Nicht-Veganer gelten oft als Tierschützer 2. Klasse. Dafür hat sich sogar ein eigener Jargon entwickelt. „Hundestreichler“ was auf den ersten Blick recht nett klingt,  ist die abschätzige Bezeichnung für einen Heuchler, der zwar seinen eigenen Hund streichelt aber andere Tiere mordet, und „Käsefresser“  wird  gerne für Vegetarier verwendet und dient auch nicht unbedingt der Verständigung untereinander.

Dann gibt es die widersprüchlichsten Ansichten zum Thema „Zusammenarbeit mit Konzernen und Tierindustrie“.

Darf man ein  veganes/tierversuchfreies Produkt bei einem Konzern erstehen, der auch Tierausbeutung betreibt? Darf man Verbesserungen in der Massentierhaltung fordern und fördern oder ist jede Zusammenarbeit Verrat an den Tieren? Wer Diskussionen und Zugeständnisse zu diesen Fragen prinzipiell und in jedem Fall ablehnt, übersieht dabei, dass mit dieser Haltung wichtige Signale für die breite Masse der Endverbraucher verloren gehen.

Wer Tiere liebt und achtet kommt nicht an einem veganen Lebensstil vorbei.

Aber wie viel mehr könnten wir alle erreichen, wenn wir jeden interessierten Tierfreund da abholen, wo er steht, wenn wir jeden Verein, jede Orga so arbeiten lassen würden, wie sie das für zielführend halten?

Welche enorme Macht hätten wir, wenn wir uns alle vereint für die jeweils anstehende Problematik stark machen würden ?

Wenn die Taubenretter, die Auslandstierschützer, die gewaltige Liga der Hunde-und Katzenfreunde, die Rattenliebhaber, die Tierbefreier, die Hühnerretter, die Gegner der Massentierhaltung, die Beschützer der Wale und Delfine, …wenn wir alle gemeinsam ..zum Beispiel gegen Tierversuche marschieren würden…oder gegen Stierkampf, für eine Erneuerung des erbärmlichen Tierschutzgesetzes…die Politik könnte uns nicht mehr ignorieren.

So unterschiedlich die Definitionen von Tierschutz teilweise sind, wir haben viele gemeinsame Ziele und Schnittmengen die uns verbinden, wäre es nicht an der Zeit, sich darauf zu konzentrieren?

Wir sind die einzige Stimme, die die Tiere haben, um endlich auch die breite Masse zu erreichen, denn nur dann wird es Veränderungen geben. Schritt für Schritt.

Lasst alle mitreden..und, ganz wichtig:

…auch wenn uns das unendliche Leid der Tiere oft ungeduldig und zornig werden lässt, einer freundlichen Stimme hört man bereitwilliger zu. ❤

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21 thoughts on “Käsefresser, Hundestreichler und Kampfveganer…Tierschützer unter sich”

  1. die tierschutzpartei lehne ich ab, weil sie der sekte universelles leben nahesteht. und auch sonst ist bei dem programm der tierschutzpartei nicht alles super. dann lieber grün wählen… sind zwar nicht so radikal, aber haben höheren einfluss.

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  2. Fanatismus und Rechthaberei in der Tierschutzszene halten mich seit jeher davon ab, mich in diesem Bereich vereinsmäßig zu engagieren. Lieber helfe und spende ich ungebunden, auf eigene Faust oder in einem kleinen Kreis Gleichgesinnter, bevor ich mir von selbstgerechten Organisierten von hinten in die Beine grätschen lasse.
    Aber du hast absolut recht – wieviel mehr ließe sich bewegen, wenn Tierschützer aller Couleur bereit wären, den kleinsten gemeinsamen Nenner auch gemeinsam politisch durchzusetzen!

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  3. Der Artikel bringt es auf den Punkt. Selbst in einem Kommentar wird wieder genau das betrieben, was im Artikel ausgesprochen wird. Ich finde es schade, denn ja, wie wären sehr mächtig, wenn wir an einem Strang ziehen würden.

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  4. wäre es nicht ein erster schritt, wenn jeder einzelne seinen beitrag leisten würde und sein eigenes konsumverhalten ändert? die politik wird erst reagieren, wenn alles zu spät ist!
    ist sie nicht schizophren, die beziehung der menschen zu den tieren? zu bestimmten tieren, vor allem katzen, hunde und pferde, entwickeln wir ein sehr inniges verhältnis. sie werden gehegt und gepflegt und sind die besten freunde. die so genannten “nutztiere” dagegen werden gequält und ausgebeutet. wir verdrängen erfolgreich die tatsache, dass fleisch, milch, daunen oder pelz von einem tier mit charakter und eigenen bedürfnissen stammen. die politisch verantwortlichen billigen das sinnlose leid der tiere für wirtschaftlichen profit.

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  5. Für mich ist beides unverzichtbar…der Beitrag des Einzelnen, wie auch immer dieser aussieht UND Zusammenschluss, Vernetzung und Zusammenhalt von Vielen, für die wichtigen großen Schritte, die auch politisch festgelegt sein sollten/müssen. Dankeschön für diese Gedanken !

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  6. Wow, dieser Artikel bringt es auf den Punkt! Schön, dass endlich mal so bildhaft beschrieben wurde, wie stark wir (die Tierschützer allgemein) sein KÖNNTEN, wenn wir denn zusammenstünden! Man muss auch mal eine andere Meinung oder Einstellung neben seiner eigenen stehen lassen können und sollte versuchen nicht alles persönlich zu nehmen – wenngleich das oft schwer fällt. Aber um als Gruppe eher gehört und stärker wahrgenommen zu werden, ist es wichtig an einem Strang zu ziehen und sich untereinander nicht ständig Knüppel zwischen die Beine zu werfen… Für die, die keine Stimme haben. Für die Tiere. Schritt für Schritt.

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  7. Die meisten Tierschützer und -rechtler sind nicht für Tiere da, sondern für sich selbst, sind egozentrisch und exzentrisch, weswegen sie auch nicht gesellschaftlich (im Gegensatz zu den Naturschützern) anerkannt sind. Sie leisten mehrheitlich alles nur, um sich narzisstisch selbst zu befriedigen. Diese Szene ist überwiegend ein Hort von Bekloppten, die zumeist nicht des logischen Denkens mächtig sind, von Tieren und Ethik nichts verstehen, weil sie sich dafür im Grunde auch gar nicht interessieren und deshalb beliebige Tierschützerei ganz nach der jeweiligen emotionalen Befindlichkeit und Vorliebe (ich nenne das „Lieblingstierschutz“) betreiben.
    Das beklage ich schon seit 30 Jahren und prägte den Satz: „Arme Tiere, alle habt Ihr gegen euch, sogar die meisten Tierschützer und -rechtler.“
    Das Schlimmste Übel besteht darin, dass vorgeblich gegen die unterschiedliche Wertzumessung und Intrinsität von Tieren angekämpft wird, in Wahrheit jedoch Speziesismus betrieben und gefördert wird. Wäre dem nicht so, müsste z. B. gegen Fischerei mehr gekämpft werden als für Hunde, Miezen und Affen. Thunfisch soll man nicht essen, weil Delfine zu Schaden kommen und nicht wegen der Thunfische selbst – um nur ein Beispiel zu nennen. Oder Affen sollen besondere Rechte, gar Menschenrechte erhalten, weil sie uns EMOTIONAL und stammesgeschichtlich nahe stehen, was die Forderung nach einer Ausweitung des Anthropozentrismus (der arrogantesten Form des Speziesismus) auf vier von insgesamt 1.5 Mio. Tierarten nach sich ziehen würde. Solange nicht alle Spezies ohne Ansehen der Art, des Aussehens, Verhaltens und gesellschaftlichen Images GLEICHermaßen geschützt werden, kann von ernstzunehmenden Tierschutz oder gar Tierrecht keine Rede sein!

    Und: Was sich ein Mensch unter der Nase reinsteckt, um es zu essen, ist nicht das einzige Kriterium, das bestimmt, ob dieser Mensch ein tierfreundliches Leben führt oder nicht, zumal der Veganismus DERZEIT keinem einzigen Tier das Leben rettet, sprich Produktion und Vermarktung von Tieren/Tierprodukten nicht drosselt. Solange sich die Szene weigert, gegen die wahren Ursachen (Export und Subventionen der Tierproduktion) entschlossen und geeint politisch anzukämpfen, muss die „Veganisierung“ der Gesellschaft als reiner selbstgerechter Zeitvertreib gewertet werden.

    Mehr: http://www.akt-mitweltethik.de

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  8. Danke für diesen Kommentar, Peter. Ich habe ihn mehrmals gelesen, da steht viel Kluges, was in dieser Form selten geschrieben wird aber auch einige Standpunkte , Stichwort „selbstgerechter Zeitvertreib“, die ich nicht abnicken würde. Aber der Satz „Entschlossen und geeint politisch anzukämpfen“, besonders gegen Export und Subventionen , das wäre eine wichtige Zielsetzung ! …und machbar…wenn wir endlich zusammenstehen würden !

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  9. Liebe Christina, Deinen Standpunkt verstehe ich gut, er war lange Zeit auch meiner 🙂 Trotzdem haben wir justament gestern einen Verein gegründet, weil wir damit viel mehr Möglichkeiten haben effektiv zu helfen. Gemeinsam schafft man einfach mehr…Bei Frieden für Pfoten, Hilfe für die Tiere in Kriegsgebieten arbeiten Veganer, Vegetarier, Omni-Esser , Tauben-Hunde-Katzen-Ratten-Schlangen Freunde und natürlich auch Tierrechtler zusammen und alle Überzeugungen sind fließend und in Entwicklung. Es geht…wenn die richtigen Menschen zusammen finden. Dankeschön für deine Gedanken !

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  10. Bei manchen Tierfreunden wünschte ich mir, dass sie mal ein besseres Verhältnis zu ihrer eigenen Art entwickelten und etwas mitmenschlicher agierten.

    „Wer Tiere liebt und achtet kommt nicht an einem veganen Lebensstil vorbei.“
    Den Satz würde ich nicht unterschreiben. Wir sind Allesfresser und vegan ist auch nicht der optimale Lebensstil. Ich sag nur Sojaanbau. Richtig ist aber – wenig Fleisch und wenn man Tiere tötet, dann alles zu verwerten.

    Nur weil man ein Tier tötet oder einen Baum fällt, heißt das nicht, dass man vor den Geschöpfen keine Achtung hat. Unsere Vorfahren wussten das noch…

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  11. Liebe Bettina,
    dein Artikel, und viele Kommentare hier, beschreiben gut, wie so mancher Tierschutz eher narzisstisch veranlagt ist. Sicher stimmt es auch, dass man sich daher mehr politisches Bewußtsein bei den vielen Eigenbrötlern wünscht, und weniger Nabelschau.
    Trotzdem kommt die politische Kraft nicht ohne eine sprirituelle Weiterentwicklung aus. Nur Vegan zu sein weil es das Ego streichelt, ist nicht sinnvoll, da hast Du Recht – denn es reicht nicht. Nötig ist da eher eine Art hinduistische (oder yogische) Weltanschauung, denn das Ganze wird ohne Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit und Mäßigung kaum glaubhaft oder gar umsetzbar sein. (Diese Dinge kann man bei Patanjali als „Yamas“ nachlesen, in der Yoga-Sutra, einem ca 2500 Jahre alten Text.)
    Just my two cents…
    OM SHANTI

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  12. wow…
    da erinnere ich mich wieder ganz stark an die Urindianer. Sie haben gejagt und erhalten. Geliebt und genutzt. Sie haben das ganze Tier, welches sie erlegt haben, verwertet. Und dabei auch beachtet, nicht unbedingt die stärksten und/oder jüngsten Tiere der Herde zu erlegen, sondern eher die weniger starken und auch die Älteren. Auch wenn sie Tiere getötet haben, haben sie meiner Meinung nach irgendwie die „bessere Art“ gehabt, mit der Natur zu leben als diese Massen-Tierermordung für so genannten „Genuss“ heutzutage…

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