Veröffentlicht in Aufreger

Ich bin normal…holt mich hier raus !

Seit ich mich erinnern kann, gab es immer  irgendwelche Krisen im Land.

Die Ölkrise, als die OPEC alle  Ölvorräte praktisch über Nacht künstlich verknappte und damit die gesamte industrialisierte Welt ziemlich in Panik versetzte mit leeren Autobahnen, Sonntagsfahrverbot und die bange Sorge vor einem Zusammenbruch der ölabhängigen Industrien.

Den Ost/West Konflikt, wo selbst ein paar Kilometer vor meiner Haustüre auf Flüchtlinge an der ostdeutschen Grenze scharf geschossen wurde, der Streit um die Stationierung nuklearer Mittelstreckenwaffen auf deutschem Boden, und die heftigen Straßenkämpfe als Hunderttausende  gegen den Rüstungswettlauf protestieren. Die  Angst vor einem Krieg  auf deutschem Boden war zeitweise beklemmend.

Die Finanzkrise Anfang des neuen Jahrtausends,  als die Welt  die schlimmste Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren erlebte .  Aktienkurse rauschten in den Keller, ein großes Finanzhaus nach dem anderen meldete Milliardenabschreibungen oder musste Insolvenz anmelden und fast täglich erreichten neue Hiobsbotschaften die Finanzmärkte. Jeder fürchtete den Verlust seiner Ersparnisse und nicht wenige mussten herbe finanzielle Verluste wegstecken.

Aber all das war gefühlt Kinderkram verglichen mit der derzeitigen Krise. Ich nenne sie „Bösartigkeitskrise“,  denn Bösartigkeit, oft  auch noch gepaart mit Dummheit und Fanatismus,  greift um sich wie ein Flächenbrand.

Es wäre einfacher, wenn diese Krise sich einer bestimmten Gruppe, einem bestimmten Landstrich oder Kontinent  zuordnen lassen würde,  aber sie ist omnipräsent.

Mittlerweile habe ich aufgegeben, darüber zu grübeln, ob nun Religion, Chemtrails, miserable Pädagogen, mediale Gehirnwäsche, unfähige Politiker oder Rückstände im Trinkwasser bewirkt haben, dass Moral und Gerechtigeitsempfinden flächendeckend wegbrechen wie die Gletscher in der Antarktis, mit ebenso dramatischen Folgen. 

Da es immer einfacher ist, mit dem Finger auf Andere zu zeigen, hake ich die Gewaltauswüchse gegen Mensch und Tier, den Terror und die blutrünstigen Kriegsgräuel anderer Länder mit einem Satz ab. Bleiben wir bei der Bösartigkeitskrise vor der eigenen Haustüre.

Wäre dies das Dschungelcamp und wären die derzeitigen Tagesnachrichten Prüfungen, für die man mich nominiert hat, ich hätte mich längst vor die Haustüre gestellt und aus vollem Hals gebrüllt „Ich bin normal…holt mich hier raus“.  Leider funktioniert das nur in der Sendung, wo man zur allgemeinen Belustigung Kamelhirn und Schweinesperma herunterwürgen muss. (Hat man mir jedenfalls erzählt. Ich bin abgebrüht und ziemlich ekelfrei aber mag das nicht ansehen. Manche Niveau Level sollte man schon aus eigenem Interesse einfach nicht unterschreiten 🙂  )

Ich brauche kein Dschungelcamp. Wenn ich mich gruseln oder ekeln möchte, dann sehe ich nach, was es im Newsfeed auf Facebook Neues gibt.

Heute gab es drastische Bilder von abgeschlagenen ,blutigen Köpfen (menschlichen Köpfen, wohlgemerkt),  Bilder  die an Grausamkeit und Obszönität kaum noch zu überbieten sind, …weil jemand meinte, anhand  von IS Exekutionen/Morden anschaulich darstellen zu müssen, wie es uns bald auch in Deutschland ergeht.

Es gab Beschimpfungen, Polemik und Hasstiraden so ziemlich unter jedem Artikel. Selbst ein harmloser Beitrag der das anrührende Schicksal der Katze einer irakischen Familie thematisierte, die auf der Flucht verloren ging, wurde als „Flüchtlingspropaganda“ verunglimpft. Dass es keine war, wusste ich in diesem Fall nur zu genau. Der Bericht stammte von mir :-), war gründlich recherchiert und mit Bildern und Videos belegt. Aber egal…er war positiv, also kann er nach dem Weltbild einiger selbsternannter Retter des Abendlandes nur Flüchtlingspropaganda sein…

Es gab Halbwahrheiten, gefälschte Bilder und Lügen, dass sich die Balken biegen. Besonders die dilettantisch zusammengebastelten, reißerischen Hassbilder sind derzeit sehr beliebt. Aufreger des Tages: Eine verletzte alte Dame wird als überfallene Schwedin verkauft (überfallen von Flüchtlingen, versteht sich ) , dabei dokumentiert dieses Bild einen Vorfall in Südafrika, der bereits Jahre her ist. Die Kommentare unter diesem Bild hätten den Verfassern vor ein paar Monaten noch  eine Anzeige wegen Volksverhetzung oder Rassismus eingebracht. Heute gehört derlei zum normalen Umgangston nach dem Motto… „sind wir nicht alle ein bisschen Nazi ?“

Es gab eine Aneinanderreihung von Verbrechen und Delikten, sexuelle Übergriffe, Vergewaltigungen, deren mangelhafte Aufarbeitung mich an unserem Rechtsstaat zweifeln lässt und auch am Verstand der Gesetzgeber, die harte Konsequenzen und sofortige Ausweisung in solchen Fällen schier unmöglich machen, wenn die Täter Flüchtlinge sind und Asylantrag gestellt haben. Dazu die Kommentare, die entweder das Leid der Opfer verniedlichten „Whataboutism“ oder  Lösungsvorschläge, wie man „unsere deutschen Frauen“ schützen kann…nein, so möchte ich  nicht „beschützt“ werden, nicht auf diese Weise! Ich hoffe nach wie vor, unsere Regierung wacht endlich auf und erledigt ihren Job.

Es gab tätliche Übergriffe auf Flüchtlinge, auch Frauen waren davon betroffen. Geschlagen, angepöbelt und bedroht werden diese von „aufrechten Deutschen“, die Gewalt gegen Schwächere als Gerechtigkeit verkaufen, Fremdenhass als deutsche  Tugend anpreisen und Lügenpropaganda als Nachrichten aufgemacht weitergeben.

Es gab viele hässliche Aktionen von „Otto Normalverbraucher“, der vom Leben enttäuscht oder verbittert nun endlich einen Schuldigen für seine Misere und ein Feindbild gefunden zu haben glaubt und nun nach Herzenslust polemisieren darf und Bürgerwehr spielen. Zwei Bürgerwehren haben sich angeblich versehentlich gegenseitig verprügelt. Das fand ich dann schon wieder lustig. Leider war es nur Satire.

Dazu natürlich die alltäglichen Berichte über Tierleid, Tierquälerei und Tierausbeutung, die aus irgendeinem Grund trotz aller Bemühungen zu- statt abnehmen. Mein Toleranz-Barometer in Sachen Zoophilie ( die Lust an Sex mit Tieren) bewegt sich unter dem Gefrierpunkt  und jeder Bericht zu diesem neuen Brennpunkt der Tierschutzarbeit verursacht mir Brechreiz. Stichwort  „In Dänemark boomen die Tiersex-Bordelle“.

Im Gegensatz zu Hunden oder Pferden überleben Kleintiere  diese sexuellen Perversionen oft nicht. Bleibt die grauenhafte Gewissheit, dass der Tod für sie immer noch das bessere Schicksal  ist, denn dann sind sie nicht mehr täglich dieser  bestialischen Tierquälerei ausgesetzt, wie die Tiere in den Bordellen.

Die Phantasie der Tierquäler und Tierhasser ist schier unerschöpflich. Daher  war ich nicht schockiert, nur sehr traurig als ich auch las, dass jemand vergiftetes Futter an Tierheime gespendet hat.

Beherzte Leute bemühen sich dort Tag und Nacht um ihre Schützlinge,  sind glücklich, sie vor einem elenden Tod im Strassengraben oder in der Tötungsstation bewahrt zu haben, päppeln sie liebevoll auf und bemühen sich um eine Zukunft für ihre „Notfellchen“.  In diesem Fall war die Mühe vergebens.

Es starben viele Tiere einen sehr qualvollen Tod, einige konnten zwar gerettet werden aber die zusätzlichen Tierarztkosten bedeuten den Ruin für einen kleinen Verein, der nur von Spenden lebt.  Wie krank und wie boshaft muss jemand sein, um sich so etwas auszudenken?  Er hat die Futtersäcke mit Gift präpariert,  seine „Spende“ freundlich abgegeben und sich dann daran erfreut, dass nun ein paar arme Seelen unter Schmerzen verenden.

Ich finde, am wichtigsten und am schwierigsten im Tierschutz ist es, Menschenfreund zu bleiben. Neuerdings gilt das nicht nur für den Tierschutz.

Manchmal hilft mir Humor dabei, trotz  „Bösartigkeitskrise“  gutmütig und menschenfreundlich…trotzdem „normal“ zu bleiben, wenn das mit dem Rausholen wieder einmal nicht klappt .

Deshalb zum Abschluss ein Facebook Beitrag von Hasnain Kazim,  dessen Schlagfertigkeit  mich heute zum Lächeln gebracht hat…

“ Ein Pegida-Anhänger aus Dresden schrieb mir, ich habe „gefälligst dankbar zu sein, in Deutschland aufgenommen worden zu sein“. Ich antwortete ihm, dass er als Dresdner umgekehrt mir dankbar zu sein habe, weil ich immerhin schon viel länger Bürger der Bundesrepublik Deutschland bin als er, ihn freundlich aufgenommen und als Deutschen akzeptiert und netterweise auch noch jahrelang Geld (Soli) für ihn bezahlt habe. Nun will er mich „wegen Volksverhetzung anklagen!!!!“. Sollte er das wirklich tun (ein bisschen hoffe ich es ja), werde ich natürlich darüber berichten.

P. S.: Außerdem haben die uns damals bei Aldi die ganzen Bananen weggefressen, und ich habe nichts gesagt.“

 

 

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

9 Kommentare zu „Ich bin normal…holt mich hier raus !

  1. Liebe Bettina, du hast mit diesem Beitrag den Nagel zielsicher auf den Kopf getroffen!! Ich schaue mit Absicht nur noch selten bei Facebook vorbei – um meines eigenen Seelenheiles Willen. Ich könnte ausflippen bei so viel Ignoranz und Dummheit der Menschen gegenüber ihresgleichen und – noch schlimmer für mich – aller anderen Lebewesen. Mir fällt es zunehmend schwer, ein Menschenfreund zu bleiben. Ich kann gar nicht sagen, wieviel Wut und Ohnmacht man in sich trägt, wenn man so was immer wieder lesen und hören muss. Da geht einem regelmäßig das Messer in der Tasche auf!
    Ich hätte gerade eine größere Litanei härterer Schimpfworte auf Lager die rauswollen, finde aber, dass sie auf einer GutesKarma-Seite nicht gut plaziert sind. Statt dessen sage ich es mal so: Jedem einzelnen Tierquäler und Menschenverachter wünsche ich, dass ihm exakt das gleiche Leid wiederfährt, das er anderen Lebewesen angetan hat. Wenn’s geht noch in diesem Leben…

    Gefällt 3 Personen

  2. Hat dies auf Katzenwahnsinnblog rebloggt und kommentierte:
    Basierend auf den jüngsten Geschehnissen um uns herum, muß ich einfach diesen Beitrag von Bettina von „Gutes Karma to go“ rebloggen. Sie hat den Nagel sowas von auf den Kopf getroffen und ich würde jedes einzelne Wort genau so unterschreiben! Und nicht zuletzt auch die Katzenfreunde werden diesem Artikel nur beipflichten können.
    Danke Bettina, für diese ehrlichen und klaren Worte!

    Gefällt 1 Person

  3. Dankeschön für den Kommentar, liebe Rommy. Diese Emotionen tragen wir Tierschützer wohl alle in irgendeiner Form mit uns herum. Irgendwann hat man zuviel gesehen. Ich bin , was mich angeht dann auch gar nicht mehr so sicher, ob ich nicht doch lieber auf „Auge um Auge…Zahn um Zahn“ setzen würde, wenn sich jemand an meinem Tier vergreift und in diesem Fall nicht auf Karma warten. Aber schön zu wissen, wir sind nicht allein, es gibt viele da draußen, die so denken und für die waren meine Zeilen gedacht Bis bald ❤

    Gefällt 1 Person

  4. Das Grundproblem unserer Welt ist unser egoistisches Finanzsystem, das den Privatbanken die Geldschöpfung, welche eigentlich dem Staat (sprich dem Volk) obliegt, mittels Kreditvergabe erlaubt.
    Dies führt dazu, dass wir für die Zinsen der Kredite arbeiten müssen, die natürlich auf jedes Produkt überwälzt werden. Und dies macht uns zu Sklaven des Geldes, welches eigentlich uns und dem Volkswohl dienen sollte.
    Und weiterhin führt dies dazu, dass immer mehr Geld dorthin fliesst, wo schon viel vorhanden ist. Dafür müssen 99% der Bevölkerung arbeiten, weil über 50% des Kapitals bei nur 1% der Menschheit gehortet wurde.
    Ganz nach dem Tierreichmotto: „Fressen und gefressen werden“.
    (Originalbeitrag unter: https://humanyu.wordpress.com/2016/01/28/das-grundproblem-unserer-welt/)

    PS:
    Den Facebook Beitrag von Hasnain Kazim fand ich soooo gut, dass ich ihn gleich zitieren mussteI 🙂
    (siehe: https://humanyu.wordpress.com/2016/01/28/ein-facebook-beitrag-von-hasnain-kazim-dessen-schlagfertigkeit-mich-heute-zum-laecheln-gebracht-hat/).

    Gefällt 1 Person

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