Veröffentlicht in Seelen Schokolade, Tierschutz

Eine „Gute Nacht Geschichte“ aus Syrien… A Bedtime Story from Syria

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Manchmal läuft nicht alles so, wir uns das wünschen, manchmal entpuppt sich bei allen Bemühungen „gut gemeint“  als die kleine Schwester von  (pardon), Scheiße.

Es war ein solcher Tag gewesen, als ich wie meist in den späten Abendstunden am  Rechner sass und auf Nachricht von unseren syrischen Tierschutzengeln wartete. Heute von Bishr , dessen Liebe zu Literatur und Musik unsere Gespräche über die tägliche Arbeit immer bereichert. Wir haben viel gemeinsam, und mit der Zeit  entwickelte sich aus den Diskussionen über verletzte Tiere, Medikamente und Futterstellen in Syrien auch ein persönlicher Austausch.

An diesem Abend bemerkte er schnell, dass ich nicht wie sonst mit ihm scherzte und plauderte sondern etwas verhalten die einzelnen Punkte mit ihm durchging.  Es war bereits sehr spät, ich war müde und ich wollte ihn nicht mit meinen „Luxusproblemchen “  im Tierschutz hierzulande belasten, die sich immer so lächerlich ausnehmen, gegen den Alltag in einem kriegsgebeutelten Land ohne Versorgung, ausreichend Strom und mit täglichen Risiken, die wir uns in unseren kühnsten Albträumen nicht vorstellen können.

Unvermittelt brach er ab, und meinte, „wir machen Schluss für heute, Du bist erschöpft. Aber ich werde Dir jetzt noch eine Gute Nacht  Geschichte erzählen, sie wird Dir gefallen. “ Und dann schrieb er mir diese kleine Geschichte, die mich wieder einmal so berührte, dass ich sie gerne teilen möchte.

Bishr dokumentiert freundlicherweise alle Tierschutz Aktionen für den Verein mit Bildern oder Videos. Da ich ihn gebeten hatte, eine Kastrationsaktion auch in den Räumen der Tierklinik zu fotografieren, wartete er dort auf das Eintreffen des Tierarztes.

… „Der Tierarzt war noch nicht da, also wartete ich draußen vor der Klinik und sah ein kleines Mädchen das eine Katze auf der Schulter trug. Die Katze war sorgsam in ein Wolltuch gewickelt und ließ sich ohne Gegenwehr auf diese Weise tragen.

Ich fragte, was dem Tier fehlt und sie antwortete kummervoll, dass er sich verletzt hat und sie fürchtet,  der Schwanz wäre gebrochen.  Sie meinte, sie hätte ihn aus dieser Klinik adoptiert, als er nur eine Woche alt war und mit der Flasche aufgezogen, Sein Name wäre „Bisso“.

Sie lebte in der gleichen Stadt, wo die Klinik war, aber am ganz anderen Ende. Es war bemerkenswert, wie sie es geschafft hatte, ihn auf diese Weise zu tragen, mit ihm Bus zu fahren, ohne Transportkorb. Ich nehme an, sie hatte einfach nichts zur Verfügung.

Wir warteten ewig, aber der Tierarzt erschien einfach nicht zur Sprechstunde. Die Katze wurde langsam nervös und so besorgte ich einen kleinen Karton aus einem nahe gelegenen Laden, wir setzten Bisso hinein und da er brav war, nutzte ich die Gelegenheit, ein paar Kekse aus der Bäckerei für das kleine Mädchen zu kaufen.

Jodi, so war ihr Name, war glücklich über dieses unerwartete Geschenk und über den Keksen verpassten wir, dass der Tierarzt mittlerweile angekommen war.

Ich wollte uns ankündigen, drückte ihr die Box mit der Katze in die Hand, der Pappboden gab nach und Bisso verschwand Richtung Straße.

Wir verfolgten ihn 10 Minuten, bis er endlich in ein Gebäude floh und dort  jagten wir ihn zusammen bis in das höchste Stockwerk, ehe wir ihn wieder einfangen konnten.

Jetzt erst fiel mir auf, wie arm sie sein musste. Ihre Kleidung war abgetragen und verschlissen und auch nicht angemessen für die kalte Jahreszeit. Sie würde niemals die Kosten für eine Behandlung aufbringen können.

In der Klinik war nur der Stellvertretende Tierarzt, nicht sehr geschickt im Umgang mit verängstigten Katzen und er liess Bisso erneut entwischen, der durch die gesamte Klinik rannte. Unwirsch forderte der Tierarzt Jodi auf, ihren Bisso wieder einzufangen und mitzunehmen.
Jodi
Da mischte ich mich ein und sagte, ich würde für seinen Aufenthalt und die Behandlung bezahlen, er sollte bei dieser Gelegenheit auch gleich kastriert werden.

Jodi war überglücklich, dass ihrem Bisso nun geholfen werden würde. Ich hatte zwar jetzt immer noch keine Bilder von der Kastration, wie geplant aber fotografierte dafür Jodi, der das gefiel und dann war es für uns beide Zeit, nach Hause zu gehen.

Nach fünf Tagen konnte Jodi ihren Kater wieder abholen. Der Schwanz war nicht gebrochen gewesen, es war eine Bisswunde, die jedoch dringend aufgeschnitten und versorgt werden musste. Kastriert war er nun ebenfalls.

Mittlerweile habe ich erfahren, dass Bisso wieder ganz gesund ist und Jodi ihren kleinen Kater eisern gegen die Mutter verteidigt, die das Tier gerne loswerden möchte. Aber da die Kleine bereits ein Jahr gut für ihn sorgt, denke ich, sie wird das weiter schaffen.“
Bisso

Bishr hatte bereits öfter am Rande erwähnt, dass er die Tierarztkosten für arme Leute übernimmt, die ihrem Tier gerne helfen würden , sich aber die Behandlung nicht leisten können.  Jodis und Bissos Geschichte ist nur eine von unzähligen Hilfsaktionen, die er für die Tiere in Damaskus jeden Tag ermöglicht. Einfach so…weil er es kann.

Überflüssig zu erwähnen, wie ich diesen Mann schätze und bewundere für seine Arbeit und Warmherzigkeit.
Er hatte recht behalten. Ich mochte diese Geschichte und ich habe fast den Verdacht, er hat sie mir an diesem Abend erzählt,  um mich daran zu erinnern, dass ich es ebenfalls kann und auch muss. Es gibt so unendlich viel zu tun !
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Sie sind mittlerweile alle in Sicherheit !
 A Bedtime Story from Syria
 Sometimes things don’t go as we would like, and sometimes well intended is just another way of saying fucked up (pardon my French). It had been one of those days, and as usual I found myself at the computer late at night, waiting for news from our Syrian animal rescue angels. Tonight it was the turn of Bishr, whose love of literature and music always enriches our conversations about everyday tasks. We have a lot in common, and with time our working discussions about injured animals, medicines, and feeding sites in Syria have

evolved into a more personal exchange.

This evening he soon noticed that I wasn’t joking and chatting as usual, but going through the individual points with him in a rather subdued manner. It was already very late, I was tired, and I didn’t want to burden him with our first world animal rescue problems, which always seem so ridiculous in comparison to everyday life in a war-torn country without enough food or electricity and with daily dangers beyond our wildest nightmares.

He suddenly paused and said “let’s stop for now, you’re exhausted. But I’ll tell you a bedtime story; you’ll like it. ” And then he jotted down this little story, which I found so moving that I would like to share it.

Bishr documents all of the rescue actions for our association with photos or videos. Since I had asked him to photograph a spay/neuter action at the animal hospital, he was waiting there for the veterinarian to arrive. …

…“The vet wasn’t there yet, so I was waiting outside the clinic and saw a little girl carrying a cat on her shoulder. The cat was carefully wrapped in a woolen shawl and was allowing himself to be carried this way without protest. I asked what was wrong with the cat and she answered in a worried voice that she was afraid his tail was broken. She told me she had adopted the cat from this clinic when he was just one week old and raised him with the bottle. His name was Bisso.

She lived in the same city as the clinic, but on the other end of town. I was impressed at how she had managed to carry him like this and travel by bus without a transport box. I assume there was simply none available. We waited forever, but the vet hadn’t arrived yet. The cat was getting nervous so I went to a nearby shop for a box, we put Bisso inside, and since he was being so good I took the opportunity to buy some cookies for the little girl at a bakery. Jodi—that was her name—was happy with this unexpected gift and because of the cookies we didn’t notice the vet’s arrival.

I wanted to announce our presence, handed her the box with the cat, the cardboard bottom gave way and Bisso ran out to the street. We followed him for 10 minutes until he finally fled into a building, then chased him up to the top floor before managing to capture him again. Only now did I notice how poor she must be. Her clothes were old and worn-out and inadequate for the cold weather. She would never be able to pay for the treatment.

At the clinic the vet was only an assistant, not very adept at dealing with frightened cats, and allowed Bisso to escape again and run around the clinic. The vet rudely ordered Jodi to catch Bisso and leave. At that point I intervened and said I would pay for his stay and treatment, and asked that he be neutered as well.

Jodi was thrilled to hear that her Bisso would get the help he needed. I still didn’t have any pictures of the spay/neuter action as planned, but instead I photographed Jodi, who happily participated, and then it was time for both of us to go home.

Five days later Jodi was able to pick up her cat. His tail had not been broken. He had an infected bite wound in urgent need of cleaning and treatment. He was now neutered as well. I have heard in the meantime that Bisso has completely recovered, and Jodi is valiantly defending the little cat against her mother, who would like to get rid of the creature. But since she has been caring for him for a year now, I think Jodi will stand her ground.”

Bishr has mentioned in passing that he frequently pays vet bills for poor people who would like to help their animals but cannot afford the treatment. The story of Jodi and Bisso is just one of the countless instances of assistance for animals that he makes possible in Damascus every day. Just… because he can.

It goes without saying that I admire and appreciate this man so much for the work  he does and his compassion towards people or animals in need.

He was right. I liked this story and rather suspect that he told it to me yesterday night to remind me that I can, and must, keep going. There is so very much to do!
 Jodi

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

2 Kommentare zu „Eine „Gute Nacht Geschichte“ aus Syrien… A Bedtime Story from Syria

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