Veröffentlicht in Lifestyle, Seelen Schokolade

Der Rosenkrieg…wie ich eine Woche lang zur „Unberührbaren“ wurde

Größtenteils besteht unser Garten aus Wildwiesen, altem Baumbestand und Hecken. Alles darf wachsen, wo und wie es will. Nur den Vorgarten am Haus schmücken im Sommer alte englische Teerosen und bis zu deren Blüte wird das kleine Gärtchen saisonal bepflanz und dekoriert. So auch im letzten Frühjahr, als ich die Gartensaison mit Stiefmütterchen und bunten Primeln eröffnete.  Als ich am nächsten Morgen mein Werk bewundern wollte, fand ich alle Pflänzchen aus der Erde gerissen oder die Blumenköpfe fehlten. Von energischen  Katzenpfötchen ausgebuddelte Blumenzwiebeln kannte ich bereits zur Genüge. Das Ausmass dieser Zerstörung war nicht die Handschrift unserer Katzendiva, die außerdem mit blitzsauberen Pfötchen heute morgen neben mir im Bett aufgewacht war. Ratlos sammelte ich die Pflanzen wieder ein und startete einen zweiten Anlauf in Sachen Frühlingsbepflanzung. An diesem Abend verriegelte ich trotzdem vorsichtshalber den Ausstieg der Katzenklappe und hoffte, die Pflänzchen würden trotz der groben Behandlung möglichst schnell Wurzeln schlagen.

Aber auch in dieser Nacht hatte irgendjemand seiner Zerstörungswut freien Lauf gelassen. Zerwühlte Erde, ausgerupfte Pflanzen und abgerissene Blätter lagen  kreuz und quer verstreut auf dem Kiesweg. Luna kam als Übeltäter nicht mehr in Frage. Sie hatte ein hieb- und stichfestes Alibi, begutachtete ausgiebig den neuesten Fall von Vandalismus und sah mir gelassen dabei zu, wie ich wütend die  bereits ziemlich mitgenommenen Pflanzen ein drittes Mal in die Erde stopfte.

Am Tag 4 gleiches Prozedere, diesmal hatten die Täter jedoch deutliche Spuren in der aufgewühlten Erde hinterlassen. Es waren Rehe gewesen, die meine Gartengestaltung so grob boykottierten. Eigentlich sind sie gern gesehene Gäste bei uns. Sie dösen an heißen Tagen im hohen Gras hinter dem Haus, lieben im Winter das restliche Fallobst der Apfelbäume und die Gemüsesnacks, die wir für sie in der Krippe bereit halten. Blumen hatten sie noch nie interessiert. Das war nun offensichtlich anders. Am nächsten Morgen stellte ich den Wecker auf Rehzeit und legte mich auf die Lauer. Bingo! Zielsicher steuerte die kleine Gruppe die frische Bepflanzung vor dem Haus an. Eines der Tiere war  noch ein Kitz und hatte sichtlich Vergnügen daran, die frischen Setzlinge aus der Erde zu zupfen, ein wenig damit zu spielen und dann genüsslich die Blüten anzuknabbern. Die Rehmutter sah wohlwollend dabei zu. Hier wurde offensichtlich gerade eine neue Generation Garten Vandalen erzogen…jetzt war guter Rat teuer.

Da ich keine Lust auf Hasen- oder Stacheldraht vor der Eingangstüre hatte, versuchte ich es mit lärmenden Windspielen, dann mit blinkenden Kugeln, legte Hundehaare aus, versprühte billiges Parfüm und installierte schließlich entnervt Bewegunsmelder. Die Rehe kannten Haus und Anwohner seit Jahren , nahmen daher diese Störquellen mit mildem Interesse zur Kenntnis aber bis zum Sommer war jeder Farbtupfer aus dem Vorgarten getilgt. Auf der Wiese war sattes, grünes Gras, überall wuchsen leckere Wildblumen und frische Sprösslinge. Trotzdem überlebte nichts, was ich pflanzte länger als ein paar Tage. Ich tröstete mich damit, dass wir ja nun bald die Rosen mit ihre Blütenpracht zum Freuen hätten, sie hatten bereits pralle Knospen und viele Stacheln. Stacheln waren gut…das würde den Appetit der Blumendiebe auf natürliche Weise bremsen. Dachte ich jedenfalls…

Teerosen

Als ich dann auch sämtliche Rosen zerstört vorfand, nur noch  grüne Stiele, alle Knospen und Blüten fein säuberlich abgetrennt, riss mir der Geduldsfaden. Jetzt würde die ultimative Lösung,  jetzt würde die verschmähte Chemiekeule zum Einsatz kommen. Im Großhandel für Landwirtschaftsbedarf reichte man mir ohne große Erklärungen ein kleines Fläschchen über den Tresen und versicherte, der intensive Geruch nach Menschenschweiß werde die Rehe nachhaltig abschrecken. Nach wie vor hatte ich Zweifel, ob das auch bei so entspannte Exemplaren wie unseren wirken würde. Aber wie heißt es so schön…Versuch macht kluch… 🙂

Ohne mich lange mit dem Lesen lästiger Gebrauchsanweisungen aufzuhalten, verspritzte ich den bestialisch riechenden Inhalt großzügig über die Einfriedung des Gärtchens, über die Ziersteine, die Rosenstöcke, die Eingangstreppe und schließlich versehentlich auch über mein Handgelenk.  Die Tropfen brannten ein wenig, schnell wischte ich mit der Hand die klebrige Flüssigkeit weg, verteilte die Brühe so nur noch großflächiger auf der Haut  und beeilte mich,  die Hände gründlich mit Seife abzuschrubben. Ich stank erbärmlich. Genau genommen stank alles an mir erbärmlich. Die Haare, die Kleidung, die Schuhe…und ganz besonders meine Hände, die mittlerweile vom Schrubben mit allem, was mir an Reinigungsmitteln zur Verfügung stand,  aufgeschwollen waren.

Nachdem klar war, dass Waschen gegen den schier unerträglichen Geruch nach altem Schweiß nichts ausrichtet , entsorgte ich Kleidung und Schuhe in der Mülltonne, warf nun doch einen Blick auf die Gebrauchsanleitung des Abhaltemittels und wurde blass. …Buttersäure…unbedingt Schutzkleidung, Schutzhandschuhe tragen, …nicht in Kontakt mit der Haut bringen…Geruch bleibt lange anhaftend…. an dieser Stelle hörte ich auf zu lesen und flüchtete unter die Dusche.

Da blieb ich eine halbe Stunde, wechselte zwischen Haarshampoo (mit Kokosduft), Haarspülung (mit Kokosduft),  Bodypeeling (mit Mangoaroma), Duschgel ( mit Pfefferminze) und Duftseife, viel Duftseife. Als ich krebsrot aus der Dusche stieg,  roch es im ganzen Badezimmer…nach altem Schweiß. Panisch öffnete ich alle Fenster im Haus, denn mittlerweile war diese Duftnote überall, wo ich einen Fuß hingesetzt hatte und ich richtete mir im Gästezimmer ein Quarantänequartier ein.

Die nächsten Tage waren ein Albtraum. Jeder mied mich. Nicht einmal meine Katze mochte bei mir liegen. Kontakt mit Kunden ging gar nicht und Einkaufen wurde zum Spießrutenlaufen. Jeder kennt das unangenehme Gefühl, wenn man hinter jemandem in einer Warteschlange ist, der offensichtlich auf Kriegsfuß mit Körperhygiene steht. Nun war ich diejenige, die auf zehn Meilen gegen den Wind nach Körperausdünstungen roch, ganz gleich, wie viele  Duftwässerchen, Desinfektionsmittel, Peelings und Parfums ich einsetzte. So mussten sich in Indien die Unberührbaren fühlen, denen jeder gesellschaftliche Kontakt verwehr war.

Der Geruch war unglaublich hartnäckig. Selbst die Erde im Vorgarten musste abgetragen werden, denn der widerliche Gestank hatte nicht nur die Rehe vertrieben (immerhin ! ) sondern irritierte jeden Besucher, der sich dem Haus näherte. Den Rosenkrieg hatte ich zwar eindeutig gewonnen aber um welchen Preis.

Als ich endlich keine wandelnde Stinkbome mehr war, als ich mich damit abgefunden hatte, lieber wohlriechend und ohne Rosen als in einer ekligen Geruchswolke mit Blumenpracht zu leben,  gab mir ein Gärtner den Tipp, dass Rehe Hortensienblüten verschmähen würden. Das kann ich bestätigen. Mittlerweile sind prächtige weiße und blaue Hortensien meine liebsten (und einzigen 🙂 ) Blumen im Garten. Nach wie vor kommen die Rehe gern auf einen Besuch vorbei und und wer weiß, wenn das Rehkitz erwachsen und etwas verständiger geworden ist, könnte man ja noch einmal einen Versuch in Sachen Rosen wagen…

 

Unsere "Hausrehe" <3

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

5 Kommentare zu „Der Rosenkrieg…wie ich eine Woche lang zur „Unberührbaren“ wurde

  1. Tja, wer lesen kann… 😀

    Ich bin ja nicht schadenfroh, aber diese Lektion gönne ich dir von Herzen. Nicht jedem ist es vergönnt so eine Erfahrung zu machen, vor allem nicht denen, welche Bedienungsanleitungen vorher lesen. 😉

    Gefällt mir

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