Aufreger, Seelen Schokolade

Das traurige Märchen von der verteufelten Pflanze

In einem fernen Land, wo die Menschen alles glaubten, was ihnen Lobbyisten und Marktschreier erzählten, wuchs einst eine magische Pflanze. Diese Pflanze verfügte über Heilkräfte, schier unerschöpfliche Nutzungsmöglichkeiten und ihr Genuss schenkte den Menschen Entspannung.

Ihre Vielseitigkeit war so beeindruckend, dass die mächtigen Kaufleute des Reiches fürchteten, ihre eigenen Waren in Konkurrenz mit diesem günstigen Rohstoff nicht mehr vermarkten zu können, zumal es kein Patent für diese Pflanze gab und sie jedermann zur Verfügung stand.

Zusammen mit den  verknöcherten Moralaposteln des Rates, die dem einfachen Volk keinen verantwortungsbewussten Umgang mit der Pflanze zutrauten und den Apothekern,  die lieber ihre eigenen Drogen verkaufen wollten, beschwerten sie sich beim König, flüsterten ihm allerlei Lügen ein und der Anbau und Besitz der magischen Pflanze wurde schließlich verboten und streng bestraft.

Alle Güter, die aus ihr hergestellt worden waren, weil sie schnell wuchs und kostengünstig zu kultivieren war, wurden nun aus anderen Rohstoffen gefertigt, zum Beispiel das Papier, was für die Wälder des Reiches sehr schlimme Folgen hatte.

Die Kranken, die mit den Blüten der Pflanze  ihre Schmerzen gelindert hatten, wurden nun bestraft und eingesperrt, wenn sie trotzdem heimlich versuchten, ihr Leid damit zu erleichtern.

Die weisen Männer des Reiches durften nicht mehr daran forschen, bei welchen Krankheiten die Pflanze heilsame Wirkung zeigt, obwohl sie unglaubliche Erfolge bei vielen Krankheitsbildern bewiesen hatte und unendlich segensreiches Potential in ihren Blättern und Blüten steckte, Potential, das die Wissenschaft der Heilung revolutionieren könnte.

Um die Untertanen zu blenden, ließ man verbreiten, dass diese Pflanze eine gefährliche Einstiegsdroge wäre, und sehr schädlich. Jeder Untertan, der damit ertappt wurde, kam ins Gefängnis oder wurde an den Pranger gestellt. Dafür war der König sehr nachsichtig wenn es um andere Drogen ging, wie Braugetränke oder Tabakblätter, um seine Untertanen ruhig zu stellen.

Bald gab es einen zwielichtigen Schwarzmarkt. Allerlei übles Gesindel mischte giftige Substanzen unter die reinen Blüten der Pflanze, um den Ertrag zu strecken. Nun war es wirklich gefährlich, von der Pflanze zu probieren, besonders für die Kinder des Königreiches, die neugierig wie alle Jungspunde, den Genuss des Verbotenen erleben wollten. Ihnen verkaufte das Gesindel nicht nur die verderblich gepanschten Blütenextrakte der Pflanze sondern weit schädlichere und gefährlichere Substanzen aus den Hexenküchen der Unterwelt.

Obwohl die Blüten der Pflanze noch nie jemanden getötet hatten, das gar nicht vermochten, kam es doch immer wieder zu traurigen Zwischenfällen, weil durch den florierenden Schwarzmarkt auch unheilvolles Gebräu und Pillen in Umlauf kamen und Menschen starben.

Manche Untertanen wollten sich nicht verbieten lassen, was sie seit vielen Generationen in Maßen und als kleine Freude genossen hatten, sie beschlossen daher, die magische Pflanze selbst anzubauen. Aber die Soldaten durchkämmten im Auftrag des Königs Häuser und Wohnungen, konfiszierten alle Gewächse und die unbescholtenen, braven Handwerker und Arbeiter, Künstler und Studenten des Landes mussten dafür ins Gefängnis. Es war eine sehr traurige Zeit und niemand wagte, gegen diese Ungerechtigkeiten aufzubegehren.

Eines Tages konnte die Pflanze es nicht mehr ertragen, wie sie zu Unrecht verteufelt wurde und erschien dem König im Traum, erzählte ihm, was er in seiner Verblendung nicht erkannt hatte. ….

von den unerschöpflichen und größtenteils noch unerschlossenen Möglichkeiten in der Herstellung von günstigen Verbrauchsgütern aus ihrem Rohstoff, der schnell nachwächst,

von ihren Erfolgen bei der Heilung und Linderung bei vielen Beschwerden und Schmerzen,

von ihrer Harmlosigkeit im Vergleich zu anderen berauschenden Substanzen, wie Alkohol und Nikotin, alles Substanzen die töten können, was die magische Pflanze nicht vermag, und die trotzdem überall erhältlich sind,

von den Kindern und Jugendlichen, deren Wohl viel mehr gefährdet ist, solange es einen unkontrollierbaren Schwarzmarkt gibt, wo die reinen Bestandteile der Pflanze mit giftigen Mitteln gestreckt werden und wo sie mit kriminellem Volk in Berührung kommen, das ihnen Drogen aus der Chemie Giftküche aufschwatzt,

von dem Heer unbescholtener Bürger, die durch die Willkür des Königs zu Verbrechern gestempelt werden,

von überfüllten Gefängnissen, dem Personalmangel bei den Soldaten, die viel Zeit mit der Überwachung aller Verbote rund um die Pflanze verbringen,

von ihren lukrativen Möglichkeiten als legale Steuerquelle für das Königreich.

An dieser Stelle erwachte der König aus seinem Traum und dachte belustigt…was habe ich da für wirres Zeug geträumt. Wenn die Pflanze all dies könnte, wenn von all dem nur ein Quentchen wahr wäre, dann müsste ich ja der größte Dummkopf des Reiches sein, Cannabis zu verbieten.

Und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute …ohne die Gaben, die ihnen die magische Pflanze Cannabis schenken könnte.

Märchen 3

4 thoughts on “Das traurige Märchen von der verteufelten Pflanze”

  1. Man kann sehr gut denken, wenn man ein bisschen Cannabis zu sich genommen hat – vielleicht ist dies ja der wahre Grund, warum der Genuss dieser Pflanze so sehr verteufelt wird. Weil die Großen und Mächtigen Angst vor klar und logisch denkenden Untertanen haben…

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