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Kindererziehung…eigentlich ganz einfach…oder ?

Meine durch Astrid Lindgren geprägten Vorstellungen von Erziehung und einer perfekten Kindheit  stießen nicht überall auf Beifall aber rückblickend würde ich behaupten, diese Vorstellungen trotzdem umzusetzen, einfach dem Bauchgefühl zu folgen,  war eine meiner besseren Ideen. 🙂

Kindererziehung bedeutet für viele Frauen Stress pur. Alles wird geplant und auf Schritt und Tritt kontrolliert. Die Kids werden mit Yogaübungen traktiert, ehe sie gerade sitzen können, pendeln zwischen Mutter-Kind-Turnen, Englisch für Säuglinge, Baby Schwimmen und  Selbsthilfegruppen für hochbegabte Krabbelkinder bis sie so hyperaktiv sind, dass sie später mit Ritalin wieder ruhig gestellt werden müssen.

Sobald sie in der Schule sind, werden auch die letzten kleinen Freiräume des Tages, der letzte freie Nachmittag gestrichen und Nachhilfe und Förderprogramme mit Erfolgs-Garantie gebucht. Sie sind viel zu viel mit Erwachsenen zusammen, werden zur Schule begleitet, die Zusammentreffen mit Freunden im Organizer geplant, die Kleidung ihnen handverlesen bereit gelegt, die Mahlzeiten akribisch begrenzt oder eingeteilt und selbst die Hobbies sind ihnen vorgeschrieben.

Erziehung  heißt heutzutage, …wird die extra Portion Schokolade die Figur meiner Vierjährigen ruinieren ?  Hat er schon wieder seine vorgegebene Laptop Zeit um 5 Minuten überschritten ?  Bearbeitet sie vielleicht gerade ihre (heimlichen) Musik Downloads oder noch schlimmer, liegt  vielleicht nur auf dem Bett herum und träumt, wo man sich doch so viel sinnvoller mit der Vorbereitung für den Unterricht oder zumindest einem neuen Lernspiel beschäftigen könnte? Wer ist dieses Mädchen, das neuerdings zu Besuch kommt, passt dieser Umgang intellektuell zu meinem Kind ?

Schließlich darf nichts schief gehen. Was, wenn das einzige Kind in der Schule versagt, unsportlich ist, zu dick, zu dünn, zu klein oder zu groß ?  Was, wenn es in der Pubertät an falsche Freunde gerät, kein Abi schaft und Komasaufen oder Dealen zu seinem Hobby macht?  Was, wenn die Tochter ungewollt schwanger wird, das Auto schrottet oder der Sohnemann sein Taschengeld auf  Pornoportalen anlegt?

Vertrauen ist gut, Kontrolle  besser, und manche Mütter sind perfekt in Überwachungsverfahren und Preventionsschlägen,  stalken und kontrollieren ihre  Kinder „aus Liebe“ umfassender als mancher Geheimdienst das könnte. Lieber einmal mehr als zu wenig fördern. Lieber einmal mehr als zu wenig verbieten, nie Risiken erlauben und so ermöglichen, dass das Kind lernt, seine Fähigkeiten einzuschätzen und mit Niederlagen umzugehen

…und wenn es dumm läuft, passiert dann bei den Kindern das Gleiche,  wie mit einer Pflanze, die überdüngt wurde und  gerade deshalb nicht erblühen kann, sondern die Blätter abwirft…sie werden lebensuntüchtig.

Kindererziehung ist kein Business Projekt, bei dem alles streng geplant und Risiken ausgeschaltet werden müssen, auch wenn das mittlerweile oft so wirkt.

Es ist Glück pur, für jede Mutter zu erleben, wie ein Menschenkind heranwächst, es ist ein Geschenk, möglichst viele der unsinnigen, zeitraubenden und wunderbaren Dinge zusammen mit ihm zu tun. Dinge , die jeweils nur in einem bestimmten Zeitfenster des Heranwachsens möglich sind. Erziehung bedeutet aber auch, dem Kind die Möglichkeit zu geben, Krisen zu bewältigen, Konflikte zu lösen, soziales Verhalten und Empathie zu erlernen …alles sehr wichtige Fähigkeiten für ein glückliches Erwachsenenleben.

All das lernt man nicht in Förderkursen und unter der Rundumüberwachung einer Helicopter Mutter sondern nur, wenn man regelmäßig auch einmal auf sich alleine gestellt sein darf, beim Spielen ohne Erwachsene, dafür mit anderen Kindern, wenn eigene Entscheidungen getroffen werden dürfen, von denen die Mutter nur zu gut weiß, dass diese hinterher bereut werden, wenn das Kind aus Fehlern lernen darf und Konsequenzen seines Handelns erfährt.

Ich behaupte, dass ein Großteil der Ge- und Verbote heute in der Kindererziehung einzig die Bedürfnisse und Ängste der Eltern wiederspiegelt. Sie haben oft wenig mit den unverzichtbaren Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltensregeln zu tun, die notwendig sind, um Kinder zu gesunden, glücklichen und sozialen Erwachsenen heranwachsen zu lassen.

Ich kann mich erinnern, dass ich manchmal unsicher war, weil mir die Anstrengungen und Erziehungsmethoden, die Planung und der Aufwand der anderen Mütter zwar nicht immer gefielen wohl aber Respekt einflößten. Wow, was die alles bedachten, regelten und weit voraus planten.

Trotzdem habe meiner Tochter nie die Strickjacke in die Schule nachgeliefert, wenn sie im Januar darauf bestand, das kurzärmelige Lieblings T-shirt zu tragen. Es gab wirklich ab und zu Himbeereis zum Frühstück, wenn uns danach war und wenn ein Verbot irgend vermieden werden konnte, dann wurde erlaubt, was das Kinderherz begehrt, Sinnvolles genauso wie (aus Erwachsenensicht)  Unsinniges. Wenn ein Lehrer mit der schulischen Leistung unzufrieden war, ging ich davon aus, dass er Recht hatte, ohne sofort den Elternbeirat auf den Plan zu rufen. Wir feierten zusammen alle großen und kleinen Erfolge aber Fehler und unliebsame Erfahrungen wurden zugelassen, gehörten ganz selbstverständlich zum Heranwachsen.

Kindererziehung ist eigentlich ganz einfach. Das Leben ist ein Abenteuer und die Welt ein aufregender und manchmal auch gefährlicher Ort. Kinder brauchen die Chance, sich auf dieses Abenteuer einlassen zu dürfen, an Erfahrungen zu wachsen, damit sie rechtzeitig lernen, sich selbst, ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse einzuschätzen….  ehe sie in den unvermeidlichen Strudel der Leistungsgesellschaft und Mediendiktatur eintauchen.

Nicht sie davor zu bewahren sondern sie dabei liebevoll zu begleiten ist die wunderbare Aufgabe jeder Mutter  ❤

Blog Pippi Langstrumpf

 

 

 

 

7 thoughts on “Kindererziehung…eigentlich ganz einfach…oder ?”

  1. Ich werde meiner Schwägerin die Lektüre deines Posts sehr ans Herz legen, sie ist nämlich ohne Zweifel eine Helicopter-Mutter allerersten Ranges. Meine Mutter prophezeit schon seit langem, dass sich das eines Tages einmal bitterlichst rächen könnte…

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  2. Sehr wahr gesprochen. Das Problem dabei ist, sich sicher zu sein, dass es richtig ist, wie man es macht. Ob so oder so
    Aber man bedenke, was man selbst so in seiner Kindheit alles erlebt hat, an Erfolgen, Niederlagen, Freude, Schmerzen, Gerechtigkeiten und Ungerechtigkeiten. Und es scheint trotzdem, oder gerade deswegen, etwas draus geworden zu sein.
    Und man bedenke: Früher, da hatten die Eltern keine Zeit für die Kinder. Sie schickten sie los mit den wichtigsten Verhaltensmaßregeln. Denlebenswichtigen. Und ließen sie ansonsten selber Erfahrungen sammeln, und allenfalls von dem lernen, was die Erwachsenen so an Erfahrungen gesammelt hatten, sprich vom Tun.

    Gefällt 2 Personen

  3. hallo… sehr wahre Worte!!! auch wenn ich keine „Mama“ bin (mal abgesehen von unseren Vierbeinern) 😉 habe ich doch als „Verwandte-Tante“ oder „Nachbars-Tante“ schon einiges mitbekommen. Manchmal – in meinem Falle ganz sicher 😉 – ist die „Sicht von außen“ aber auch notwendig.
    Es gibt da einige Erinnerungen, die ich mit dem Thema verknüpfe. Oft erzählen wir von unserer Kindheit, die natürlich aufgrund so vieler Eindrücke und Ansprüche „von außen“ mit der heutigen Zeit und den heutigen Bedingungen nicht mehr wirklich vergleichbar sind.
    Mir fallen da gerade so einige Sachen ein… und ich werde sie mal in „meine“ Tasten und Seiten „hauen“… 😉
    Auf alle Fälle habe ich nahezu die gleichen Ansichten und wünsche mir… wie Du vielleicht auch – die „gute alte Zeit“ unserer Kindheit zurück… GLG Kat

    Gefällt 1 Person

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