Veröffentlicht in Aufreger, Tierschutz

Was wäre, wenn Hühner schnurren könnten?

Manche Tiere halten wir für intelligenter und liebenswerter als andere. Elstern erkennen ihr Spiegelbild. Krähen lernen von ihren Artgenossen, Werkzeuge herzustellen. Papageien können zählen, Gegenstände nach Formen und Farben sortieren und verstehen menschliche Worte.

Hühnern trauen wir solche Leistungen nicht zu. Dabei dürfte das, was Wissenschaftler über die Intelligenz der Hühner herausgefunden haben, die meisten ziemlich überraschen. Ihre geistigen Fähigkeiten übersteigen annähernd die eines Kleinkindes und liegen damit ähnlich hoch, wie die von Hund und Katze. Sie können komplexe Probleme lösen, kommunizieren und mit bedrohten Artgenossen mitfühlen.
Hühner sind so schlau wie Säugetiere, darunter auch einige Primaten, so  lautet zumindest die Meinung des Tierverhaltensforschers Dr. Chris Evans, der Leiter des Labors für Tierverhaltensforschung an der Macquarie University in Australien ist .

Er fand heraus, dass Hühner beispielsweise imstande sind, zu verstehen, dass kürzlich versteckte Gegenstände noch vorhanden sind, was tatsächlich über die Fähigkeiten eines Kleinkindes hinausgeht. Auch in Sachen Kommunikation gab es erstaunliche Erkenntnisse. Hühner können sich unterhalten. Eine Fähigkeit, die sonst nur Primaten an den Tag legen.

Der Forscher dokumentierte, wie Hühner sich gegenseitig über Futterstellen informieren. Ihnen steht ein Repertoire von 24 Lauten zur Verfügung, die anscheinend alle bestimmte Ereignisse bezeichnen. Bei Gefahr von oben wird mit anderen Lauten gewarnt als wenn sich ein Bodenfeind nähert. Die Laute drücken also nicht nur Emotionen aus sondern die Tiere relativieren Ereignisse und reagieren mit wohlüberlegten Handlungen. Anscheinend „denken“ Hühner, bevor sie handeln. Und die Liste der  erstaunlichen Fähigkeiten der Hühner wird immer länger. Laut Giorgio Vallortigara von der Universität Trient, können Küken sogar Zahlen unterscheiden und geometrische Objekte erkennen.

„Bei Konferenzen erlaube ich mir manchmal, diese Eigenschaften aufzuführen, ohne dabei zu erwähnen, dass es sich um Hühner handelt, und die Leute denken dann, ich rede von Menschenaffen.“ (Dr. Chris Evans)

Genau wie Hunde, Katzen und Menschen verfügt jedes Huhn über eine eigene Persönlichkeit. Sie schließen Freundschaften, erkennen sich gegenseitig, lieben und beschützen ihre Kinder und haben Vorlieben. Tiefe Freundschaftsbeziehungen zu anderen Hühnern sind dabei keine Seltenheit. Manche Bindungen sind so innig, dass beim Tod der geliebten „Freundin“  das verlassene Huhn selbst ebenfalls kurze Zeit später an Trauer stirbt. Manche Hühner sind besonders vorwitzig, einige eher schüchtern, andere  mutig bis aggressiv und es gibt sogar Hühner, die auf Musik stehen und die Gesellschaft ihres Menschen  genießen, wie ein Schoßhund.

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Hühnern, in der Massenhaltungsindustrie enthält man alles vor, was an Verhalten und Bedürfnissen für sie natürlich ist. Sie werden in Hallen eingepfercht, die grauenhaft nach Ammoniak und Exkrementen stinken. Sie haben keinen Platz, sich zu bewegen  (Pro Vogel steht nicht einmal die Fläche eines normalen Blatt Papiers zur Verfügung,  0,11 Quadratmeter!). Sie erleiden Deformierungen und Knochenbrüchen, weil man sie auf so unnatürliches Wachstum gezüchtet hat, dass sie ab einem gewissen Alter ihr Eigengewicht nicht mehr tragen können. Am Ende ihres kurzen, von Schmerzen bestimmten Lebens, werden sie grob in Transportboxen gestopft, gebrochene Flügel sind dabei eher die Regel als die Ausnahme.

Hühner sind häufig noch bei vollem Bewusstsein, wenn sie kopfüber in den Aufhängungen an den Fußhalterungen befestigt sind, wenn man ihnen die Kehle aufschlitzt oder sie im Brühbad versenkt, um die Federn zu entfernen. Ihre natürliche Lebenserwartung wäre 10 bis 15 Jahre gewesen. Zur Zeit ihrer Schlachtung sind Hühner noch Babies, nicht einmal 2 Monate alt .

Eine 2011 veröffentlichte Studie zeigt auf, ausgewachsene Hennen haben die Fähigkeit zu Empathie , das heißt, sie werden durch den Gefühlszustand eines Artgenossen beeinflusst und teilen seine Emotionen. Die Tiere erleben also nicht nur den eigenen Schmerz sondern auch  das Leid ihrer Artgenossen

Wir verspeisen unzählige dieser intelligenten und von uns so unterschätzten Tiere, ohne je zu hinterfragen, wie wir sie behandeln.

Wenn Hühner liebkost werden, wenn sie sich geborgen und wohl fühlen, dann geben sie bestimmte Laute von sich, die dem Schnurren einer Katze sehr ähnlich sind. Auch Hühner können schnurren! 

Hühner sind hochintelligent, friedlich, kommunikativ, mitfühlend und sozial. Genau wie unsere geliebten Haustiere.

Trotzdem haben wir sie zum Abfallprodukt, zu billigen Konsumgütern in der Eier- und Fleischproduktion degradiert. Ein weiteres Verbrechen an unseren Mitgeschöpfen, das in seinem gigantischen Ausmaß (650 Millionen Hühner allein in diesem Jahr in Deutschland) und in seiner Grausamkeit für das einzelne Tier, kaum vorstellbar ist.

Warum eigentlich?

Falls ihr das „Schnurren“ gern einmal hören möchtet…Video ansehen 🙂

 

 

 

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

3 Kommentare zu „Was wäre, wenn Hühner schnurren könnten?

  1. Hühner sind so faszinierende Tiere. In meinem Dorf laufen seit ein paar Monaten 4 Hühner mit Hahn im ganzen Dorf herum. Sie bauen sich Kuhlen in den Grünanlagen und besuchen verschiiedene Höfe und Gärten. Es ist so schön zu sehen wie selbstbestimmt sie leben können und ich hoffe daß sie keiner einfängt und wieder einsperrt.

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  2. Es gibt einen großartigen Verein, dessen Ziel es ist, ausgediente Legehennen vor der Schlachtung zu bewahren und in ganz Deutschland an tierliebe Menschen zu vermitteln. Wer Interesse hat, dieses Vorhaben zu unterstützen, kann unter http://www.rettetdashuhn.de viele Informationen erhalten. Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt, aber die Welt verändert sich für dieses Tier.

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  3. sie essen und sehen ein stück lebensqualität, eine leckere wohltat auf dem teller. in ihrem kopf verwandelt sich ein stück totes tier in ein stück fleisch, das nicht mehr einem lebewesen ähnelt. für sie ist tiere essen völlig normal, das hat man schliesslich immer so gemacht, es ist gesund und nahrhaft. immer mehr beruhigen ihr gewissen mit bio-fleisch.

    ist ein veganer anwesend funktioniert das verdrängen nicht mehr und fleischesser fangen an, sich zu rechtfertigen. viele sind ignorant oder aggressiv, andere reagieren mit wut, abwertung, spott oder hass. nicht auf sich selbst, sondern auf die veganer, weil veganer zerstörung und tod sehen. veganer haben eine moral, die über das private hinausreicht, ihnen geht es um die grossen zusammenhänge in der welt, um umweltzerstörung, klimawandel, massentierhaltung und auch gesundheit.

    die agression der fleischesser rührt daher, dass der veganer sich moralisch über den fleischesser stellt. fleischesser wollen mit gutem gewissen ihr positives selbstbild schützen. veganer möchten, dass fleischesser sich schuldig fühlen, weil ihnen die welt, das klima und die tiere scheissegal sind. veganer aber wollen die welt retten. wer fleisch isst tötet die welt, tötet tiere und am ende sich selbst. man muss solche vorwürfe noch nicht einmal äussern, die blosse anwesenheit eines veganers reicht schon aus.

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