Veröffentlicht in Aufreger

„Der tut doch nichts“…und wenn doch?!

Hunde haben einen wichtigen Platz in meinem Leben. Ich bin mit ihnen aufgewachsen, kenne ihre Bedürfnisse, ihre Körpersprache und liebe sie heiß und innig, wie alle Tiere.  Ich fand es immer übertrieben, wenn Menschen ängstlich auf fremde Hunde reagieren. Irgendwie wähnte ich mich als „Hundeflüsterer“ immun gegen Übergriffe. Es hat ja auch viele Jahre lang mit Legionen von Hunden funktioniert. Davon wusste der Hund leider nichts, der mich ohne Vorwarnung angefallen und herzhaft ins Bein gebissen hat.

Selbst der Biss eines kleineren Hundes hat äußerst unangenehme Folgen, über die ich mir bislang nie so recht Gedanken gemacht hatte. In meinem Fall eine hässliche und ziemlich schmerzhafte Wunde am Bein, die sicher eine Narbe hinterlassen wird. Eine Wundinfektion, die Antibiose mit allen Nebenwirkungen zwingend notwendig machte. (Das fand ich am Schlimmsten, denn  ich meide normalerweise Medikamente, wie der Teufel das Weihwasser), …dazu lästige Arztbesuche und banges Forschen bis die Fragen nach Tollwutimpfung (Hund) und Tetanus Impfung (ich) zufriedenstellend beantwortet waren.

Um diesen unangenehmen Vorfall zu vermeiden, wäre es völlig ausreichend gewesen, einen Hund, der noch nie Kontakt zu Fremden hatte, und noch nicht im neuen Zuhause eingewöhnt war, einfach anzuleinen oder wegzusperren. So hat die Besitzerin  erst einmal getestet, wie der Hund auf Fremde reagiert. Immerhin weiß sie es nun.

Hätte ich mich auf mein Bauchgefühl und den gesunden Menschenverstand verlassen, wäre ich ihrer Einladung, das Grundstück zu betreten,  einfach nicht gefolgt.  Der Hund schoss aus 10 m Entfernung  auf mich zu und sein Biss war für einen mittelgroßen Hund sehr kräftig. Ich bin dankbar, dass ich keine Nachkontrolle bei einem Schäferhund übernommen hatte.

Und auf einmal sehe ich die Hunde, die freilaufend beim Spazierengehen entgegen kommen,  Hunde von Bekannten, die mich erst einmal anspringen zur Begrüßung, Hunde die bellend über dem Gartenzaun hängen, mit ganz anderen Augen.

Auf einmal wünschte ich mir, Hundebesitzer würden sich öfter ins Gedächtnis rufen, dass ihr Hund zwar vielleicht wirklich“nichts tut“, aber trotzdem  bedrohlich auf andere wirken kann. Ich wünschte mir, dass Hundebesitzer mehr Verständnis zeigen, wenn nicht jeder begeistert auf unfreiwillige Annäherungen reagiert.

Es ist zwar irgendwie beruhigend, dass 90 Prozent der Beißopfer den angreifenden Hund kennen, und meistens passieren die Angriffe nicht, weil der Hund besonders aggressiv ist  sondern weil es den Opfern einfach an Wissen über Hunde mangelt und sie sich falsch verhalten.

Aber alle Statistik und alles Wissen ist wenig hilfreich, wenn einem plötzlich mulmig wird, sobald sich ein Hund nähert. Auch wenn ich sicher bin, dieses neue Gefühl wird bald wieder nachlassen. Für kurze Zeit habe ich erfahren, wie es sich „auf der anderen Seite“ anfühlt. Wenn das Unterbewusstsein nicht „oh toll, ein Hund“ …sondern „ACHTUNG, ein Hund signalisiert, sobald sich ein Vierbeiner nähert.

Ab jetzt vollstes Verständnis für Befürworter der Leinenpflicht und auch einmal ein kritischer Blick auf manche Hundehalter, die sehr nachlässig mit ihrer Sorgfaltspflicht umgehen. Nicht jeder steht auf Tuchfühlung mit ihrem Liebling und manchmal tut er eben doch etwas 🙂

PS: Der Hund hat einen Traumplatz und die Nachkontrolle erhielt trotzdem Bestnote, obwohl ich wirklich ärgerlich über die Fahrlässigkeit der Besitzerin war. Aber  die nächste Zeit werde ich nur in Katzenhaushalten nach dem Rechten schauen 😉

angry-cat

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

10 Kommentare zu „„Der tut doch nichts“…und wenn doch?!

  1. Wahhhhh….übel!!!!
    Ich hoffe, du verlierst die Hab-acht-Haltung schnell wieder. Im Hinterkopf wirst du sie aber schon behalten.
    Wünsch dir, dass innerlich und äußerlich bald alles verheilt ist.

    Und ich bin auch für Leinenpflicht, insbesondere wenn man einen Hund nicht kennt.

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  2. Habe zwar selbst keinen Hund,aber dafür gelesen-man soll sich dem Hund nur „seitlich“ stellen.Also nicht mit dem Gesicht-das kann er nämlich als Angriff verstehen…Lg.Bettina

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  3. selbst wenn es kein beißhund ist und der mensch auch nicht angst vor hunden hat, ist es trotzdem lästig, wenn einem ein hund vor die beine läuft und womöglich auch noch an einem hochspringt. am besten mit feuchter schnauze und dreckigen pfoten. wenn ich joggen gehe ärgere ich mich über sowas besonders, weil ich da halt nicht extra abbremsen oder ausweichen will und meinen gedanken nachhängen bzw. mich auf den podcast, den ich höre, konzentrieren will.
    bei „der tut nix“ würd ich den leuten am liebsten ein „er nervt aber!!“ entgegnen.

    Gefällt 2 Personen

  4. Bin ja selber „Gassi-Geherin“ (mit den beiden Nachbarshunden) und habe dann den Hund bzw. die Hunde stets an der Leine. Wenn möglich und per Blickkontakt oder kurzem Gespräch vom anderen Gassigeher signalisiert wird, das ein „Beschnuffeln“ okay ist, dann lasse ich die Leine auch ein wenig lockerer und beobachte dann beide Tiere, also das welches ich ausführe und das andere. Bisher ist es immer gut gegangen.
    Ich liebe auch Tiere und Hunde + Katzen besonders. Mag es aber auch nicht, wenn mich die Hunde anspringen oder extrem an der Leine zerren.
    Was ich aber – genau wie du – nicht verstehe und nicht gut finde ist, wenn andere Gassigeher – man trifft halt auf viele, egal welche Uhrzeit – ihr(e) Tier(e) ohne Leine lassen. Denn dann ist jegliche „Kontrolle“ weg, jegliches Eingreifen oder Deeskalieren fast unmöglich.
    Glücklicherweise musste ich „meine“ Hunde nie vor anderen schützen und mich auch nicht.
    Naja, als kleines Kindmädchen war ich ein wenig zu neugierig auf einen Nachbarsdackel, aber schon damals war mir nach dem „Achtung!-Knabberbiss klar, dass nicht der Hund daran „schuld“ war.
    also, weiterhin gute Besserung für dich und toll, dass du trotzdem – nun ein wenig wachsamer 😉 – Tiere magst und besuchst.

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  5. Leider gibt es viele Hundehalter die sich keine Gedanken über das „Gegenüber“ machen. Das gilt auch für die Spaziergänge mit Hund wenn man auf andere Hunde trifft. Ist ein Endlosthema und manche sind Beratungsresistent. Mein Döggelchen hat 90 cm Schulter und 65 kg und ich kann sehrwohl verstehen das mancher Mensch da ein Unbehagen bekommt. Ich weiß genau das Raven nichts macht aber mein Gegenüber weiß es nicht. Wie bei so vielen anderen Themen ist Rücksicht und Umsicht nicht das was man bei Menschen heutzutage finden kann 😉

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