Aufreger, Katze, Tierschutz

Auslandstierschutz…man muss nicht verrückt sein, um sich dort zu engagieren, aber es hilft ungemein :-)

Wer bereits länger in Sachen Auslandstierschutz tätig ist, der weiß , was jetzt kommt :-).

Für alle anderen wollte ich doch gerne einmal zusammenfassen, wie viele Stolpersteine, Hindernisse und Risiken mit dieser so dringend benötigten Hilfe verbunden sind, und warum es daher um so wichtiger ist, die richtigen Partner und Verbündeten zu suchen. Tut man das nicht, endet man schneller frustriert, ausgebrannt und in rechtliche Konsequenzen verwickelt, als man sich das in den kühnsten „Ich -rette -die -Welt“ Träumen vorstellen kann.

Tierschutz ist nicht gleich Tierschutz!

Das Tierelend vor der eigenen Haustüre ist bereits groß. Geht man noch ein paar Kilometer östlich oder südlich, nimmt es monströse Ausmaße an. An den Brandherden gibt es leider auch viele „Retter“, die den Tierschutz als willkommene Geldquelle für den eigenen Bedarf nutzen, die mit dieser Aufgabe überfordert sind oder deren Landesmentalität mit den Anforderungen unseres Gesetzgebers sehr schwer vereinbar ist. Es wird an vielen Orten gelogen, gefälscht und betrogen, intrigiert und ausgespielt, dass sich die Balken biegen und viele Helfer abgeschreckt werden, die ihre hart erarbeiteten Spendengelder lieber anders eingesetzt wüssten.

Leidtragende sind wie immer die Tiere, bei denen das Geld oft nicht ankommt, die blauäugigen Helfer, denen die rechtlichen Konsequenzen ihres Tuns nicht bewusst sind, aber auch jene, die mit solchen Machenschaften nichts zu tun haben, aber mit ihnen in einen Topf geworfen werden.

Die selbstlosen, seriösen Helfer, die das eigene, letzte Hemd für ihre Schützlinge geben, die ihren Einsatz professionell und sorgsam planen, sich an alle (unsäglichen!) gesetzlichen Regelungen halten und aus jedem Cent Spendengeld das denkbar Mögliche an Hilfeleistung herausholen, sie sind, aus meiner Wahrnehmung, gottseidank in der Überzahl.

Mit den Erfahrungen lernt man schnell, bei jedem neuen Kontakt genau hinzusehen, nachzufragen, abzuklopfen…auch wenn die schrecklichen Bilder und die eindringlichen Hilferufe immer den Impuls auslösen, jetzt, gleich, sofort, helfen zu wollen…auf Dauer liegt in der Ruhe die Kraft, in beständiger, seriöser Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern, am besten solche, wo bereits jemand vor Ort war oder dafür bürgt, dass alles wirklich genau so ist, wie beschrieben und worum in deren Namen gebeten wird, wofür man dann ja auch mit dem eigenen Namen einsteht.

Vorschriften, Formulare und Risiken

Unser Gesetzgeber macht Auslandstierschutz nämlich zu einer ständigen Gratwanderung zwischen Tierschutzheld und Straftäter. Was privat in gewissen Grauzonen toleriert wird, in Sachen Geldtransfer oder Adoption, das ist für einen Verein nicht erlaubt.

Der Gesetzgeber schreibt vor an wen, gegen welchen Nachweis, eine Spende weitergeleitet werden darf. Er schreibt vor, in welche Länder Geldtransfer stattfinden darf und in welchem Umfang. Dort, wo es am dringendsten benötigt wird, ist der Transfer für einen Verein derzeit rechtlich nicht einmal möglich. Zusätzlich fordert das Finanzamt Originalquittungen aus Gebieten, wo es ums nackte Überleben geht, und Drucker und funktionierende Post nicht gerade zur Standardausstattung gehören. Es gibt strenge Auflagen zum Transport, für jede Adoption und für alle Güter, die versendet werden. Es gibt in einigen Ländern gesetzliche Vorgaben, was ein Tierarzt für seine Behandlungen oder für Kastrationen abrechnen muss. Sonderpreise sind nicht erlaubt. All das wird behördlich streng überprüft. Jeder Verstoß hat Konsequenzen, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht…die gute Absicht übrigens auch nicht…Selbst so harmlos anmutende Aktionen, wie Verlosungen oder Tombolas  dürfen online nicht stattfinden und jeder, (ganz gleich ob Verein oder von privat), der es trotzdem tut, riskiert eine empfindliche Strafe!

Während menschliche Flüchtlinge ohne jede Kontrolle einreisen dürfen, verlangt der Gesetzgeber bei den Tieren Impfungen, Chips, Tests, Titerbestimmungen, Gesundheitszeugnisse, Halternachweise und Dokumente, die ein kleines Vermögen verschlingen und einen Planungsaufwand von Monaten. Die Airlines halten kräftig die Hand auf bei allen Tiertransporten und wenn auch nur der kleinste Fehler im Ablauf stattfindet…sei es finanziell, sei es, eine Impfung war nicht „sauber“ und ein Tier schleppt Tollwut ein, sei es, jemand hat in der Planung geschlampt und weitere Kosten verursacht…dann haftet der Vorstand des unglücklichen Vereins…mit allen rechtlichen und finanziellen Konsequenzen.

Ein Verein funktioniert zwar wie eine Firma, er ist aber keine.

Jeder der dort mitwirkt, tut es freiwillig. Während alle anderen die benötigen Vorgaben unnachgiebig einfordern, kann ein Vereinsvorstand jeden der mitwirkt, nur darum bitten. Vielleicht nachvollziehbar, dass es in vielen Vereinen öfters einen Wechsel an der Spitze gibt. Viele möchten mit entscheiden und ihre Vorstellungen einbringen, aber am Ende haftet einzig der Vorstand.

Er kann dann nicht, wie alle anderen Beteiligten, einfach „hinschmeißen“, wenn etwas schief geht. Er haftet bei Zollamt, Finanzamt, Ordnungsamt und Veterinäramt für alle Gesetzesverstöße …auch und besonders bei der Bank…und alle Genannten haben wenig Verständnis für die Hintergründe jeder Unregelmäßigkeit oder wer letztlich dafür verantwortlich war. Sie halten sich unnachgiebig an die Zahlen und Fakten auf dem Papier. Aber auch von privat darf nur unter bestimmten Einschränkungen öffentlich um Spenden gebeten werden und auch hier unterschätzen viele, welche unangenehmen Folgen ein gut gemeinter Spendenaufruf oder private Verkäufe für einen guten Zweck nach sich ziehen können!

Neben der ständigen Konfrontation mit schier unerträglichem Tierleid sind es viele Fronten, die jeden Tag aufs neue bewältigt und bedacht sein wollen. Behördlich, finanziell, und auch zwischenmenschlich.

Der oft grobe Umgangston in der Szene und manche Verhaltensweisen, das Fehlen der kleinsten Basics an Umgangsformen bei einigen Kontakten, ist für mich nach wie vor gewöhnungsbedürftig.

Eigentlich muss man verrückt sein, freiwillig das enorme rechtliche und finanzielle Risiko zu tragen, alles an Zeit und Geld zu investieren, was nur irgend mobilisiert werden kann… und sich zusätzlich noch in alle Richtungen rechtfertigen zu müssen.

Denn hat man es tatsächlich geschafft, alle Grauzonen auszuschöpfen, alle Klippen zu umgehen und zu helfen…notfalls zusätzlich über private Wege und auf eigenes Risiko, …dann findet sich garantiert jemand, der die von anderen geleistete Arbeit als Trittbrett für eigene Zwecke benutzt, der öffentlich verleumdet, mangelnde Transparenz unterstellt  …jemand der es besser wusste, das anstehende Problem anders gelöst hätte oder sich einfach nur beschwert, dass zu wenig oder am falschen Platz geholfen wird , dass seine Mitarbeit/Spende zu wenig gewürdigt wurde …irgendwas ist immer….Garantiert :-).

Warum mir die Arbeit im Verein und im Auslandstierschutz trotzdem nach wie vor große Freude bereitet, liegt an drei Dingen.

Jedes Paar leuchtender Augen nach einer Rettung, die Freude über eine gelungene Adoption, der selige Gesichtsausdruck unserer vermittelten Blindis oder das sichtliche Glück der satten Streuner an den Futterstellen, lässt das Herz aufgehen und alles andere vergessen.

Alles, was gemeinsam getragen wird, das wiegt nur halb so schwer. In meinem Verein ist nicht nur ein super aktives und talentiertes sondern vor allem auch ein mega nettes Team zusammen am Wirken. Wir lernen, wir wachsen und geben uns Halt. Es sind tolle Freundschaften entstanden. Das mag banal klingen aber ist so unglaublich wichtig, wenn man auf Dauer durchhalten möchte!

Last not least, wir haben die denkbar beste Partnerorga gefunden! SCARS hilft in Griechenland nicht nur den Straßentieren, besonders den verletzten, blinden, behinderten und den Schwachen. Sie unterstützen auch Flüchtlinge, die ihre Tiere bei der Durchreise mangels Impfungen oder finanzieller Mittel nicht weiter mit auf den Weg nehmen konnten und schenken so Hoffnung und Zusammenführungen, die sonst niemals stattfinden könnten. All das passiert seriös, zuverlässig, professionell und mit viel Liebe.

Ja, es macht es trotzdem unglaublich Freude! Aber vielleicht bin ich auch einfach nur verrückt. 🙂

Am 21.12 hatte Frieden für Pfoten e.V. übrigens  den 1. Geburtstag. Der niedliche Glückwunsch vom Bild dieses Beitrages kommt von Ornello… Fay von SCARS hat ihn in Athen halbtot von der Straße aufgelesen, gesund gepflegt und er ist nun in einem wunderschönen Zuhause.

Für all seine Freunde von der Straße, die nicht so viel Glück hatten wie er, wird SCARS in Athen bald das Haus der Hoffnung eröffnen.

Es ist ein Projekt, das für Auslandstierschutz steht, wie er besser nicht sein kann. Futterstellen, Rettung, Adoption und vor allem Aufklärung und Kastration! Alles unter einem Dach, professionell und mit viel Liebe betreut.  Ein wunderschönes Projekt, das ich jedem ans Herz lege, der ein Herz für verlassene, blinde, schwache, kranke und chancenlose Vierbeiner hat …

Hier geht es zum virtuellen Haus der Chancen , das sehr bald Realität sein wird ❤

SCARS auf Facebook

Hier treffen sich alle Unterstützer von SCARS Freundeskreis SCARS auf Facebook

 

Sie alle hatten Schutzengel, wurden von SCARS gerettet und gesund gepflegt und sind mittlerweile in einem wunderschönen Zuhause.

Chance

andromeda
Andromeda

jackpot

froggie

Blinkin

4 thoughts on “Auslandstierschutz…man muss nicht verrückt sein, um sich dort zu engagieren, aber es hilft ungemein :-)”

  1. Liebe Bettina Marie,

    es ist gut, dass Du darüber berichtest wie schwierig Tierschutz abläuft und das man eigentlich immer mit einem Fuss im Gefängnis steht! Euer Engagement ist mehr als lobenswert, es ist einfach fantastische!
    Einen Link zu Eurer Seite habe ich bereits vor längerer Zeit auf meinem Blog installiert und hoffe sehr, auch so einen kleinen Beitrag zu leisten!
    Ich wünsche Euch Allen, dass Ihr weiterhin viel Kraft, Energie und Erfolg für dieses wunderbare Projekt habt!

    Lg Babsi

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  2. Danke für die Verlinkung auf deinem Blog, liebe Babsi! Es freut mich immer sehr, wenn unser Verein wieder ein Stückchen bekannter wird und wir so vielleicht neue Unterstützer gewinnen. Das ist ein wunderbarer Beitrag ❤ Ich dachte, es wäre vielleicht gut, einmal ausführlich zu erläutern, warum manche Dinge einfach nicht gehen, auch wenn wir das möchten und wie froh ich bin, wenn dann in den Krisengebieten mit viel Nachdenken und Einsatz doch Hilfe geleistet werden kann. Liebe Grüße ❤

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  3. Schön, das Du mal darüber geschrieben hast, wie schwer das ganze Thema zu bewältigen ist. Insbesondere der schroffe Umgangston untereinander macht mir oft zu schaffen. Die Bilder bewegen mich sehr! Die ärmsten der ärmsten. Ich wünsche Ihnen alles Glück und Liebe dieser Welt

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