Veröffentlicht in Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Geweint wird nicht!…Ich bin angekommen <3

Seit mehr als einem Jahr widme ich einen Großteil meiner Zeit der Arbeit für unsere griechische Partnerorga SCARS, habe engen Kontakt mit den Freiwilligen dort, weiß bereits viel über die Abläufe und täglichen Sorgen , kenne die meisten Tiere von Bildern und Videos und trotzdem war ich schrecklich aufgeregt, endlich alle und alles persönlich kennenlernen zu dürfen. Ich hatte das Gefühl, liebe Freunde zu besuchen und als ich die Ankunftshalle in Athen betrat, als Nafsika und Rena mir entgegen kamen und wir uns spontan in die Arme fielen, war eigentlich bereits klar, dass in diesem Fall alle Träume und Vorstellungen von der Realität noch übertroffen werden würden. Ich war angekommen, am Ziel meiner Reise…in jeder Hinsicht!

Was an Eindrücken die nächsten Tage über mich hereinbrach, was mir an Gastfreundschaft und Herzenswärme entgegen flutete, passt nicht in einen einzigen Blog. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte, und auch das, was ich sehen musste!

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Tierschutzarbeit in Griechenland beinhaltet all das, was wir auch bei uns zur Genüge kennen. Zusätzlich beinhaltet sie die Verwaltung des Mangels, den Umgang mit Hunger, Krankheit, Misshandlung und Tod, der Bedarf ist unendlich und die Ressourcen sind winzig. SCARS ist eine der Oasen, in denen auf wundersame Weise immer Platz für einen bedürftigen Notfall geschaffen wird, wo Hand in Hand private Unterkünfte organisiert werden, medizinische Hilfe geleistet wird, wo ganze Katzenkolonien systematisch kastriert werden und unzählige Streuner an den Futterstellen versorgt.

Das Herz dieser Orga sitzt in Alimos , einem Vorort von Athen. Dort beherbergen zwei ältere Damen, die Mutter und die Tante von Nafsika einen Teil der Schützlinge in ihrem Privathaus und ein leerstehendes Nachbargebäude dient als Kranken- und Aufnahmestation. Alle Zimmer von Katie und Marianna sind belegt, einige davon, im Nachbargebäude, ohne Wasser, Strom oder Heizmöglichkeit. Die Organisation und Pflege nimmt ihre gesamte Zeit in Anspruch und ich bin jetzt noch tief beeindruckt, wie liebevoll, organisiert, sachkundig und selbstverständlich sie diese große Herausforderung jeden Tag aufs neue meistern. Die beiden wunderbaren Ladies sind seit langem meine Idole und sie nun endlich persönlich treffen zu dürfen, war eines der großen Highlights dieser Reise für mich!

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Unterstützt von Freiwilligen, die alle täglich bei der Säuberung der Zimmer und der Versorgung mit Futter und Medikamenten helfen, gehen sie mit einem freundlichen Lächeln und ein paar lieben Worten von Zimmer zu Zimmer und schenken den Tieren, was sie nie vorher kannten, Geborgenheit und Zuneigung.

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Wie Rena, Nafsika, Fay und die anderen ehrenamtlichen Helfer die unzähligen Fahrten zum Tierarzt organisieren, denn aufgenommen werden meist nur die Härtefälle, krank, verletzt, verstümmelt, ist mir bis heute ein Rätsel. Mann muss es selbst sehen, um zu glauben, wie selbstlos und engagiert diese wunderbaren Frauen (und Männer) arbeiten. Jeden Tag!

Alles, auch im Trakt ohne Wasserversorgung, ist peinlichst sauber. Was benötigt wird, liegt bereit, obwohl die Betreuung ständig wechselt und neu organisiert werden muss, die meisten Freiwilligen sind berufstätig. Kranke Tiere kennen keinen Feierabend und die Abflugzeiten am Airport für adoptierte Tiere sind oft in den frühen Morgenstunden. Rund um die Uhr stehen Nafsika, Rena, Martha, Fay und viele andere bereit, um zu tun, was irgend getan werden muss, damit Leben gerettet und eine Zukunft geschenkt werden kann.

Trotzdem ist das Leid, das dort in jedem Zimmer wohnt, nur schwer zu ertragen. Manche Katzen sind noch zu schwach für eine benötigte OP und müssen mit ihren offenen Wunden und Verletzungen, den vereiterten Augen und absterbenden Gliedmassen ausharren, bis eine Narkose ohne Risiko möglich ist. Manche kommen so verhungert an, dass sie wie wandelnde Skelette mit verfilztem Fell vorbei huschen. Manche sind gesund und unendlich liebebedürftig und müssen trotzdem viele Monate in einem kleinen Zimmer, nur mit ihren Artgenossen verbringen, bis sich endlich jemand für sie interessiert, sich ein Adoptant findet, denn für ein Leben zurück auf der Straße sind sie zu arglos oder unerfahren. Viele von ihnen warten seit Jahren.

Den meisten Schützlingen kann trotzdem ein Happyend geschenkt werden. Irgendwann und irgendwie werden sie wieder kräftig und gesund, fassen dank der liebevollen Zuwendung wieder Vertrauen zu den Menschen und mit etwas Glück trifft ihr Bild genau in das Herz des richtigen Adoptanten.

Die Bilder und Videos dieser Happyends sind nicht nur für mich jedesmal Glück pur. In der Küche von Marianna steht ein großer Laptop, auf dem via Facebook alle schönen Neuigkeiten der Glückspilze übermittelt werden und jeden Morgen ist es das erste, was die beiden tun…nachsehen und sich freuen, wie es denen geht, die sie retten konnten, die nun umhegt und verwöhnt nachholen dürfen, was das Leben ihnen bisher vorenthalten hat und wofür es sich immer lohnt, zu kämpfen.

Und dann war da noch Iron. Es gab während meines Besuchs einige schrecklich zugerichtete Notfälle, eigentlich waren alle Tage ausgefüllt mit Fahrten zur Tierklinik, mit Hoffen und Bangen. Aber ich muss gestehen, dass ich fast nur Augen für Iron hatte und jede kostbare Minute genoss, die ich mit ihm verbringen durfte. Dieser winzige, liebenswerte kleine Kater, ein wundervolles Geschöpf, das in seinem kurzen Leben bereits so viel Leid und Schmerz erfahren musste, er hat sich tief in mein Herz eingegraben.

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Iron musste allein in seinem Krankenkäfig bleiben, denn die unterschiedlichen Bedürfnisse und Krankheiten der Tiere erlauben nicht beliebige Zusammenführungen. Die Infektionsgefahr ist zu groß. Sein bester Freund, an den er sich immer durch die Käfiggitter geschmiegt hatte, kämpfte gerade in der Tierklinik ums Überleben und es sah nicht so aus, als ob Powder  jemals wieder zurückkommen würde.

Iron sass die meiste Zeit verloren und still, bis er hörte, dass sich jemand näherte. Dann blühte er auf. Während um uns herum geputzt, geräumt, gefüttert und organisiert wurde, vergaßen wir den Rest der Welt. Iron sog jedes liebe Wort, jede Streicheleinheit förmlich in sich auf und wir tauchten ein, reisten gemeinsam an den Ort, wo es keine Schmerzen gibt, nur Wärme und Geborgenheit. Mit jeder Berührung versuchte ich ihm Kraft und positive Energie zu schenken. Kein Mitleid, keine Tränen, sondern Zuversicht und Lebenswillen. Sein Blick wurde dann strahlender, seine Haltung entspannter, er genoss die Zuwendung, genoss die Sonnenstrahlen am Fenster, wo er auf einem Kissen aufmerksam jedem Wort lauschte. Für mich waren diese Momente unglaublich kostbar. Liebe hat viele Gesichter, und meine Begegnung mit Iron war eines davon.

Ich weinte weder auf der Krankenstation noch beim Abschied. Geweint habe ich erst am Airport. Um genau zu sein, den ganzen Flug von Athen bis Frankfurt. Es war eine überwältigende Mischung aus Dankbarkeit, Abschiedschmerz, Erschöpfung und auch Kummer, denn es gibt noch so unendlich viel zu tun! Aber eigentlich war ich glücklich, denn jetzt war ich ganz sicher: ich war tatsächlich am Ziel meiner Suche angekommen. Ich habe meine Bestimmung gefunden, meine Seelenverwandte, die wunderbare Nafsika, und neue Freunde, die ich sehr bald wiedersehen werde und über die ich im nächsten Teil des Reiseberichts noch etwas mehr erzählen möchte!

Fortsetzung folgt

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

4 Kommentare zu „Geweint wird nicht!…Ich bin angekommen <3

  1. Gerade habe ich Deinen wunderschönen „Reisebericht“ gelesen und jetzt gibt es nur noch ein Gefühl in mir … Liebe Bettina, – Du bist nicht „nur angekommen.“ Du bist Deiner Lebensaufgabe begegnet, – in Gestalt eines kleinen, kranken, zerrupften und geschundenen Katers.

    Die Erinnerung an Eure gemeinsame „Sternenreise“, an das Gefühl der Verschmelzung mit diesem kleinen Zauberwesen, – das wird Dich tragen, immer dann wenn Du es brauchen wirst.
    Ich denke mal, er wird Dich niemals mehr verlassen.

    Man muss im Leben nicht alles verstehen … man sollte es einfach annehmen.

    Alles Liebe …. Barbara

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  2. Ja, Iron hat einen festen Platz in meinem Herzen, ganz gleich, wo er einmal landen wird. Da war irgendetwas, was sich nicht erklären lässt, aber trotzdem da ist ❤ Dank dir für deine Unterstützung liebe Barbara, so schön, dass auch du dich mit deinem Verein für SCARS einsetzt!

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  3. Habe auch eine Katze aus Athen adoptiert. Hat nur noch ein Ohr und ein Auge mit dem sie nicht mehr gut sieht. Hatte Autounfall und der Kiefer war auch kaputt….. Sie hat 6 Monate gekämpft und noch eine Pilzinfektion gehabt also alles nicht so ohne… Ich habe sie jetzt 2 1/2 Jahre und sie ist mein „Engel“. Niemand sonst wollte sie haben und dafür danke ich dem lieben Gott, denn sonst hätte ich sie nie kennengelernt…. Ich sage ihr jeden Tag wie sehr ich sie lieb hab und sie zeigt es mir auch.

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