Veröffentlicht in Seelenmarzipan

50 Shades of Grey…weiha!

Wahrscheinlich bin ich die einzige Frau auf diesem Planeten, die das Buch nach wenigen Kapiteln gelangweilt aus der Hand legte und erstaunt nachgoogelte, wer es wohl verzapft hat. Ja, so ungefähr hatte ich mir die Verfasserin vorgestellt und dann verschenkte ich das Exemplar großzügig an eine meiner Freundinnen, die…wie der Rest der weiblichen Welt…begeistert den Inhalt verschlang und bereits auf Teil II fieberte. Fast fand ich es schon etwas beunruhigend, dass bei mir die Bibel der erotischen Lektüre nur Belustigung hervorrief oder Irritation. Dann entdeckte ich diese wunderbare Abhandlung von Dave Barry und seither ist meine Welt wieder in Ordnung. Aber lest selbst, was er geschrieben hat. Seine Buchbesprechung ist Lesevergnügen pur und Wordporn vom Feinsten. Deshalb habe ich es hier einmal übersetzt. Enjoy!

***

…also las ich Fifty Shades of Grey. Das ist das Buch, das die Britische Schriftstellerin E.L James geschrieben hat. Es wurde ein gigantischer Bestseller, den so ziemlich jede Frau auf dieser Erde verschlungen hat. (Ausser meiner Frau…behauptet sie zumindest).

Ich dachte, ich wäre der einzige Mann, der das Buch liest, also tat ich es heimlich, versteckte das Cover, besonders wenn ich in einem Flugzeug sass…übrigens ein genialer Ort, es zu lesen, denn die Spucktüten sind immer erreichbar. Ich erwähne das, weil der Schreibstil einfach…OK, hier ist eine kleine Kostprobe des Schreibstils:

„Hast Du ihm deine Adresse gegeben?“

„Nein, aber Stalking ist eine seiner Spezialitäten, sinniere ich sachlich.“

Kates Augenbraue runzelt noch etwas mehr.

Richtig gelesen! Dies ist die Sorte Buch, wo Charaktere Dinge anstatt sie zu sagen, sie sinnieren und dabei noch in der Lage sind, sachlich zu sinnieren. Und dieses sachliche Sinnieren bewegt andere Charaktere, deren Augenbrauen natürlich bereits gerunzelt sind, sie noch etwas mehr zu runzeln. Das Buch hat über 500 Seiten und sie sind alle in diesem Stil geschrieben. Wenn Jane Austen (eine andere weibliche Britische Bestseller Autorin) wieder ins Leben zurück käme und dieses Buch lesen würde, sie würde sich umbringen.

Warum ich es dann gelesen habe? Ich habe es gelesen, als ein Mann, mit jahrzehntelanger Erfahrung auf dem Gebiet zu grübeln, was zur Hölle Frauen eigentlich denken. Ich hoffte, das Buch würde mir einige Antworten geben. Schließlich haben viele Frauen dieses Buch gelesen. Und sie haben es nicht nur gelesen sondern darauf mit erotischen Gefühlen reagiert, Gefühle die in einigen Fällen so überwältigend waren, dass sie sogar Lust auf Sex mit dem eigenen Ehemann hatten!

Ich weiss, es klingt verrückt aber ich habe die Bestätigung dieses Phänomens aus erster Hand von meinem Freund Ron, der mit der Cousine meiner Frau Sonia verheiratet ist, einer Frau. Ron behauptete: „Während Sonia das Buch las, hatte ich mehr Action als Wilt Chamberlain.“ Ein anderer Freund von mir, dessen Namen ich diskret für mich behalte, erzählte mir: „Ich lag auf dem Bett und sah Sportschau am TV, sie las neben mir das Buch und plötzlich, WOHA!“

Nun, welche Sorte Buch ist Fifty Shades of Grey? Ich würde es in Sachen Genre als Porno Buch einordnen. Aber es ist nicht die Sorte Porno, die Männer gewohnt sind. Wenn ein Mann einen Porno liest, dann möchte er nicht mit einer Menge unwichtiger Details über die Charaktere  vollgestopft werden, wer sie sind und was sie denken. Wenn ein Mann Porno liest, dann möchte er Porno:

Kapitel Eins
Bart Pronghammer spazierte in das Hotelzimmer und runzelte beim Anblick einer Frau, mit Brüsten in der Größe eines Volleyballs, die Augenbrauen.
“Lass uns Sex haben, sinnierte sie sachlich“

Ein paar Absätze später sind alle fertig und der männliche Leser, der geschätzt 90 Sekunden seiner Zeit investiert hat, kann das Buch zur Seite legen und weiter Sportschau schauen.

Offensichtlich ist es nicht das, was Frauen in Sachen Porno wollen. Wenn man nach 50 Shades of Grey urteilt, geht es nicht nur darum, was Leute miteinander tun. In vielen Kapiteln wird überhaupt nichts miteinander getan aber es wird viel darüber nachgedacht und gesprochen. Diese Gedanken stammen von der Erzählerin und Hauptfigur, Anastasia Steele, 21 Jahre, Amerikanerin und eine so planlose, egozentrische Hohlbirne, dass der Leser sich dabei ertappt, er würde gerne noch rauchen, denn dann hätte er sein Feuerzeug bei der Hand und könnte einige Kapitel in Brand setzen, besonders die, in denen Anastasia von ihrer „inneren Göttin“ erzählt. Dieses hyperaktive, imaginäre Wesen, ich stelle mir immer Tinker Bell vor, reagiert in verschiedenster Weise auf die dramatischen Entwicklungen in Anastasias Leben, wie wir in diesen Zitaten sehen:

Meine innere Göttin schwankt und krümmt sich zu einem lasziven, ursprünglichen Rhythmus…Meine winzige innere Göttin schwingt zu einem sanften, siegreichen Samba…Meine innere Göttin tanzt den Tanz der sieben Schleier…Meine innere Göttin tanzt den Merengue mit Samba Moves…Meine Innere Göttin hat aufgehört zu tanzen, starrt mit offenem Mund und sabbert leicht….Meine innere Göttin hüpft mit Chearleader Pompoms auf und ab und ruft dabei „Ja, zu mir“!…Meine innere Göttin macht Salto Rückwärts mit einer Routine, reif für die Russische Olympiamannschaft….Meine innere Göttin macht Stabhochsprung über die 4,50 m Marke. …Meine innere Göttin macht über der Couch das Siegeszeichen…

Sie lesen richtig: Ihre innere Göttin tanzt nicht nur, ist Cheerleader, macht Hochsprung, etc., sondern hat offensichtlich noch jede Menge Möbel in Anastasias Kopf gelagert. Unglücklicherweise hat das zur Folge, dass nur wenig Platz für Anastasias Gehirn bleibt, das, nach ihren Denkprozessen zu urteilen, etwa die Größe einer Walnuss besitzt. Auf der anderen Seite ist Anastasia physisch sehr attraktiv, obwohl sie sich dessen nie bewusst zu sein scheint, auch wenn ihr die anderen Charaktere immer und immer wieder versichern, wie attraktiv sie doch ist.

Als das Buch beginnt, hat Anastasia es irgendwie geschafft, vier Jahre College zu absolvieren, und in dieser Zeit keinerlei romantische Verwicklung mit irgendwem zu haben obwohl sie doch so attraktiv ist. Sie ist tatsächlich noch Jungfrau! Auch hat sie weder einen Computer noch weiss sie, wie man ihn bedient. Sie besitzt keinen E-Mail Account und hat nur eine vage Vorstellung davon, wie das Internet funktioniert. In einer Passage sagt sie, Zitat: „Heilige Kuh, ich bin auf Google“ Ja, richtig, Anastasia verwendet den Begriff „Heilige Kuh“! Wenn sie aufgebracht ist, was öfter passiert, sagt sie „Crap!“, Wenn sie wirklich aufgeregt ist, sagt sie:“Doppel Crap!“

Zusammengefasst: Anastasia ist die völlig glaubwürdige und realistische Darstellung einer normalen zwanzigjährigen, weiblichen, amerikanischen College Studentin, so wie sie sich eine mittelalterliche weibliche Britische Autorin vorstellt, die ihr ganzes Leben in einer Höhle auf einem anderen Planeten verbracht hat…

Aber egal, bald trifft Anastasia auf den männlichen Charakter, Christian Grey. Er sieht durchschnittlich aus. Haha, natürlich war das ein Scherz. Er ist der bestaussehenste Mann in der Geschichte der Männer. Damit wir diese entscheidende Tatsache nicht vergessen, erwähnt Anastasia sein gutes Aussehen mindestens einmal alle zwei Kapitel. Ihre innere Göttin nässt sich wiederholt das imaginäre Trikot ein, so heiss ist dieser Mann!

Um die Glaubwürdigkeit seines Charakters noch zu betonen, ist Christian auch noch im Alter von 27 selfmade Milliardär. Er gründete ein Unternehmen das ,ernshaft, Grey Enterprises Holdings, Inc. heißt. Dort sind tausende von Angestellten mit irgendwelchen vagen Geschäftsdingen beschäftigt und Christian gibt ihnen Anweisungen über sein Handy. Dabei steht er in diversen stylischen Settings, mit seiner abgetragenen aber stylischen Jeans, die ihm lose über den Hüften hängt und schaut unglaublich heiß aus. Christian ist auch ein erfahrener Tänzer, Klavierspieler und Segelflieger. Dazu besitzt er die Fähigkeit, Gedanken zu lesen und sich blitzschnell zu bewegen, so schnell, dass man ihn nicht einmal dabei sehen kann. Nein, sorry, das ist Edward, aus Twilight!

Jedenfalls begegnen sich Anastasia und Christian und natürlich fühlt er sich von ihr angezogen obwohl sie es mit ihrem Walnuss Gehirn nicht glauben kann, trotz der Tatsache, wie ich bereits erwähnt habe, dass sich jede verdammte Person die sie trifft, von ihr angezogen fühlt.

Christian beginnt sie zu stalken und unter Druck zu setzen, sich an, …und das soll jetzt nicht in irgendeiner Weise  verurteilend klingen, …krankem, perversem Sex zu beteiligen. Er möchte sie mit Seilen fesseln, Handschellen, Fussfesseln, Klebeband, etc. Er möchte ihr die Augen verbinden und sie knebeln. Er möchte sie schlagen, geißeln, peitschen, mit einem Stock bearbeiten, ihr Nippel und Genital Klammern anlegen, sie beißen und mit Heisswachs begießen. Wir wissen das, weil er möchte, dass sie einen Vertrag unterzeichnet, der ihm all das mit ihr erlaubt. Genau! Um fair zu sein, im Vertrag steht ausdrücklich, es wird keine Handlungen geben, die „Feuerspiele beinhalten, Urinieren oder Darmentleerung und deren Produkte“ und auch keine „Handlungen mit Kindern oder Tieren“, weil Christian die Sorte altmodischer, schmalziger Romantiker ist.

Was glauben Sie, was Anastasia tut, als sie diesen Vertrag sieht? Glauben Sie, sie besorgt sich eine einstweilige Verfügung oder eine Großpackung Pfefferspray, was die Reaktion einer normalen, geistig gesunden Frau gewesen wäre oder die eines Cockerspaniels mit durchschnittlicher Intelligenz? Nicht so unsere Anastasia! Crap, nein! Sie beschließt weiterzumachen und eine sexuelle Beziehung mit Christian einzugehen obwohl sie denkt, er ist ein launischer, seltsamer Perverser. (Aber heiss!)

In dieser Beziehung versucht Anastasia ihn zu einem normalen schmuse-küsschen-knutscher Boyfriend zu verändern, aber er möchte das nicht. Tatsächlich möchte er nicht einmal, dass sie ihn berührt, denn er hat ein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit. Was er gerne möchte, und versucht Anastasia  dahin zu bringen, dass er es tun darf, ist sie zu fesseln und mit verschiedenen Hilfsmitteln auszupeitschen, wie es der Vertrag vorsieht. Sie möchte das nicht aber trifft sich trotzdem weiter mit ihm, weil sie ihn so verdammt faszinierend findet, im Sinne von heiss!

Der Plot ist also folgendermaßen:

Sie haben Sex, sie möchte kuscheln er möchte peitschen, es gibt eine ganze Reihe Gespräche darüber, dann haben sie wieder Sex, sie möchte wieder kuscheln und er möchte wieder peitschen, es gibt eine ganze Reihe weiterer Gespräche darüber, und so geht es weiter über einige hundert wortgefüllte Seiten.

Schließlich beschließt Anastasia, dass Christian sie peitschen darf, um herauszufinden, wie es sich anfühlt. Er nimmt also einen Gürtel und versohlt ihr den Hintern. Dann, im dramatischen Höhepunkt der Geschichte, dem Moment, auf den alles hingearbeitet hat, kommt Anastasia zu einer schockierenden Einsicht, die niemand in einer Million Jahren vorausahnen konnte: Auf den Hintern gepeitscht zu werden tut weh! Ja, es ist schmerzhaft! Anastasia gefällt es nicht. Doppel crap!  Also macht sie Schluss mit ihm. Und dann…ist das Buch zu Ende. Das meine ich ganz im Ernst. Das ist der Plot.

Es gibt noch zwei Bücher dieser Serie, „Fifty Shades Darker“ und „The third Fifty Shades Book“, das noch benötigt wurde, um eine Trilogie zu erstellen. Ich vermute einmal, diese Bücher bringen die beiden Liebesvögelchen wieder zusammen und enthüllen das dunkle Geheimnis von Christian aus seiner Vergangenheit. Ich kann es Ihnen aber nicht sagen, da ich sie nicht gelesen habe, wobei ich das für die Zukunft nur vorhabe, wenn die Alternative eine Kreuzigung sein sollte…..

(frei übersetzt nach der Vorlage von D. Berry)

——————

DAAANKESCHÖN Dave Berry, für die beste und spritzigste Buchbesprechung, ever. Meine innere Göttin hat gejubelt bei so viel Witz und Esprit. Heiss ❤

Excerpted from “You Can Date Boys When You’re Forty: Dave Barry on Parenting and Other Topics He Knows Very Little About,” published by G.P. Putnam’s Sons, a member of Penguin Group (USA), on March 4.

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

7 Kommentare zu „50 Shades of Grey…weiha!

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