Aufreger

Hilfe, ich bin eine aussterbende Art :-)

Irgendwie fiel es mir in der Vergangenheit leichter, Richtig und Falsch auseinander zu halten. Wobei ich das nach wie vor ziemlich sicher, tief in meinem Innersten weiß. Es passt nur nicht mehr zum Zeitgeist. Dumm gelaufen 🙂

Als in den 80er Jahren Aids aufkam, im Schlepptau eine grauenhafte Welle der Angst vor Ansteckung, die homosexuellen Männern eine Zeit lang das Leben ziemlich schwer machte, habe ich nach wie vor von einem Teller mit ihnen gegessen und sie stolz als meine Freunde präsentiert. Gleiche Rechte und Akzeptanz sind eine Selbstverständlichkeit für mich. Alles andere finde ich ziemlich blöde. Trotzdem würde ich als Leitmodell das traditionelle Familienbild, Vater, Mutter, Kind gerne behalten. Alle anderen Varianten sehe ich als gleichwertig aber nicht unbedingt als neues Leitmotiv das überall beworben werden muss. Lebt es einfach, und gut ist 🙂

Obwohl ich mir für mich eine Abtreibung nie wirklich vorstellen konnte, war ich mit den Thesen von Alice Schwarzer als eine erbitterte Streiterin für das Recht jeder Frau auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper unterwegs als es  gesellschaftlich ein NO GO war. Frauenrechte beschäftigen mich seit Jahrzehnten. Weil ich es richtig und wichtig finde. Trotzdem habe ich Bauchweh bei der neuen Umgestaltung unserer Sprache, verweigere eisern das /INNEN an jedem Wort, denn den Kampf um Gleichberechtigung möchte ich lieber weiterhin auf anderen Ebenen austragen. Wie schön, wenn mehr Energie in die finanzielle Gleichheit der Frau investiert würde. Geld ist Macht, Schwestern! Buchstaben sind jetzt nicht so hilfreich, wenn eine ganze Generation Frauen bald mit einer Rente vegetiert, die nicht nur ungerecht sondern eine Frechheit ist, gemessen an der Leistung, die sie erbracht haben.

Ich gehe jedem an die Gurgel, der es wagt, meine syrischen Freunde oder sonstwen in irgendeiner Form aufgrund seiner Herkunft oder Religion herabzusetzen. Trotzdem halte ich die tätlichen Angriffe auf Politiker einer rechten aber legalen Partei für mehr als bedenklich, auch der Umgangston mit denen die Politiker aus deren Reihen bedacht werden ist ein NO GO für mich und ich komme mit Fremdschämen nicht mehr nach.

Ich schäme mich für ALLE diffamierenden und persönlich verletzenden Äußerungen gegen JEDEN…und dabei ist mir piep- schnurz -egal, ob sie von rechts, von links aus der Mitte oder der Kirche kommen.  Es gibt die, bei denen sowieso Hopfen und Malz verloren ist, die werden weiter diffamieren und hetzen…. aber für die anderen, wollte ich doch einmal deutlich aussprechen:

Ethik im Umgang miteinander ist nicht relativierbar.

Auch die “Guten”, für die “gute Sache”  (für die sich dummerweise jeweils jede politische Gruppierung hält),  dürfen für ihre Ziele weder verbale noch tätliche Gewalt einsetzen , sollten weder diffamieren noch sich auf das Niveau begeben, das sie selbst (zu Recht) anprangern! Ich versuche auch nach Kräften eine rechtspolitische Einstellung, (bis vor nicht all zu langer Zeit war das ein Begriff für eine Partei der politischen Mitte), von braunem Gedankengut zu trennen und klar zu differenzieren. Ersteres muss man nicht mögen, aber hat es zu akzeptieren, Letzteres ist aus gutem Grund verpönt und strafbar!

Bitte nicht missverstehen…aber brennende Asylheime, “Deutschland verrecke” Rufe , geprügelte Polizisten und Naziparolen landen bei mir alle im gleichen Topf und machen es mir immer schwerer, GUT und BÖSE auseinander zu halten. Es ist ziemlich abstoßend in der Gesamtheit.

Bin ich die einzige, die nicht nur schrecklich Bauchweh bekommt, wenn man einem Flüchtlingsmädchen das Kopftuch herunter reißt sondern auch, wenn sie einen blutüberströmten Polizisten sieht, der zum Dienst auf eine Demo  geschickt wurde?

Geht es nur mir so, dass ich finde, die Kinder von politischen Gegnern, deren Sexleben und auch ihre geistige Gesundheit (letzteres besonders, wenn es sich um reine Spekulationen handelt) sollten außen vor bleiben, wenn man ihr Handeln kritisiert?

Und dann war da noch das Recht auf die eigene Meinung. Was bin ich froh, dass ich zu gewissen Zeiten noch kein Internet zur Verfügung hatte, als ich Dinge von mir gab, die zwar heute politisch mega korrekt und gesellschaftlich Mainstream sind, mich aber damals Kopf und Kragen, vielleicht auch die berufliche Laufbahn gekostet hätten. Stichwort „Legalize“ :-).  Viel Unsinn war auch dabei, aber man darf sich ja entwickeln… Früher durfte man das jedenfalls. Wäre meine armselige Protest-Band (sorry Mädels, so toll waren wir ja nun wirklich nicht, smile) ,  jemals auf Youtube erschienen, weiha 😉 .

Dummerweise stehe ich mit diesen Gedanken meist ziemlich allein und zwischen allen Fronten. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Natürlich könnte ich auch einfach die Klappe halten.  Das hat aber schon in den 80ern nicht funktioniert und rückblickend bin ich froh darüber. Also beziehe ich weiter klar Stellung  für Toleranz, für Frauenrechte, gegen Rassismus, gegen jede Art von Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Ausbeutung. Aber auch für Meinungsfreiheit und Fairness, und fühle mich zunehmend als eine aussterbende Art, die einem neuen Zeitgeist weichen muss. Kein schöner Gedanke 😦

6 thoughts on “Hilfe, ich bin eine aussterbende Art :-)”

  1. nee, Du bist – glücklicherweise! – nicht „aussterbend“.
    Bin ja uach „noch“ da und viele andere, denen es ähnlich oder gleich wie dir geht…
    halten wir zusammen weiter Augen, Ohren offen und unsere Sinne scharf.

    Gefällt 1 Person

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