Tierschutz

Und sie haben sich nicht einmal bedankt! Über Dankbarkeit, Zeitmangel und Missverständnisse

„Und sie haben sich nicht einmal bei mir bedankt“, beendete meine Freundin ihre Erzählung über die große Spende ihrer Firma an einen Tierschutzverein, und wartete gespannt auf meine Reaktion. Ich widerstand dem Drang, sie zu fragen, warum sie nicht bei meinem Verein, Frieden für Pfoten e.V.  gespendet hatte, denn natürlich freuen sich auch die örtlichen Orgas über Unterstützung und dann versuchte ich, zu erklären, warum sich da vielleicht „nicht einmal jemand bedankt hatte“, obwohl ich sicher bin, sie waren im Verein drei Tage aus dem Häuschen vor Freude, über den unerwarteten Segen.

„Nach wie vor haben Manche eine etwas unrealistische Vorstellung über die Möglichkeiten und Abläufe in einer Orga, einem Tierschutzverein. Oft selbst die, die dort mitwirken oder Mitglied sind.

Ein Tierschutzverein besteht meist nur aus einer Handvoll Menschen, die neben ihrem Job und ihrem „normalen“ Leben, konstant zusätzlich jede freie Minute dafür arbeiten, damit es ein paar Tieren besser geht, damit zumindest ein paar Notfellchen aus dem Heer der Namenlosen eine Chance erhalten. Diese Menschen verfügen in der Regel nicht über Unmengen Geld, denn ganz gleich, wie viel sie verdienen, sie stecken jeden verfügbaren Cent unweigerlich in diese Arbeit. Neben den eigenen Barspenden auch in Telefon, Sprit, Drucker, Bürobedarf, (für Spendenquittungen), PC oder Porto. Zusätzlich schenken sie den Tieren ihre Zeit. Viel Zeit, Unmengen Zeit… und trotzdem reicht es nie.

Sobald einer dieser Menschen vielleicht doch einmal das Undenkbare wagt, ein paar Tage Urlaub, krank, …sobald sie selbst privat mit dem ein oder anderen zu kämpfen haben, sobald aus diesem kleinen Team jemand aussteigt, sobald Notfälle dazwischen kommen, die zusätzlich Zeit fressen, dann wankt dieses zerbrechliche Gefüge einer Organisation ganz schnell und Strukturen brechen weg. Dinge müssen aufgeschoben werden, sie werden übersehen, vergessen, ja, auch einmal nachlässig gehandhabt, denn hier sind Menschen am Werk, die bereits zu normalen Zeiten kaum schultern können, was zu bewältigen ist und die bei allem Wollen manchmal einfach nicht können oder nicht mehr können. Vernachlässigt werden als allerletztes die laufenden Aufgaben rund um die Versorgung der Tiere. Was aber leider sehr oft liegen bleibt oder hinten angestellt werden muss, dass sind die Nachbearbeitungen von Spenden. Die Bilder, das Feedback, das Danke.

Ich denke, jeder Spender hat ein Recht darauf zu erfahren, was mit seiner Spende passiert ist und auch auf ein freundliches Wort der Anerkennung. Es fühlt sich so wunderbar an, wenn man auf das Konto sieht und einen Spendeneingang entdeckt. Die Freude! Die Dankbarkeit! Und ich weiß aber leider auch, wie oft ich mir vornehme, schnell die Adresse des Spenders herauszusuchen, dessen E-mail, um endlich einmal persönlich zu schreiben, wie wertvoll diese Spende für uns ist und wie glücklich wir darüber sind… und irgendetwas kommt immer dazwischen!

Ich weiß von vielen genau, wie großherzig ihr Beitrag ist, dass es ihnen nicht leicht fällt, zu spenden, und doch zeigen sie immer wieder Herz für unsere Notfellchen. Die meisten von ihnen haben trotzdem noch nie Post von mir erhalten. Auch einige der großen Spender nicht. Immer liegt etwas an, das gerade dringlicher  bearbeitet werden muss…das tut mir sehr leid und ich hoffe inständig auf deren Verständnis.

Das Gleiche gilt auch für die Sachspenden und tollen Pakete an unsere Partnerorganisationen. Vor Ort ist die Zeitnot noch gravierender, und nicht jeder dort verfügt über ein Handy, Internet, die Zeit, die Fremdsprachenkenntnisse und die Möglichkeit, sich angemessen zu bedanken. Für sie versuche ich das zu übernehmen. Mal klappt es gut, mal weniger…aber die Freude vor Ort und die Dankbarkeit  ist immer die Gleiche. Ich wünschte, ich könnte das noch nachhaltiger vermitteln, aber wir geben alle unser Bestes! Manchmal denke ich auch, dass wir uns eher bei den Helfern vor Ort bedanken sollten als umgekehrt. Was an vielen Stellen von ihnen geleistet wird, worauf sie verzichten, um helfen zu können, übersteigt oft das Vorstellungsvermögen und ich ziehe den Hut vor diesen Menschen, ja schäme mich manchmal, ihnen ein „Danke“ abzunötigen, weil die Spender es erwarten. Ich weiß, wie dankbar sie sind!

Und dann wäre da auch noch die Dankbarkeit im Team. Auch da bedanke und würdige ich garantiert viel zu selten. Dabei bin ich dankbar, jeden verdammten Tag glücklich und erleichtert über jeden, der wieder dabei ist, der ehrenamtlich leistet, der Verantwortung übernimmt, zuverlässig ist, sich ärgert, einsteckt, einsetzt …und der dabei trotzdem happy darüber ist, so wie ich, unserem eingeschworenen, „verrückten Haufen“ anzugehören. Manchmal bin ich zutiefst gerührt über deren Einsatz und die Großzügigkeit und wünschte mir, ich könnte sie alle öfter würdigen, sie noch öfter öffentlich in meinen Beiträgen über die Arbeit des Vereins erwähnen.  Aber das würde mittlerweile jeden Rahmen sprengen. Sie wissen jedoch, dass sie all das nicht für mich tun. Auch ich bin nur eine „Spenderin“, ein weiteres Rädchen in der Maschinerie der Hilfsaktionen und das, ohne selbst ein Danke zu erwarten.

Zum Glück arbeiten in unserem Team alle nach der Devise : Im Tierschutz geht es nicht um Dankbarkeit und Anerkennung…die findet man wohl eher woanders…sondern es geht einzig um die Freude und die Notwendigkeit, zu helfen.

Weil wir es können. Das muss als Danke reichen und uns reicht das!“

Meine Freundin hatte sich meinen leidenschaftlichen Vortrag still angehört, nur ein paar Mal genickt und meinte dann: „Du bist sauer, weil die Spende nicht an deinen Verein ging!“  „Wir haben sogar Urkunden für die Spender“, antwortete ich diplomatisch und zwinkerte ihr zu…

1 thought on “Und sie haben sich nicht einmal bedankt! Über Dankbarkeit, Zeitmangel und Missverständnisse”

  1. wunderbar… ich kann das so nachfühlen. Das mit dem „Danke schön“… grad besonders wenn es um Wesen geht, die eben nicht „Danke“ SAGEN können … da zählt jeder Blick, jede (Anschmuse-) Geste umso mehr. Und die, die es sagen könn(t)en, wissen manchmal gar nicht, wieviel das eigentlich DANN bedeutet…

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