Veröffentlicht in Tierschutz

Wer hat heute wieder die Kiste mit den Idioten offen gelassen?

Bloggen ist meine Leidenschaft und wäre da nicht die Idee quer gekommen, neben den Beiträgen auch unbedingt  aktiv für die Tierrettung arbeiten zu wollen, würde ich vermutlich nach wie vor munter und entspannt vor mich hinschreiben, was mir durch den Kopf geht, würde mich höchstens wundern, nie ärgern, was da draußen für eigenartige Meinungen unterwegs sind, ich würde einfach jeden löschen, der mir mit unfreundlichen, hetzerischen oder dumm/dreist/sachlich falschen Kommentaren quer kommt und ansonsten mein Ding durchziehen. Schließlich muss niemand lesen, was ich schreibe und wenn jemand zu einem vernünftigen und sachlichen Meinungsaustausch nicht in der Lage ist…not my zoo, not my monkeys. Soll er/sie doch jemand anderem auf die Nerven gehen! Und ab dann existieren diese Menschen nicht mehr für mich, ich entferne sie von meinem Profil und gut ist 🙂 .

Blöd ist nur, dass ich das seit langem nicht mehr tun kann. Ich blogge zwar trotzdem munter, was mir durch den Kopf geht, alles andere wäre ja sinnfrei und daraus ergeben sich viele tolle Diskussionen. Ich lerne dazu, es werden Ansichten und Meinungen ausgetauscht und revidiert und oft gibt es neben konstruktiver Kritik auch tolles Feedback. Was aber gar nicht mehr gut funktioniert, seit ich für meinen Verein arbeite, ist die Abgrenzung von all dem, was ich eigentlich nicht in meinem Leben brauche. Besonders von all den zwischenmenschlichen Kontakten, die ich eigentlich nicht in meinem Leben brauche!

Ich nehme es trotzdem in Kauf, … Jeden Tag aufs neue verbiege ich mich für die Gute Sache. Das bedeutet neben einigen anderen unfreiwilligen Kompromissen im Klartext auch:

Jeder, der meint, mich öffentlich (immer öffentlich, denn sonst macht es diesem Typ Mensch ja keinen Spaß), angreifen oder kritisieren zu müssen, und sich so ein wenig auf der Bühne der allgemeinen Aufmerksamkeit zu sonnen, der darf das. Ganz gleich, wie wahr oder unwahr seine Behauptungen sind. Egal, ob er sachlich argumentiert oder ob seine Kinderstube Mängel aufweist oder komplett fehlt. Wer jemals 5 Euro für die Projekte des  Vereins ausgegeben hat, für den ich mich einsetze, der darf sich dieses Recht herausnehmen. Irgendwie muss ich dann eben sehen, wie ich damit klar komme, wie ich Lügen und Unwahrheiten wieder richtig stelle, Unverschämtheiten ignoriere oder versuche sachlich ins Gespräch zu kommen.

Mein Problem! Offensichtlich meinen nach wie vor viele, die etwas dazu beitragen, hungernde, sterbende und heimatlose Tiere zu retten, sie  tun das für mich. Und dafür müsste ich eine Leistung erbringen, so sein, so denken, mich so verhalten, wie sie das erwarten. (Was schon allein deshalb etwas schwierig ist, weil so ziemlich jeder, der mitwirkt, eine andere Vorstellung davon hat, wie ich mich wozu äußern und verhalten soll, oder auch nicht) . Also bleibe ich lieber mir selbst treu und gebe allen auf den Weg, die deshalb ihre Unterstützung zurückziehen:

Auch mein Einsatz ist nicht gottgegeben. Alles, was ich tue, ist freiwillig, unbezahlt und auch ich kann jederzeit sagen: Ich höre jetzt auf, das war es! Sucht euch einen anderen Idioten, der all das mit sich machen lässt!

Manchmal denke ich, das vergessen die meisten, um deren Engagement, Mitarbeit, Solidarität, Loyalität und Spenden ich täglich aufs Neue bitte. Manchmal wundere ich mich, welche Erwartungshaltung an mich allgemein vorherrscht, damit Unterstützung/Zusammenarbeit/Spenden geschenkt werden.

Nein Leute, ihr tut das nicht für mich!

Ich habe lediglich die Entscheidung getroffen, meine Zeit, meine Fähigkeiten und alles, was mir an finanziellen Mitteln möglich ist, für die Ärmsten der Armen einzusetzen,…

jeden Morgen aufs neue, wenn mein erster Blick nach dem Aufwachen auf das Handy fällt, auf die Nachrichten, für die ich um halb zwei Uhr Nachts dann doch zu müde war, sie zu beantworten. Weil ich Tieren helfen möchte! Möglichst umfangreich und möglichst vielen.  Übrigens zusätzlich zu meinem humanitären Engagement, diese Geschichten eigenen sich aber meist nicht für die Öffentlichkeit, da ich die Privatsphäre der Betroffenen immer schützen möchte. Ich tue das, weil ich dem Elend da draußen nicht mehr tatenlos zusehen möchte und weil ich nicht anders kann. Es ist immer ein Kompromiss und nie genug, aber mehr, als das, was so mancher selbst auf die Beine stellt, der meint, mich angehen zu müssen.

Ab und an reicht dieses Engagement trotzdem nicht aus, damit respektiert wird, wo auch meine zumutbaren Grenzen sind und einmal vorher darüber nachgedacht, wem jetzt die Äußerungen schaden, mit denen meine Gruppen oder mein Profil durch öffentliche Kommentare und Posts  „bereichert“ werden, die ich als Privatperson niemals tolerieren würde… aber für meine Arbeit muss ich es dann eben doch, … denn als Fundraiser  MUSS ich in der Öffentlichkeit sein, muss ich mich mit allem und jedem auseinandersetzen und biete damit natürlich eine prima Plattform für jeden, der die Funktion von Privatnachrichten noch nicht begriffen hat, wenn er etwas persönliches mitzuteilen hat oder Schwierigkeiten, einen Text zu lesen und zu deuten. Das macht nicht nur keinen Spaß sondern ist der GAU für jede Motivation und Fortschritte bei der Tierschutzarbeit und meine persönliche (und geheime)  „Fuck You“ Liste wird jeden Tag länger! Schade eigentlich, und wirklich überflüssig, wenn man einmal gründlich darüber nachdenkt.

Sollte ich jemals einmal zu richtig viel Geld kommen, dann werde ich mich auch im Tierschutz garantiert nur noch mit den Menschen befassen, die mir gut tun und einfach selbst spenden und auf die Beine stellen, was immer für meine Herzensprojekte benötigt wird. Mein großer Traum! Einfach einmal die gesamte „Fuck YOU“ Liste ausrollen und abarbeiten.

Einmal ohne den PR Filter und den selbstauferlegten Maulkorb offen aussprechen, welches gewaltige Ausmaß an Wahnsinnigen im Tierschutz unterwegs ist, mich endlich zur Wehr setzen, gegen das geballte Spektrum an Unverschämtheiten, Illoyalität, Schadenfreude, Missgunst und Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber, gegen all die rufschädigenden, boshaften, meist völlig grotesken Vorwürfe, die nicht alle an mir abprallten, da ich mich nicht öffentlich zur Wehr setzen konnte, ohne der Sache zu schaden, alles, von dem jeder es als selbstverständlich erachtet und meint, das müsste ich eben aushalten. Muss ich nicht! Ich möchte es, weil es derzeit meine einzige Option ist,  möglichst umfangreich zu helfen. Bis ich eine Alternative zu helfen gefunden habe, findet ihr mich also weiterhin auf meiner Seite… 🙂

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PS: An dieser Stelle auch einmal ein dickes Danke an alle, die kontroverse Meinungen  tolerieren, hinterfragen und diskutieren  … schön, dass es euch gibt und dass ich von euch und euren Beitragen lernen und mein Horizont wachsen darf. ❤

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

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