Tierschutz

Ist das noch wichtig für dich oder kann das weg? Rama dama am Rechner!

Loslassen, Nein sagen können und Grenzen setzen  gehört nun wirklich nicht zu meinen ausgeprägtesten Charaktereigenschaften. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, meinen Kleiderschrank und auch durch die Bilddateien meines Rechners.

Er ächzte unter Last der Bilderflut, die über die letzten beiden Jahre über ihn herein gebrochen ist. Alles, was ich von ihm fordere,  dauert endlos lange. Er wurde laaangsam, warf eine Fehlermeldung nach der anderen heraus und manchmal sprang er gar nicht mehr an.  Ich glaube er hat keine Lust mehr und überlegte, dass ich ihn vielleicht überreden könnte, weiter seinen 24 h Dienst zu verrichten, wenn ich ihn ein wenig von all dem Ballast befreie, den ich ihm die letzten Monate zugemutet habe.

Um zu löschen macht es Sinn, die Bilder und Dateien vorher noch einmal anzusehen. Kostbares mischt sich mit Schrott, wichtiges mit Spam und so verbrachte ich gerade einige Stunden damit, nicht nur den Rechner sondern auch meine Gedanken zu sortieren.

Zunächst fiel mir unangenehm auf, dass  nur noch sehr wenig Urlaubsbilder, Schnappschüsse von Feten und Veranstaltungen, dass sehr wenig von mir selbst auf diesem, meinem Rechner war. Die wurden als allererstes sorgsam auf einen Stick gezogen und ich nahm mir fest vor, den Rest des Sommers dazu zu nutzen, neues Bildmaterial für diesen Stick zu sammeln. Hilfe! Wo war ich eigentlich abgeblieben?

Diese Frage war schnell  beantwortet, als ich mir den Rest der umfangreichen Bilder und Dokumente Sammlung ansah.

Da waren alle Bilder der Recherchen und Artikel für den Karma Blog. Ein Großteil davon hat seinen Zweck erfüllt. Es wird neue Geschichten geben. Weg damit!

Da waren die Bilder der einen, besonderen Katze, die ich so sehr geliebt habe, dass ich nach wie vor den Anblick nicht ertrage und daher beherzt „delete“ drückte. Nach einigem Zögern auch die Bilder seiner liebevollen Beerdigung, die nur ich erhalten habe. Das Bild in meinem Herzen ist scharf und klar und es wird niemals im Daten Nirwana verloren gehen, wie es irgendwann vielleicht die virtuellen Bilder tun werden.

Da waren die Bilder der Katzen, die keinen Namen haben. Sie sitzen an Futterstellen oder kauern an Hauswänden. Je nachdem wie erfolgreich meine Arbeit war, oder zu welchem Zeitpunkt meiner Arbeit sie aufgenommen wurden, sind sie erbarmungswürdig oder wohlgenährt. Mission completed, weg damit. Ich denke, ich habe mich bei allen Spendern angemessen bedankt und sie haben diese Bilder, die mir aus aller Welt zugesendet werden, ebenfalls gesehen. Nach dem Futterprojekt ist vor dem Futterprojekt. Der nächste Winter kommt bestimmt.

Da waren die Screenshots von Unterhaltungen und Posts, von denen jemand meinte, ich sollte sie unbedingt sehen und mir deshalb sendete. Ich erhalte sie öfter, aus allen möglichen Quellen, und wahrscheinlich haben sie recht. Ich sollte es immer einmal wieder sehen. Oft von Profilen, wo ich geblockt wurde. Ich muss grimmig lächeln, als mir die teilweise unsäglich nichtigen Gründe für diese Vorfälle wieder einfallen und wieviel Ärger oder Kummer mir damit bereitet wurde. Wenn ich dann auf den Screenshots sehe, wer von meinen „Freunden“ und Mitstreitern daran Teil genommen hat, oder dort nach wie vor likt und kommentiert, werde ich traurig. Daher lösche ich schnell und mache mir nur innerlich Notizen, in Sachen Vertrauen und Loyalität und über meine Dummheit, immer wieder darauf zu setzen!

Da waren die Bilder von manchen adoptierten Katzen oder von Zusammenführungen. Ich habe sie mir so aus dem Netzt gefischt. Oft habe ich nur über Facebook von den Resultaten meiner Arbeit erfahren. Trotzdem behalte ich das Bild von Dias, und auch die von Romeo und Julia und einigen anderen Katzen aus dieser Kategorie. Ich weiss, es waren tolle Projekte und erfolgreich! Immer wieder gern ;-).

Da waren die Bilder der Katzen, die gerettet wurden, nur um dann kurz darauf in Deutschland zu sterben, aus den unterschiedlichsten Gründen. Alle hatten wunderbare Adoptanten und für sie bin ich sehr traurig und habe jedesmal mitgeweint. Ich lösche sie liebevoll.

Da waren die Bilder der Gruppen, der unzähligen Gruppen, die ich über die Zeit erstellt habe, um das jeweilige Projekt auf den Weg zu bringen, zu informieren, zu vernetzen, die richtige Information für den richtigen Kreis, damit jeder der möchte, sich aus diesem Pool bedienen kann und das erhält was er benötigt, und wenn es nur meine Kontakte waren. Dazu zig Tabellen, Kontoauszüge, Formulare, Zusammenfassungen und Listen. Die Screenshots der Projekte, das Haus der Chancen, die Futteraktionen, die Oster und Weihnachtsprojekte mit allen Bildern sämtlicher Preise, meine Gedichte und Konzepte, die Tabellen der Sammlungen für Syrientransporte, die Dokumente, Quittungen und Zollbestimmungen aus aller Herren Länder. Mir schwirrt der Kopf! Bitte nicht mehr! Ich lösche.

Da waren die Bilder, die mir Community Mitglieder und Partner von ihren eigenen Katzen gesendet haben. Ich habe mich über jedes gefreut und so viele schöne Facebook Freundschaften begonnen. Ich lösche trotzdem, denn es sind wirklich sehr viele, mache Platz und freue mich auf neue!

Da waren die Bilder der zahllosen Kitten und Katzen von SCARS, deren Pflegestellen, von allen Posts, allen Blogs, allen Infos via Mails und PN s. Ich überschlage im Kopf die Datenmenge, kein Wunder, dass der Rechner aus dem letzten Loch pfeift. Und da ich zukünftig die Arbeit insgesamt etwas herunter fahren möchte, hole ich tief Luft und mache einen klaren Schnitt. DELETE. Aber natürlich wanderten Ornello, Abigail, Elpida, Julchen, Powder, Irina und Valerion vorher mit auf den Stick. Ihre Geschichten sind ein Teil des Karma Blogs geworden.

Da waren die grauenhaften Bilder der verstümmelten, verletzten und gequälten Katzen. Aus Syrien, aus der Türkei, aus Griechenland, eigentlich von überall. Röntgenbilder, Kostenvoranschläge, Ideen für die Geldbeschaffung. Bei einigen konnte ich mithelfen, ihre Behandlung zu ermöglichen. Trotzdem wandern sie ganz schnell in das Datennirvana. Bitte nicht mehr! Ich habe meine Dosis an Leid für dieses Jahrhundert eigentlich schon gesehen.

Da waren die Bilder all der liebevollen Aufmerksamkeiten, Karten, Geschenke, Blumen die in dieser Zeit einfach überraschend ins Haus schneiten. Ich schaue mir die Bilder an und denke an die Geschichten und die Menschen, die dahinter stehen und wie froh ich bin, sie in meinem Leben zu haben. Unwillkürlich muss ich wieder lächeln und kann mich beim besten Willen nicht trennen. Auf den Stick damit ❤ .

Da waren die Bilder der Happyends. Manche sogar mit ein paar netten Zeilen der neuen Besitzer. Mein größter Schatz! Es sind schon ganz schön viele…hinter jedem Bild steckt neben der unschönen Ausgangsgeschichte und jeder Menge Arbeit eine große Portion Liebe und Glück. Vielleicht erstelle ich einen Ordner nur damit und sehe ihn mir an, wenn ich wieder einmal das Gefühl habe, ich bin nicht eisern genug dafür gestrickt, an einer Front zu kämpfen, wo jeden Tag Tierleid so geballt ausgehalten werden muss und Loyalität und Zusammenhalt ziemlich dünn gesät sind. Es denkt nicht oft jemand daran, mir solche Bilder zu senden, und daher sind sie um so wertvoller!

Und da waren die Bilder der noch unbearbeiteten Fälle. Ich sehe sie mir an und in Gedanken erzählen sie mir bereits ihre traurige Geschichte. Ich höre ihnen zu und wage nicht zu antworten, dass ich eigentlich keine Lust mehr habe. Aber sie erzählen weiter und ich denke an einige der wunderbaren Unterstützer an meiner Seite und in unserer Community, auf die ich immer zählen kann…und fange besser gleich damit an. Was sonst?

Vorher ziehe ich aber alle kostbaren Bilder, Berichte, Essays  und Schnappschüsse meiner Tochter auf den Stick, die stets zwischen den Katzenbildern etwas unter gegangen sind, wie so vieles.  Bald ist sie wieder für ein paar Wochen Zuhause und dann möchte ich nicht mehr den Fehler machen, unsere wertvolle gemeinsame Zeit vor dem PC zu vergeuden.

Das Internet und viele der „Freundschaften“ und Projekte dort, sind und bleiben kurzlebige Episoden, sind unter dem Strich nur kurzlebige Bits und Bytes. (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel ❤ ) . Daher bin ich und meine Anliegen für die meisten Beteiligten völlig unwichtig. Es geht darum, was ich in der Lage bin, für ihre oder gemeinsame  Anliegen zu leisten, es geht um die Tiere und einzig um sie! So sehe ich das auch!

Aber grundsätzlich sollte man die Zeit mit und die Belange der Menschen als Priorität setzen, wo man auch selbst Priorität ist. Sonst brennt man aus. Mein Rechner war da deutlich schlauer als ich 😉 .

Ich lösche weiter und der Computer läuft bereits wieder schneller. Es hat offenbar funktioniert 🙂 .

Pauli et moi1
MEIN EINZIG WAHRES HERZENSPROJEKT ❤

 

 

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