Veröffentlicht in Seelenmarzipan

Geht nicht!… Gibt es nicht…oder doch?!

Manchmal beneide ich Menschen (besonders Frauen) um die Gabe, einfach Nein sagen zu können. Meist wird es damit begründet, dass sie das, was ansteht, „nicht können“. Sie verstehen nichts davon, trauen es sich nicht zu, haben das noch nie gemacht, kennen sich in der Materie nicht aus, sind überfordert. Das funktioniert am besten. Meist wird dann verständnisvoll genickt und jemand anderer für die Aufgabe gesucht. Nur bei mir hat das nie funktioniert. Offensichtlich kann ich so ziemlich alles, wenn es erforderlich ist und wenn ich es nicht kann, dann lerne ich es subito oder suche jemanden , der diese Aufgabe mit den gerade zur Verfügung stehenden Zahlungsmitteln erledigen kann. Notfalls bitte ich auch jemanden, gebe eine Anzeige auf, oder ..oder…Aber einfach Nein sagen, mit einem bedauernden Schulterzucken, etwas hinschmeissen, weil es zu schwierig/anstrengend wird, und dann weiter zur Tagesordnung, das habe ich blöderweise noch nie geschafft und hätte es mir auch nie erlaubt. Ich gefiel mir stets in der Rolle der Mary Poppins für Erwachsene, die immer eine Lösung aus der Handtasche zaubert.

Diese Einstellung brachte mich schon an viele spannende Orte und in interessante Situationen. In vollgelaufene, eisige Heizungskeller mit Rohrbruch (weil am 24. Dezember sonst niemand da ist, der sich kümmert), zu aufgebrachten Kunden, die sich von sonst niemandem beruhigen ließen, und niemandem sonst deren wüste Beschimpfungen zumutbar waren, zur Entsorgung eines Messi Haushalts (ich allein, nur mit ein paar Mülltüten und Mundschutz ausgestattet), da die Handwerker sich weigerten dieses Haus zu betreten, morgens um vier in einen Frachtflieger nach Amman, wo ich mich allein irgendwie zum Crewhotel durchschlagen musste, um die erkrankte Kollegin zu ersetzen, Moderationen bei Veranstaltungen, obwohl ich öffentliche Auftritte hasse, wie die Pest, Überführungsfahrten, Fahrten mit Traktoren, Oldtimern und anderen spannenden Fahrzeugen, die alle ihre Eigenheiten hatten, Kabelsalat im Motorraum, Pannenfahrten ohne Scheiben, Scheibenwischer im Platzregen und ähnlichen Späßen, als Begleitung zu OPs, Intensivstation,  oder Alibi für Seitensprünge (was dann aufflog und der Zorn des betrogenen Ehemanns richtete sich gegen mich)…. und neuerdings auch bei allem, was bei meinem Verein nicht rund läuft. Ab einer gewissen Größenordnung und ab einem gewissen „Unangenehmsfaktor“ landet jedes Problem auf meinem Tisch. 24/7 .

Immer wenn es unangenehm wird, kompliziert oder delikat, bin ich darin verwickelt, ehe ich „piep“ sagen kann…weil ich es kann… oder weil ich denke, ich müsste es können… Denn das ist der Haken bei der Sache. Das einzige was ich wirklich nicht gut kann, ist „Nein“ sagen. Erst als ich einmal wirklich nicht mehr konnte und für eine Weile komplett ausfiel, wurde es etwas besser. Manche verstanden. Einige waren weniger einfühlsam und überschütteten mich mit Vorwürfen für mein „Versagen“. Eine meiner größten Errungenschaften im Leben, war es wohl, trotzdem kein allzu schlechtes Gewissen deswegen zu haben, nicht meine Anstrengungen zu verstärken sondern den Abstand. In dieser Zeit fand ich auch heraus, wer meine wirklichen Freunde waren…aber das ist ein anderes Thema 🙂

Ja sage ich trotzdem noch viel zu oft.  Seit ich denken kann, helfe ich anderen dabei, ihre Geschäfte, Häuser, persönlichen Angelegenheiten, Pläne und Pflichten ins Reine zu bringen, ihre Wünsche und Träume zu erfüllen, ihre Ängste zu lindern, sie zu ermutigen und Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Es ist „mein Talent“  und ich tue es nach wie vor für jeden und gern. Trotzdem ist es wichtig, von Zeit zu Zeit inne zu halten und zu überlegen, ob man dies oder jenes auch wirklich tun muss, nur weil man es kann…dass so manches spontane JA, ein Nein zu sich selbst ist und Egoismus kein Schimpfwort sondern manchmal gesunder Selbstschutz. Leider muss ich jetzt aufhören, denn gerade braucht wieder jemand eine spontane Abholung … „Kann ich gerne übernehmen..“ habe ich mich sagen hören und meinen eigenen Termin natürlich sofort verschoben. Daran muss ich wohl noch etwas arbeiten 😉

Autor:

Bloggerin, Autorin und Tierschutz Aktivistin Frieden für Pfoten e.V.

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