Tierschutz

Ein Teil von uns stirbt immer mit…vom Umgang mit dem Tod unserer vierbeinigen Freunde…

Auf einer Skala von Eins bis Zehn in der Einschätzung, wie sehr mich der Verlust einer geliebten Seele mitnimmt, würde ich mich ohne zu zögern als elf einsortieren. Daher bin ich wohl eher nicht diejenige, die anderen Ratschläge geben sollte, wie man damit am besten umgeht. Aber über die Zeit habe ich vieles gelernt, auch dass der Tod nicht immer Gegner sondern manchmal sogar ein Verbündeter sein kann. Es ist eine Frage der Betrachtungsweise und des eigenen Glaubens an die unverrückbaren Grundregeln des Universums für uns alle.

Als vor vielen Jahren meine erste Katze, mein Herzenskater, einst Kindersatz, Seelentröster, Spielgefährte und Sonnenschein von mir ging, verlor ich vor Kummer fast den Verstand.  Nachdem er vom Tierarzt Zuhause eingeschläfert worden war, weigerte ich mich, ihn für eine Bestattung im Garten herzugeben, verbrachte sinnlos betrunken (ich trinke nie Alkohol, nebenbei bemerkt)  die gesamte Nacht wach mit seinem toten und kalten Körper im Arm. Anstatt über all die 1000 schönen Dinge nachzudenken, die wir gemeinsam erlebt hatten, zerfleischte ich mich mit Erinnerungen an all meine Fehler im Umgang mit ihm. Meine Gedanken kreisten einzig darum, was ich in den 16 Jahren mit ihm hätte besser, anders machen können, ob ich ihn zu oft allein gelassen hatte, wenn ich auf Reisen oder in Urlaub war, dass ich ihm die schmerzhaften Infusionen zum Schluss besser erspart hätte und ob die Entscheidung, ihn gehen zu lassen auch richtig und zum richtigen Zeitpunkt war.

Irgendwann am nächsten Tag kam ich wieder zur Besinnung. Er wurde liebevoll im Garten bestattet, eingewickelt in meinen weißen Lieblingssari, mit frischen Rosenblüten bedeckt und mit jeder Schaufel Erde fiel ein Stück meiner Seele mit ins Grab. Bis heute wollte ich nicht über Mickey schreiben, so intensiv sind die Erinnerungen an diese Nacht noch wach und es dauerte lange, bis ich wieder mein Herz für eine Katze öffnen konnte. Diesen Schmerz wollte ich nie mehr im Leben spüren müssen.

Mit dem seltsamen Sinn des Universums für Humor, gehört es heute zu meiner Tätigkeit in der Tierschutzarbeit, fast im Wochentakt loszulassen. Immer wieder aufs neue Hoffnungen und mit ihnen kleine, starre Körper gedanklich zu begraben, andere auf diesem Weg  zu trösten und zu begleiten.

Aber genauer betrachtet, ist es nicht ihr Schmerz, den wir beweinen. Es ist einzig unserer! Von dem Moment an, wenn sich ein Seelchen entschließt, den Weg auf der Erde nicht mehr weiter gehen zu wollen, oft wissen sie es lange vorher, …von diesem Moment an, ist für sie der Kampf überstanden. Meist kann ich es intuitiv in ihren Augen lesen, wie sie sich entschieden haben, selbst wenn sie keine mehr besitzen. Sie wählen für sich die geborgene und ruhige Zuflucht des Todes und es scheint, als ob bereits ein kleiner Teil dieser neuen Welt durch ihre Augen schimmert. Sie sind bereit und wir sollten es dann auch sein.

Es sind unsere ureigensten Träume und Wünsche, die uns verzweifeln lassen, weil sie nicht oder nicht mehr erfüllt werden können. Für ein Tier zählt nur der Moment. Was war ist vorbei und was werden könnte, oder hätte sein müssen, ist nicht von Bedeutung. Ich bin sicher, sie wissen, dass ihr Mensch zu jedem Zeitpunkt das Bestmögliche für sie getan hat und der Ort hinter der Regenbogenbrücke ist ein heller und heiterer, ganz gleich, wie er aussehen mag.

Wenn die Trauer und der Schmerz über den Verlust, die Niederlage, übermächtig werden, dann hilft es mir, zu hinterfragen, warum mich der Verlust gerade so trifft. Ob etwas daran vielleicht meine eigenen Ängste und Defizite tangiert, und wenn ja, ob ich daran etwas ändern könnte. Wenn die Tränen für das Elend im allgemeinen fließen und Wut und Trauer sich mischen, dann versuche ich, diese Emotionen in etwas Positives umzuwandeln. Irons Tod, Pumas Leid, waren vielleicht vermeidbar aber nicht sinnlos! Wir werden die Trauer um sie in Hoffnung verwandeln und ihr Leid in Heilung und Glück, für andere nach ihnen. Die vergessenen und verlorenen Irons und Pumas dieser Welt, weisen uns sanft den Weg.

Loslassen gehört zum Leben…genau wie unsere Aufgabe, die Welt ein wenig besser zu machen, ehe wir sie verlassen. Wir sollten beides mit offenem Herzen und Liebe tun.

Mickey, und alle, die nach ihm über die Regenbogenbrücke von mir gingen, haben in meiner Seele  wunderschöne Pfötchenabdrücke  hinterlassen und einen Weg gebahnt. Auf diesem Weg durften schon viele Vierbeiner ins Glück ziehen und heute kann ich lächeln, wenn ich sein Grab im Garten besuche. Geblieben ist das warme Gefühl und die schönen Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit und die Chancen, die er anderen ermöglicht hat. Das wünsche ich euch auch…von Herzen ❤

 

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Wenn die geliebte Katze über die Regenbogenbrücke gegangen ist…
dann ist der Gedanke manchmal tröstlich, ihr ein Andenken zu bewahren, etwas zu tun, was anderen Katzen hilft.

In Athen gibt es einen Ort für die Ärmsten der Straßentiere, die Winzlinge, die kranken , blinden und behinderten Katzen.
In Irons Haus der Chancen werden sie gesund gepflegt, kastriert und erhalten die Chance auf ein schönes Zuhause, Geborgenheit…und Leben! 
Dieses Haus wurde möglich, weil viele „Baumeister“ IHREN Stein gesetzt haben, er entspricht einer monatlichen Überweisung von 10, 15, 20 Euro oder mehr und gewährleistet Miete, Strom, Futter und Tierarztkosten.

Wer seinem Seelentier einen Stein als Andenken mit dem Namen setzen möchte und dabei Gutes tun und anderen Leben und Chancen schenken…hier geht es zu unserem schönen Projekt. Irons Haus der Chancen. Benannt nach Iron, einem kleinen Kater, dem wir diese Chance leider nicht schenken konnten.

http://www.friedenfuerpfoten.org/haus-der-chancen

 

 

4 Gedanken zu „Ein Teil von uns stirbt immer mit…vom Umgang mit dem Tod unserer vierbeinigen Freunde…“

  1. Ich muss auch heute noch weinen, ziemlich genau fünf Jahre nach ihrem Tod, wenn ich mir Bilder meiner innig geliebten Miezekatze Smokey ansehe. Sie war mein Seelenzwilling, und stets so großer Trost in ungezählten Nöten…

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  2. So ganz verlassen sie uns zum Glück nie, zumindest ergeht es mir so.
    Egal ob es mein erster vierbeiniger Freund Freddy vor fast 50 Jahren war oder vor 3 1/2 Jahren der Wuschel.
    Es gibt auch nie einen Ersatz, sondern nur einen weiteren Freund, der sich tief ins Herz eingräbt..

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  3. Liebe Bettina!

    Wie gut ich diesen Schmerz kenne und nachvollziehen kann……
    Hab aus gegebenem Anlass in meiner „Schublade“ gekramt und 2 dazu passende Gedichte angefügt.
    Ich glaube, sie sprechen für sich….

    Herzliche Grüße,
    Eleonora

    PUMA,

    Du warst mein Freund, mein bester Kamerad,
    nun bist Du müde, alt und krank.
    Ich seh Dich an, die Tränen reichen nicht,
    ich kraule Deine Ohren, streichle Dein schwarzes Gesicht.

    Dein Gang ist langsam, Du atmest schwer,
    kein Bellen, ich erkenne meinen Hund kaum mehr.
    Magst Du mich schon verlassen? Sag es mir!
    Wenn Du es willst, geb ich Dich her.

    Ich lass Dich ziehen in eine bessere Welt,
    wo Du laufen kannst, so wie es Dir gefällt.
    Zerreißt’s mich auch, bleib traurig ich zurück –
    dort, in den ewigen Jagdgründen, da findest Du Dein Glück!
    (C) E.R-S

    BLACKY

    Eine neue Liebe warst Du für mich,
    im Glanz Deiner graublauen Augen spiegelte sie sich.
    Mit weißen Stiefeln und Handschuhen auf schwarzem Fell
    warst Du der Schönste, auch Näschen bis Bauch waren hell.

    40 Deka hattest Du nur zum Leben,
    die hast Du vertrauensvoll in meine Hände gegeben.
    Kleiner Kämpfer, Du warst mutig, wie es selten die Großen sind,
    warst so zärtlich und tapfer, mein Katzenkind.

    Was immer ich konnte, hab ich Dir gegeben,
    doch letztlich verlosch auch Dein siebentes Leben.
    Dankbar dafür, dass eine Woche ich Dich bei mir gehabt,
    fallen Tränen und eine wilde Rose auf Dein Katzengrab.
    (C) E.R-S

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