Seelenmarzipan

Be your own mother…

„Be your own mother…kümmere dich um dich selbst, wie es eine gute Mutter für dich tun würde und warte nicht, dass es andere für dich tun!“

Diesen Rat gab mir einmal eine kluge Ärztin mit auf den Weg, als auch ihre ausgefeiltesten Heilkünste der chinesischen Medizin versagten, und mein Körper wieder einmal rebellierte.

Be your own mother? Also wie eine liebende Mutter mit sich selbst, mit allen Fehlern und Bedürfnissen umzugehen? Meine Bedürfnisse über die Anderer zu stellen?  Das erschien mir damals grotesk, denn es gab so vieles, was ich wichtiger erachtete, als meine eigenen Bedürfnisse. Zu viel, aus heutiger Sicht. Ich fühlte mich nur „richtig“, wenn ich für andere Leistung erbrachte.

Irgendwann in der frühen Kindheit wird uns im günstigsten Fall das Gefühl vermittelt, wichtig zu sein und uneingeschränkt geliebt zu werden. Ohne Gegenleistung. Genau so, wie wir sind. Mutterliebe ist nicht zuletzt deshalb das Sinnbild von bedingungsloser Liebe überhaupt und wenn wir sie erhalten haben und sie im Laufe unserer Entwicklung verinnerlichen, ist das Fundament für ein gesundes, glückliches Leben bereits gelegt. Diese Liebe und das Gefühl als Kind, „richtig und wichtig“ zu sein, ist das größte Geschenk, das wir unseren Kindern mit auf den Weg geben können.

Wir können es uns aber auch jederzeit selbst schenken. Es hat nichts mit Egozentrik oder Egoismus zu tun sondern bedeutet unter dem Strich sogar eine Bereicherung für andere. Im Flugzeug wird vor jedem Flug darauf hingewiesen, die Sauerstoffmaske bei einem Notfall immer erst sich selbst anzulegen. Erst dann sind wir in der Lage, anderen behilflich zu sein. Nur wenn wir genügend Sauerstoff zur Verfügung haben, können wir nicht nur uns sondern auch andere retten und einsatzfähig sein. Im Flugzeug wie im Leben.

Um bei dieser Metapher zu bleiben…ich habe mich also kürzlich entschlossen und tatsächlich nach der Sauerstoffmaske gegriffen. Ich werde ab jetzt dafür Sorge tragen, dass es mir gut geht und mein Leben noch einmal komplett neu erfinden.  Unter anderem möchte ich zukünftig meine Zeit in erster Linie dem Schreiben und meiner Tierschutzarbeit widmen. Ohne schlechtes Gewissen. Für andere und anderes zu sorgen und alle Bedürfnisse zu erfüllen, war mir immer eine Herzensangelegenheit und Freude. Jetzt ist es an der Zeit mir selbst diese Aufmerksamkeit zu schenken.  Zeit zu überlegen, welche Wünsche nur Wünsche sind und was davon eigentlich ganz einfach umsetzbar wäre, wenn ich es endlich schaffe, in den „be your own mother“ Modus umzuschalten.

Dieser Modus wird viel Veränderung mit sich bringen, vielleicht auch Verluste und er fühlt sich nach wie vor fremd an.  Ganz sicher wird er mich tatsächlich auch einigen entfremden. Zum Glück nicht allen, denn erstaunlicherweise standen in meinem Leben bereits viel mehr Menschen für mich ein, als ich es jemals für mich selbst tat. Ihnen wird der neue Modus gefallen ❤  …

„Be your own mother!“  …  Ich denke, es ist einer der heilendsten Sätze, die je ausgesprochen wurden und ich würde ihn gern weiter reichen …

 

5 Gedanken zu „Be your own mother…“

  1. Habe etwas über deinen Beitrag nachgedacht. Es steckt sehr viel Wahres drin. Es gibt die Menschen, die ihr ganzes Leben lang nur nehmen. Und es gibt jene, die immer nur geben. Beides sind sicherlich Grundmotivationen des menschlichen Lebens. Jedoch, so bin ich überzeugt, es kommt darauf an, ein gesundes Gleichgewicht für beides zu finden. Dein Bsp mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug zeigt es sehr schön: Ohne genügend Sauerstoff wird man nicht in der Lage sein, anderen zu helfen. Und ohne den anderen zu helfen, wird es einem nicht gut gehen. Also erstmal Sauerstoff. Aber nicht SO, dass die anderen nix davon bekommen. Es braucht beides.
    In grauer Vorzeit war es auch so: Diejenigen überlebten, die anderen halfen, um selbst geholfen zu bekommen. Jedoch war es dazu notwendig, sich selbst erstmal ein Stück weit zu schützen.
    Das Bsp mit der Mutter finde ich zwar etwas zu weit gehend, weil Mütter naturgemäß einen 100%-Rundumschutz veranstalten, der dann doch zu weit gehen würde. Aber ein Stück davon braucht auch jeder Erwachsene, der sich selbst schon etwas helfen kann, und ergänzend zusehen muss, dass es ihm letztlich gut geht.
    Wieviel von beiden Seiten, also Geben und Nehmen, der einzelne braucht, das ist sicher eine Einzelfallentscheidung. Jemand der immer nur gegeben hat, braucht sicher erst einmal ein großes Stück Sauerstoff.
    Allerdings, wenn man sich so umschaut, dann sieht man viele Menschen, die noch weit von besagtem Gleichgewicht entfernt sind, und immer nur an sich selbst denken. Es sind aber nicht so viele, wie man denkt, denn das Helfen ist sehr viel weiter verbreitet, als es den Anschein hat.
    Es gibt zu deinem Thema auch die Menschen (ich gehöre dazu), die nach einem Ereignis erst einmal auf sich selbst schauen mussten, und sehr viel Sauerstoff benötigten, um wieder an den Punkt zu kommen, von dem aus man wieder geben kann.

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  2. Jeder ist sich selbst der Nächste… klingt erst einmal egoistisch ist aber sehr weise. Nur wer in der Lage ist, sich selber zu lieben, kann auch andere Wesen lieben. Nur wer selber heil ist an Körper, Geist und Seele, der kann andere „heilen“.
    Ich finde Deine Entscheidung gut und absolut richtig. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es oftmals ist, an sich selber zu denken – manchmal muss man sich dazu zwingen. Doch eine Zeit mit sich und für sich, positive Gedanken über sich selber wirken sehr reinigend und geben einem viel Kraft.
    Liebe Grüße, Melanie

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