Tierschutz

Wolle Katze haben? Dann Nimm! Ein paar Worte zum Thema Adoption!

Es ist nach wie vor sehr leicht an ein Tier zu kommen. Jeder kann jederzeit ein schutzloses Wesen kaufen, in manchen Fällen sogar adoptieren, selbst wenn das Tier in die Hölle auf Erden verkauft oder geschickt wird.  Das betrifft nicht nur Hunde und Katzen sondern besonders auch Kleintiere, Kaninchen, Hamster, Schildkröten, Fische… Vernachlässigung, Misshandlung, fehlerhafte Unterbringung oder Fütterung, unerlaubte Weitergabe, als Spielzeug für die Kinder missbraucht, …die Möglichkeiten sind schier unendlich. Bis dass der Tod sie scheidet sind sie auf Gedeih und Verderb den Menschen ausgeliefert, die sich für ein paar Euro oder auch mehr, dann stolz „Besitzer“ nennen dürfen. Oft ist der Tod des Tieres die einzige Gnade, die sie in ihrem leidvollen Leben erfahren.

Wir als Verein, der Adoptionen für Partnervereine aus dem Ausland vorbereitet und begleitet, können daran leider wenig ändern. Jeder Idiot, jeder Sadist darf in diesem Land Tiere halten. Was wir einzig tun können, ist dafür zu sorgen, dass unsere Schützlinge nur in ein Zuhause abgegeben werden, das vorher auf Herz und Nieren geprüft wurde. Selbst dann passieren noch Dinge, die man keinem Tier wünscht. Wer etwas anderes behauptet, lügt sich in die eigene Tasche! Tierschutz, Adoption und die dazu gehörigen Erlebnisse sind Stoff für Albträume und Thriller!

Auch mir unterliefen einige Anfangsfehler, die einzig auf der Tatsache beruhten, dass ich davon ausging, jeder, der sich für eine Adoption bewirbt, setzt die gleichen hohen Maßstäbe an, wie ich. (Diese Fehler sind mittlerweile übrigens ausgebügelt worden, die Tiere sind dort längst nicht mehr!). Das hat mich viele schlaflose Nächte gekostet, verschaffte mir schreckliche Schuldgefühle, bis alles wieder zum Wohle des Tieres geregelt war. Und ich habe daraus gelernt! Vertrauen ist gut, aber Kontrolle bis hin zur Vorstufe von Paranoia ist besser!!! Das sind wir unseren Schützlingen schuldig!

Dann haben wir gemeinsam ein ausgeklügeltes Prozedere erarbeitet, unsere Adoptanten, die hier lesen und sich erinnern, werden jetzt sicher lächeln… um möglichst lückenlos abzuklopfen, wo unsere Notfellchen zukünftig leben werden.

Neben ein paar Basic Regeln im Vorfeld, Einzelhaltung nur in Ausnahmefällen, genügend Platz und finanzielle Ressourcen und in einem dauerhaft stabilen Umfeld für die Lebenszeit des Tieres, versuchen wir das perfekte Match zu finden, indem wir einen persönlichen Eindruck von den zukünftigen Adoptanten gewinnen und auch mit einbeziehen, was genau die Bedürfnisse der Katze/des Hundes jeweils sind. Nicht jeder ehemalige Straßenkater ist glücklich in einer Wohnung eingesperrt, nicht jedes zarte Katzenseelchen hat das Zeug zum Freigänger. Es gibt Einzelgänger, Plaudertaschen, Schmusewolken, Diven, Raufbolde ….und alles dazwischen :-).

Mit der Zeit liest man bei den Bewerbungen die Untertöne, ich lese auch stets, was da nicht steht. Man lernt, auf feine Nuancen in der Stimmlage zu achten, auf Gesprächspausen, auf die Einhaltung von Terminen und Absprachen, auf die „richtigen“ Fragen und vieles mehr, was ich an dieser Stelle nicht alles verraten möchte…auch eine Wohnung mit wertvoller Deko und Mobiliar, ohne jedes Staubkörnchen und Katzenhaare ist mit einem Fragezeichen behaftet, genau wie das baufällige Studenten Quartier mit vollem Aschenbecher.

Letztendlich ist es jedoch die Summe der Eindrücke, vor allem aber unser rotes Radarlämpchen, auch „Bauchgefühl“ genannt, dem wir gelernt haben, blind zu vertrauen. Es gibt nur diesen einen Versuch und der muss stimmig sein!

Mein 1. Leitsatz für alle neuen Team Mitglieder lautet daher:

Wenn dir etwas komisch vorkommt, dann ist es meist komisch! 

Der 2. Leitsatz lautet dann:

Im Zweifelsfall NEIN!

Dass diese Vorgehensweise nicht immer Freunde verschafft, dürfte jedem klar sein. Aber ich lasse mich lieber 1000 mal beschimpfen, blockieren, verärgere notfalls sogar lieber jemanden zu unrecht, als einmal ein Tier verstört oder gar misshandelt/vernachlässigt irgendwo in einer Nacht – und Nebel Aktion befreien zu müssen. Denn einen Schützling zur Adoption vergeben ist immer deutlich leichter, als diesen Vorgang wieder rückgängig zu machen…notfalls auch gegen den Willen des „Besitzers“.

Das ist dann Regel Nr 3 (die wir zum Glück nie mehr brauchten!):

Egal wie …wir holen sie da wieder raus!

Ich möchte jedem, der ein Tier abgeben möchte oder Tiere vermittelt ans Herz legen,

-eine gründliche Selbstauskunft zu erstellen und diese im Vorfeld anzufordern,

-sich immer den Personalausweis zeigen zu lassen, sämtliche Angaben nachzuprüfen,

-sich Zeit zu nehmen, zu sprechen, zu beraten, zu telefonieren,

-die Netzwerke zu nutzen, sich insgesamt ein Bild zu verschaffen, das mit dem Besuch einer versierten Vertrauensperson vor Ort abgerundet wird

-und auch die Nachsorge nicht zu vergessen und weiter den Kontakt  zu halten,

-auch nach der Adoption für alle Sorgen, Fragen und Nöte, die sich daraus ergeben, Ansprechpartner zu sein!

Nur so ist annähernd gewährleistet, was wir unseren Notfellchen alle wünschen:

Ein Happyend!

Micaela Lämmle, die Leiterin unserer Adoptanten Beratung hat, als man sie einmal fragte, warum ihre Adoptionen alle so gut gelingen, den schönen Satz geprägt:

Ich gehe bei jeder Beratung so sorgfältig vor, als wäre es mein eigenes Tier, für das ich einen Platz suche!

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unser wunderbare Adoptanten Beratung Micaela, Sabine, Nicole, Friederike, Doris und Udo …die in der Happyend Fabrik von Frieden für Pfoten e.V.  unter Micaelas Leitung mit unglaublichem Einsatz streng darüber wachen, dass am Ende immer alle glücklich sind ❤

Danke an all unsere wunderbaren Adoptanten, die mit so viel Liebe, Umsicht, Sachwissen und Einsatz für ihre Schützlinge da sind und deren Feedback und Bilder uns die Kraft geben, weiterzumachen!

Amaris
Dreibeinchen Amaris, der mit einer schweren Verletzung in Syrien gerettet wurde und via Frieden für Pfoten e.V. nach einer aufreibenden Odyssee zu „seiner“ Familie ins Glück fand ❤ Danke!!!

3 Gedanken zu „Wolle Katze haben? Dann Nimm! Ein paar Worte zum Thema Adoption!“

  1. Schöne Seite, die du da hast.
    Ich bin selber „Katzenmutti“ für drei Rabauken und weiß, wie unterschiedlich sie sein können. Katzen haben Bedürfnisse, verhalten sich oft wie kleine Kinder, sind manchmal launisch, aber immer für einen da. Nahezu bedingungslos.
    Wir wachsen an ihnen. Lieben und hegen sie und wenn sie alt sind und sterben, dann trauern wir um sie.
    Leider sind Tiere für viele nicht mehr als lebende Ware – und werden so behandelt. Sie können auch „Accessoire“ werden und weggeworfen, wenn die Modeerscheinung vorbei ist. Es bricht einem das Herz, diese leidenden Wesen zu sehen.
    Eines der schönsten Erlebnisse für mich war eine Nachbarfamilie, die eigentlich ein Katzenbaby wollte, die mein Freund und ich in ein Katzenheim brachten (das darf Sonntags immer besucht werden). Die Kinder haben sich in einen 4jährigen Kater verliebt und er sie gleich mit Beschlag belegt. Wenige Tage später zog er bei ihnen ein. Die Familie hat einen Hund und die Tochter war meine Katzensitterin im Urlaub. Vorerfahrung also vorhanden.

    Soviel dazu, dass es auch „gute“ neue Katzeneltern geben kann.

    Übrigens, danke für deine Seite, ich lese deine Beiträge sehr gern, auch wenn sie mir manchmal weh tun. Weil ich mit den Tieren mitleide!

    Gefällt 3 Personen

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