Seelenmarzipan

Fast ein Blog…aber nur fast ;-)

Ein seltsamer Virus hat mich befallen. Er macht eigentlich kaum Beschwerden, genau genommen gar keine. Aber er scheint den massiven Stahlschalter nachhaltig beschädigt zu haben, der bei mir im Kopf immer die Türe zu den unbequemen Wahrheiten gesichert hat. Peng! Jetzt haben sie die neue Freiheit natürlich entdeckt und purzeln, strömen, quellen eine nach der anderen durch die weit offene Tür, ins Bewusstsein, manche sogar direkt zu meinem Mund. Plötzlich reagiere ich auf viele Wahrnehmungen ungehalten, ich höre ich mich die seltsamsten Dinge aussprechen. Sie sind wahr, sie sind meist gut begründet. Trotzdem hätte ich sie normalerweise da gelassen, wo sie waren. Gut verwahrt, hinter der Türe mit dem massiven Stahlschalter.

Nachdem dieser gewöhnungsbedürftige Zustand aber nicht besser wurde, kaputt ist kaputt, und ich auch nicht wusste, wie der Schalter wieder zu reparieren wäre, ließ ich den Dingen einfach ihren Lauf.  Thinking unplugged, quasi.  Wow…und spannende Dinge passieren seitdem.

Erstaunlicherweise änderte sich nichts zum Negativen. Nach wie vor bin ich eher nicht der hart aber herzlich Typ sondern formuliere Wünsche und Anliegen freundlich. Aber ich formuliere sie und siehe da…sie werden meist sogar verstanden, angenommen, umgesetzt oder zumindest diskutiert. Kein Kahlschlag in der Freundesliste, keine Auswanderung auf eine einsame Insel nötig, selbst meinen Job habe ich noch. Alles, was ich dabei verlor, war Ballast. Coole Sache so ein Virus und er hätte mich gern etwas eher befallen dürfen. Man darf gespannt sein, wie er die nächste Stufe des Unplugged Trainings für mich löst, da gibt es etwas, das ich nach wie vor nicht ausgesprochen habe.

Ich glaube, am meisten ärgert mich, wenn das, was ich tue, als selbstverständlich voraus gesetzt wird. Die meiste Zeit meines Lebens verbringe ich damit, andere zu loben, mich bei anderen zu bedanken, die Leistung anderer herauszustellen, auf die Leistung anderer hinzuweisen oder sie zur Leistung zu ermutigen. Das gilt für so ziemlich alle Bereiche meiner Arbeit, die bei der es Geld gibt und die bei der ich noch Geld lasse.

(Es gibt Ausnahmen, und die sollten sich jetzt bitte unbedingt angesprochen fühlen. Danke euch dafür *smack*. )

Wie lange möchte ich schon mein Buch fertig schreiben? Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, weniger Zeit in die non profit und gratis-stress Arbeit zu investieren. Ich bin ja nicht nur ein Verein, eigentlich bin ich Autorin. Warum schreibe ich nur für andere? Was hält mich davon ab? Nichts! Nur meine fixe Idee, immer und jederzeit für alles zur Stelle zu sein um dafür zu sorgen, dass jeder zu jeder Zeit  hat, was er braucht. Morgens mit dem ersten Blick am Handy und Nachts im Bett mit der letzten Nachricht und natürlich die gesamte Zeit dazwischen. Ihr glaubt es nicht? Es ist so, anders wäre mein Pensum nicht zu schaffen. Man könnte riesen dicke Schmöker schreiben in dieser Zeit. Ich könnte sie schreiben!

Diese Zeit, der ganze Einsatz, meine Ideen, investiert in ein Projekt, nur für mich…wie gut müsste sich das anfühlen. Niemand, den ich um etwas bitten müsste, niemandem Rechenschaft schuldig. Keine endlosen Erklärungen, wie das Projekt funktionieren soll. Mein Einsatz, meine Arbeit, meine Fehler, meine Lorbeeren.

Wie es scheint, sind diese renitenten Gedanken auch mit durchgeschlüpft, als der Stahlschalter kaputt ging. Mal sehen, ob sie bleiben möchten.

Ach ja…die nächsten Tage schreibe ich an meinem Buch.  Sonst nichts. Deshalb reichte die Zeit heute leider nur für einen halben Blog 🙂

4 Gedanken zu „Fast ein Blog…aber nur fast ;-)“

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