Lifestyle, Seelenmarzipan

Rama dama…für Fortgeschrittene <3

„Rama dama“ ist ja eigentlich nur für die interessant, die es erst dazu kommen ließen, dass ein gründliches und kompromissloses Aufräumen notwendig wurde. Ganz gleich ob man Schuttberge, seine Schränke, den Freundeskreis, sein Arbeitsteam oder seine Lebenseinstellungen neu sortiert…vorher musste erst einmal ein gewisses Mass an Schutt und Unbrauchbarem angesammelt werden.

Eine Disziplin, in der ich Meister bin. Meine Schubladen würden jedem Krämerladen Konkurrenz machen, mein Kleiderschrank war einst so wohl sortiert und geordnet, wie ein  Ausverkaufslager bei Zara, mein Freundeskreis riesig aber nicht unbedingt rund und nicht unbedingt alles Freunde und einige meiner Lebenseinstellungen und Denkweisen brachten so manchen, der es gut mit mir meinte, zum Weinen…

Dann fing ich also irgendwann an mit dem Rama dama und mit jeder neuen Aktion wurde alles klarer. Zwar deutlich weniger von allem, aber brauchbarer, übersichtlicher und angenehmer. Manches musste ich neu anschaffen, vieles wurde neu entdeckt, verborgen und vergessen, zwischen dem Gerümpel. Und als ich vor einer Weile begann, endlich auch meine Lebenseinstellungen zu sortieren, welche davon ich mit in das letzte Drittel meines Aufenthalts hier nehmen sollte, welche mir gut tun und mit welchen ich mir selbst schade, da war ich erstaunt, was nach all dem Rama dama doch noch übersehen worden war. Es ist nach wie vor sehr ungewohnt für mich, unbequeme Dinge, wie ich worüber denke, einfach anzusprechen, Dinge einzufordern, selbstverständliche Dinge, wenn ich sie vermisse. Auch Respekt.

Ich denke, ich war eher so der Typ,  „wandelndes Diplomaten Corps“  bisher. Verbindlich, effektiv und  ein Großteil der zwischenmenschlichen Verhandlungen war daher natürlich äußerst erfolgreich aber nicht zwingend für mich selbst. Ich war oft beleidigt oder verletzt, wenn nicht gehört wurde, was ich NICHT sagte. Jetzt sind andere verletzt und beleidigt, wenn sie hören, was ICH sage. Noch bin ich dabei, herauszufinden, ob es sich so auf Dauer besser anfühlt. Aber einmal im Rama dama Fieber, gibt es wohl kein Zurück. Sieht man die Schutthalden erst und hat die Ärmel hochgekrempelt, dann ist es ein Selbstläufer.

Was ich während all der Aufräumarbeiten bisher am Tollsten fand, waren die unglaublich schönen Fundstücke, neben vergessenen Schätzen in Schubladen und Schränken, vor allem verlässliche Freundschaften, unerwartete und nette Gesten, Reaktionen, mit denen ich niemals gerechnet hätte, positiv wie negativ, oder einfach gar keine, wenn ich sie erhofft hätte …aber sie waren immer aufschlussreich. Hilfsangebote und Anerkennung in jeder nur denkbaren Art, auch für meine Arbeit, aber vor allem die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die mich nicht nur dann schätzen, wenn ich für sie oder andere leiste, sondern für das, was ich bin. Mein Blick wurde geschärft für echte Freunde und Verbündete. Kleiner Tipp, wie man sie erkennt: Sie sind einfach da, wenn du sie brauchst ❤

Rama dama ist cool 🙂

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