Seelenmarzipan, Tierschutz

Warum ich niemals Pflegestelle für ein Tier sein werde.

Alle lieben unsere Happyend Bilder. Ich auch, und hinter jedem einzelnen von ihnen steht eine Geschichte voller Leid, Angst, Hoffnung und oft auch Tränen, die sich dank einer wunderbaren Fee in ein Märchen verwandelt hat.

Wer in diesen Märchen dann oft vergessen wird, das sind die Pflegemütter, die hinter  diesen Rettungen stehen, sie sind die wahren Märchenfeen und ohne sie wäre all das nicht möglich.

Es sind die Menschen, die ohne zu zögern, ein krankes, verflohtes, stinkendes kleines Bündel Elend aufnehmen, es mit allem versorgen, was ihnen zur Verfügung steht…oft ist es nicht viel… die nie wissen, ob eine weitere Sterbebegleitung nun ihr Herz schwer machen wird oder ob sie Hoffnung und Leben schenken können.

Sie nehmen auf und stellen keine Fragen. Sie werben für ihre Schützlinge unentwegt um Futter, medizinische Behandlung und vor allem um eine Adoption. Teilweise betteln sie sogar, denn nicht alle kleine Orgas sind so gut aufgestellt, dass Futter und medizinische Behandlung für jeden Notfall zur Verfügung steht.

Und wenn sich dann alles gefügt hat, wenn ein Adoptant gefunden wurde und der große Moment gekommen ist, wenn sie das Tier in eine Box setzen, das sie mit so viel Liebe dem Tod entrissen haben und manchmal mit unfassbarem Einsatz gesund gepflegt,  wenn sie weinend am Flughafen stehen  und wissen, sie sehen  ihren Schützling nie mehr… dann bewundere ich die Kraft und die Stärke dieser Frauen.

Sie leisten nicht nur körperlich sondern auch emotional Schwerstarbeit. Sie übernehmen Verantwortung, die andere ablehnten und sie sind die rettenden Engel, denen ich nur zu gerne beistehe, damit sie ihre Arbeit unter leichteren Bedingungen ausüben können, mehr Platz, mehr Futter, mehr Medikamente , mehr Adoption.. letztlich dann aber auch mehr Herzschmerz. Jeder Abschied ist aufs neue ein großer Einschnitt und in diesem Moment ist auch der Gedanke an das schönste Zuhause, die beste Zukunft für ihre Schützlinge nur ein kleiner Trost.

Spätestens am Heimweg vom Flughafen, wenn links und rechts am Straßenrand bereits die nächsten Elendsgestalten kauern, lässt der Schmerz nach, die Freude über die wunderschöne Zukunft ihrer Fellchen und die wunderbaren Adoptanten überwiegt und der Gedanke beflügelt, nun wieder einen Platz für den nächsten Notfall frei zu haben.

Daher meine Bitte an alle Adoptanten, ganz gleich, bei welcher Organisation. Denkt an die Pflegemütter, schenkt ihnen ab und an ein Bild, eine Rückmeldung. Es bedeutet ihnen mehr, als ihr euch vorstellen könnt und ich bin sehr froh, dass wir in unserer Organisation einen sehr engen und schönen Austausch zwischen Pflegemüttern und Endstellen pflegen, der beide freut und der das Loslassen sehr viel leichter macht.

Ich persönlich könnte nicht loslassen und würde daran zerbrechen. Die Vorstellung, eine Katze oder einen Hund in der Familie aufzunehmen, sie über Monate zu pflegen , alle kleinen Eigenheiten zu kennen und zu lieben und sie dann in eine Box auf Nimmerwiedersehen zu fremden Menschen zu schicken, würde ich emotional nicht bewältigen und damit wäre meine Pflegestelle in kürzester Zeit verloren, für alle Notfälle die warten. Ich wäre der klassische „Pflegestellenversager“, wie wir dieses Verhalten nennen.

Chapeau an alle beherzten Pflegemütter- (und Väter) , die dieses Opfer immer wieder aufs neue bringen. Ihr seid wunderbar ❤

 

tall
Ein letztes mal Pfötchen geben für die Pflegemutter, ehe es auf die Reise geht…

 

10 Gedanken zu „Warum ich niemals Pflegestelle für ein Tier sein werde.“

  1. Hallo Bettina,
    ich finde deine `klare Ansage´ gut, weil sie dazu anregt, über das Thema Tierschutz mal nachzudenken.
    Und das Thema ist im großen Zusammenhang gerade auch für unsere Existenz ein sehr wichtiges, wenn man daran denkt, dass es Tierarten gibt, deren Population dramatisch zurückgeht. Aktuell beziehe ich mich persönlich auch auf die Insekten und Vogelwelt, die durch Glyphosat und andere Pestizide quasi weggespritzt wurden. Habe meinen ersten Sommer ohne Fliegen erlebt und füttere Vögel durchs Jahr.
    Sorry, dass ich mich hier so ausbreite, möchte aber gerne meine Bemühungen zum Thema hier gern teilen, damit sie nicht ganz untergehen:
    https://4alle.wordpress.com/category/animal-rights/
    Schließlich stehen wir alle in der Verantwortung!
    Warte nur noch auf Sonne!
    Jürgen aus Loy (PJP)

    Gefällt 2 Personen

  2. Der Text sagt genau das aus was eine Pflegemutter empfindet. Man gibt jedes mal ein Stückchen Herz mit auf die Reise. Und ja, man freut sich über jedes Bild oder Video von dem ehemaligen Pflegekätzchen. Danke!

    Gefällt 3 Personen

  3. Ich bewundere diese konstanten Pflegestellen auch! Und freue mich über jedes Bild unserer Schützlinge, das an die „Rettungskette“ gesendet wird > und dann ja auch bei den Flugpaten, Fahreren, Organisatoren, Spendern und den vielen anderen Beteiligten ankommt.

    Gefällt 2 Personen

  4. Liebe Bettina, mir wurde beim Lesen eben auch sehr warm und auch schwer ums Herz… du hast so Recht und ich danke dir wieder sehr für deine klarenm wahren Worte hier.
    Als wir vor gut 9 Jahren unsere Sammy „adoptiert“ hatten, haben wir alle paar Wochen mal eine kurze mail mit ein oder zwei Foto(s) an die „Geburtsfamilie“ gesendet, die anfangs auch gelegentlich geantwortet hatte. Wir waren etwas verwundert, als das immer weniger wurde und haben dann einen Anruf bekommen, dass sie sich sehr freuen dass es der Miez bei uns so gut geht… Sie würden es aber nun… naja, also nicht mehr „benötigen“… Das haben wir natürlich akzeptiert.
    Das war aber auch ein anderer Hintergrund, die Miez hatte eine liebe Geburts- und erste Wochen-Familie.
    Die Katzenhaus-Mitarbeiter wiederum freuen sich imemr noch, wenn wir uns irgendwo an Info-Ständen oder so mal treffen und vom Katerchen erzählen und Handybilder zeigen.
    Der „kleine“ Kerl hat sich ja nach all dem was er wahrscheinlich in seinen ersten Tagen oder Wochen erleben musste (er und seine 3 kleinen Geschwister wurden als ganz junge Kitten an der nicht mehr lebenden Mama liegend im Wald gefunden, leider hat nur er von allen überlebt) bei uns sehr gut gemacht und ist ein wahrer Prachtkerl-Muskelkater geworden.

    Meinen herzlichsten Dank an euch alle, die „Auffinder“, Pfleger und Helfer, die Vermittler und natürlich die aufopfernden Pflegestellen-Tierliebenden…
    Liebe Grüße Kat

    Gefällt mir

  5. So ein schöner Text! Er spricht mir aus der Seele, denn auch ich bin ein Pflegestellenversager. Zwar waren es einige ungünstige Umstände, die dazu geführt haben, dass wir unseren Hund dann doch selbst behielten, doch wenn ich mir vorstelle, dass wir ihn beinahe „weitergereicht“ hätten, wird mir ganz schwer ums Herz. Aber dennoch ist es so wichtig, dass es viele Menschen gibt, die diese Stärke besitzen, Pflegestelle zu sein. Ansonsten könnten ja viele Hunde garnicht erst ausreisen oder resozialisiert werden, bevor sie vermittelbar sind. Insofern kann ich alle deine Aussagen voll und ganz unterstützen.

    Viele Grüße

    Christina

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.