Seelenmarzipan, Tierschutz

Reif für die Insel…aber sowas von…

Es heißt, wenn man liebt, was man beruflich tut, dann muss man keinen Tag seines Lebens arbeiten, denn es wird immer Spaß machen. Das ist natürlich Quatsch!

Ich liebe, was ich beruflich mache, denn die Arbeit mit Immobilien, der Kontakt mit Handwerkern und Mietern und immer neuen Projekten ist abwechslungsreich und anspruchsvoll und geht mir leicht von der Hand. Deshalb suchte ich mir als Freizeitaktivität eine Tätigkeit, die mich ein wenig mehr fordert. Ich wollte nach Feierabend die Welt  retten, etwas bewegen und meinen Beitrag leisten…und obwohl ich es liebe, lernte ich nach einem langen Berufsleben dann schließlich doch noch kennen, was es wirklich heißt, hart zu arbeiten.

Das Wort Spaß würde ich im Zusammenhang mit Tierschutz eher weniger verwenden. Freude, oft Dankbarkeit, vielleicht eher. Meist fallen mir aber dazu Begriffe wie Ärger, Zorn, Verzweiflung, Resignation oder Frustration ein. Heute zum Beispiel, hatte ich mir vorgenommen, endlich für den Urlaub zu packen, dabei schöne Musik zu hören, am Nachmittag  noch einen Spaziergang um das schöne Wetter auszunutzen und Abends vielleicht nach der Post schauen.  Heute einmal nicht so viel arbeiten, die letzten Wochen waren hart.

Guter Plan! Er hat nur nicht ganz so funktioniert, wie gedacht. Denn die erste Hiobsbotschaft morgens am Handy, beziehungsweise die Schadensbegrenzung dieser Hiobsbotschaft, zog sich bis Mittags hin, dazwischen wieder 1001 Anfragen, teilweise flehende Bitten an mich,  für diesen und jenen Hund/Shelter/Katze/Flugpaten/Event/Vermittlung einen Kontakt herzustellen, etwas zu schreiben oder weiterzuleiten, was ich natürlich prompt erledigt habe, dann ein paar Telefonate, sehr angenehme und einige unangenehme, doch noch heute die Vereinspost beantworten, denn Spender und potentielle Adoptanten lässt man NIEMALS warten, jedenfalls nicht in meinem Verein und dann war es auch schon Nachmittag. Gepackt hatte ich noch nichts.

Vorher wollte ich mit unseren Partnern in Athen kurz das eine oder andere besprechen oder abzugleichen, es gab heute jede Menge Notfälle, die auf die Vereinsseite sollten, Texte, die auf Übersetzung warten, Anfragen über Anfragen,  und wieder Telefonate, angenehme und unangenehme. Wieviel Geld haben wir eigentlich gerade? Reicht es für die geplanten Anschaffungen, was machen Notfall XY, wie laufen die Flugpatenschaften? Für meinen eigenen Urlaub habe ich natürlich auch noch kurzfristig eine Flugpatenschaft angeboten und jetzt mussten die Nachfragen dazu beantwortet werden. Gepackt hatte ich nach wie vor nichts.

Immerhin habe ich es geschafft, zwischen all dem noch Einkaufen zu gehen, ehe die Läden schließen. Luna würde mir nie verzeihen, wenn ihr Lieblingsfutter ausgehen würde und da sie sich am Rechner immer wieder in Erinnerung bringt, ist sie die einzige in der Familie, die bestens versorgt ist. Alles andere muss zurück stehen, denn eigentlich läuft mittlerweile jeder einzelne Tag so ab.

Unterbrochen nur von meiner beruflichen Arbeit oder wenn ich tatsächlich einmal wieder privat etwas unternehme… aber immer tickert das Handy mit. Auch am Abend oder spät in der Nacht, ganz gleich, wo ich mich befinde und mit wem ich zusammen bin. Jeden Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Das ist verrückt, ich weiß …aber das Rad, das wir mittlerweile drehen, ist immens groß geworden und hilft an so vielen Orten, nur wenn ich  zu jedem Zeitpunkt informiert bin, reagieren, antworten, delegieren kann, läuft der Laden. Ein paar Mal habe ich bereits ausprobiert, was passiert, wenn ich nicht erreichbar bin… nie kam etwas dabei heraus, was mir gefallen hat…und den meisten anderen auch nicht 😉 .

Ach ja, gepackt wurde heute natürlich nichts mehr. Auch nicht spazieren gegangen, weil der Nachmittag genau wie der Abend  ablief, nämlich wie der Vormittag geendet hatte. Mit Arbeit für den Verein, für Tiere. Ein ganz normaler Tag.

Und jetzt ist irgendwie der Akku auf rot. Ich kann keine Facebook Posts mit Katzen oder Hunden oder anderen Tieren mehr sehen, obwohl ich selbst täglich zig davon verfasse. Ich will keine geschundenen, gequälten Tiere mehr sehen. Ich möchte gerade keine Nachrufe mehr verfassen und auch keine Aufrufe. Ich möchte nicht mehr beständig darum gebeten werden, dringend einen Notfall zu vermitteln, bei irgendetwas  zu helfen und ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich es nicht kann oder nicht gleich kann. Möchte nicht mehr nonstop irgendetwas für irgendjemanden ermöglichen. Ich bin müde, zum tausendsten mal das Gleiche erklären zu müssen oder mich zu erklären. Ich mag mich gerade auch nicht mehr rechtfertigen, für alles, was wir tun. Ich bin erschöpft davon, dafür zu sorgen, dass es im Team rund läuft, jeder über alles informiert ist und alle an einem Strang ziehen, mich  pausenlos zu bedanken für etwas, das gar nicht ich sondern jemand anderer erhält.  Erschöpft, nonstop für andere um etwas zu bitten, was sie dringend zum Überleben brauchen, für jedes Problem Anlaufstelle zu sein. Ich will nicht mehr rund um die Uhr  erreichbar sein. Aber vor allem, will ich eine Zeit kein Elend mehr sehen und hören…und fühlen  …

Das Ganze nennt sich wohl Tierschutz Burnout und die alten Hasen unter den Tierschützern wissen worüber ich hier schreibe. Viele werden krank, einige wunderlich oder hart, manche aggressiv aber alle verlieren wir uns selbst über dieser Aufgabe.

Deshalb mache ich jetzt Urlaub. Seit es unseren Verein gibt, lief selbst im Urlaub  alles ab, wie Zuhause, nur in netterer Umgebung. Eingecheckt, WLAN gesucht, mich bei meinen Mitreisenden entschuldigt, Handy und Laptop auf den Tisch …und same procedure. Diesmal wird es wohl etwas anders ablaufen, auch wenn wenn es mir schwer fallen wird. Aber Abstand muss sein. Für ein paar Tage möchte ich wieder das Gefühl zurück haben, mein eigenes Leben zu leben.

Der nächste Blog wird ein Urlaubsblog, …ausnahmsweise ohne Katzengeschichten aber dafür mit  Pina Colada Testberichten und anderen wichtigen Dingen des Lebens, die ich mittlerweile fast vergessen habe.

Aber jetzt sollte ich langsam wirklich beginnen zu packen.

Fortsetzung folgt ❤

Time for change

 

 

 

 

5 Gedanken zu „Reif für die Insel…aber sowas von…“

  1. Es ist so, wenn man sich konsequent der Sache widmet und wer nicht selbst bis zur Nasenspitze drin steckt, kann es schwer nachvollziehen. Aber austreten? Es ist wunderbar, was bei uns jeden Tag ermöglicht wird und nach dem Urlaub wird in den nächsten Gang geschaltet 🙂

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  2. Du hast recht, liebe Bettina. Irgendwann ist es genug und es geht einfach nicht mehr. Was du tust für andere geht auf die Dauer nur, wenn Körper und Geist sich mal ausspannen können. Zum richtigen Zeitpunkt Ferien machen, sich erholen, Spass haben und es sich selbst gut ergehen erlassen ist wichtig. Ich jedenfalls freue mich immer sehr über und auf deine Geschichten, und das gilt auch für deinen Urlaubsblog.

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  3. Liebe Bettina,

    ich wünsche dir einen wunderschönen und erholsamen Urlaub!
    Nur wer auf sich selbst schaut, kann auch „auf andere schauen“, für andere da sein – sonst bist du ausgebrannt und nix geht mehr…….. 🙂

    Ich freu mich auch auf die Fortsetzung deines Blogs, ich lese deine Geschichten total gerne – und ob dir im Urlaub keine Katze begegnen wird – ob tatsächlich oder nur in Gedanken, wollen wir doch erst mal abwarten….. 🙂

    Sei ganz lieb aus Österreich gegrüßt,
    Eleonora

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