Tierschutz

Griechenland – die Krise, die Streuner …und wie ich zum Bettler wurde

Was ich tue, ist objektiv betrachtet, verrückt. Ich bin kompromisslos geworden, besessen könnte man sagen, aber auch beseelt von einer einzigen fixen Idee: Ich möchte, dass dieses sinnlose Leiden und Hungern und Sterben aufhört, oder zumindest, dass es besser wird. Ich möchte Geld, immer mehr Geld, mehr Hilfe und Aufklärung. Ich möchte meinen wunderbaren griechischen Freunden helfen, zu helfen!  Und dafür werbe und schreibe, bitte, verhandele und taktiere ich sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr. Ich wurde zum Bettler, für meine griechischen Freunde und sie wurden zum Bettler für die hungernden und leidenden Tiere, weil die Krise kaum noch Hilfe im Land erlaubt. Weil sie die Einzigen dort sind, die das Leid sehen und sich mit aller Kraft dafür einsetzen, es zu lindern. Für mich sind sie Helden!

Vier von zehn Beschäftigten in Griechenland verdienen weniger als 700 Euro brutto im Monat. (Brutto wohlgemerkt, wer rechnen kann, der weiß, was jemandem mit mehr als 40 Arbeitsstunden/Woche und einer qualifizierten Ausbildung dann netto bleibt.) Nach einer Studie der griechischen Zentralbank haben die Griechen in den Krisenjahren durchschnittlich 26 Prozent ihres Einkommens und 40 Prozent ihres Vermögens verloren. In einem Drittel der griechischen Haushalte gibt es mindestens einen Arbeitslosen. Fast die Hälfte der 18- bis 35-Jährigen ist finanziell von den Eltern abhängig. Jede zweite Familie hält sich mit den Renten der Eltern und Großeltern über Wasser. Das ist nicht leicht, denn jeder zweite Rentner in Griechenland bekommt weniger als 500 Euro im Monat. („Weniger“ bedeutet meist, um die 300 … ich weiß das ziemlich genau, denn ich kenne sehr viele von ihnen, die nur noch Wasser und eingeweichtes Brot für die Tiere abzweigen können und unglaublich darunter leiden).

Diese Zahlen lassen erahnen, dass die meisten Menschen in Griechenland mittlerweile nicht einmal mehr das Geld für die dringendsten eigenen Bedürfnisse zur Verfügung haben. Ihr durchschnittlicher Lebensstandard ist weit unter dem eines Sozialhilfeempfängers hierzulande, auch wenn sie einer hochqualifizierten Arbeit nachgehen oder ein Leben lang gearbeitet haben, denn die Lebenshaltungskosten in Griechenland sind so hoch wie bei uns. Es ist mir ein Rätsel, wie sie sie über die Runden kommen. Trotzdem teilen viele von ihnen großherzig das, was ihnen noch geblieben ist, mit den verhungernden, kranken, verletzten und misshandelten Tiere auf den Straßen. Es gibt unzählige von diesen leidenden Tieren, sie werden immer mehr, denn Geld für Kastration, die genauso viel kostet, wie in einer Tierarztpraxis hierzulande, ist unerreichbarer Luxus.

Wer sich Sorgen macht, ob morgen die Rente oder das gekürzte Gehalt noch für Lebensmittel reicht, wird eher selten 50 Euro für eine Kastration auf den Tisch legen. Daher vermehren sich die streunenden Katzen und Hunde explosionsartig, werden dann lebendig in Abfalltonnen entsorgt, getreten, geschlagen, vergiftet, ertränkt, mit ätzenden Flüssigkeiten übergossen oder einfach dem Hungertod überlassen. Was ich gerade nüchtern aufzähle, treibt mir die Tränen in die Augen. Es ist die Regel, nicht die Ausnahme und die Bilder rauben mir den Schlaf. Sie verfolgen mich, weil ich weiß, es wäre so einfach zu helfen. Weil ich manche dieser Tiere (und auch deren Menschen und Helfer)  auf ihrem Weg begleite, oft ein wunderbares Happyend ermöglichen konnte … weil wir genügend Hände hatten die helfen aber vor allem, weil genügend Mittel zur Verfügung standen um zu füttern, zu kastrieren und für die Medizinische Behandlung….Dieses Wissen raubt mir den Schlaf, weil es mich  zum Bettler gemacht hat,… immer angewiesen auf andere… immer gezwungen, eigene Meinung und Bedürfnisse für das große Ziel „Hilfe“,  zurückzustellen.

Nur wenn es jeden Tag gelingt, weiterhin genügend Spender zu mobilisieren, Adoptionsplätze aufzutreiben, den Nachschub an den Futterstellen zu gewährleisten, Spender, Teammitglieder und Adoptanten zufrieden zu stellen und unseren Verein stabil und leistungsfähig zu halten … nur dann funktioniert das gigantische Netzwerk der Hilfe. Nur dann kann jedesmal das OK gegeben werden, wenn angefragt wird, ob noch Geld für diesen oder jenen Notfall zur Aufnahme vorhanden ist, ob neues Futter zur Verteilung bestellt werden kann, eine Behandlung, die Schmerzen lindert und Leben ermöglicht, stattfinden kann, ob ein Transport nach Deutschland möglich ist und ob die nächste Kastrationsaktion finanziert ist. Meist ist die Antwort : JA!

Unsere wunderbare Community vollbringt täglich kleine Wunder an Einsatz, Großzügigkeit und was diese talentierten und engagierten Menschen bisher erreicht haben, ist für sich bereits mehr als ein „kleines“ Wunder. Trotzdem wird es nie genug sein, trotzdem stehe ich jeden Morgen wieder auf und muss erneut um alles werben, bitten, erinnern, was wir benötigen, um weiter arbeiten zu können, damit die Hilfe in Griechenland weitergehen kann, damit die Tierschützer dort arbeiten können und sich millimeterweise vorkämpfen, auf dem Weg in eine bessere Zukunft für ihre Streuner. Jeden Tag um jede Stimme betteln, die uns den Gewinn bei einem Wettbewerb sichert, denn das Geld brauchen wir dringend. Jeden Tag erneut freundlich anfragen, ob jemand spenden/adoptieren oder sich bei uns einbringen möchte. Jeden Tag bedanken, für all die Hilfe, die wir erfahren dürfen. Jeden Tag im gesamten Team dafür werben, dass alle bleiben und jeder ehrenamtlich unzählige Stunden aufwendet, damit unser System nicht kollabiert, es ist mittlerweile sehr groß geworden.

So wurde ich zum Bettler. Manchmal bin ich müde, oder verärgert oder enttäuscht… aber sobald ich aufhöre zu betteln, mich einfach nur wieder um meine Belange kümmern würde, werden andere dafür bezahlen. Ihre Futterstelle bleibt leer, sie sitzen dann vergeblich und warten auf die einzige Mahlzeit am Tag in der Kälte des Winters. Sie werden an ihren Verletzungen sterben, an ihren Infektionen jämmerlich zugrunde gehen, nie das Gefühl von Zuhause und Geborgenheit kennnelernen.  Die Menschen, die vor Ort für die Tiere leisten und über sich hinaus wachsen, und auf meine Hilfe zählen, wären wieder allein gelassen und enttäuscht …und ich könnte nicht mehr in den Spiegel sehen.

Jetzt muss ich leider aufhören, denn heute endet ein unglaublich wichtiger Wettbewerb, der über Leben und Tod vieler Tiere entscheiden wird.  Der Großteil unserer wunderbaren Gemeinschaft hat bereits alles mobilisiert und gegeben. Ob es reichen wird, wissen wir noch nicht. Bald ist Winter und die Situation für die Tiere wird sich noch einmal dramatisch verschärfen. Falls mich jemand suchen sollte …ich beginne gerade die neue Woche, wie die alte aufgehört hat… ich bin betteln 😉 .

Gerade findet übrigens auf Facebook ein riesiger und wunderschöner Weihnachtszauber statt, um Geld für die Behandlung der Streuner aufzubringen, die verletzt oder schwer krank auf Aufnahme warten. Es werden tolle Sachen verkauft, versteigert und verlost und unsere Preise sind legendär, einer schöner als der andere… schaut doch einmal bei uns vorbei, einfach auf diesen Link klicken und um Aufnahme in der Gruppe bitten. Wir freuen uns auf euch ❤

https://www.facebook.com/groups/852625601561978/

 

 

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