Seelenmarzipan

Du kannst jederzeit gehen…

Wenn du das Gefühl hast, am falschen Ort zu sein, dann solltest du dich bewegen…und wenn sich etwas nicht gut anfühlt, dann ist es meistens auch nicht (mehr ) gut für dich.

Zwei einfache Lebensregeln, die viel sinnlose Zeit und Kummer ersparen, oder besser gesagt, ersparen würden, wenn man sie befolgt. Meistens tut man es nicht oder erst viel später, als eigentlich gut wäre.

Gerade stehe ich wieder vor einer neuen Türe, von der ich noch nicht so genau weiß, ob sie die richtige ist. Ich überlege immer öfter, ob ich sie nicht einfach öffnen sollte, nachsehen, was sich dahinter neues, aufregendes verbirgt, denn das Zimmer, in dem ich mich gerade befinde, an dem ich so lange liebevoll gebaut, gemalert, eingerichtet und dekoriert habe, wird mir mehr und mehr fremd. Irgendetwas fehlt mir.

Vielleicht sollte ich einen Raum weiter ziehen, vielleicht alles eine Nummer kleiner, beschaulicher und wieder mehr nach meinen Vorstellungen einrichten. Es passiert mir oft, dass meine Baustellen größer und perfekter werden, als ich sie mir je erträumt habe, nur damit ich nach einer Weile feststelle, es hätte auch eine Nummer kleiner gereicht und die Instandhaltung wird mir zu anstrengend. Vielleicht bin ich aber einfach nur müde und würde mein Zimmer vermissen, wenn ich alles hinter mir lasse. Niemand kann es mir sagen und deshalb warte ich einfach ab.

Gerade bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich so weitermachen möchte, wie ich die letzten beiden Jahre meines Lebens verbracht habe. Ich habe alles gegeben, was ich hatte. Viele denken, es wäre in erster Linie „nett schreiben“ gewesen, was ich einbringe und was meine Arbeit für unseren Verein ausgemacht hat.  „Nett schreiben“ war sicher ein wichtiger Punkt, oder besser gesagt, „mit dem eigenen Herzblut“ schreiben … denn ich habe in jede unserer Veröffentlichungen auch immer eine große Portion des eigenen Herzbluts mit eingearbeitet. Aber das ist es nicht, worauf ich stolz bin. Viele können schreiben. Es ist die bis ins Detail ausgeklügelte Strategie, mit der ich  jede Zeile, jede Veröffentlichung, jeden Kontakt, jeden Facebook Algorithmus, jede Aktion, jedes Projekt und den Gesamtaufbau sämtlicher nur denkbaren internen und externen Strukturen und Abläufe geplant und umgesetzt habe. Vor allem anderen bin ich ein Taktiker und neben den netten Katzengeschichten floss alles an Skills, Ressourcen und Ideen ein, die ich mir über die letzten Jahrzehnten angeeignet habe, dazu jeden Tag 8 – 12 h ehrenamtliche Arbeit, alle meine Blog Kontakte und so ziemlich jeder Cent, den ich irgendwie entbehren konnte.

Jeden Monat kamen neue Talente und Unterstützer hinzu, Mitstreiter und Freunde und jeden Monat wurden die Ressourcen größer, auf die wir zurück greifen konnten. Jeden Monat wurde meine (ehrenamtliche) Arbeit mehr und jeden Monat wuchs der Bedarf immer noch ein bisschen schneller als das, was wir liefern können. Das liegt in der Natur der Sache. Es wird immer zu wenig sein. Es wird immer mehr bedürftige Tiere als helfende Hände geben. Jedesmal wenn wir die Anstrengungen verdoppeln, dann hat sich die Anzahl der Notfälle über Nacht bereits verdreifacht.

Es ist für alle selbstverständlich geworden, dass ich all das tue, auch für mich ist es selbstverständlich geworden, als gäbe es gar keine andere Option mehr, kein anderes Leben für mich.  Ich bin immer verfügbar und allen dankbar, die es mit mir und für die Sache sind.  Dankbar bin ich wirklich aber ich beginne immer öfter zu hinterfragen, ob es wirklich so selbstverständlich ist, ob der Preis für mich auf Dauer nicht zu hoch ist und ob es nicht noch andere, weniger strapaziöse Optionen gäbe, zu helfen. Würde ich das, was ich für unseren Verein selbst spende, erdacht habe, ermögliche und bewege, bei einer anderen Organisation einbringen, dann würde man mich dort sehr wahrscheinlich auf Händen tragen, meine Arbeit würde ganz anders wahrgenommen werden:

Als ein Geschenk und nicht als Selbstverständlichkeit.

Meine Wünsche würden berücksichtigt, man ginge sehr umsichtig mit mir um, so wie ich jetzt mit all unseren Spendern und Unterstützern, weil man mich nicht verlieren wollte. Ich würde mich einzig um meine Angelegenheiten kümmern und alles andere, Anderen überlassen, auch die nervenzehrenden Diskussionen, Erwartungen, Anfeindungen und die Zitterpartien um Unterstützer. Ich könnte ohne schlechtes Gewissen nur dann beitragen, wenn mir danach ist, und so viel, wie ich gerade beitragen möchte. Ich könnte jederzeit zu allem, was mir missfällt, Nein sagen, meine Meinung frei äußern, mir meine Arbeitskontakte nach Sympathie aussuchen und alles ohne jede Spur von Druck oder Verpflichtung. Ich müsste niemandem dankbar sein sondern man würde sich wohl eher beständig bei mir bedanken, obwohl ich das Gleiche, sehr wahrscheinlich sogar deutlich weniger, tun würde, als ich jetzt tue. Eigentlich lustig.

Vielleicht ist es das, was ich in diesem anderen Zimmer erhoffe, vor dessen Türe ich gerade unschlüssig stehe und nicht so recht weiß, ob ich einfach nur müde bin und bald wieder anders über alles denke oder ob tatsächlich Zeit ist, für etwas ganz Neues.

Vielleicht sollte ich bei Gelegenheit den große Kürbis fragen. Er hat mich gerade mit einer Grippe beschenkt, damit ich Zeit habe, in Ruhe über alles nachzudenken. Ihm war wohl auch bereits aufgefallen, dass etwas Neues ansteht …

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3 Gedanken zu „Du kannst jederzeit gehen…“

  1. Eigentlich ist die Entscheidung meist schon gefallen, wenn man beginnt darüber nachzudenken. Ich hoffe, du bist mutig genug, liebe Martha. Wir gestalten jedes neue Zimmer auch immer selbst und die meisten verharren dort, wo sie sich nicht mehr richtig fühlen, aus Angst . Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Bei mir ist es übrigens „Pflichtbewusstsein “ was mich derzeit daran hindert, und die aufrichtige Verbundenheit zu einigen Menschen in unserer Community. Wir werden sehen ♡

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  2. Da ich nicht in deinen Schuhen wandle, kann ich dir sehr schlecht einen Rat geben. Aber ich fühle mit dir, weil ich auch vor der Wahl stehe, entweder so weiter zu machen wie bisher, was eigentlich ziemlich dumm wäre, oder aber in ein neues Zimmer zu gehen, das mir manchmal bedrohlich und düster und Furcht einflößend erscheint, und dann wieder wie ein neues Zuhause. 😉
    Alles Liebe.

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  3. Liebe Bettina,

    ja, wer kennt ihn nicht, diesen Blick in das unbekannte Zimmer?
    Ich glaube, du bist ein sehr mutiger Mensch, der dort, wo die meisten von uns zögern, mutig einen Schritt nach dem anderen geht.
    Dafür bewundere ich dich – für dein Engagement und deine Courage.
    In dieser speziellen Situation bereitet mir der Gedanke an eine bestimmte Art von Mut deinerseits jedoch große Sorge…..
    Ich wünsche dir, dass du die für dich richtige Entscheidung triffst.
    Deiner „Katzenfirma“ wünsche ich, dass sie Bestand hat, wie immer auch deine Entscheidung ausfallen möge.
    …..und dann sind da noch diejenigen, denen ich LEBEN wünsche – nicht mehr und nicht weniger – das sind die KATZEN.
    DANKE für DEIN ENGAGEMENT und GUTE BESSERUNG!!!
    Herzliche Grüße aus Österreich!

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