Tierschutz

Denn sie wissen nicht was sie tun…

Wahrscheinlich gibt es dieses Phänomen überall, am deutlichsten kann man es jedoch auf Facebook und in den Medien beobachten. Schwarz auf weiß ist dort das who is who der menschlichen Hässlichkeiten, Lügen und fehlenden Umgangsformen festgehalten. ich weiß, wovon ich rede, denn jeder, der in der Öffentlichkeit auftritt, aus welchen Beweggründen auch immer, kann sich diesen Begleiterscheinungen nicht entziehen. Ich kann es zum Beispiel nicht oder oft nicht, weil ansonsten ein wichtiger Teil an Unterstützung wegbrechen würde, den ich durch diese Internetpräsenz ermögliche. Mit der Zeit erhält man ein dickeres Fell, wobei ich mich bei manchen Politikern und Personen des öffentlichen Lebens trotzdem frage, wie sie es ertragen, beständig und ungestraft, Zielscheibe von Häme, Hass und Lügen zu sein, ohne dabei die eigene Persönlichkeit zu zerstören. Es wurde zum Volkssport in vielen Nationen.

Was mich angeht, mein Fell ist nicht unbedingt dicker geworden. Nach wie vor wundere ich mich über das unglaubliche Ausmass an Gehässigkeit, wenn ich Diskussionen auf FB verfolge, besonders in der Tierschutz Szene. Dort bin ich zuhause, dort wird verleumdet, angeprangert, gelogen oder fahrlässig irgendetwas in die Welt geschrieben, obwohl gerade in diesem Umfeld jedesmal nicht nur Menschen dabei verletzt werden sondern die Sache selbst, Hilfe für die Tiere unweigerlich beschädigt wird. Weil es abstößt, weil die Betroffenen aufgeben, weil es spaltet oder Zeit stiehlt, die an anderen Brennpunkten dann fehlt.

Nicht jeder sieht das so wie ich: …“Das wird man doch wohl mal sagen dürfen“ …“Die Betroffenen sollen damit einfach souveräner  umgehen“ … „Das hat man doch nicht so gemeint“ …  „das ist mangelnde Kritikfähigkeit“ … „schaff dir einfach ein dickeres Fell an“…  „was soll die Aufregung, schließlich geht es ja nicht um dich sondern nur um Tiere.“  Wirklich? Ist es wirklich in Ordnung, dass dabei beständig alles auf der Strecke bleibt, was für zwischenmenschliche Beziehungen unerlässlich ist, wenn sie funktionieren sollen? Ist es OK, weil es ja um Tiere geht, beständig frei Schnauze und ohne jede Wertschätzung oder Rücksicht auf andere zu posten, in die Welt zu setzen oder zu erfinden? ist es nicht eher krank, rücksichtslos und auch dumm? Ich werde es nie verstehen!

Oft kann ich es mir mit Dummheit, fehlender Kinderstube oder Unwissenheit erklären, oft bleibt als Schlussfolgerung über die Person, die da schreibt,  aber tatsächlich nur Boshaftigkeit oder eine Persönlichkeitsstörungen übrig. Großzügig wird ausgeteilt, werden Lügen in den Raum gestellt, Fehler angeprangert und ein Umgangston gewählt, der entweder tiefste Gosse oder gespickt mit Anfeindungen, herabsetzenden Wertungen, zynisch und verletzend ist. Dafür ist die Tierschutz-Szene berühmt/berüchtigt, das ist der Grund, warum bis heute noch keine funktionierende Tierschutzpartei im Bundestag sitzt, alle Tierschutzverbände noch nicht vernetzt und gebündelt ihre Kraft einsetzen und warum auch ich bereits gefühlt 1000 Blogs darüber geschrieben habe, nur um mir am nächsten Tag die nächste öffentliche Ohrfeige abzuholen, von jemandem, der diese einfachen Ausführungen nicht verstehen will oder kann.

Es wird wohl immer diejenigen in der Szene geben, die sich von all dem abgestoßen fühlen und dann einfach still gehen.

Es wird immer auch die geben, die irgendwann selbst so abgebrüht oder verbittert sind, dass sie irgendwann beginnen mit den gleichen Mitteln zu arbeiten (schrecklicher Gedanke!).

Es wird aber auch immer die geben, die versuchen, sich in einem Team zusammenzufinden, in dem gearbeitet, sehr wohl auch intern aber immer wertschätzend diskutiert wird, gestritten und wieder versöhnt, und die dabei trotzdem nie aus den Augen verlieren, dass hier Menschen zusammenkommen, die verletzlich sind, die freiwillig und ehrenamtlich für Tiere eintreten und dass jeder von ihnen ein Mindestmaß an Respekt und Wertschätzung verdient hat, im Umgang miteinander.

Ich erhalte oft lieb gemeinte Ratschläge, nicht auf jede Lüge und jeden Angriff einzugehen. Der Ratschlag ist richtig, wenn auch schwer umzusetzen. Es fällt schwer, wenn die eigene Arbeit oder Person durch den Schmutz gezogen wird, durch Lügen, Halbwahrheiten, Unterstellungen und Anspielungen, noch schwerer fällt es, wenn die Arbeit von Team-Mitgliedern oder Spendern öffentlich kritisiert wird, weil ich Angst habe, sie deshalb zu verlieren und dann alles zusammenbrechen würde. Ich sitze so oft wütend oder traurig vor dem Rechner, kenne genau die FAKTEN, lese die öffentlich geposteten Unterstellungen, Gemeinheiten oder Lügen (nicht nur was unseren Verein oder mich angeht) und würde die Verfasser am liebsten schütteln, damit sie zur Besinnung kommen, damit sie begreifen, wie dumm und zerstörerisch ihre Handlungsweise ist. Sie finden sich oftmals in Grüppchen zusammen und klopfen sich gegenseitig noch auf die Schulter für ihre Boshaftigkeit und Häme. Sie finden sich „gut“ aber sind unter dem Strich nicht besser, als diejenigen, die kein Herz für Tiere haben und gar nichts tun. Vielleicht sogar schlimmer, denn sie zerstören, Ideen, Motivation, Menschen … und geben der Tierschutz Szene ein hässliches Gesicht.  Sie wissen nicht, was sie tun!

Es fällt mir schwer, jeden Tag wieder den Menschen auf Facebook zu begegnen, mit Menschen neutral und sachlich weiter zu arbeiten, die mir durch ihre Worte deutlich gezeigt haben, wie wenig sie mich schätzen (Vorsicht, Untertreibung! 😉 ) , wenn zwar deren Lügen und Hässlichkeiten  über mich oder unsere Arbeit auf Facebook kursieren, nirgends aber eine Richtigstellung oder Entgegnung dazu. Manchmal muss ich das trotzdem, damit die Hilfe weiter funktioniert. Meine traurige Sammlung an Hater und Lügen Screenshots würde so manchen verstören, der mir freundlich rät, nicht so empfindlich zu reagieren…

Jede Entgegnung oder Richtigstellung schadet mehr als sie nutzt. Auch das habe ich mittlerweile gelernt. Manche Richtigstellungen sind unverzichtbar, der Rest bleibt Schweigen. Wer viele Freunde und Unterstützer hat, wer beständig in der Öffentlichkeit steht, erhält zwangsläufig auch die andere Seite der Medaille. Das ist natürlich richtig. Aber warum das flächendeckend in dieser Form ablaufen muss, warum so wenig bedacht wird, WAS genau man mit seinen Worten, Kommentaren, Posts und Behauptungen an Schaden für die TIERSCHUTZIDEE hinterlässt,  ….und auch bei den Menschen, die sich dort mit viel Herzblut und Engagement einsetzen, ….das konnte mir bisher noch niemand beantworten.

Wahrscheinlich, … nein, ganz sicher… wäre es professioneller, zielführender und weniger aufreibend, wenn ich anders auf all das reagieren würde … ich erlaube mir trotzdem, weiterhin NICHT so souverän, konsequent und tough zu sein, wie es für diesen Job erforderlich wäre und wie das viele von mir erwarten.  Ich halte meine Befähigung für tiefe Emotionen, mein Gespür für Zwischentöne und Empathie, meine Spontanität und Verletzlichkeit, und auch den Mut, all das nach Außen zu bringen,  meinen Radar für Menschen, die mir (und auch anderen) nicht gut tun, … nicht für eine Schwäche sondern für ein Geschenk, nicht für einen Makel sondern für einen Bonus … es ist nichts, wofür ich mich rechtfertigen müsste. Eher werde ich zukünftig vielleicht  noch ein Stück mehr darauf achten, mir all das zu bewahren…

7 Gedanken zu „Denn sie wissen nicht was sie tun…“

  1. Facebook wird von Tag zu Tag entsetzlicher. Ich hoffe, dass mir eines Tages der Kragen so sehr platzen wird, dass ich meinen Account dort ein für allemal löschen werde – obwohl ich auf FB einige sehr nette Menschen kennen gelernt und auch viele gute und wertvolle Informationen erfahren habe.

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  2. Hallo Bettina,
    du hast – mal wieder – recht. Man könnte verzweifeln:
    Keiner denkt mehr wirklich über die Konsequenzen für andere nach, wenn er sich über was auch immer in der Öffentlichkeit schriftlich äußert. Jeder hält sich zu jedem Thema auch für berufen dafür. Es ist erschreckend.
    Hauptsache, man ist der erste, der`s raushaut. Und hinterher kommt dann ein „sei nicht so zimperlich“ und all die anderen Sachen, die du im Blog geschrieben hast. Das gilt in vielen Belangen.

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  3. Ja, man könnte verzweifeln., manchmal auch lachen … aber es ist allgegenwärtig und wohl nicht abzustellen. Ich finde es nicht zimperlich, wenn man auf Lügen, Boshaftigkeit, Polemik und noch reagiert. Eher bedenklich, dass sich so viele bereits daran gewöhnt haben und für eine akzeptable und legitime Form des Umgangs miteinander halten, .. nicht nur auf Facebook.

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  4. Wenn man sich als Tierschützer an diese Hater gewöhnt, wird man auch zu abgestumpft sein weiter Tierschutz zu betreiben. Empathie, Emotionen (damit verbundene Ausbrüche im Stillen Zuhause 🙂 ) und Tierschutz sind nicht zu trennen.

    Vielen Dank für diesen Text! Es ist immer schön zu lesen, dass es vielen anderen ähnlich geht. Das hilft mir zumindest immer weiter!

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  5. Er entstand aus aktuellem Anlass und mir persönlich hilft es einfach, die Gedanken dazu aufzuschreiben, anstatt „stiller Ausbrüche“, smile. Und ja, ich weiß, dass es vielen ähnlich ergeht…besonders denen, die in der Verantwortung an vorderster Front stehen oder Tiere zu versorgen haben, die darauf angewiesen sind, dass man schluckt, wegsteckt und funktioniert. Ganz lieber Gruß ❤

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  6. Mangelnde Empathie; fehlende Toleranz, einfach mal eine andere persönliche Meinung stehen lassen zu können; keine Ahnung von fairer oder gewaltfreier Kommunikation und den Grenzen zurÜbergriffigkeit; Oder einfach nur Neid oder blinder Hass auf die Leistung oder von anderen oder die Aufmerksamkeit, die sie bekommen. Blitzableiterfunktion … Schlechte Kinderstube lass ich nicht mehr gelten, dafür sind die meisten zu alt und sollten sich schon selber weiter entwickelt haben. Gegen all dies und noch mehr anzukommen, ist wirklich nicht einfach. Selbstverständlich muss man sich die Frage stellen, wielange man das aushält. Du tust das für die geschundenen Tiere – dafür steckst Einiges ein. Bleib tough, ❤

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