Seelenmarzipan, Tierschutz

Mein Schatten, mein Herz, … meine Katze <3

Eigentlich bist du in vieler Hinsicht so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was ich mir unter der „perfekten Katze“ vorstellen würde.  Ich wollte einen Ersatz für die Katzenliebe meines Lebens, als ich dich im Internet entdeckte. Diese Katzenliebe war weich, flauschig, immer gut gelaunt und hatte Pfötchen, wie Marshmallows … und er antwortete, wenn ich mit ihm sprach. Rückblickend denke ich, deine Retter in Spanien wollten dich unbedingt an den Mann bringen, denn deine Beschreibung im Internet wollte so gar nicht zu dem Wesen passen, das dann verstört aus dem Transportkäfig schlüpfte, an mir vorbei in die nächste Ecke flüchtete und dort unwillig die Umgebung in Augenschein nahm. Nein, unsere Liebe brauchte eine ganze Weile, bis sie sich entwickelte aber dafür wurde sie um so inniger.

Du antwortest nicht freundlich, wenn ich mit dir spreche sondern du redest den ganzen Tag. Es hört sich immer an, als ob du mit mir schimpfst oder nörgelst, und ich vermute,  das ist auch so. Dein kleiner Dickkopf hat strenge Regeln im Haus erstellt. Niemals geschlossene Türen (auch nicht im Winter), Besuche und  Telefonate nur mit vorheriger Genehmigung und längere Abwesenheit meinerseits, quittierst du eisern mit Krankheit, irgendwie schaffst du das immer. Du warst auch als Kätzchen nie weich sondern erst mager und knochig und dann muskulös und sehnig. Dein Fell war nie weich und flauschig sondern dein Haar blieb kurz, dafür hast du unglaublich viele und sie sind überall …weil auch du überall bist.

Du bist ungefähr so sozial wie Hannibal Lecter, was deine Artgenossen angeht und hast damit meinen Traum der Crazy old Cat Lady gründlich torpediert, obwohl Haus und Garten hier Raum für eine Legion Katzen bieten würden. Du brauchst den Platz unter meiner Bettdecke, wo du auch einmal mit einem Tatzenhieb dafür sorgst, dass ich die dir bequeme Position einnehme, ganz für dich allein. Du hast so viel zu erzählen, dass meine Aufmerksamkeit dir ungeteilt zur Verfügung stehen muss und Teilen war noch nie so dein Ding. Weder Zuneigung, noch Futter und schon gar nicht dein Revier, das von dem Platz in meinem Bett bis hinunter an unser Eingangstor reicht und das du erfolgreich gegen jeden Eindringling verteidigst, selbst jetzt noch, wo dich die Arthritis quält, deine Zähnchen langsam bröckeln und dein Fauchen nicht mehr ganz so überzeugend klingt. Trotzdem hat nach wie vor jeder Respekt vor dir.

Deine Krallen sind zu lang geworden, seit du es nicht mehr schaffst, die Bäume hochzuklettern und du ja den Kratzbaum im Haus  verschmähst.  Du bevorzugst seither die Ledercouch oder meine Hosen für die Krallenpflege. In Sachen Futter bist du genauso eigensinnige Diva, wie in vielen anderen Belangen. Nur eine bestimmte Sorte Trockenfutter, nur eine bestimmte Sorte Nassfutter, und während ich mit deinem Vorgänger jede Mahlzeit teilte, ihm aus der Eisdiele sogar jedesmal eine Extra Portion Sahne  mitbrachte,  kann dich keine Milch, kein Lachs, kein Ei, kein Tartar und kein Thunfisch hinter dem Ofen vor locken. Du  rührst nichts anderes an als deine beiden Lieblingssorten deiner beiden Lieblingsmarken und vor den Feiertagen breche ich regelmäßig in Panik aus, auch genügend davon auf Vorrat im Haus zu haben.

Du kennst mich in- und auswendig, weisst , dass ich nachtblind bin, wie ein Maulwurf und gibst im Dunkeln immer einen ganz speziellen Laut von dir …Vorsicht, nicht wieder über mich stolpern…es ist ein ganz anderer Laut, als wenn du von draußen kommst und nass geworden bist. Über zwei Stockwerke kann ich hören, dass du darauf wartest, abfrottiert zu werden …jetzt!…sofort!… und dein ärgerliches Miauen, wenn ich ungefragt telefoniere, das kennen fast alle meine Freunde.  Ich habe mich daran gewöhnt und liebe es, wenn du mit mir sprichst, verstehe jedes „Wort“, jede Tonlage von dir, genauso, wie du meine. Ich kann mittlerweile in deinem kleinen Gesicht lesen, wie in einem Buch und du erkennst bereits an meinen Schritten, ob ich gut oder schlecht gelaunt nach Hause komme.

Wieviel Zeit haben wir beide über die Jahre im Bett verbracht, wo du mich gewärmt, getröstet, unterhalten oder beschnurrt hast, wenn ich faul oder krank war. Wieviel innige Unterhaltungen hatten wir im Sommer im Garten, wenn du mir bei der Gartenarbeit zur Hand gingst oder nach jeder Mausejagd von deinen Heldentaten erzählt hast. Irgendwann habe ich vergessen, wie meine Traumkatze aussehen und sein sollte. Irgendwann warst du diese Traumkatze. Mit allen Launen, Macken, Eigenheiten, mit einem kurzen Fell, sehnigen Pfötchen und dem immer leicht vorwurfsvollen Blick aus klugen Augen. Ich liebe deinen Geruch,  wenn du morgens verschlafen über mein Gesicht steigst oder den nach Erde und Gras, wenn du gerade aus dem Garten kommst. Eigentlich gibt es nichts, absolut nichts, was ich nicht an dir liebe.

Wir hatten wunderschöne Jahre gemeinsam und mir kommt es immer noch wie gestern vor, als ich dich in deiner Box am Flughafen in Empfang nahm.  Aber es ist nun bereits 16 Jahre her, eine lange Zeit in Katzenjahren.  Seit du so krank warst, ist jeder Tag mit dir ein Bonus Tag. Wer weiß, vielleicht werden es trotzdem noch einige Jahre, in denen du das Exclusiv- Recht auf mich geltend machst.  Solange es dich gibt, wirst du immer meine „Einzige“ sein. Du wurdest als Diva geboren, meine süße Luna und ich werde dich bis zu deinem letzten Atemzug wie eine behandeln. Versprochen!

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Luna1

Luni

 

 

4 Gedanken zu „Mein Schatten, mein Herz, … meine Katze <3“

  1. Was für eine LIEBESERKLÄRUNG!!!! 🙂

    Als Baby schaut sie aber flauschig aus – der Blick ist allerdings gleich streng wie als erwachsene DIVA.

    Sie ist wohl eine ganz besondere Katze und hat sich DICH AUSGESUCHT – denn wer sonst würde ihre Macken MIT LIEBE ertragen??? 🙂
    Bei wem sonst wäre sie dennoch zur TRAUMKATZE geworden??

    Ich wünsche euch beiden noch viele schöne Jahre zusammen……
    auch wenn das bedeutet, dass kein anderes Notfellchen bei dir Platz finden DARF!!

    Schöne Zeit euch beiden – BETTINA und LUNA ❤ – ❤

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Bettina,
    ich weiß genau, was für ein Leben Du beschreibst; meins ist ähnlich 😉
    Meine Luna ist ein Carlo (den Namen hatte er bereits im Tierheim) – auch genannt kleiner Mistbesen oder Gangsterboss 😀 . Und er ist auch eine eine Plaudertasche … nicht in „schön“ à la Miau sondern eher ein missmutiges Gebrummel. Aber alles in allem zum Kringeln komisch, unsere traute Zweisamkeit. Ich würde ihn niiiiiemals nie missen wollen!
    Darüber hinaus: ich würde auch soooo gerne eine Katzen-WG eröffnen und ein, oder zwei von den Athener Notfellchen adoptieren. Ich habe ein Haus mit Garten – wohne ruhig – ein Paradies für Katzen. Allerdings duldet mein kleiner Prinz auch absolut niemanden in seiner Nähe. Echtes Prinzengehabe … leider 😦 Ich habe schon ein paar Testläufe gestartet, mit Baby-Katzen, die neu in die Nachbarschaft kamen, älteren Katzen … oder auch Katern … das Ergebnis ist immer das Gleiche: Eindeutiges „No“ vom kleinen Mistbesen.
    Aber irgendwann …. irgendwann ….
    Liebe Grüße, Heike
    P.S.: Deine Luna ist übrigens eine ausgesprochen hübsche Diva 🙂

    Gefällt 3 Personen

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