Tierschutz

Kein Märchen…oder vielleicht doch? Es liegt an Dir!

Kein Märchen…oder vielleicht doch? Es liegt an Dir!
Es war eine Nacht wie alle anderen. Der Streunerkater schlich sich heimlich in einen weiteren Müllcontainer und suchte verzweifelt nach etwas Essbarem. Drei Behälter später hatte er Glück, eine vergammelte Salami endete in seinem Magen. Dann setzte wieder der schreckliche Schmerz ein und er sprang schreiend vor Qual aus dem Müllcontainer und hörte dabei eine Frau rufen: „Vorsicht vor dieser Katze, mein Junge! Nicht anfassen! Wer weiß, welche Krankheiten sie in sich trägt! „
Der Streunerkater war an solche Reaktionen gewöhnt. Menschen, die sich von ihm abwandten, schnell an ihm vorbei gingen … andere Katzen fauchten ihn an, um den Kontakt zu vermeiden… Er erinnerte sich an eine Zeit, als alles anders war. Die Menschen hatten ihn berührt, freundlich zu ihm gesprochen, manchmal sogar gefüttert.
Seitdem hatten sich die Dinge so sehr verändert. Das schwarz-weiße Fell des Streunerkaters war überall von Eiter verklebt, Speichel tropfte von seinem Mund bis zu seinen Pfoten … er wollte sich so gern reinigen, aber er konnte nicht, der unerträgliche Schmerz, jedes Mal, wenn er seinen Mund öffnete, stoppte ihn.
Eines Tages hörte die Katze das vertraute Rufen, das die Nachbarkatzen zum Abendessen lockte. Er wusste, dass er nichts davon bekommen würde, da die Leute Angst hatten, wenn er sich zu den anderen Katzen gesellte, die sich dann möglicherweise auch all die schrecklichen Krankheiten einfangen würden, an denen er zu leiden schien. Trotzdem folgte er der Stimme. Er setzte sich auf einem Vorsprung, blieb dort zaghaft sitzen und betrachtete eine Frau, die die anderen streunenden Katzen fütterte. Er wäre auch sehr gern zu ihr gegangen aber er erinnerte sich an das scharfe „Schhhhhh“, das dann immer nach dem freundlichen „miezmiez“ kam, und das nur ihm galt. Er war nie erwünscht.
Die Frau richtete ihren Blick auf ihn, und zu seinem Erstaunen gab es diesmal kein „Schhhhh“. Im Gegenteil, die Frau kam auf ihn zu, blieb eine Weile stehen und dann nahm sie eine Schüssel mit Essen und stellte sie in seine Nähe. Er witterte eine Falle, es machte ihm auf einmal Angst und er lief schnell weg.
Die gleiche Szene spielte sich am nächsten Tag und am nächsten Tag ab. Und dann kam der Tag, an dem der Streunerkater sich der Schüssel mit Essen näherte, ausgehungert seine Nase hinein steckte und ein paar Sekunden später schreiend vor Schmerzen zurück wich. Sein Mund war in einem schrecklichen Zustand. Alles wund und offen, die Zähne verfault und die Infektion hatte sich ausgebreitet.
eiter
Der Streunerkater besuchte die Frau seitdem bei jeder Fütterung. Er konnte zwar nichts essen aber er hörte, wie sie mit ihm sprach und liebte es, wenn sie ihm Aufmerksamkeit schenkte, und das war ihm völlig neu. Eines Tages fühlte er ihre Hand auf seinem Köpfchen. Der Frau war es gelungen, eine Berührung zu stehlen. Ein paar Tage später saß der gleiche Streunerkater zutraulich wie ein treuer Hund an seinem Platz und bettelte um jede Liebkosung, die sie ihm schenken würde. Und er fragte sich verwundert, wie es sein konnte, dass sie sich nicht vor ihm ekelte, warum sein Anblick sie nicht auch anwidert, wie alle anderen vor ihr.
Eines Tages ging es dann ganz schnell. Die Frau fing ihn ein, steckte ihn in eine Kiste, dann in das Auto und sie fuhren einem unbekannten Ziel entgegen. Tausend Gedanken kamen ihm in den Sinn. Sie würde ihn wahrscheinlich verletzen. Sein elendes Leben würde wahrscheinlich nicht mehr lange dauern … was nicht wirklich schlimm war. Über kurz oder lang würde er sowieso nichts mehr essen können und er würde einen langsamen und qualvollen Tod sterben. Es war besser, wenn das schnell passieren sollte … Die Frau brachte ihn aus dem Auto zu einem Platz mit vielen Käfigen. Er sah eine Nadel näher kommen und dann schlief er ein.
Bite2
Als er aufwachte, war er immer noch am selben Ort. Aber er hatte jetzt keine Schmerzen mehr. Die Operation war erfolgreich und die streunende Katze wurde gesund. Zwei Tage später erhielt er das erste Futter. Er schnupperte begeistert und beugte sich über die Schüssel. Er konnte essen …. Er aß mehr, als er sich erinnern konnte, jemals gegessen zu haben. Und ein paar Tage später sah er sein vertrautes Revier wieder.
Der Streunerkater begriff schließlich, was passiert war. Zum ersten Mal hatte ihn jemand akzeptiert, wie er war, ihn gestreichelt, ihn geheilt … der Streunerkater war kein Streunerkater mehr. Er hatte jetzt einen Namen… Bite…(Bissen.)
Er wartet jeden Tag auf die Frau, geduldig auf seinem Platz auf der Straße, in der Nähe ihrer Wohnung und genießt es, ihr um die Beine zu schnurren und ihre Hände zu spüren. Er isst mit gesundem Appetit und sein Fell ist jetzt nicht mehr gelb von Eiter. Er ist dankbar, gutmütig, sanft, und wartet auf jemanden der ihm ein Zuhause schenkt.
Bite lernte, das er eigentlich eine Schmusekatze ist und dass Menschen gut sein können, und dabei zeigt er uns den wunderbarsten Charakter, den man jemals bei einer Katze finden konnte. Vielleicht, weil er all das schätzte, was ihm so viele Jahre vorenthalten wurde. Er ist immer noch vorsichtig im Umgang mit anderen Katzen aber er fasst jeden Tag mehr Vertrauen.
Bite ist ungefähr fünf Jahre alt und er braucht einen Menschen.
Vielleicht bringt ihn diese Geschichte, seine Geschichte, ein Stück näher zu der Person, die ihn für den Rest seines Lebens begleiten wird…für die er schon immer bestimmt war.
Bite1
(c) (Elena Kastrinou)/Gutes karma to go
Bei Fragen zu Bite bitte Mail an info@friedenfuerpfoten.org

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