Katze, Tierschutz

Manchmal muss der Kopf über das Herz entscheiden und auch für Hilfe gibt es ein paar Regeln im Auslandstierschutz

Deutschland wird schier überschwemmt von Tieren, die aus dem Ausland adoptiert werden, es gibt einfach zu viele Länder, in denen einzig Rettung eine Option auf Leben und eine Chance ermöglicht. Verbleiben die Tiere in ihrem Herkunftsland, sind sie nicht selten dem Tod geweiht oder fristen ein Dasein, das wir keinem Geschöpf wünschen. Soweit so schlecht.

Trotzdem wird jeder seriöse Helfer zustimmen, dass wir nicht alle retten können. Ich stehe jeden Tag vor unliebsamen Entscheidungen. Entscheidungen, die jedoch nicht nur das Wohl des geretteten Tieres berücksichtigen dürfen sondern auch die Frage, wie das Leben der anderen Tiere in dem neuen Zuhause beeinflusst wird, ob es andere Familienmitglieder vielleicht sogar in Gefahr bringt, wenn leichtfertig jemand dazu gesetzt wird, der durch Angst und Gewalt geprägt wurde, um überleben zu können, der Kampf und Verteidigung um jeden Bissen, jeden Ruheplatz und auch jede Streicheleinheit verinnerlicht hat.

Wirklich aufmerksam auf diese Problematik wurde ich erst, als ich bei einer Nachkontrolle von einem Hund heftig gebissen wurde. Natürlich hatte ich alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten. Leichtfertig war der neue Besitzer, der den Hund frei laufen ließ, und ihm so Gelegenheit gab, auf mich zuzustürmen, sich in meinem Bein zu verbeißen und auf diese Weise seiner Angst und Unsicherheit Ausdruck verlieh, weil  jemand sein neues Zuhause betreten wollte. Angsthunde reagieren anders als andere Hunde und die Tierheime sind voll mit den abgegebenen Adoptionstieren, die sich als wesentlich schwieriger zu sozialisieren erwiesen, als blauäugig vermutet wurde. Hauptsache raus aus dem Shelter, rein in den Transportwagen, rein in den Flieger und nach uns die Sintflut. Die Zeche bezahlt der Auslandstierschutz als Gesamtheit, durch einen schlechten Ruf, durch nicht wenige menschliche oder tierische  Bissopfer, geschlagene Tiere, entlaufene Tiere oder andere Kollateral Schäden.

Hunde, in Einzelfällen auch Katzen, die bisher hart um ihr täglich Brot, ihr Revier oder einen Platz an der kargen Futterschüssel kämpfen mussten, die misshandelt wurden, brauchen einige Zeit, um sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Die Mehrzahl der adoptierten Glückspilze ist friedlich und lebt sich schnell ein. Was mit den anderen passiert, liegt meist am Geschick, der Umsicht und Geduld der vermittelnden Tierschutz Organisation.

Vor jeder geplanten Adoption ist es daher ein MUSS, sich über den Charakter des Tieres ein Bild zu machen. Krankheiten sind vorher abzuklären, die eine Gefahr für andere Tiere darstellen, die bereits im Haushalt leben. Nicht jeder Hund ist katzenfreundlich und während die meisten nach einer Zeit des Kennenlernens friedlich oder sogar freundschaftlich miteinander umgehen, kann in Härtefällen ein gezielter Nackenbiss die Annäherung beenden, ehe sie richtig passiert ist oder die Katzen für immer aus dem Haus treiben, die sich nicht an tägliche Jagdspielchen gewöhnen wollen.

Es gibt so unendlich viel zu beachten, wenn eine Adoption wirklich für alle Beteiligten stimmig sein soll, wenn die Tiere nicht zu Wanderpokalen werden sollen, die von einem Platz zum anderen, von einer Pflegestelle dann in ein Tierheim wandern.

Die richtige Auswahl ist die halbe Miete für eine zweite Chance, die ein Leben lang trägt….was mich angeht, …nicht die Stärksten und Fittesten sondern die kranken, die Duckmäuser und die Schwachen zuerst, denn sie haben die geringsten Chancen auf ein Überleben in den Sheltern oder auf der Straße…

Adoption ins Ausland, die weite Reise, der Stress, alle damit verbundenen Risiken sind nur deshalb notwendig, weil wir es nicht schaffen, in den betreffenden Ländern Kastration, Aufklärung und Hilfe vor Ort in ausreichendem Maß bereit zu stellen. Keine Pflegestelle ist glücklich, ihr Tier Tausende Kilometer weit weg zu wissen. Es ist einzig das Wissen um die Chance auf Leben und die Notwendigkeit den nächsten Notfall nach dem adoptierten Tier zu helfen, das sie zu diesem oft schmerzhaften Schritt bewegt. Von den Sheltern, die damit ihr schmutziges Geld verdienen, möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben, sie zähle ich nicht zu den Tierschützern sondern ihr Handeln ist eine schmutzige Gelddruckmaschine, die den Tieren schadet und auch dem Ruf aller ehrlichen und seriösen Tierschützer, die übrigens weit in der Überzahl sind. Leider liest man nur von den anderen regelmäßig, denn die effektive und seriöse Arbeit aller beherzten Tierschützer im Ausland interessiert nicht so sehr, wie die Sensationsschlagzeilen der schwarzen Schafe.

Fazit, obwohl ich bei jeder gelungenen Adoption überglücklich für die betroffenen Tiere bin, liegt mein Augenmerk mehr und mehr auf den Maßnahmen vor Ort. Wir können nicht alle bei uns aufnehmen und daher ist Kastration, Kastration und noch einmal Kastration DIE Lösung, an der wir alle noch viel intensiver arbeiten sollten. Für jedes Tier, das nach Deutschland verbracht wird, könnten für die gleichen Kosten leicht vier andere Tiere vor Ort kastriert werden, und damit auf einen Schlag nicht nur vielfaches Leid gelindert sondern ganz verhindert werden.

Nach wie vor setze ich alles, was mir zur Verfügung steht dafür ein, chancenlosen Tieren ein Happyend in Deutschland zu schenken. Nach wie vor habe ich für jeden nur einen mitleidigen Blick übrig, der meint, Tierschutz hört an der Landesgrenze auf… aber mittel- und langfristig sollte Tierschutz in Deutschland nicht nur Hochburg der Auslandsadoptionen sein sondern engagierter und fordernder Partner für alle Länder und alle Tierschützer, die nicht an einem Tropfen interessiert sind, der die meisten Tiere gar nicht erreicht, sondern an effektiver Hilfe, die verändert…

Futterstellen und medizinische Versorgung der Tiere, die bereits vor Ort sind. Adoption für Härtefälle und spätestens dann muss ein Konzept greifen, das weitere Vermehrung verhindert, muss alles andere vor dieser immens wichtigen Aufgabe zurück stehen. Auch wenn es manchmal schwer fällt…und auch wenn diese Aktivitäten leider wenig Aufmerksamkeit und Rückhalt unter den Tierschützern hier erfahren und vor Ort nur sehr schwer durchführbar sind.

Poste ich das Bild eines verletzten Tieres und bitte um Hilfe…dann ist in fast jedem Fall eine gelungene Rettung das erfreuliche Resultat. Poste ich den Bericht über eine Kastrationsaktion, an der sich zahlreiche Helfer die Nächte um die Ohren schlugen, die mit viel Geduld und Einsatz wieder einer ganze Kolonie das Überleben ermöglicht haben…dann sinkt die Anzahl der Klicks und die Spendenbereitschaft ist wesentlich geringer obwohl auf diese Weise buchstäblich hunderte Tiere davor bewahrt werden, als nächstes in einem Post zu erscheinen, der sie abgemagert, krank, verletzt und erbarmungswürdig auf Facebook präsentiert. Klingt seltsam…ist aber so….Daran sollten wir arbeiten ❤

2 Gedanken zu „Manchmal muss der Kopf über das Herz entscheiden und auch für Hilfe gibt es ein paar Regeln im Auslandstierschutz“

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