Tierschutz

Ich hatte einen Albtraum…

Es ist kalt und eisig, auf dem Meer. Überall sind Tote, überall schwimmen schrecklich zugerichtete Leichen auf dem Wasser. Mein Schiff ist groß und auf diesem Schiff gibt es Wärme und Sicherheit und Essen…das wissen auch die vielen kleinen Rettungsboote, die wir auf unserem Weg kreuzen. Sie winken und versuchen verzweifelt auf sich aufmerksam zu machen. Jeder Captain eines Rettungsbootes sorgt mit letzter Kraft für die Passagiere, die er aus dem Wasser aufgefischt hat.

Schreckliche Szenen spielen sich ab während wir in voller Fahrt vorbei fahren. Manchmal halten wir an und versuchen eines der Boote in Schlepptau zu nehmen. Wenn es seetüchtig genug aussieht, wenn der Captain auf diesem Boot stark genug und gewieft genug ist, wenn es Sinn macht, das Risiko einzugehen. Sinkende Boote im Schlepptau gefährden auch meine Passagiere und ich muss gut abwägen, nehme das Weinen  der hungrigen Schiffbrüchigen, denen ich nicht helfen konnte, mit in den Schlaf.

Oben auf Deck sieht es friedlich aus. Alle finden das Boot toll und freuen sich, wie gut alles funktioniert. Tolles Schiff! Die Maschinen laufen volle Fahrt, der Kurs wird gehalten, die Vorräte sind bestückt. Alles regelt sich von ganz allein.  Ich lasse sie in dem Glauben und mache mich auf den Weg in den Maschinenraum. Den kennen nur die Wenigsten. Dort schuften die Bootsleute, die freiwillig auf das Schiff kamen, die jeden Tag die Maschinen am Laufen halten. Ein paar davon kenne ich seit Jahren, manche sind neu. Es ist meine Aufgabe, den Kurs zu halten. Es ist mein Schiff, ich habe es in mühevoller Arbeit über viele Jahre zusammengezimmert. Aber ich fühle mich längst nicht mehr als Captain. So viele Menschen um mich herum, so viele Offiziere und immer mehr Passagiere. Jeder tut irgendetwas, jeder benötigt irgendetwas, ein Kommen und Gehen und ich versuche im täglichen Chaos den Überblick zu behalten.

Ich darf nie aussteigen aus diesem Schiff. Immer wenn wir ein Rettungsboot erfolgreich in Landnähe geschleppt haben, heraus aus der tödlichen Gefahrenzone, muss ich umdrehen, wieder Kurs aufs offene Meer, bis zur völligen Erschöpfung, denn das Meer spuckt beständig neue Schiffbrüchige aus, fordert beständig neue Hilfe.

Während an Deck die letzte Rettung ausgelassen gefeiert wird gibt mir jemand den wohlgemeinten Ratschlag gibt, doch eine Pause zu machen. Weil das Schiff ja von alleine den Weg findet und die Mannschaft mich jederzeit ersetzen kann.  Ich nicke still und sehe ich in der Ferne bereits das nächste SOS Zeichen blinken, gehe wieder den Weg in den Maschinenraum, sehe nach, ob wir für dieses Zusammentreffen gerüstet sind und lasse die anderen feiern . Sie kennen den Maschinenraum nicht, wägen das Schiff in trügerischer Sicherheit und ich lasse sie in diesem Glauben. Es reicht, wenn ich schlaflose Nächte habe und ein paar Wissende an Bord mir verständnisvolle Blicke zuwerfen.

Im Zwischendeck war ein Wassereinbruch. Ich begutachte den Schaden, fluche laut, weil wieder jemand vergessen hat, die Sicherheitsklappen zu schließen, meine Katze, die Schiffskatze ist durch die Klappe gespült worden und ich höre sie von weitem jammern. ich schreie… und erwache von meiner eigenen Stimme.

Luna sitzt auf meiner Brust und erinnert mich vorwurfsvoll daran, dass Zeit ist für ihr Frühstück. Es war ein Traum…Ein Alptraum…zum Glück. Diese Träume verfolgen mich sogar im Urlaub. Gestern Abend hatte ich  mich vor dem Einschlafen der Entspannung gewidmet und ein wenig geschmökert. Die neue Datenschutzverordnung, die gerade vielen kleinen Vereinen den Gar ausmacht, weil sie nicht in der Lage sind, die immensen Auflagen zu erfüllen. Wir werden es schaffen… im Maschinenraum wird gerade dafür Sorge getragen 😉 .  Facebook ist ausgeloggt aber auf dem Messenger blinken die Nachrichten trotzdem im Minutentakt.  Ich habe sie wohl im Traum gehört und widerstehe dem Impuls, sie zu öffnen. Ich möchte mich nicht schon wieder ärgern, eingreifen oder das Gefühl haben, helfen zu müssen. Jetzt wird erst einmal Luna versorgt. Unsere gemeinsame Zeit geht bald zu Ende und jede Minute ist kostbar. Und dann denke ich über den Traum nach… und meine Gefühle zu all dem…

Was um alle sin der Welt tue ich mit einem Riesendampfer, der langsam aber sicher außer Kontrolle gerät und der als ehrenamtlicher Freizeitkapitän bald  nicht mehr auf Kurs zu halten geht? Das Kommando übergeben und darauf warten, dass dieses Schiff dann strandet, vielleicht all die Mühe verloren ist?  Den Anker werfen und allen Landgang aufzwingen, an den sich sicher niemand halten wird? Den Dampfer selbst versenken und ein neues, schnittiges Segelboot basteln, das ich wieder allein steuern kann und auf dem ich wieder mein eigener Kapitän bin? Das ist Stoff für viele weitere Albträume…

 

Internet

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