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Das Kopftuch und ich.

Um es gleich vorweg zu nehmen, jeder sollte tragen, was er für richtig hält. Trotzdem sind meine Gedanken zum Hijab/Kopftuch sehr gespalten.

Hijab und alle anderen Formen der Verhüllung und persönlichen Einschränkung sind laut Ansicht vieler Islam Kenner nicht zwingend vorgeschrieben. Sie sind eher Ausdruck kultureller Prägung. Eine Prägung, die nach wie vor von Männern definiert wird, teilweise mit Gewalt durchgesetzt und den Kindern von klein auf als „Normalität“ vorgelebt. Braves Mädchen = Hijab Mädchen. Gehorsame Ehefrau = Hijab Ehefrau. Gott liebt Frauen, die sich züchtig verhüllen…

Soweit…  so gut. Wäre das Kopftuch also tatsächlich ein Ausdruck für Selbstbestimmung und Freiheit, ein unverzichtbares Accessoire für alle Koran-gläubigen Frauen, wie oft propagiert, dann würde ich es niemals kritisieren. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Wer nicht ganz blind durch die Welt geht, kennt die Berichte und Bilder, die erschütternden Videos von Frauen, die mit drakonischen Strafen gepeinigt werden, wenn sie es nicht tragen,

…wenn sie sich nicht bei brütender Hitze, bei jeder Tätigkeit, immer dann wenn Männer in Sichtweite sind oder sie einen Fuß in die Öffentlichkeit setzen… „züchtig“ bedecken. Diese Regel gilt einzig für Frauen. Sie ist so diskriminierend wie einschränkend für unzählige Frauen weltweit und seit geraumer Zeit setzen tapfere Frauen ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Karriere aufs Spiel, um sich dagegen zu wehren.

Zeitgleich preisen viele westliche Glaubenskolleginen den Hijab als Ausdruck ihrer persönlichen“Freiheit“ an . Kopftuch Barbie lächelt stolz mit ihrem kleidsamen Hijab von vielen Covern,  und für mich erscheint dieses Bild und der Beifall dazu aus manchen Kreisen, wie eine schallende Ohrfeige  für alle Frauen, die zum Tragen buchstäblich geprügelt werden. Die drastische Strafen erwarten, wenn sie es nicht tun. Jeden Tag…weltweit.

Ich finde es gut, wenn , wie von Terre des Femmes , Alice Schwarzer und vielen anderen klugen Frauen gefordert wird, man sollte kleinen Mädchen hierzulande, die Möglichkeit geben, „ohne“ durch Kindheit und Jugend zu gehen und sich erst im Alter von 18 frei entscheiden.

Ich fände es gut, wenn „Hijab“ akzeptiert aber nicht hofiert und gehypt werden würde. Es ist zynisch, nicht gerade solidarisch und kontraproduktiv für alle Frauen, die gerade um die Freiheit, kämpfen, ihn nicht tragen zu müssen.

Und ich finde es auch eine Zumutung, dass jeder, der sich ernsthaft mit Frauenrechten, religiösen Grundlagen des Hijabs und seiner Notwendigkeit, besonders für Kinder, auseinandersetzt, sofort in die rechte Ecke gedrängt wird, sich rechtfertigen muss, warum er für etwas ganz Selbstverständliches eintritt:

Solidarität für unterdrückte Frauen und einen guten Start in ein frei bestimmtes Leben für alle Mädchen, ganz gleich welcher Religion sie angehören.

Mir ist durchaus bewusst, dass viele Hijab Trägerinnen ihn stolz und freiwillig tragen… Ob sie ihn tragen, wo sie ihn tragen und warum sie ihn tragen, interessiert mich nicht. Es ist ihre persönliche Entscheidung, die ich selbstverständlich toleriere und ich würde mir wünschen, das würden auch viele andere endlich tun!

Aber tolerieren und propagieren sind zwei paar Stiefel und im Zweifelsfall stehe ich immer auf der Seite der Schwächeren…in diesem Fall auf der Seite aller Frauen, die sich nichts mehr wünschen, als einmal den Wind in den Haaren zu spüren und frei zu entscheiden, was sie tragen und wann sie es tragen, die ihr Leben für diese Freiheit riskieren. Für sie bedeutet der Hijab und andere Verhüllungen weder persönliche Freiheit noch Ausdruck eines selbstbestimmten Lebens, für sie ist er nicht bunt nicht tolerant sondern einfach nur Zwang und Unterdrückung von Frauen!  Vielleicht sollte ihnen auch einmal eine Barbie gewidmet werden. Die Solidaritäts Barbie.

 

2 Gedanken zu „Das Kopftuch und ich.“

  1. Ich denke eher, der Punkt ist schon längst überschritten, als es noch möglich gewesen wäre. Flaggen sind mehr als ein Stück Tuch und stehen als Symbol für etwas. Kopftücher sind längst zu einem Symbol geworden.

    Kopftuch und FMG sind nicht allein von Männern gefordert – und genau hier liegt das Problem. Frauen unterdrücken auch Frauen – und oft mit einer weit größeren Vehemenz als es Männer tun. Frauen neigen zu extremerem Verhalten als Männer. Klingt seltsam? Nimm als Beispiel die Kämpfe zwischen Iren und Briten. Stehender Befehl war – schießt zuerst auf die Frauen!
    In der französischen Resistance war es ganz ähnlich. Weibliche Vietcong waren oftmals weitaus brutaler als die männlichen Kollegen.

    Es sind oft die Mütter, die ihren Kindern dieses Verhalten eintrichtern – vielleicht auch, weil sie selber nichts dafür können und es wirklich glauben.

    Was ich damit sagen will ist, dass es weitaus komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint! Wir sehen in den Nachrichten das „nach außen getragene“, wenn Brüder und Cousins ihren weiblichen Anhang zwingen, wir sehen aber nicht, welche Prügel Töchter kassieren, wenn die Mutter sie dazu bewegen will.

    Absolut falsch ist das Verhalten von Konvertitinnen, die Glaubensgenossinnen zu einem Tuch zwingen wollen!

    Just my 5 cent!

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  2. Ich finde es erschreckend, dass tatsächlich angenommen wird, die Mehrheit aller Musliminnen werde zur Bedeckung gezwungen und/oder würden es selber anderen aufzwingen.
    Schließlich gehen bedeckte Frauen auch nicht davon aus, dass die Frau/das Mädchen im Mini- Rock oder Kleidchen gezwungen wird dieses zu tragen.

    Vorweg muss man sich vor Augen führen, auch wenn der Islam eine Religion und keine Kultur ist, es sagen wir unterschiedliche „kulturelle Konventionen“ gibt.
    Natürlich gibt es verschiedene Auffassungen zum Kopftuch auch in der islamischen Welt, doch die Mehrheit vertritt nun mal die Meinung, belegt durch Quran und prophetische Tradition (Sunnah), dass es für die Frau Pflicht ist, sich zu bedecken. Doch genauso hat der Mann die Pflicht sich zu bedecken, zb durch weite Hose und ggf einen Bart. Doch Voraussetzung für Mann UND Frau ist, dies aus reiner Überzeugung und freiem Willen zu tun! Gott liebt die, die ihre Scham hüten, doch sagt Er auch im Quran „Es gibt keinen Zwang im Glauben“, das gilt für Muslime (auch für Mann UND Frau) und für Nicht-Muslime. Niemanden darf irgendetwas aufgezwungen werden! Das ist falsch in der, sagen wir als Sammelbegriff, „westlichen“ als auch in der islamischen Welt. Die Muslime, die sich nicht daran halten, seien es hier in Deutschland einzelne oder gar eine Staatsform in Nahost, handeln nicht ihrer Religion gemäß! Genauso wie es Christen, Hindus und Juden gibt, die nicht „streng gläubig“ sind oder vllt nicht viel Wissen über ihre Religion haben, gibt es auch solche Muslime.

    Und ja, das Kopftuch ist in der islamischen Gesellschaft Normalität und ja den Kindern wird es teils auch so beigebracht. Daran ist aber nichts Verwerfliches! Schließlich ist es in nicht-muslimischen Gesellschaften größtenteils auch Normalität, bei Hitze knappe Sachen zu tragen, in Bikini und Badeanzug schwimmen zu gehen, dass Kleinkinder sich mit Kinderlippenstift und – nagellack hübsch machen können und dass man vor der Ehe Beziehungen zum anderen Geschlecht und auch Sex hat. Doch gibt es keine Debatten, gestartet durch die islamische Gemeinde in Deutschland, die zb Verbote für Taufen oder Kommunions-/Konfirmationsunterricht, Mini- Röcke und co fordern, und sich so in die Erziehung der Eltern einmischen will.

    Diese ewige Kopftuchdebatte ist doch eine reine Scheindebatte! Deutschland hat wirklich ernst zu nehmende Probleme, zb Pädophile!

    Ich bitte euch, bitte informiert euch direkt in Moscheen, bei Imamen wenn es um Fragen Rund um den Islam geht und nicht bei deutschen Medien und den Massen an neuen sogenannten „Islamexperten“..

    Liebe Grüße!

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