Katze, Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Ein Winzling namens FAITH…weil wir einfach glauben müssen!

Gestern schrieb mir Rena. Es war eines der regelmäßigen Updates. Was gerade passiert, was alles erledigt werden muss und wer Neuzugang ist und natürlich auch ein bisschen privater Austausch. Jeden Tag kommen diese Nachrichten von vielen Stellen und sie senden mir dann meist auch Bilder mit. Manche dieser Bilder mag ich gar nicht ansehen.
Die toten Kätzchen in Eimern, Mülltüten, am Straßenrand oder in grauenhaftem Zustand, wenn man sie noch lebend auffindet…sie schneiden mir am meisten ins Herz.
Keine Ahnung warum…vielleicht weil diese Kätzchen für mich die Verkörperung der Unschuld und Wehrlosigkeit sind und der Gedanke daran, was wir ihnen antun ist unerträglich.
Ich scrollte die mitgesendeten Bilder schnell weiter.  Am besten gar nicht hinsehen. Es reicht, die Zusammenhänge zu überfliegen, denn ich weiss, das unser Team aufgreifen wird, ich muss mich nicht zwingend kümmern und überhaupt…mein Herz hatte eine Überdosis Leid die letzten Jahre. Nicht alles meine Baustelle. Es gab verschiedene Gründe, warum ich die Eingangstüre zum Wohnbereich meines Herzens erst einmal verriegelt hatte. Auch und besonders für Notfälle. 

Dann sah ich doch genauer hin, was Rena mir geschickt hatte. Ein Kätzchen aus dem Müll, das sie gefunden und an Martha weiter gegeben hat, zur Intensiv Pflege. Die Chancen sind denkbar gering. Es war nicht nur in eine Plastiktüte gestopft sondern auch noch mit einer roten, klebrigen Flüssigkeit getränkt worden. Das macht man oft, damit das Kätzchen schneller auskühlt und stirbt. Jetzt war dieses Würmchen also bei Martha in Obhut, deren Seele ungefähr genauso dünnhäutig ist , wie meine. Eigentlich sollte man uns den Umgang mit leidenden Tieren verbieten…

Oh ich wusste sofort, wie es Martha gerade gehen mag.
Sparkle und die emotionale Achterbahnfahrt, die für uns in einem Voll-crash endetet (der vorhersehbar war…aber wir wollten es einfach nicht wahrhaben) …all das war sofort wieder ganz nah. Wie sehr hatten wir gehofft, sie bringt ihn durch. Ich überlegte, ob ich Martha schreiben sollte, tat es dann aber doch nicht.

Sie würde sich melden, wenn es etwas zu erzählen gab…von bangen Stunden und langen Nächten ohne Schlaf…von der Angst, wenn die Atemzüge langsamer werden, oder aussetzen…von der akribischen Beobachtung wie viele Tröpfchen Milch getrunken wurden…von überflutender Liebe und Zärtlichkeit für ein so kleines Wesen und von Trauer…weil man genau weiss, wie gering die Chancen sind und dass gerade Unzählige in Müllcontainern, Plastiktüten und in Wassereimern ihr kleines Leben aushauchen. So ist das nun einmal und wenn kein Wunder passiert, wird es wohl noch sehr lange so sein.

Heute Morgen kam eine Nachricht von ihr.  Offensichtlich hatten wir wieder einmal die gleichen Gedanken. Manchmal benötigt man keinen Messenger, um sich zu verständigen.

„Ich weiss dass du dich das gerade fragst…aber das Kleine lebt noch.“

„Bitte schreib mir, was passiert. Ich würde gerne daran teilhaben…, schreib ein Tagebuch. Ich wäre glücklich, es übersetzen zu dürfen“ antwortete  ich ihr, entgegen aller guten Vorsätze …und  plötzlich war sie wieder einen Spalt offen, die Türe in mein Herz, die eigentlich zu bleiben sollte.

Hier ist Marthas berührendes Tagebuch:

TAG EINS

Wie lange dauert ein Moment? Eine Minute, eine Stunde, einen Tag? Er dauert eine Ewigkeit, denn dein „Für immer“ ist in meinem Herzen verankert und nicht in Zeit zu messen. Eine Ewigkeit…so lange du Liebe teilen kannst, es ist pure Liebe, wie purer Vodka, ohne Eis…

Rena fand dich im Abfall und von dort habe ich dich sofort mitten in mein Herz gesetzt, auch räumlich, unter mein T-Shirt, an meine Brust, auf der linken Seite und mit dir auch all deine Flöhe und noch irgendeine klebrige Flüssigkeit aus dem Müllcontainer. Ich fragte dich, ob du gerne bleiben würdest und du hast mir geantwortet, indem du um dein kleines Leben kämpfst, das tust du nach wie vor und dieser tiefe, viel zu tiefe Schlaf scheint deine Seele zu verlocken, für immer darin zu verweilen.

Also habe ich dir versichert, es wäre OK, zu gehen, wenn du das möchtest. Du du hast meine Frage damit beantwortet, indem du auf meine Hand gekrabbelt bist, in die du perfekt hinein gepasst hast und dort bist du geblieben.

Also habe ich dich zurück in mein Herz gesetzt, im übertragenen Sinne aber auch wörtlich und dann haben wir gemeinsam einen langen Spaziergang gemacht. Ich habe versucht, dich gut unter meinem T-Shirt zu verstecken, damit die Leute nicht zurück schrecken und uns mit Fragen aufhalten. Weisst du, die meisten fürchten den Tod, als wäre er etwas ansteckendes ( als würden wir am Ende nicht alle einmal sterben) …

TAG ZWEI

Du bist immer noch da. Ich spüre, wie du dich bewegst. Und wenn du es einmal nicht tust, dann ist meine Trauer so heftig, dass ich gar nichts mehr fühle. Und wenn ich dann doch wieder etwas von dir bemerke, dann bin ich die glücklichste Person der Welt…zumindest für einen Augenblick. Für diesen Augenblick. Denn dieser Augenblick ist unser „FÜR IMMER“…und jeder Moment, den wir teilen, wird das auch sein…Ich werde da sein, ganz gleich, was passiert, so wie ich es dir versprochen habe und ich weiß, du bist 70 Prozent Seele und 30 Prozent Fleisch…trotzdem hörte ich mich gestern sagen „Sparkle..Bist du das? Hast du mir Faith geschickt. Kann er diesmal bitte bleiben? Bitte!!!! Und mir war so, als hätte ich gehört, wie er JA sagte…

 

Es ist drei Uhr morgens und ich musste dich in dein Bettchen legen, nur für ein paar kurze Stunden, denn ich musst einfach ein wenig schlafen und ich hatte Angst, dich zu zerquetschen, wenn du weiter an meiner Brust liegen würdest. 
Also legte ich dich direkt neben mir ab und machte ein Nickerchen auf der Couch.
10 Minuten später hast du angefangen zu weinen, und die Tonlage deines Stimmchens verriet mir, dass etwas fürchterlich falsch ist.
Ich griff nach dir, du warst heiss und konntest kaum atmen.
Ich konnte auch kaum atmen, vor Sorge.
Schnell setzte ich dich zurück an den Ort, wo du mein Herz spüren konntest und schlagen hören…und ich deines.
Ich war sicher, dass ich auch dich verlieren würde…auf eine Weise, die mittlerweile vertraut war. Und ich versicherte dir, dass es OK ist, wenn du es nicht mehr aushälst und gehen möchtest.

Aber du bist nicht gegangen. Du folgtest dem Rhythmus meines Herzens und nach ein, zwei Fehlversuchen, hast du wieder regelmäßig geatmet.
Auch am Morgen warst du noch da. Viel zu heiss, krank und schwer atmend…aber lebendig…immer noch verbunden mit dieser Welt und mit meinen Herzen.

EIN PAAR TAGE SPÄTER
HEUTE 21-08-2018

Willenskraft Level 0 . Ich musste dich immer dazu zwingen, jede Stunde 1ml Milch zu trinken, damit du am Leben bleibst.

Willenskraft Level 2
Heute hast du damit begonnen, von allein zu trinken und du hast fast das ganze Fläschchen geschafft!!!
So begann dieser wunderbare Tag um 5 Uhr Morgens und seitdem hat mein Herz Party .
Ich feiere auch die Kratzer, die du mir verpasst hast, als du fandest, mein T-shirt wäre nicht länger groß genug für dich und du wolltest die Welt erkunden (zumindest meine Nase, meine Augen, meine Ohren und hoffentlich auch bald den Rest von mir)…denn jetzt hast du die Energie, das auch zu tun.

Du bist nach wie vor krank und extrem winzig, aber du schläfst jetzt weniger, sogar dein Schreien klingt jetzt anders. Es klingt eher verwöhnt als krank.
Es ist mir gelungen, deine erste Flaschen Mahlzeit zu filmen. Ich schau es mir immer und immer wieder an, du bist so friedlich und ruhig. Ich denke, das was dir erst vor einer Woche in der Tüte, übergossen mit Flüssigkeit und entsorgt in einem Abfallcontainer angetan wurde, ist für immer aus deinem Gedächtnis verschwunden.
Ich denke, du hast den Menschen inzwischen vergeben…und ich denke auch, wenn irgendwo tatsächlich ein Gott existiert…dann vor allem in den Seelen der Tiere. Vergebung ist Gottes Atem in ihren Herzen und heute war ich gesegnet, das in dir zu spüren, mein kleiner Faith (Glaube) .

 

 

Mein Baby Junge Faith…unser letzter Tagebuch Eintrag fühlte sich so komisch an.

Obwohl du mir einen Tag voller Hoffnung geschenkt hattest…in der Minute in der ich fertig geschrieben hatte und abgesendet, machte eine bedrückende Vorahnung mich schier wahnsinnig.
Angst lähmte meine Glieder wenn ich an den bevorstehenden Tag dachte. Ich dachte kurz daran, auch das mit Bettina zu teilen, sie findet immer einen Weg um meine Ängste etwas leichter zu machen. Aber dann beschloss ich, ich sollte ihr eine Pause geben anstatt die Freude über die letzten guten Nachrichten mit meinen Ängsten zu überschatten. Ich dachte, jetzt verliere ich langsam den Verstand…mit so unsinnigen Ängsten.

Aber leider zeigte der nächste Tag, dass sie nicht unbegründet waren.
Gestern bist du also aufgewacht, jedes Lebensfünkchen sickerte aus dir, und du hast über Nacht das Leben in dir genauso entsorgt, wie man dich vor einer Woche im Müll entsorgt hatte. Wieder glaubte ich…dies ist das Ende.
Ich entschied, dich nicht zum Tierarzt zu bringen, da ich nur zu gut wusste, dass du viel zu winzig für alle Behandlungsoptionen bist …
stattdessen nahm ich dich mit ans Meer. Jetzt war es deine Entscheidung.

Aber ich denke, es hat dir dort gut gefallen. Wahrscheinlich hast du deshalb deine Meinung geändert und beschlossen, nicht zu gehen, vielleicht noch nicht. Wer weiss…
Heute war also ein besserer Tag für dich und deshalb war heute auch ein besserer Tag für mich. Aber niemand weiss, was der morgige Tag bringen wird.
Was auch immer es sein wird…ich werde bei dir sein, mein Baby Junge …

(Big hug Martha for these touching and beautiful words of love …and kisses to our little „aura diver“ Faith 

Fortsetzung folgt…

 

5 Gedanken zu „Ein Winzling namens FAITH…weil wir einfach glauben müssen!“

  1. Danke für das wunderbare Engagement für die Wehrlosen und Hilflosen. Jeder Mensch, der dies macht, ist stark im Herzen, und Faith und all die anderen, die rasch wieder gehen, haben Liebe, Warmherzigkeit und Fürsorge kennengelernt und durften mit einem Namen gehen, nicht namenlos irgendwo sterben. Allein das entzündet jedesmal wieder einen Funken der Liebe, die um die Welt geht.

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  2. Jede einzelne Minute, die all diese wunderbaren Wesen, die an Körper und Seele so sehr verletzt wurden, von Euch Wärme, Liebe, Geborgenheit und Fürsorge erfahren dürfen, ist eine kostbare Minute.
    Was Ihr leistet, ist beispiellos! Ihr seid meine Helden! ❤
    Ich wünsche mir so sehr, dass Faith und Ihr den Kampf nicht verliert! Meine Gedanken sind bei Euch!

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  3. Mir fehlen die Worte bei so viel Grausamkeit ich Danke dir von ganzem Herzen für deinen Kampf für diese hilflosen Kätzchen.
    Kleine Faith ich wünsche dir alles gute Kämpfe weiter

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