Seelenmarzipan, Tierschutz

Die Bettelprinzessin

Kennt ihr das Gefühl, zum Jahreswechsel wenn man eigentlich bereits für das nächste Jahrzehnt seinen Anteil an Ärger, Problemen und unguten Gefühlen hatte und inständig hofft, das nächste Jahr wird besser…leichter…anders?

Ich habe gerade mit klammen Fingern Feuer im Ofen gemacht, weil die verflixte Heizung nicht in der Lage ist, einigermaßen Raumtemperatur zu schaffen… und denke dabei natürlich an alle, die gerade frieren und hungern und an den unglaublichen Berg Arbeit, der noch auf Bewältigung wartet, wenn ich ihnen weiter helfen möchte. Artikel (der angenehmere Teil) , Steuerkram, (den ich hasse), Vereinskram (den ich noch mehr hasse) und auch einige wichtige klärende Gespräche, sowohl im Team als mit unseren Partnern, damit die Arbeitsabläufe weiter greifen können. (hasse ich auch!)

Neben diesen Aufgaben gibt es ja noch ein anderes Leben, mein eigenes, das auch nicht gerade langweilig war, 2018 . Nach wie vor knirscht es an vielen Stellschrauben. Mein Köper hat in diesem Jahr wiederholt von der gelben zur roten Karte gewechselt und ich bin ungewohnt eingebremst in manchen Aktivitäten, nach wie vor suche ich mein eigenes, kleines Haus, in dem ich bis ans Ende meiner Tage einen Platz schaffen kann, den buntesten und gemütlichsten „Panic Room“, den eine müde Seele je für sich und ihre Katzen gestaltet hat. Wieder gehen die Gedanken auf Zick Zack Kurs, schweifen ab von gemütlichen Leseecken und Sprossenfenstern, mit Ausblick auf einen Apfelbaum und Rosensträuchern und wandern zu einem Shelter, dessen Kostenplanung noch nicht ganz so ausgefeilt ist, wie meine privaten Budgets und für beide Vorhaben muss 2019 noch eine große Portion Glück bereit halten, damit sie gelingen.

Bis das Holz im Ofen richtig durchglüht und im Arbeitszimmer Wärme verbreitet, sortiere ich die Post. Während im Verein die liebe Claudia über alle Einnahmen und Ausgaben wacht, muss ich das privat natürlich für mich selbst regeln. Gestern war mein Konto gesperrt, der Bankautomat verkündete, dass mein Limit erreicht wäre und ich konnte mich für einen kurzen Moment hinein fühlen, wie es ist…wenn man dringend Futter…Brot…Nudeln…irgendetwas für seine Tiere kaufen möchte und nirgends mehr einen Cent abheben kann. In meinem Fall war es ein Kartenfehler, niemand hatte am Konto manipuliert und es war auch nicht überzogen, trotzdem war ich erst einmal geschockt und ohne Geld. Aber während ich gestern immerhin mit der Gewissheit einschlafen durfte, dass sich das sicher klären lässt, sitzen heute unzählige Tierschützer verzweifelt am Küchentisch und trauen sich nicht vor die Türe, denn dort warten die hungrigen, verfrorenen Straßentiere auf ein paar Brocken Futter… und sie können ihnen nichts anbieten. Heute nicht und auch morgen nicht…vielleicht im nächsten Monat wieder.

Für diese Menschen arbeite ich. Für diese Menschen wurde Frieden für Pfoten ins Leben gerufen. Am 21. Dezember sind es drei Jahre. Seit drei Jahren widme ich jeden Tag den Straßentieren, sind über Nacht alle Straßentiere auf einmal zu „MEINEN Tieren“ geworden. Eine fürchterliche Last im Herzen, wenn man weiss, wie sie leben und sterben müssen, wenn man erst einmal erkannt hat, wie unendlich groß Not und Elend überall sind.

Langsam breitet sich im Zimmer die Wärme aus und ich mache mich an die E-Mails. Ich entschuldige mich für Fehler, die ich gemacht habe, ich entschuldige mich für Fehler, die andere gemacht haben, schlichte Streit, ermutige Teammitglieder, beantworte Fragen und bleibe so defensiv, freundlich, geduldig und zuvorkommend, wie irgend möglich. Jede Hand, jeder Spender, jedes Teammitglied wird benötigt, um unser riesen, riesen Rad weiter am laufen zu halten. Da bleibt wenig Zeit für persönliche Befindlichkeiten, zumindest nicht für meine…ich bin die Bettelprinzessin…die jedem dankbar ist…den Helfern, den Spendern, den Teammitgliedern, den Vereinskollegen, den Gruppen, den Lesern…jedem!!!! Was nicht einmal gelogen ist, das bin ich wirklich, aber manchmal bin ich auch einfach nur müde.

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Dann klingelt es an der Tür. Der Postbote hat ein kleines Päckchen. Ich habe nichts mehr bestellt, die letzten Tage, mein Hausrat ist mittlerweile komplett, für eine provisorische Wohnung sogar äußerst komplett. Der Himmel weiss, wie ich all das jemals irgendwo unterbringen soll, was noch in Kartons verstaut lagert  :-))) …

Neugierig öffne ich die Karte und schaue nach, wer mir die süßen Weihnachtskugeln geschickt hat… Sie ist von Nedde, die nicht nur in unserer Adoptanten Beratung einen wunderbaren Job macht sondern mit allen Aktivitäten eine unglaubliche Bereicherung für unseren Verein darstellt…ICH sollte IHR Dankeschön sagen und nicht umgekehrt.

„Für dich…weil Du immer so viel einstecken musst…“hat sie dazu geschrieben.Ich merke, dass ich gleich anfange zu weinen und wundere mich gleichzeitig, wie akkurat Karma funktioniert.

„Bemerkt eigentlich überhaupt irgendjemand, was ich jeden Tag auf so vielen Ebenen zu bewältigen habe, völlig auf mich allein gestellt …und dabei auch viele Dinge, die für mich komplett neu sind oder die mir Angst machen? Denken alle, nur weil jemand gutmütig ist, entschlossen und ausdauernd, hat er keine Grenzen …und fordern immer mehr von mir ein… mehr Arbeit, mehr Verständnis, mehr Fingerspitzengefühl, mehr Hilfe, mehr ..ALLES…“ …hatte ich mir noch vor ein paar Minuten missmutig überlegt.

Nedde wusste das offensichtlich bereits ein paar Tage vorher, als sie dieses Päckchen gepackt hat und dazu die liebe Karte geschrieben. Und Karma hat am richtigen Tag geliefert.

Ja,  ich wurde zur Bettelprinzessin und muss dafür eine Menge einstecken. Aber ich habe es mir selbst ausgesucht und eigentlich bin ich es gerne… und eine erfolgreiche dazu. Hendrix, der kleine Ziegenbock, der mich von den Weihnachtskugeln anlächelt,  würde mir da zustimmen. Auch sein Happyend konnte nur Dank Frieden für Pfoten geschrieben werden. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich bald erzählen werde, jetzt suche ich erst einmal einen schönen Platz für Neddes zauberhafte Kugeln und freue mich eine Runde.

Karma ist schon eine coole Sache ❤

 

 

 

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