Seelenmarzipan, Tierschutz

Jeder, der dir begegnet…trauert auf seine Weise!

Ich war in der kleinen Kapelle und wollte Kerzen anzünden. Es war der Todestag meines Vaters und diese Kapelle war seither der Platz der Trauer für mich. Ein dicker Kloß steckte in meinem Hals, als ich die Kerzen abzählte, für die ich gespendet hatte… viele Kerzen, die dann aufgereiht einen Gruß an ihn …nach wohin auch immer senden sollten. Er möchte es gerne großzügig…ein paar Kerzen wären nicht das gewesen, was er sich unter einem Gedenk-Licht vorstellte und unwillkürlich musste ich unter Tränen lächeln, als mir der Gedanke kam, wie er alles en gros eingekauft und vergeben hatte… Lebensmittel, Ratschläge, Geschenke… und meine Gedanken wanderten…

Plötzlich bemerkte ich einen Schatten hinter mir in der Kapelle. Noch ein Besucher, der ein Licht entzünden wollte. Ich fühlte mich gestört und war sehr ärgerlich über die Tatsache, dass ich diesen Moment mit jemand Fremden teilen musste. Am liebsten hätte ich gerufen… „ich weine gerade um meinen Vater…gehen Sie doch einfach!“ Aber das tat ich natürlich nicht. Ich ignorierte den Besucher und konzentrierte mich auf die vielen Teelichter, die munter im Sonnenlicht flackerten, das durch die Kapellenfenster herein schien. Dann hörte ich ein Geräusch…es war ein Schniefen…es kam von dem Mann, der hinter mir stand. Er weinte offensichtlich.

Obwohl die Tatsache nicht so ungewöhnlich war, in einer Andachtskapelle auf andere Trauernde zu treffen, traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz! Ich war nicht die Einzige, die trauert. Hier war jemand so mit seiner eigenen Trauer beschäftigt, dass er mich gar nicht bemerkte. Und ab diesem Moment war es irgendwie in Ordnung, weiter still zu sitzen und den Raum mit jemandem zu teilen, auch wenn ich viel lieber alleine gewesen wäre. Ich drehte mich kurz um und lächelte den alten Mann an. Er nickte mir zu und wir verstanden uns ganz ohne Worte.

Jeder, der uns begegnet, trauert auf irgendeine Weise.

Er steht hinter dir, in der Schlange an der Kasse, er schreibt dir auf Facebook, sitzt neben dir im Zug, spielt im gleichen Verein oder sitzt vielleicht sogar am gleichen Tisch in der Freundesrunde.

Jeder, der uns begegnet, kämpft gerade mit einem Verlust, mit einer Angst mit einem Unglück… und es steht diesen Menschen nicht auf der Stirn geschrieben. Sie kleiden sich morgens an, sie gehen zur Arbeit, sie versorgen ihre Kinder, sie schauen abends Fernsehen und fahren in Urlaub. Sie funktionieren… und doch… jeder von ihnen ist ein Kämpfer, jeder von ihnen muss mit Verlusten und Ängsten umgehen, versucht die Ängste und Zweifel und die Trauer zurückzudrängen und nach aussen das Gesicht zu wahren,

…wenn die Ehe zerbröckelt und ein Kriegsschauplatz geworden ist

…wenn sie um ihre  Hypotheken und Schulden zittern und jeden Blick in den Briefkasten fürchten

…wenn sie gerade bange auf medizinische Testergebnisse, für sich oder einen geliebten Menschen warten.

…wenn ihre Kinder schwer oder unheilbar krank sind

…wenn sie von ihrem Partner betrogen oder schlecht behandelt werden

…wenn sie um einen  geliebten Menschen, oder um ein geliebtes Tier trauern

…wenn sie ihre Arbeit verlieren oder Angst haben, sie zu verlieren

…wenn sie chronisch krank sind und versuchen, weiter durchzuhalten

…wenn sie in der Schule oder auf der Arbeit gemobbt werden

…wenn sie nicht wissen, wie sie die Rechnungen in diesem Monat bezahlen sollen…

…wenn sie unglücklich verliebt sind

…wenn sie mit ihrem Äusseren hadern

die Liste ist unendlich.

Jeder Mensch, der dir heute begegnet, kämpft um seinen inneren Frieden, darum, die Angst zurückzudrängen…er wendet alle Kraft auf, um durch den Tag und die täglichen Pflichten zu kommen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren und meist gelingt das auch. Wir bemerken es nicht. Jeder kennt nur seine eigene Trauer.

Es liegt an uns, genauer hinzusehen… es liegt an uns, die Tatsache immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass jeder seine eigenen Schlachten kämpft und wenn wir genauer hinsehen, dann erkennen wir intuitiv, wie die Fassade und die Stabilität bei vielen an einem seidenem Faden hängt, der jederzeit reißen kann.

Wenn du heute also durch den Tag gehst, dann wird dir niemand, dem du begegnest, erzählen, wie sehr er gerade trauert oder wovor er gerade schreckliche Angst hat…aber wenn du den Menschen in die Augen siehst, wirst du es bemerken…und dein Lächeln wird den Unterschied machen ❤

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Jeder, der dir begegnet…trauert auf seine Weise!“

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