Tierschutz

Wer Tiere wirklich liebt, muss manchmal gnadenlos hartherzig sein!

Grundsätzlich hält sich jeder oder zumindest fast jeder, für tierlieb und ein paar davon beschließen dann sogar irgendwann, aktiv etwas für Tiere zu bewirken. Sie wissen es zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht aber es wird ihr Leben aus der Bahn werfen, sie werden sich aufreiben, sie werden sich selbst zerstören, in dem endlosen Kampf gegen Unverständnis, menschliche Befindlichkeiten, Grausamkeiten, Dummheiten, Geldgier, Unwissenheit, Ungläubigkeit, Gesetzeswahn und Hoffnungslosigkeit. Sie werden jeden Tag Dinge vertreten und Entscheidungen treffen müssen, für die sie sich selbst hassen doch wenn sie es nicht tun, dann hätte es noch schlimmere Konsequenzen. Also tun sie es.

Sie müssen bei so vielen Gelegenheiten  „Nein“ sagen, wenn sie den Fortbestand ihrer Organisationen gewährleisten möchten, der Gesetzgeber ist streng und unnachgiebig und behandelt Vereine wie Unternehmen in Sachen Vorgaben und Steuern. Ich kann keine Spenden annehmen, für die es keine Quittungen in dem Land ihrer Verwendung gibt und muss die Bitte der Helfer vor Ort oft abschlagen, wenn sie keine Belege liefern können, selbst wenn mir bewusst ist, dass es nicht ihr Verschulden ist. Knallhart muss aussortiert werden, wer leisten kann und wer nicht, denn die geringen Ressourcen müssen sorgsam verteilt werden und Dokumentation gehört ebenfalls dazu.

Ein ebenso knallhartes Nein muss auch an diejenigen ausgesprochen werden, die zwar ihre Tiere gut versorgen aber die nicht für Kastration sorgen, nur Kastration bringt ein Projekt weiter und da interessiert es mich nicht oder darf es mich nicht interessieren, wie weit der nächste Tierarzt entfernt wohnt , dass das Auto kaputt ist oder das Kind erkrankt. Es warten jede Menge anderer verzweifelt darauf, Kastration für ihre Tiere zu ermöglichen und die Spender erwarten punktgenaue Erfüllung ihrer Spendenwünsche und Umsetzung der versprochenen Maßnahmen.

Eiskalt sollte mein Herz auch jedesmal sein, wenn die tägliche Bilderflut am Morgen eintrifft. Jeder sendet mir seine schlimmsten Notfälle und dann wird überlegt, wer bekommt wie viel, wer kann welche OP erhalten, wer hat überhaupt Überlebenschancen und wo wäre das Geld „versenkt“, wie viel Geld darf eine kranke Katze oder ein verletzter Hund den Verein überhaupt kosten, da dessen Behandlungskosten doch vom Gesamtbudget abgehen und dann andere Tiere hungern, zwar gesund…aber hungrig.

Jeder, der über eine noch so kleine Option verfügt, Spenden zu verteilen, der erhält natürlich auch Anfragen für diese Spenden. Sie sind meist sehr liebenswert formuliert, mehr oder weniger offensichtlich verzweifelt und in jeder Zeile steckt ein kleines Drama. Meist kann auch ich außer einer freundlichen Absage nichts weiter bieten, denn mir ist in jeder Minute bewusst, dass bereits unsere eigenen Projekte, unsere Tiere in Obhut bitter wenig haben und jeder neue Monat eine Zitterpartie wird. Einzig meine Entschlossenheit, alles ausschließlich für sie zusammenzuhalten und zu bündeln…Geld, Werbung…Adoptionen…sichert ihr Überleben. Was ich ihnen ermögliche, enthalte ich anderen vor, die es nicht weniger dringend benötigen. Trotzdem stelle ich mich wie eine Wand vor all ihre Bedürfnisse und verteidige ihre kargen Ressourcen und darf sie nicht endlos an andere verteilen.  Es herrscht ein gnadenloser Krieg da draußen, den nicht alle überleben können. Meine Tiere. Meine Projektpartner. Meine Verantwortung. Meine Versprechen. Ich werde sie halten: Meine Tiere sollen überleben!

Der Tod gehört zum Tierschutz. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich mit Tränen in den Augen vor dem Rechner sass oder am Telefon hing und über den neuesten Verlust informiert wurde. Mittlerweile versuche ich etwas mehr Distanz und fürchte, die Beileidsbekundungen klingen manchmal dürftig, aber ein Herz kann nur eine begrenzte Menge an Trauer ertragen und meines darf noch nicht brechen. Es wird gebraucht.

Tierschützer müssen auch ihr Herz zuhause lassen, wenn sie Tierleid dokumentieren, wenn sie sich hautnah dem Elend stellen, von dem sie leider genau wissen, sie können es nicht beenden. Jedes Bild, das grauenhafte Tierquälerei oder schreckliches Leid zeigt, wurde von jemandem erstellt, der diese Bilder sein Leben lang mit sich tragen wird. Vermeintlich kaltherzig stellen sie sich dem Grauen, damit es in die Welt getragen wird und Veränderung schafft. Vermeintlich distanziert, recherchiere ich dann schreibe ich dann dazu die Geschichten, die mich mein Leben lang verfolgen werden.

Und dann wäre natürlich noch der menschliche Faktor. Wer anderen den Spiegel vorhält und kompromisslos aufzeigt, was sie den Tieren antun, erhält nicht immer freundliches Feedback und schafft sich mit der Zeit ein Heer von Feinden. Sie sind laut, verletzend und ungerecht, wenn sie daran erinnert werden, was ihr Handeln bewirkt. Man muss die Kraft haben, es an sich abprallen zu lassen und weitermachen…immer weiter, bis es irgendwann auch der Letzte verstanden hat.

Tierschutz funktioniert nur gemeinsam und neben den zwingend notwendigen Regeln der Höflichkeit, auf die ich selbst penibel achte, benötigt man ein Herz aus Kruppstahl, um alle Anfeindungen, Unterstellungen, Neider, Gegner und Psychopathen auszuhalten, die sich im Tierschutz genauso tummeln, wie die Engel und manchmal muss man selbst einem gutherzigen Engel aufzeigen, dass wir nicht die ganze Welt retten können sondern immer nur ein winziges Stückchen und er wird es nicht verstehen und traurig darüber sein oder mich dafür hassen..oder beides. Ich gebe trotzdem nicht nach. Wenn man sich ein weiches Herz für Tiere erlauben möchte, muss man es nach Außen in Granit betten, damit es unbeschadet überlebt.

Die meisten Frontfrauen- und auch Männer wirken daher im Außen oftmals kühl und verbissen und wenig kompromissbereit.

Mittlerweile weiß ich warum, …ich wurde eine von ihnen.

Wer Tiere wirklich liebt, muss manchmal gnadenlos hartherzig sein!

Weil sie es mir wert sind!

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Iron und ich. Nach ihm wurde das Haus der Chancen in Athen benannt.

 

3 Gedanken zu „Wer Tiere wirklich liebt, muss manchmal gnadenlos hartherzig sein!“

  1. Danke dir, dass es Menschen gibt wie dich, die ihre Menschlichkeit nach außenhin aufgegeben haben, um alles für die Tiere zu geben, was in deiner Position möglich ist.
    Zweifel nicht daran.
    Du bist menschlicher als jeder von den Menschen, die dir Unmenschlichkeit vorwerfen.
    Danke, dass du für die Wesen da bist, die nicht für sich selbst sprechen können. Wenn sie könnten, würden sie dir auch danken. Und danke von allen Tieren, bei dem du die Hilfe verweigert hast. Denn du hast als einer der wenigen Menschen es zumindest in Erwägung gezogen. Jede vergossene Träne, jeder Herzschmerz und jede Verzweiflung, die du dafür niederringen musstest bezeugt dies.
    Danke!

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  2. Dankeschön liebe Romy für deine Worte. Ich zweifle momentan tatsächlich sehr daran, ob es der richtige Weg ist oder ob ich meine Kraft und Ideen vielleicht lieber dem allgemeinen Tierschutz und der Aufklärung widmen sollte. Es ist auf Dauer nicht gut für die Seele aber wohl notwendig, wenn man helfen möchte. Liebe Grüße. Bettina

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  3. Bitte höre nicht auf. Es gibt so wenige wie sich und die Tiere brauchen dich!
    Du bist stark und nur wenige Menschen können das, was du kannst. Viele zerbrechen daran oder geben auf. Es kostet viel Kraft und Mut sowie mentale Stärke. Und das haben nur wenige. Sei für die Tiere da, die machbar für dich sind. All diese Tiere brauchen dich. Du schaffst das. Ich habe den größten Respekt vor deiner Stärke. Wegen Menschen wie dir glaube ich noch an gute Menschen. 🙂

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