Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Einschreiben für mich…weiha!

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Es lag schon seit Freitag im Briefkasten. Ich erkenne solche Hiobsbotschaften, selbst wenn ich nur mit der Hand in den Briefkastenschlitz fasse und überlege, ob es sich lohnt , den Kasten zu öffnen, oder ob ich nicht einfach noch ein wenig länger warte, ehe ich mir den Tag damit verderbe.

Aber gestern Abend musste es dann einfach sein. Werbung, Werbung, eine Postkarte … und eine Benachrichtigung für ein Einschreiben. Weiha!

Habe ich schon erwähnt, dass ich eine Dokumenten und Rechnungs-Phobie habe und diese liebevoll pflege? Alle wichtigen und unvermeidlichen Dinge laufen via Dauerauftrag und natürlich kümmere ich mich notgedrungen auch um die ein oder andere Bürgerpflicht, wie Steuerbescheide und Strafzettel aber alle sin allem vermeide ich den Kontakt und er macht mir tagelang schlechte Laune und ein ungutes Gefühl. Was wohl diesmal hinter dem Einschreiben steht?

Ich grübelte den ganzen Abend und ein Horrorszenario nach dem Anderen ging mir durch den Kopf.

Wollte die Krankenkasse auch noch eine Biopsie am schlagenden Herzen und den rechten Augapfel, damit ich endlich die benötigte Bescheinigung erhielt?

War mein Führerschein Geschichte, weil ich irgendwo ein Schild übersehen hatte und neue Rekorde in Sachen Geschwindigkeitsübertretung errungen?

Hatte ich irgendeine Rechnung versemmelt und die Inkasso Unternehmen waren mir jetzt auf den Fersen?

War irgend eine Copyright Verletzung in meinem Blog passiert und jetzt sollte ich um schwindelnde Summen verklagt werden?

Je länger ich über sämtliche Optionen nachdachte, desto seltsamer wurde mir zumute, ich drehte den Benachrichtigungsschein hin- und her, als könnte er mir verraten, worum es diesmal geht. Die Antwort musste bis zum nächsten Tag warten. Um mich abzulenken stöberte ich ein wenig im Internet, sollte ich morgen pleite sein, ohne Führerschein oder im Gefängnis, dann wollte ich heute noch eine weiße Bluse oder ein weißes T-shirt kaufen, am besten mit Spitze…das beschäftigte mich bis zum Einschlafen, auch wenn ich nichts passendes fand. Immer wieder fiel mir das mysteriöse Einschreiben ein und verdarb die Kauflaune.

Am nächsten Morgen stand ich im Postamt und lauschte angespannt, als der Beamte in dem Fach mit den Einschreiben wühlte. Es knisterte und raschelte und dann zog er einen Umschlag heraus. Ich warf einen kurzen Blick darauf und strahlte von einem Ohr bis zum anderen. DAS konnte auf jeden Fall nichts wirklich unangenehmes sein, dieser Umschlag war einfach zu groß für Rechnungen, Vorladungen oder offizielle Schreiben.

Noch im Postamt riss ich ihn auf und dann war ich für einen Augenblick wirklich sprachlos. Im Umschlag war ein weisses Shirt, mit Spitzen, genau meine Größe, genau mein Geschmack, so wie ich es gestern vergeblich gesucht hatte. Wer konnte meine Gedanken lesen und das eine Woche im Voraus??? Ich hatte niemals ein solches Shirt erwähnt!

Argyro, die als Freiwillige Helferin für SCARS Athen Pflegestelle ist, hatte mir dieses Shirt einfach so geschickt … als Einschreiben, damit es auch ganz sicher aus Athen bis nach Nordbayern findet und dazu ein paar sehr persönliche und sehr nette Zeilen.

Wow, Argyro! ❤

Die Anspannung (ich übertreibe nicht, es hatte mich wirklich ziemlich verunsichert, was da auf mich wartet), wechselte in sekundenschnelle zu Freude und Dankbarkeit über. Wie sorgsam ausgesucht das Shirt war,  wie genau es meinen Geschmack traf…wie persönlich… und unerwartet … und dazu die lieben Worte von jemandem, den ich kaum kenne.

Wenn einer von uns beiden ein Geschenk verdient hätte, dann wohl eher Argyro, für das, was sie jeden Tag ehrenamtlich für die Tiere in Athen leistet und besonders für die liebevolle Pflege ihre Schützlinge , die sie privat in der eigenen Wohnung betreut.

Heute hatte ich also das erste Einschreiben erhalten, das mich zum Strahlen brachte. Meine Phobie macht Fortschritte 🙂

Dankeschön, Tausend Dank, liebe Argyro und Grüße nach Athen!!!

 

20190619_200635.jpg.

It had been in the mailbox since Friday. I recognize such bad news, even if I only hold by hand into the mailbox slot and wondering whether it is worth opening the box, or whether I just wait a little longer, before I spoil the day with it.

But  last night i needed to check to mailbox. I could not longer postphone it. Advertising, advertising, a postcard … and an official note to get a registered letter from the post office. Ooops!

Did I mention that I have a document and bill phobia and pamper that phobia lovingly? All important and inevitable things run via standing order and of course I take care of the one or the other civic duty, as tax bills and traffic fines but all in all I avoid the contact and paying bills and taking care of documents, causes me bad mood and a bad feeling for days. What was this time behind the registered mail in my box?

I pondered all evening and one horror thought after another came to my mind.

Did the health insurance company also want a biopsy on the beating heart and my right eyeball, so that I finally received the required certificate?

Was my driver’s license history, because I had missed a sign somewhere and achieved new records of speeding?

Had I messed up some account and the debt collection companies were now hot on my heels?

Was there any copyright infringement on my blog and now I would be sued for huge sums?

The longer I thought about all the options, the stranger I felt.  I turned the notification slip back and forth, as if he could tell me what this time was waiting for me. The answer had to wait until the next day.

To distract myself, I rummaged a bit on the Internet, if i might be broke or without a driver’s license or in prison tomorrow, then I wanted to buy a white blouse or a white T-shirt, today…preferably with lace … that search occupied me until falling asleep, even when I found nothing suitable.

The next morning I stood in the post office and listened to the crackling noise, as the bureaucratist rummaged through the mailbox. It crackled and rustled and then he pulled out an envelope. I glanced at it, beaming from one ear to another. THAT could not be anything really unpleasant, this envelope was just too big for bills, subpoenas or official letters.

I tore it open instantly, while i was still  in the post office. I tore it open and then for a moment I was really speechless. In the envelope was a white shirt, with lace, just my size, just my taste, the shirt I had searched for in vain, yesterday evening. Who could read my thoughts and read them one week in advance? I never ever mentioned such a shirt to anybody!

Argyro, who is a volunteer helper for SCARS Athens foster care, had just sent me this shirt … as a registered letter, so that it safely found its way from Athens to northern Bavaria and with the shirt also a few very personal and very nice lines.

Wow, Argyro! ❤

The tension (I am not exaggerating, it really made me quite confused, what is waiting for me), changed in seconds to joy and gratitude. How carefully chosen the shirt was, how exactly it met my taste … how personal … and unexpectedly … and the kind words of someone, I hardly know.

If one of us deserves a gift, then it would be rather Argyro than me, for what she volunteers every day for the animals in Athens, and especially for the loving care of her foster cats, which she looks after in her private home.

So today I received the first registered letter that made me smile. My phobia is making progress 🙂

Thank you, a thousand thanks, dear Argyro and greetings to Athens !!!

2 Gedanken zu „Einschreiben für mich…weiha!“

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