Tierschutz

Gesichter der Angst

Gesichter der Angst.
So lautet der Name einer PDF Datei, ein Text über die verschiedenen Gesichter der Angst, wenn Tiere auf dem Weg zum Schlachthof oder Auge in Auge mit ihrem Schlächter die letzten grauenhaften Momente erleben. Eine hervorragende Recherche, eine erschütternde Zusammenstellung, der verschiedenen Reaktionen, die tief unter die Haut geht. Ich wollte Textauszüge für einen Artikel verwenden aber bisher habe ich es noch nicht über den ersten Absatz geschafft, den Rest kurz überflogen und die Bilder, die grauenhaften Bilder sind bereits in meinem Kopf, ehe ich vollständig gelesen habe.

Muss ich mir das wirklich antun? Was macht es mit mir? Lohnt es sich wirklich, mir wieder freiwillig einen Kübel schwarze Farbe in die Seele zu kippen? Wie um alles in der Welt hat die Verfasserin das ausgehalten? Ich hatte sie heute angeschrieben und um Erlaubnis gebeten, zu zitieren. Der Text ist so wahr wie schmerzhaft und sollte zirkulieren.
Aber was dann?

Diejenigen, die sowieso schon wissen, denen wird es nur weitere schlechte Gefühle machen, die bekannte Mischung aus Mitleid, tiefster Empathie, dann Zorn, Trauer, Machtlosigkeit und Resignation. Was zum Teufel sollen wir noch tun, um dieses System des Grauens und der Unmenschlichkeit zu beenden?

Und diejenigen, die es nicht wissen wollen, die kratzt das nicht. Entweder halten sie mich und alle anderen, die das Leid der Tiere sehen, für verrückt oder lästig oder beides oder sie berufen sich auf Tradition, Nahrungskette, Notwendigkeiten und der „Bestimmung“ dieser bedauernswerten Geschöpfe als „Nutztiere“. Ändern wird für sie ein solcher Text nichts. Weil es so gut schmeckt, Geiz ist geil und „sonst darf man ja überhaupt nichts mehr…“

Gesichter der Angst. Sie sind allgegenwärtig, nicht nur in den Ställen, Zuchtanlagen und in den Labors, sondern überall, wo Menschen auf Tiere treffen und wo Tiere nicht das Glück hatten, bereits vor Jahrhunderten auszusterben sondern domestiziert wurden.

Jeden Tag frage ich mich, ob es Sinn macht, so viele Stunden zu investieren, um ein paar Streunerkatzen und Hunde im fernen Athen zu retten, während bei mir um die Ecke Hunderte, ja Tausende Tiere ihrem Tod entgegen vegetieren.
Die Menschen, die Tränen vergießen, weil ein Kätzchen stirbt, sind am gleichen Tag für Tod und Leid anderer, nicht weniger bedauernswerter Geschöpfe, durch ihren Konsum mit verantwortlich.
Ich ja auch, wenn ich mir dann gleich wieder die notwendigen Augentropfen für die Nacht einträufele, die mit Sicherheit an irgendeinem Tier getestet wurden…ein Tier, das auch ein Gesicht der Angst hatte, jedesmal wenn sich die Tür öffnete und die Schritte seines Peinigers im Labor näherten, bis es am Ende der Versuche getötet wurde. Meine Augentropfen waren sein Tod.
Verrückt, oder?
Ich möchte nicht mehr für Angst und Tod anderer verantwortlich sein, ich möchte am liebsten nichts mehr davon sehen und hören.
Ich möchte aber auch etwas verändern.
Deshalb werde ich morgen lesen, was Tiere vor der Schlachtung empfinden, wie sie reagieren, damit ich darüber scheiben kann. Es ist ein Report, ein Erfahrungsbericht aus dem Schlachthof, verfasst von einer Schlachthof Tierärztin.

Gesichter der Angst…Jedes Schnitzel, jedes Steak, jede Bratwurst hatte nämlich einmal ein Gesicht. Wir vergessen das gerne…

(c) Bild: June Michel Artist

engel June

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