Tierschutz

Eine Eiche und ihr schreckliches Geheimnis…

Eine Eiche und ihr schreckliches Geheimnis…

Auf meiner Suche nach Baudenkmälern in meiner Nähe, nach deren Vergangenheit und baulichen Besonderheiten war inmitten der Bilder, die Google ausspuckte, auch eine alte Eiche mit einem Kruzifix, gleich am Ortsausgang. Ich fahre jeden Tag an ihr vorbei.
Neugierig las ich nach, was es mit dieser Eiche und dem Kruzifix auf sich haben sollte, es war mir bisher nie aufgefallen.
Der Baum war als Hinrichtungsstätte missbraucht worden.
Nicht im finsteren Mittelalter, es ist eben einmal gut 70 Jahre her, als in meiner Stadt, als im ganzen Land ein Unrechtsregime tobte und als es beendet werden sollte, da zeigte der Faschismus in Form von sogenannten „Standgerichten“ noch einmal eine weitere, häßliche Fratze, diesmal gegen Zivilisten und gegen die eigenen Soldaten.

Nicht nur Soldaten, auch Zivilisten konnten für Bagatellen sofort mit dem Tod bestraft werden. Je näher das Ende des Krieges kam, desto fanatischer wüteten diese Standgerichte unter all denen, die kriegsmüde waren und Frieden wollten.
Es reichte, in einem Gespräch „am Endsieg“ Zweifel anzumelden, es reichte ein Scherz, der als „unangebracht“ eingestuft wurde und schon hing man am nächsten Baum. Das war legal und nach dem damals geltenden rechtlichen Grundlagen nicht anfechtbar. Noch viele Jahre später mussten die Hinterbliebenen, Witwen und Kinder um eine Rente klagen, die oft verwehrt wurde, weil diese „Urteile“ rechtens“ waren. Im Namen des Volkes…

Der Junge Mann, er hieß übrigens Herbert Susel, der an besagter Eiche zum Tod durch Erhängen von einem Standgericht verurteilt worden war, wurde in der Stadt ohne seine Papiere aufgegriffen. Das war sein Verbrechen. Die Amerikaner rückten beständig näher und wer sich nicht mehr dem sinnlosen Kampf stellen wollte, der hatte sein Leben verwirkt.

Auch die beherzten Einwohner der umliegenden Dörfer liefen Gefahr, erschossen oder erhängt zu werden, wenn sie den eintreffenden Alliierten mit weißen Fahnen entgegen kamen. Denn nur dann wurde ihr Dorf verschont. Viele taten es trotzdem mutig. Mein Vater hat mir oft erzählt, wie unser Dorfpfarrer damals entschlossen den Panzern entgegen lief, mit einem weißen Messtuch in der Hand und so den Ort und seine Bewohner vor Schaden bewahrt hat, weil er signalisieren konnte, dass von den Bewohnern keinerlei Gefahr ausgeht….manch anderen gelang das nicht und sie bezahlten diesen Einsatz mit dem Tod, wenn in den eigenen Reihen noch Anhänger des Nazi Regimes anwesend waren und Meldung machten.

Aber kommen wir zurück zu der Eiche. Das feige ermordete Opfer, denn es war ein feiger Mord, auch wenn er auf höchste Anordnung geschehen war und auch wenn einige daran beteiligt waren, die diese Tat freiwillig niemals unterstützt hätten, dieses Opfer war noch nicht ganz tot, als ihn seine Henker verließen und einer kehrte zurück und schoss ihm noch eine Kugel durch den Kopf.
Das Blut tropfte auf das Schild, das man ihm umgehängt hatte, um alle zu warnen, die sich dem Nazi Regime widersetzen wollten. Zwei Tage musste der Leichnam an dem Baum verbleiben um alle, die in die Stadt hinein oder hinaus gingen, daran zu erinnern, was passiert, wenn Widerstand geleistet wird.

Ein Pater aus dem Stadtkloster schrieb damals zu diesem Vorfall:
„Es bleibt einem der Verstand stehen. Im Menschen steckt doch ein großes Stück Raubtier“.

Das Kreuz wurde übrigens viele Jahre später von einem Mann angebracht, der als Kind mit ansehen musste, wie sich die Blutspur aus der Schusswunde des Soldaten, über das umgehängte Schild ergoss. Die Bilder haben sich bei ihm für immer im Gedächtnis eingebrannt und er wollte dem Opfer mit diesem Kreuz ein Andenken setzen.
Die Eiche dient als Mahnmal, als stummer Zeuge einer Geschichte, die sich niemals wiederholen darf.

Jedes Baudenkmal, jeder alte Baum hat seine eigene, spannende Geschichte und oft ist sie geprägt von Verbrechen und Leid. Aber nur wenige Geschichten, selbst aus dem tiefsten Mittelalter, können es mit den Gräuel der Nazis aufnehmen.

Als ich zum Schluss las, dass die amerikanischen Soldaten in einigen Orten die anwesenden Frauen der Naziführer dazu gezwungen haben, die verscharrten Leichen der Opfer solcher Standgerichte , mit bloßen Händen wieder auszugraben, um sie dann in Ehren zu bestatten, wusste ich nicht, ob ich die Bestrafung grausam oder angemessen finden sollte. Ich denke, alles was in dieser Zeit passierte, überfordert den gesunden Menschenverstand. Was sind 70 Jahre… es kann morgen wieder passieren, davon bin ich überzeugt.

Bitte verwendet den Namen „Nazi“ nicht so leichtfertig.
Es wird den Opfern des Nationalsozialismus nicht gerecht, wenn heute jeder, dessen Meinung uns nicht gefällt, als „Nazi“ bezeichnet wird.
Das Unrechts Regime der Nationalsozialisten hätte sich bei Meinungsfreiheit niemals entfalten können. Dann hätte die Stimme der Mitte, die Stimme der Vernunft, all das niemals zugelassen aber diese Stimmen wurden frühzeitig zum Schweigen gebracht.
Wenn wir aus der Geschichte lernen sollen, dann bitte auch das!

standgericht

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