Kurzgeschichten

Ruby sitzt seit neuestem auf dem Fensterbrett und ich muss Facebook meiden, sonst explodiere ich!

Puh, manchmal frage ich mich, wie andere das so aushalten aber glaube die Antwort zu kennen. Tierschützer sind entweder hart wie Kruppstahl oder gebrochen oder  auf eine Weise entschlossen genug, ihr inneres Feuer, das für Veränderung brennt,  schützt sie, um all das irgendwie auszuhalten und zu kompensieren. Ich habe mir eisern vorgenommen, weiterhin in der Gruppe der „Verrückten“ mitzurudern, obwohl selbst Joggen bis zur Erschöpfung, Ablenkung durch Events oder Beschäftigung mit den positiven Aspekten nur bedingt den Zorn mildert, der mich immer mehr begleitet.

Mittlerweile wüsste ich gar nicht mehr, wo ich mit meinen Blogs anfangen sollte und wo aufhören. Tierquälerei, Misshandlungen und Ungerechtigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle aber auch wirklich alle Bereiche des menschlichen Lebens, durch alle Länder, Gesellschaften, Ethnien und Schichten. Den meisten ist nicht einmal bewusst, was alles an schrecklichen Dingen hinter den Kulissen passiert und jeder, der zum Beispiel jetzt zu den erneuten Stierkämpfen in Mallorca schlau kommentiert, die Stiere hätten zumindest vorher ordentlich gelebt, dem möchte ich die Nase tief und nachdrücklich auf die Dokumentationen drücken, in denen für jeden, der die Fähigkeit zum lesen besitzt, exakt beschrieben wird, und auch belegt, wie diese armen und friedlichen Kreaturen sadistisch und phantasievoll gefoltert werden, ehe sie in die Arena gejagt werden, zum vergnüglichen Abschlachten. Pardon, zum kulturellen Ereignis.

Mein Verstand schaltet auf Error, wenn ich versuche zu begreifen, wie Menschen das bejubeln können, was daran so zum Aufgeilen reizt und besonders, wenn dann Pfaffen mit Kreuzen in der Arena herum stolzieren und das Ganze segnen.

Zeitgleich haben wir Opferfest. Schlitzen, schlagen, fesseln, bluten, töten …yeah…Religion ist etwas Feines und eine mieser als die andere, wenn es darum geht, Schwächere zu unterjochen und zu quälen. Der Wettbewerb läuft und ist noch nicht entschieden.

Ändern wird sich daran mittel- oder langfristig nichts. Wer herausfinden möchte, warum das so ist, der sollte sich die Kommentare zu den Stierkampf News durchlesen. Auf meinem Blog nicht anders als auf allen anderen Plattformen. Es sind entweder die Falschen , die sich darüber empören, weil sie instrumentalisieren (wobei ich mich ernsthaft frage, wer in der Politik nicht instrumentalisiert, wenn er etwas erreichen möchte, fragt mal die liebe Greta)  oder es wird relativiert, auf andere Misstände hingewiesen, die man vorher beheben müsste, auf das „schöne Leben“ der Stiere, darauf, dass wir uns nicht im Ausland einmischen dürfen (gilt allerdings nur für Tierschutz, ansonsten senft jeder unserer Politiker überall mit) und so weiter und so weiter.

Da wird sich nichts ändern. Und ich finde diesen Gedanken grauenhaft und schäme mich fremd und bin zornig und traurig…und muss daher Facebook diese Tage wirklich meiden sonst schreibe ich Dinge, die ich später bereuen würde 😉  . Dann wird eben weiter gemetzelt bis sich alle klugen Tierschützer einig sind, wie man am besten dagegen vorgehen könnte, wie man nicht dagegen vorgehen darf und ob es im Verhältnis zu anderen Tierquälereien überhaupt moniert werden darf. OMG!!!!

Tierschützer sind nicht immer vernünftig und auch nicht immer nett. Ich habe auch noch eine andere kleine Hässlichkeit auf Facebook gefunden. Das ist eher persönlich aber da es so stellvertretend für die Art und Weise des Umgangs miteinander ist, erzähle ich es doch.

Einige kennen sicher meine Tagebuch Einträge auf dem Facebook Karma Blog. Dort schreibe ich in Tagebuch Form über die aktuellen Tierschutzbelange und es wird sehr positiv aufgenommen. Einfach einmal eine andere Art und Weise, den Menschen die Thematik nahe zu bringen und mir liegt diese Art zu schreiben. Auf diese Weise erhalten wir viel Hilfe, für die Helfer, die an der Front jeden Tag ihren Mann stehen müssen und die wir beständig und nachhaltig dabei unterstützen. Soweit so gut. Kürzlich erhielt ich einen Screenshot, darauf zu sehen war, wie  ein anderer, noch sehr junger Verein auf seiner Facebook Seite, um Unterstützung warb:

„…Denn ihr kennt uns ja noch nicht. Wir befragen keine Tagebücher, denn bei uns geht es wirklich um das nackte Überleben vor Ort“…

Da ich bisher der einzige Vereinsvorstand bin, der auf Facebook für Tierschutzfragen sein Tagebuch führt, war klar, gegen wen sich dieser kleine Nadelstich richtet. Das hat mich noch nicht einmal gestört, ich war nur erstaunt, wie klein und armselig viele Menschen denken, die immer glauben, sie würden selbst größer, wenn sie versuchen, andere klein zu machen. Das Gegenteil ist der Fall aber das muss jeder selbst herausfinden. Es ist doch Platz im Tierschutz für alle, die helfen möchten..jeder auf seine Weise. Aber dann …was dann folgte, machte mich sehr nachdenklich: ….denn bei uns geht es wirklich um das nackte Überleben vor Ort“…

Aha, bei ihnen geht es also wirklich um das nackte Überleben vor Ort  und bei anderen nicht? Oder wie soll man diese Ausführung im Zusammenhang mit meinen Tagebüchern verstehen?

Wir reißen uns mittlerweile seit Jahren jeden Tag drei Beine aus, um so viele Leben wie möglich zu retten und jeder Tag ist ein neuer, verzweifelter Kampf, buchstäblich um Leben oder Tod. Schon ein wenig arrogant und auch dumm, solche Sätze in die Welt zu schreiben aber auch das ist keine Ausnahme. Hätte ich nicht unser wunderbares Team um mich, die neben Tierliebe auch eine große Portion Anstand und die Fähigkeit zum fairen Teamwork mitbringen, ich glaube ich hätte längst hingeworfen. Stattdessen mache ich einfach zwei, drei Tage Facebook Pause und organisiere hinter den Kulissen, was im Verein ansteht.

Ach ja, und dann kam ein Bild mit der Post. Es ist unsere Ruby. Ruby, deren Köpfchen und Gehirn so beschädigt war, durch Misshandlungen, dass niemand an eine Genesung glaubte, nicht einmal an ein lebenswertes Leben. Aber die Hartnäckigkeit und Pflege von SCARS, die großherzige Spenden halfen ihr zurück ins Leben. Bei meinen Freunden und Team Kollegen in Berlin, bei Petra und Peter blüht das blinde Kätzchen jetzt richtig auf und alle paar Wochen gibt es neue, kleine Sensationen. Jetzt kann sie also sogar „Fensterbrett“ . Ruby geht es richtig gut :-)) .

Man sollte sich an diesen schönen Dingen festhalten und das tue ich ❤

ruby

 

 

 

5 Gedanken zu „Ruby sitzt seit neuestem auf dem Fensterbrett und ich muss Facebook meiden, sonst explodiere ich!“

  1. Du MUSST das Gute sehen und alles andere immer und immer wieder anprangern. Nur steter Tropfen höhlt den Stein. Klingt abgedroschen, ist aber so. Nicht aufhören !

    Gefällt 1 Person

  2. Hat dies auf hubwen rebloggt und kommentierte:
    Mir fehlen die Worte um dieses Ekelhafte zu beschreiben:
    „Mein Verstand schaltet auf Error, wenn ich versuche zu begreifen, wie Menschen das bejubeln können, was daran so zum Aufgeilen reizt und besonders, wenn dann Pfaffen mit Kreuzen in der Arena herum stolzieren und das Ganze segnen.“

    Liken

  3. Ja, liebe Bettina, an den schönen Dingen festhalten und niemals loslassen. Das ist so wichtig in dieser Welt. Alles um uns herum leidet. Tiere, Menschen und Natur – egal wohin man sieht. Wieviel Trost spenden da diese kleinen schönen Episoden zwischendurch.
    Ihr Text hat mich wieder sehr berührt, er macht mich aber auch wütend. Wütend darauf, dass es irgendwie nicht möglich erscheint, das alle Menschen, denen die Tiere angeblich sooo am Herzen liegen endlich zusammen arbeiten. Immer muss es irgendeinen Idi… geben, der sich einbildet, seine Hilfe sei das Nonplusultra im Tierschutzbereich.
    Was dieses Thema angeht, können viele sogenannte Tierschützer noch eine ganze Menge vom Bauernverband, der Fleischindustrie, den Jägern, Pelzhändlern und all diesen anderen Elendsgestalten lernen. Die halten zusammen wie Pech und Schwefel – dort macht keiner den anderen öffentlich nieder. Ich finde es ja wirklich erbärmlich, aber manchmal muss man auch von denen lernen, die auf der Gegenseite stehen – jedenfalls so lange, wie diese noch immer den erfolgreicheren Teil des „Spiels“ für sich verbuchen können.
    Wie immer, liebe Bettina, wünsche ich ihnen viel Kraft. Lassen Sie nicht zu, dass andere, die nicht in der Lage sind zu wertschätzen, was Sie tun, Ihnen die Kraft nehmen. Ich sende Ihnen ein Lächeln und will, dass Sie wissen, es gibt viele Menschen, die Sie für Ihr Engagement sehr bewundern und Ihnen, im Namen aller Tiere, von Herzen danken.
    Liebe Grüße aus Brandenburg

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.