Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Was für ein Jahr… mein Jahr? … der Kürbisbrief 2019

Hallo lieber großer Kürbis,

diesmal ließ ich mir etwas Zeit für meinen jährlichen  Brandbrief an dich, denn ich musste erst die Gedanken sortieren. Manche deiner Geschenke kommen eher wie eine riesengroße, schmerzhafte Ohrfeige daher und erst nach einiger Zeit bemerke ich,  dass du mich auf diese Weise nur nachdrücklich und liebevoll in eine Richtung geschubst hast, die ich alleine nie gegangen wäre, obwohl es an der Zeit war. Zunächst erscheint alles immer wie ein riesen Verlust…

 

Luna zum Beispiel. OMG, Lunchen… ich habe bereits Tränen in den Augen, wenn ich nur ihren Namen schreibe und doch… bei allem Schmerz weiß ich, du hast den Zeitpunkt richtig gewählt, du schenktest uns noch zusätzliche zwei Jahre, weil du wusstest, dass… du weisst ja immer alles ❤

Jetzt war mein altes Mädchen müde und die Schmerzen nicht mehr tolerierbar und so wie sie von mir ging, sollte jedes Tier einschlafen dürfen. Danke dafür ❤

Dann gab es das ein oder andere Projekt, für das ich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatte. Für die ich Tausende von Arbeitsstunden investierte, alle Kontakte, alles was mir an Inspiration, Bestechung, Einsatz und Beziehungen nur irgend einfiel…es wurden erfolgreiche Projekte…wo vorher nur Armut und Verzweiflung herrschte, Tiere starben und Menschen mutlos wurden, da zauberte mein Team volle Näpfe, Vernetzungen deluxe und stabiles Arbeiten. Kein Hahn hat vorher danach gekräht. Ich wollte helfen.

Manche nannten es auch ein Wunder. Ich wurde trotzdem fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel, als man glaubte, mich nicht mehr zu benötigen. Als zu wenig schien, was wir bieten können und möchten. „Viel“ war nicht mehr „genug“. Es ist sehr schnell vergessen, was geleistet wird, nicht nur im Tierschutz. Etwas, das sich wie ein roter Faden durch all die Arbeit zieht, seit Syrien 2015. Schon interessant.

Aber die Tiere vergessen nicht, auch wenn sie niemals erfahren werden, wer seine Finger im Spiel hatte und das auch nicht müssen. Es reicht, wenn ich das weiss. Dein Geschenk dabei? Ich habe es erst nach einigem Überlegen erkannt. Auch da hast du mir Freiheit geschenkt, so wie bei Luna. Mich aus meinem selbst gewähltem Gefängnis aus Verantwortung und Verpflichtung geholt, das keinen Raum für Anderes mehr ließ, auch wenn die Gitterstäbe aus Liebe gefertigt waren. Es blieb ein Gefängnis und es blieben Gitterstäbe. Jetzt bin ich frei.

Und dann war ich soo sauer auf dich, weil du meinen Wunsch nach einem Haus nicht erfüllen wolltest. Was habe ich Häuser besichtigt, Anzeigen verfasst, bin Strecken abgefahren,  habe Makler kontaktet, das letzte Jahr und was gab es für Pleiten, Pech und Pannen. Justament als ich diesen Traum gerade endgültig begraben wollte, schicktest du mir ein paar wundersame Wendungen, ein paar Freunde, die völlig unabhängig voneinander, wirklich verrückte Dinge für mich ermöglichten, und voila … das Haus aus dem Bilderbuch meiner Träume, das Haus, das alles aus der Wunschliste meiner Sehnsüchte erfüllt, sogar an den Bach vor dem Garten hast du gedacht ❤  wartet jetzt auf mich. Noch ist es nicht das Haus meiner Träume, aber ich werde es mir so bauen… 2020 wird mein Baumeister Jahr und dafür allein könnte ich dich niederknutschen. Ich freue mich so unendlich darauf!!

Tja und da waren noch die Freunde…all die alten und neuen, die mir durch sämtliche Grabenkämpfe  und Irrungen und Wirrungen 2019 folgten, sei es als Teamworker für unglaublich tolle Projekte,  für Leben und Hoffnung unserer vierbeinigen Schützlinge, sei es, um mich daran zu erinnern, dass man auch ab und an Party machen muss um das ewig Leid zu überleben und natürlich, um mich daran zu erinnern, wer ich bin. Ich hatte das fast vergessen.

Ich wollte ja einst eigentlich Geschichten schreiben, lustige und positive, ich wollte natürlich auch möglichst vielen helfen und etwas bewegen aber nicht um den hohen Preis, den es mir abverlangt. Nicht in meinen düstersten Träumen hätte ich mir vorstellen können, mit welchem Irrsinn und mit welchen Anfeindungen man zu tun hat, nur weil man seinen Job erledigt. Das wird sich jetzt ändern. Ich habe bereits damit begonnen.

Wer es sich im Tierschutz leicht macht, wer hier und da und allen einmal ein paar Brosamen schenkt…der ist der Held, den lieben alle.

Wer hart und zielführend auf Ressourcen achtet, auf den punktuellen Aufbau von Strukturen und die langfristige Versorgung, der wird angefeindet, gemobbt und ist leichte Zielscheibe für jeden Proleten, Hater und Idioten und Gestörten, der des Weges kommt. Gründe findet man immer und wenn nicht, erfindet man sie.

Ansonsten fiel es ja schwer, mir etwas vorzuwerfen, wenn man sich gerne auf Facebook eine Bühne schaffen wollte…Was hätte man sonst hässliches über mich schreiben sollen?  Kaum jemand in der Szene arbeitet so hart, ehrlich und effektiv wie ich. Also zog man die Nummer mit „sie gönnt keinem etwas“ aus der Schublade… weil ich unsere Projekte schützte. Weil unser Team immer geschlossen für das stehen muss, was wir gemeinsam versprochen haben.  Weil ich nicht zum Kaffeplausch und Seele streicheln in den Gruppen bin sondern dort Ziele habe, die eingehalten werden müssen, wenn Projekte stabil bleiben sollen. Dafür wurde ich hart angegangen und darauf habe ich keine Lust mehr. Wenn alle das offensichtlich so gut finden,  (oder zumindest viele) kann ich das ab jetzt auch …allen gönnen… , wie das so schön geschrieben wurde, oft geschrieben wurde, bis ich jetzt an dem Punkt bin, an dem ich denke:

Why not? Wird bestimmt nicht lustig, aber nicht mehr mein Problem,  wenn dabei  an einigen Stellen immense Einbrüche stattfinden werden. Von nichts, kommt nichts 😉

Diese Freiheit, all das jetzt zu tun, nach links und rechts und überall zu gönnen und zu verteilen, jeden hantieren zu lassen, und wenn nichts mehr da ist, dann ist eben nichts mehr da … den Mühlstein der Verantwortung abzulegen, den ich mir selbst umgehängt hatte, diese neue Freiheit war unter dem Strich auch ein Geschenk, vielleicht dein Größtes. Freiwillig wäre ich nie darauf gekommen. Du musstest mich also unsanft schubsen. ❤

Luna würde jetzt zufrieden nicken. Sie hat mich oft vorwurfsvoll angesehen, wenn ich wieder einmal mit Tränen in den Augen las, was ich für meine Arbeit für unfaires Feedback erhalte.  Sie wusste lange vor mir, wie unsinnig es ist, alleine oder mit einigen wenigen, einen Staudamm aufhalten zu wollen….verzweifelt und mit aller Kraft dem Druck stand zu halten, während andere, links und rechts von mir, lächelnd die Schleusen öffnen und mir dabei auch noch zurufen,  was ich für ein Idiot bin… es zu versuchen.

Bitte sag ihr, wie sehr sie mir fehlt und dass ich an Halloween eine Kerze für sie anzünden werde, …meine schönste …

Lieber großer Kürbis, die persönliche Wunschliste für mich wird diesmal an Halloween sehr übersichtlich sein. Du hast sie mir, bis auf einen, bereits alle erfüllt. Auch wenn es anfangs oft nicht so aussah, 2019 war MEIN Jahr. Und das mit der Gesundheit wird sich sicher auch noch finden, wenn ich zukünftig anders arbeiten werde. Ganz anders ❤

Deine Bettina

PS: Wie findest du meinen großen Kürbis vor der Türe…es war der Größte, den ich jemals finden konnte…und mehr als angemessen für deine Hammer Leistung ❤

 

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