Tierschutz

Die Straße der Hoffnung… eine wahre Geschichte, die Mut macht <3

Es war im Sommer 2018.  Unser Hochzeitstag. Aber was als heiterer, heißer Sommertag begann, entwickelte sich schnell zu einem der tragischsten Tage, an den ich mich erinnern kann.
Nachmittags kam die Nachricht von einem Brand, der in einem Waldgebiet am Meer, etwa 40 km von Athen entfernt, ausgebrochen war. Dutzende Menschen waren am Strand gefangen, als sie einen Weg suchten, der Katastrophe zu entkommen.
Das Feuer war rasend schnell den Berg herunter gelodert und trieb die Menschen buchstäblich den Hang hinunter, zum Ufer und schließlich ins Meer. Es tobte den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht. Sein heißer Atem, der vom Wind angeheizt wurde, reichte bis aufs Wasser und machte die Rettung aus dem Meer unmöglich.

Ein schwarzer Tag für die Menschen in und um Athen

Viele ertranken. Andere verbrannten bei lebendigem Leib. Insgesamt 100 Menschen und unzählige Tiere wurden an diesem Tag und den folgenden Tagen Opfer dieser Tragödie. Die Nation war von Trauer und Schock überwältigt. Die Medien wurden mit tragischen Bildern überschwemmt. Bilder von verkohlten Menschen, die sich noch im Tod umarmten, brachten uns alle zum weinen.
Dann gab es einen Aufruf in den Medien, für die Kinder des Lyreion-Waisenhauses, die vorsorglich aus dem Sommerlager, in dem sie sich befanden, und das sich in der Nähe des Feuerwegs befand, evakuiert werden mussten, sie benötigten dringend Schuhe. Ich fand später heraus, dass es ein großes Glück für die Kinder war, die sich an diesem Tag im Sommerlager und nicht im Mutterhaus aufhielten als das Feuer ausbrach. Die Lyreion-Stiftung befindet sich exakt auf dem Berg, von dem das Feuer entfacht worden war. Wie ich später von den Schwestern selbst erfuhr, war das Kloster so schnell vom Feuer erfasst worden, dass die dort verbliebenen Schwestern und einige ältere Menschen kaum noch die Zeit hatten, in das einzige verfügbare Fahrzeug zu steigen um so den lodernden Flammen zu entkommen, die ihnen förmlich nachjagten.

 

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Auch heute noch liegen große Teile des Waisenhauses in Schutt und Asche

Wenn die Kinder zum Zeitpunkt des Brandes im Mutterhaus gewesen wären, wäre wohl keine Zeit gewesen, um alle sicher zu evakuieren, ein schlimmer Gedanke. Der Wunsch nach Schuhen wurde im Handumdrehen erfüllt aber nicht nur im Waisenhaus wurde Hilfe benötigt. Die folgenden Tage waren für uns und alle unsere Freunde ein einziger Kampf, um Hilfe zu leisten, wo und für wen auch immer sie gebraucht wurde.

Auch für die unzähligen Tiere, die hungrig, verstört und mit schrecklichen Brandwunden herum irrten, versuchten einige beherzte Menschen Hilfe zu leisten. SCARS und Frieden für Pfoten waren Schulter an Schulter im Einsatz. Die einen direkt an der Front die anderen sorgten für Nachschub.

Der erste Besuch im Kloster

Meine ersten Versuche, die Stiftung zu erreichen, scheiterten, weil auch die Festnetzanschlüsse abgebrannt waren und Mobilfunkempfang in den Bergen schon immer ein Problem war, was die antiquierten Handys der Schwestern nicht verbesserten.
Endlich erreichte ich jemanden, Schwester Kalliniki, die mir sagen sollte, was im Detail am nötigsten gebraucht wurde. Die Schwestern bitten nie wirklich um etwas, es sei denn, es handelt sich um einen absoluten Notfall. Sie wollen niemanden mit ihren Bedürfnissen belasten. Es ist nicht so, dass sie keine hätten. Ganz im Gegenteil, sie haben viele Bedürfnisse. Nachdem ich immer wieder nachhakte, fand ich schließlich heraus, wie wir ihnen helfen konnten. Ein wichtiger Teil der Familie der Stiftung sind ihre Tiere. Nicht nur die Hunde und Katzen, die die Kinder als Haustiere bei sich haben, sondern auch die heimatlosen Streuner, die in der Stiftung Schutz finden, dort ist für sie der einzige sichere Zufluchtsort in den Bergen, besonders im Winter.

Ein Herz für Kinder und für Tiere

Diese Liebe zu den Streunern zeigt sich überall im Kloster. Im offenen Empfangsraum, der jetzt während des Umbaus auch als Speisesaal dient, gibt es spezielle Futtertröge für die Tiere und viele Betten und Kästen, die fürsorglich in der Nähe der Heizungen aufgestellt sind. Es steht den streunenden Hunden und Katzen jederzeit frei, hereinzukommen, von den Futtervorräten zu essen und zu trinken und im Winter, der dort früh beginnt, finden die durchgefrorenen Tiere einen gemütlichen, warmen Schlafplatz in der Nähe der Heizungen.

Mutter Oberin Kloster
Mutter Oberin Mary …mit einem großen Herz für Tiere

Einige der Tiere hatten im Feuer Verbrennungen erlitten und wurden mit Antibiotika behandelt. Feuchtfutter wäre eine große Hilfe, damit die Medikamente besser angenommen werden. Zum Glück haben unsere Freunde von Frieden für Pfoten auch diese Hilfe ermöglicht. Es gibt derzeit ungefähr 25 Hunde und Katzen, um die sich die Schwestern in der Stiftung kümmern, die meisten davon sind mittlerweile kastriert. Die Hunde der Stiftung sind abgehärtete und selbständige Straßenhunde , in der Nähe von Mutter Mary verwandeln sie sich alle in kleine Kätzchen. Ihre Liebe steckt alle an, wer kann da widerstehen? Mutter Mary bezaubert seit jeher Menschen und Tiere gleichermaßen.

Ein Lebenstraum der hart erkämpft wurde

Es war in den frühen 1960er Jahren, als eine kleine Gruppe mutiger, junger Mädchen beschloss, Nonnen zu werden. Sehr zum Entsetzen ihrer Eltern, die dachten, dies sei eine Teenager Träumerei und sie wollten ihre Kinder ungern für den Rest ihres Lebens von der Welt isoliert sehen. Aber diese fünf Mädchen wollten der Welt gar nicht entkommen. Sie wollten einen sicheren Hafen schaffen, in dem sie Kindern Schutz bieten konnten, für die die Welt ein hässlicher Ort war.
Ihre Entscheidung machte Schlagzeilen in den Zeitungen der damaligen Zeit. Zunächst war der Widerstand groß. Die Eltern machten Druck und welch ein Skandal, dass einige Frauen versuchten, das jahrhunderte alte klösterliche Ideal zu ändern! Die Mädchen rannten dreimal von zu Hause weg, um in ein Kloster zu gehen. Sie wurden jedesmal zurück geholt. Aber als die Mädchen ihr Studium abgeschlossen hatten (die meisten von ihnen wurden Lehrerin) und das damals legale Erwachsenenalter erreichten, konnten sie endlich ihren Traum verwirklichen.

Den Traum von einer besseren Welt, der auf solchen Widerstand gestoßen war. Ihre Vision davon wurde von einem Wohltäter namens Lyras unterstützt, der das Gelände für den Bau der Stiftung spendete, und so wurde die Lyreion-Stiftung geboren und installiert.
Seit den 60er Jahren wurde dort vielen Kindern geholfen. Die Frauen, die niemals ihre eigenen Kinder haben würden, wurden Mütter für über 2.000 Kinder. Ihr habt richtig gelesen…Mütter! Genau das haben wir bei unseren Stiftungsbesuchen immer gehört:

Die Kinder nannten die Nonnen „Mama“. Und sie sind Mamas, nicht nur aus Pflichtbewusstsein. Es ist ihre Liebe, die Güte und Akzeptanz, was sie zu Müttern macht. Insbesondere Schwester Mary, die Mutter Oberin ist eine einzigartige Mischung aus sanfter Güte und eiserner Entschlossenheit. Eine kleine, bescheidene Frau, mit einem gigantischen Willen, bereit, jedes Hindernis zu überwinden. Nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe und Ausdauer.

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Sie stand vor den Ruinen, schaut in die Ferne, als schaue sie auf eine bessere Zukunft, und erzählt uns ruhig vom Feuer, wie es buchstäblich über den Berg raste, wie es unaufhaltsam auf sie zu kam und wie sie nur mit wenigen Sekunden Vorsprung entkamen…und wie traurig es sie macht, dass an diesem Tag hundert Menschen nicht so viel Glück hatten… und was nötig war, um alles wieder aufzubauen und den Wald wieder aufzuforsten, von dessen Erträgen sie auch leben. Aber egal wie lange es dauert, sie werden es tun.

Ich sehe ihren Glauben an das Gute und frage mich: Ist es nicht das, worum es im Leben geht? Das, was sie all die Jahre für zweitausend Kinder getan hat, um deren Welt für sie zum positiven zu verändern?

Für mich, eine Atheistin, ist das die Antwort auf alle Fragen. Es geht in diesem Leben einzig darum, Gutes zu tun!
Dieses Gute ist überall dort sichtbar. Die Kinder dort tragen keine Schuluniformen, sie kleiden sich so, wie sie wollen, sie spielen die Spiele, die Kinder überall spielen, und sie folgen keinem strengen religiösen Fasten. Sie befinden sich nicht in einer „Stiftung“, sondern in einem Zuhause. Es gibt verwaiste Kinder, aber es gibt auch Kinder, die aus missbräuchlichen Familien mit missbräuchlichen oder unfähigen Eltern stammen, und es gibt auch Kinder oder Jugendliche, die einfach unerwünscht waren. Dieses Haus, das Waisenhaus ist für sie da, solange sie es brauchen. Es wird immer ihr Zuhause sein, da ihre Mutter immer ihre Mutter sein wird – auch wenn sie sie nie zur Welt gebracht hat oder wenn sie noch viele andere Kinder in ihrer Obhut hat. Sie bleiben dort, bis sie erwachsen sind und ein eigenes Zuhause beziehen können.

Wir wollten damals das Kloster und die Schwestern besuchen, um Geschenke zu bringen. Katzen- und Hundefutter und Süßigkeiten für die Kinder und die nach dem Brand benötigte neue Büroausstattung….und am Ende waren wir selbst die Beschenkten. Wir erfuhren Gastfreundschaft, erhielten Leckereien und Kaffee und Obst als Abschiedsgeschenk. Man schenkte uns Lächeln und Freude und Dankbarkeit und eine liebevolle, herzliche Umarmung. Eine Umarmung, die von einer kleinen, zierlichen Frau stammte, einer Frau, die jedoch groß genug war, um geliebte Menschen und ihre Träume zu beschützen. Die tatsächlich in der Lage ist, Hunderte ihr anvertrauten Menschen zu beschützen.

Bei unserem letzten Besuch in der Stiftung, ein Jahr nach dem Brand, sahen wir das erste zaghafte Grün, wo vorher nur Schwärze war. Die Natur erobert sich den Berg zurück. Es gibt noch viel zu tun. Das Hauptgebäude steht nach wie vor verkohlt in der Landschaft, einige Gebäude gleichen skelettierten Ruinen. Die Nonnen wissen nicht, woher die Mittel kommen, um alles, was verbrannt wurde, wieder aufzubauen. Sie wissen nicht einmal, ob es ausreichen wird, den laufenden Verpflichtungen nachzukommen. Sie wissen nicht einmal, wie das Geld für die Heizung im kommenden Winter aufgebracht wird. Aber überall ist Liebe. Die Kinder spielen, die Katzen und Hunde liegen glücklich in der Sonne. Die Nonnen sind wie fleißige Bienen, die dafür sorgen, dass die Kinder und älteren Menschen versorgt werden.
Direkt vor den Toren der Stiftung steht ein Straßenschild:

„Hope Street“. Straße der Hoffnung.

Ich glaube fest daran

 

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Die Straße der Hoffnung

Übersetzt nach einer Vorlage von Vassia Chrysanthopoulou von SCARS , die mit der Hilfe von Frieden für Pfoten e.V.  dieses schöne Projekt betreut und die mir ihre Geschichte erzählt hat.

Bald wird aus Deutschland eine große Palette auf den Weg gehen. Eine riesen Weihnachtsüberraschung!!! Für jedes Kind in diesem Waisenhaus ein liebevoll verpacktes Geschenk und andere Dinge, über die sich Kinder und Teenager freuen. Eine Überraschung für die Schwestern des Klosters und natürlich auch etwas für die Tiere dort.

Möglich machte das die wunderbare Zusammenarbeit von Team Frieden für Pfoten, vielen großherzigen Spendern, und den fantastischen Menschen von People4Strays…aber davon erzähle ich euch ein ander mal ❤

6 Gedanken zu „Die Straße der Hoffnung… eine wahre Geschichte, die Mut macht <3“

  1. welch eine schöne Erzählung, für die ich besonders danke, denn ich lebe in Griechenland und habe nie etwas von dieser Stiftung gehört. Aber die Atmosphäre kenne ich aus einem anderen Kloster von Mönchen, in der Mani. Diese liebevolle Zugewandtheit und praktische Tüchtigkeit, diese Warmherzigkeit für Mensch und Tier und Pflanze und „Gottes gesamte Schöpfung“.

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  2. Lieber Yogi Kater, ja, es macht auch mich sehr dankbar und stolz zu dieser Gemeinschaft zu gehören und neben allen schrecklichen Dingen, die jeden Tag passieren, sollten solche Geschichten, die meist im Verborgenen passieren, auch erzählt werden…und Hoffnung schenken ❤ Liebe Grüße und Danke für deinen Kommentar.

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  3. Liebe Bettina, vielen Dank für den schönen Bericht. Es macht mich soo froh, auch mal wieder von „guten“ Menschen zu lesen, Menschen die vorurteilsfrei und uneigennützig helfen und nicht quälen und erniedrigen. Ich bin auch sehr froh, rechtzeitig von der Weihnachtsaktion erfahren zu haben, so konnte ich mich wenigstens ein bisschen beteiligen. Es gibt so vieles im Leben, wofür wir dankbar sein sollten und auch dankbar dafür sein, dass man am richtigen Ort Hilfe geben kann. Viele liebe Grüße Ulrike

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