Geschichten, die der große Kürbis schrieb

Geschichten aus dem Karma Cottage…die Türen zum Glück…

Nach wie vor hatte ich keinen Plan, womit dieses Haus jemals beheizt werden sollte…

Ich würde wohl Lagerfeuer aus den Resten des alten Mobiliars im Wohnzimmer schüren müssen, sollte nicht irgendjemand noch eine zündende Idee haben, wie man ein Haus, abseits der Gasleitungen, ohne Erdöl, aber trotzdem erschwinglich und umweltfreundlich umrüsten sollte. Das sollte jetzt aber nicht die gute Laune trüben.

Heute war erster Urlaubs- und heute war erster Bautag. ❤ Das Auto war voll beladen mit Putzzeug, Besen, Schaufel, Metermaß, Proviant, Müllsäcken…Musik, Lautsprecher…  und Träumen.

Wenn die großen Dinge haken, dann sollte man sich mit den kleinen Dingen beschäftigen. Aso hatte ich mich immerhin um die neuen Türen bemüht und nur zu gern die öden Prospekte mit Heizkesseln, Wärmeberechnungen und gesetzlichen Auflagen, beiseite gelegt. Türen sind simpel. Türen sollten keine Probleme bereiten, zumindest nicht, wenn man sich erst einmal durch „Anschlag links“,  Anschlag rechts, Tür öffnen nach Innen (???) , Tür öffnen nach außen (???) , durch die verfügbaren Maße, gängige Normgrößen, Zargenformen und Türblattstärken, Ral Nummern und Beschläge gearbeitet hat. Hatte ich. Ich bin jetzt diplomierte Türspezialistin  🙂

Die erste Tür, in die ich mich unsterblich verliebte, um genau zu sein, in die Mandala Rosette im weißen Holz, sie war nicht mehr lieferbar. Das erfuhr ich leider erst nach vier Wochen, als die Zeit für eine Neubestellung knapp wurde und jede weiße Tür ohne ein Mandala Muster im Holz, plötzlich falsch aussah.

Schließlich entschied ich mich für eine klassische Variante, die den großen Vorteil hatte, auch vor dem nächsten Jahreswechsel lieferbar zu sein und jetzt sollten die alten Türen baldmöglichst heraus gerissen werden und auf den Müll, denn nur dann ist es möglich, die exakten Maße zu erfahren. Jede Türe im Haus hat nämlich ein anderes. Und jeder Türstock in diesem Haus war vor vielen Jahren so bombenfest in die Wand und auf den Boden vernagelt worden, dass sie wahrscheinlich auch einen Atomkrieg unbeschadet überlebt hätten. Das Stäbchenparkett überlebte diese Aktion leider nicht unbeschadet.

Das Schöne an alten Häusern, das sind die Überraschungen!

Nichts ist genormt, hinter jeder Fliese, hinter jedem Brett verbergen sich Überraschungen und daher war ich anfangs noch Feuer und Flamme, als mit Fäustel und Brecheisen die widerspenstigen Türrahmen Teile aus der Wand gestemmt wurden. Erst als auch die schönen alten Türschwellen splitterten und neben ausgedienten Zargen, auch das erste Stäbchen aus dem Stäbchenparkett durchs  Zimmer flog, schwante mir, es könne alles doch ein wenig umfangreicher werden, als geplant. Neue Türen, neue Türschwellen, neues Stäbchenparkett. Oder ein ganz neuer Boden?

Dann fiel mir wieder das Heizungsproblem ein, das noch anstand und ich beschloss, dass auch filetiertes Stäbchenparkett sicher noch seinen Charme hatte. Und die neuen Türen werden bestimmt großartig aussehen!

Der nette Mitarbeiter im Baumarkt, hatte etwas besorgt die Stirne gerunzelt, bei meiner Bestellung.

„Es könnte eng werden, die eine Tür hat nur wenige Millimeter Spielraum, und man kann sie nicht mehr umtauschen. Aber diese Zarge, mit diesem Zargen Dekor, gibt es leider nicht in einer anderen Größe. Nicht mehr lieferbar!“

„Nein, es muss genau dieses Dekor sein, dann stopfen wir sie eben hinein, bis sie passt“, hatte ich gut gelaunt geantwortet. Er fand das auch lustig und wünschte viel Glück!

Daran musste ich denken, als auch die letzte alte Türschwelle aus Eiche ihr Leben aushauchte und in Stücke brach. Es hat alles sein Gutes, denn jetzt war zumindest wieder mehr Platz, die neuen Schwellen konnten dann an die Türen angeglichen werden und nicht umgekehrt.

Zufrieden begleitete  ich die alten Türen und Rahmen noch zur Müllverladestelle,  und kehrte anschließend den Staub weg, der sich wie eine Wolke über alles, aber wirklich alles im Haus gelegt hatte. Gut, man hätte vorher abdecken können, aber wer konnte vorher wissen, dass wir Atombunker sprengen müssten, wenn doch nur ein paar Türrahmen aus der Wand gestemmt werden sollten.

Während aus dem kleinen Lautsprecher Klavierklänge perlten, wanderte ich durch das Haus ohne Türen und wischte liebevoll die alten Holzböden, sammelte sorgsam die Holzsplitter auf und wir machten uns weiter vertraut.

„Bald ist die unangenehme Phase vorbei“, dachte ich aufmunternd in Richtung der leeren Türstöcke und lädierten Böden.

„Bald wird es richtig toll! Bald beginnt der Teil, an dem ihr so richtig herausgeputzt werdet, lasst euch überraschen, wie ihr dann dastehen werdet. Da müssen wir jetzt gemeinsam durch!“ …

 

Fortsetzung folgt…

 

 

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2 Gedanken zu „Geschichten aus dem Karma Cottage…die Türen zum Glück…“

  1. Liebe Bettina
    Auch für mich waren solche Gemeinheiten Grund dafür, mich von FB fernzuhalten.

    Ich finde es toll, wie du durchgehalten hast und dass du so eine gute Arbeit machst.

    Auch ich unterstütze SCARS immer noch über Smile-Amazon, ich freue mich, dass schon einige Hundert Euro zusammengekommen sind.

    Täglich danke ich all den Helfern, die es möglich gemacht haben, dass mein Paulchen (vorher Edward) bei mir sein kann. Er ist ein Sonnenschein, dem man seine Blindheit überhaupt nicht anmerkt. Ohne euch alle hätte er keine Chance gehabt.

    ganz liebe Grüsse und ein superdickes Kraftpaket für dich, denn ich ahne wieviel dich das alles belastet.

    Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

  2. Schön, dich wieder einmal zu lesen und auch von Paulchen zu hören, liebe Anna-Lena ♡ du hast recht, es belastet die Arbeit und daher wird eine Pause sicher gut tun. Ich habe den WordPress Blog mit Facebook verbunden, so dass also die Blogs weiterhin erscheinen, bis ich wieder angreife. Solange freue ich mich, einmal nur positive Geschichten zu erzählen und über all die lieben Rückmeldungen. Herzlichst. Bettina

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