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Die Magie der Träume Teil I – III

Die Magie der Träume – Teil I

Captain tat das, was er am liebsten tat, wenn er damit fertig war, für einen Tag genügend Unsinn anzustellen.
Er lag eng an seinen großen Bruder gekuschelt auf der Couch und träumte von neuen Abenteuern. Der junge weiße Kater, liebte Abenteuer und konnte nicht genug davon erleben.

Daher war er erst nicht begeistert, als mitten in der wilden Mäusejagd eine weiße Katze über ihm auftauchte und ihn am Schlafittchen packte.

„Mama??? Bist du das?“,
quiekte er glücklich, als er erkannte, wer ihn da gerade gestört hatte.

Sein Schwanz zuckte im Schlaf vor Aufregung und Freude wild hin und her, als seine Mutter ihm geduldig erklärte, wie man eine Maus nicht nur fängt sondern schnell und schmerzlos tötet.
Er war selig, sie nach all der Zeit wiederzusehen und als sie ihm dann noch sagte, wie stolz sie auf ihre beiden Jungs ist und vom Sternengarten immer über sie wachen würde, da vibrierten seine Schnurrhaare vor Glück im Schlaf.

Luna hatte die rührende Szene von ihrem Platz, am Rand des Sternengartens ebenfalls mitverfolgt. Sie lächelte.
Also war mittlerweile auch ihre liebe Freundin darauf gekommen, wie einfach man Träume zu seinen Liebsten schicken kann, wenn man nur daran glaubt und genügend Sternenstaub mit auf die Reise sendet.

Ein bisschen Erziehung würde den Austen Boys nichts schaden und wer könnte das besser, als deren Mutter, die nie dazu Gelegenheit hatte. Sie war damit beschäftigt gewesen, die beiden vor einem frühzeitigen Tod zu bewahren, sie vor Hunden und Autos und anderen Katzen zu beschützen und dabei selbst nicht zu verhungern. Es war ihr gelungen.
Ihre Jungs hatten überlebt.

Luna seufzte. Es war nicht einfach gewesen, die beiden weißen Kätzchen aus einem Tierheim in Spanien, zu ihrem Menschen zu bringen.
Einige Träume waren notwendig, bis sie erkannt hatte, wo die neuen Herzenskatzen warten und noch ein paar mehr, bis sie es wagte, ihrem Herzenswunsch zu folgen.
Was würde ihr Lieblingsmensch nur ohne sie tun?

Aus der Ferne hörte sie Pferde wiehern und Hunde bellen, es schepperte laut.
Vermutlich hatte der kleine Faith wieder mit Csipi und ihrer Schwester Lilly, Fangen am Tisch gespielt.
Luna fauchte ärgerlich und war kurz abgelenkt. Die rosa Wolke aus Sternenstaub, in die sie ihren Traum gehüllt hatte, fiel zurück auf den Boden und löste sich in viele keine, rosa glitzernde Staubkörnchen auf.

Vielleicht war das ein Zeichen.
Luna wusste Zeichen seit jeher zu deuten und beschloss, noch einmal gründlich über den Traum nachzudenken, den sie ihrem Menschen senden wollte.
Es würde nicht einfach werden, denn wenn es im Universum jemanden gab, der genauso dickköpfig war, wie wie selbst, dann war das ihr Lieblingsmensch.
Man musste behutsam vorgehen.
Und man musste dafür sorgen, dass die tägliche Party im Sternengarten zukünftig etwas leiser stattfinden würde und ohne Scherben!

Die alte Katzendame erhob sich und dehnte dabei genüsslich sämtliche Muskeln, dann putzte sie sorgfältig den letzten Rest Sternenstaub aus dem Fell.
Ihr Fell sollte perfekt aussehen, wenn sie gleich auf Valerion traf….

Die Magie der Träume Teil II

Sie band die widerspenstigen Zweige der alten Kletterrose an das Holzgitter, pflückte dann spontan eine der Blüten und steckte sie sich ins Haar.
Es war ein magischer Moment.

Die letzten Sonnenstrahlen streichelten über die Blumenpracht im Garten, vom Haus tönte leise Klaviermusik und zwei weiße Katzen tollten ausgelassen über den Rasen.
Ein Moment des Glücks.
Dann drehte sie sich um und ihr Blick fiel unvermittelt auf das Grab.

Für einen kurzen Augenblick kam völlig unerwartet, die Trauer zu Besuch ins Paradies.
Zusammen mit Luna waren auch viele Träume hier begraben… gut verwahrt, in Rosen gebettet und bewacht von einem Kürbis, der prächtig gedieh.
Seine Blüten und Blätter waren Sinnbild für das neue Leben, das aus Vergangenem entstanden war.
Der Kreislauf des Lebens. Sie seufzte.

Ein aufgebrachter Mr. Darcy unterbrach ihre Gedanken.
Er wollte seine neueste Beute unbedingt für sich behalten und Captain war entschlossen, sie ihm wieder abzujagen.
Bei ihrer wilden Verfolgungsjagd, über Gartenstühle und Fensterbänke, warf er alles um, was gerade im Weg stand.
Wie oft hatte sie sich ausgemalt, dass die Austen Jungs durch diesen Garten toben würden.
In ihren Träumen waren sie dort bereits Zuhause, ehe es überhaupt ein Karma Cottage gab, vielleicht sogar schon, ehe es die Austen Boys gab.
Manchmal ist es schwer, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Die Grenze zwischen Realität und Träumen ist ein schmaler Pfad und der Weg ändert sich täglich, weil wir ihn selbst erschaffen. Immer wieder neu.

Sie zupfte die Blüte wieder aus dem Haar und legte sie dann neben die kleine Katzen Skulptur aus Sandstein, die bereits zu Lunas Lebzeiten geschaffen wurde und die mit in das Karma Cottage gezogen war.
Höchste Zeit, zurück ins Haus zu gehen.
Es wartete noch jede Menge Arbeit…

„Ist das hier jetzt der neue Partyraum? Entweder ihr seid etwas leiser oder ihr sucht euch einen anderen Ort als den Speisesaal, zum Krachmachen!“

Luna peitschte ungeduldig mit dem Schwanz, während Iron und Powder, die Küchenchefs im Sternengarten, geduldig das zerbrochene Geschirr wieder einsammelten.
Lillys neueste Idee hatte für viel Erheiterung aber auch für jede Menge Bruch gesorgt.

„Warum bist du in letzter Zeit so schlecht gelaunt, Schwesterherz?
Hat Captain wieder einmal auf dein Grab gepinkelt?
Verbring nicht so viel Zeit am Ausguck!
Vielleicht möchtest du auch einmal probieren, ob du mit einem einzigen Sprung über die gesamte Tafel springen kannst?
Wir stehen gegen die Pferde derzeit gut im Rennen….“

Der kleine Faith schnurrte entzückt, nahm Anlauf und setzte bereits zum nächsten Sprung an.
Die Zuschauer im Speisesaal tobten vor Vergnügen, als er auf halbem Weg abrutschte, von einem verdutzten Leo aufgefangen wurde, der dann ebenfalls die Balance verlor und beide schließlich mit einem lauten Rumms, unter dem Tisch landeten.

„Strafpunkt für Team Katzen“,
wieherte Ballerina und stiess dabei mit ihrem Schweif ein paar weitere Näpfe vom Tisch.
Luna verdrehte die Augen und machte sich auf den Weg zu ihrem Pavillon.
Valerion folgte ihr unauffällig.

Als sie die kleine Pforte zu ihrem Aufgang erreicht hatte, dort erstaunt die frischen Zweige mit Katzenminze vorfand und sich spontan, genüsslich darin wälzte, zog Valerion sich diskret zurück.
Sie hatte sein Geschenk also gefunden und für gut befunden.
Aus sicherer Entfernung bewunderte er die anmutige Silhouette seiner heimlichen Liebe, die in der Dämmerung wilde Sprünge, fast bis in den Sternenhimmel des Sternengartens machte.
Er wartete, bis sie schließlich mit einem Zweig Katzenminze im Mäulchen, im Pavillon verschwunden war.
Dann suchte er sich ein gemütliches Plätzchen im Sternenstaub und beschloss, diese Nacht vor ihrem Haus zu wachen.
Falls Luna heute Nacht vielleicht doch noch Träume auf die Erde senden wollte, dann würde er ihr dabei helfen….
Die Magie der Träume- Teil III

„…und was hat Mama noch gesagt? Warum ist sie überhaupt zu dir gekommen und nicht zu mir? “
Mr Darcys Näschen legte sich kummervoll in tiefe Falten, während er aufmerksam Captains Schilderungen lauschte. Immer wurde sein kleiner Bruder bevorzugt! Sogar im Traum!

„…weil du schon Mäuse fangen kannst und mir musste sie es erst erklären…sie hat doch aber gesagt, dass sie stolz auf uns beide ist!“
antwortete Captain ungewohnt einfühlsam und fügte dann schnell noch hinzu,
„oder sie kam zu mir, weil du gerade wieder einmal so laut geschnarcht hast, dass du sie in deinem Traum gar nicht hören konntest. ..“
Er wich geschickt einem heftigen Prankenhieb aus und sprang vom Bett.

„Bestimmt besucht sie uns bald wieder einmal.
Jetzt lass uns zu den Teichen gehen!
Ich habe da etwas entdeckt, das musst du dir unbedingt ansehen!
Es ist grün und nackt, ohne ein einziges Haar!
Es hat vier Pfoten, so wie wir und es macht lustige Geräusche, wenn man es herum trägt.
Wenn wir das unserer neuen Mama zum Geschenk machen, wird sie begeistert sein…“

Damit war die Eintracht wieder hergestellt und bald ragten nur noch zwei weiße Schwanzspitzen aus dem hohen Gras, die sich einträchtig nebeneinander, Richtung Teiche bewegten…

🐾

„Wie hast du eigentlich den Vater der Austen Jungs kennengelernt? Vermisst du ihn manchmal?“
Die zierliche weiße Siamkatze ließ sich ihre Überraschung über Lunas Frage nicht anmerken. Auch wenn sie dieses plötzliche Interesse etwas seltsam fand.
Sie schleckte genüsslich den letzten Tropfen Rahm von ihrem Frühstücksnapf und nickte Iron dafür anerkennend zu, ehe sie antwortete.

„Er biss mir in den Nacken.
Nicht so schmerzhaft, wie die anderen Kater, die ihr Glück bei mir versuchten sondern eher sanft.
Ich hätte ihm leicht die Nase zerkratzen können und ihm eine Lektion erteilen.
Aber irgend etwas an ihm war anders.
Mr. Darcy hat viel von seiner Kraft und tollpatschigen Art geerbt.
Auch den sanften Charakter hat er von seinem Vater. Er war nie aggressiv obwohl er mit Abstand der größte und stärkste Kater im Revier war.
Also bin ich bei ihm geblieben.
Und er war bis zum Schluss an meiner Seite, bis zu meinem letzten Atemzug unter den Rädern eines Autos.
Er war ein Streuner und Gentleman…“
Verträumt strich sie mit der Pfote den letzten Rest Rahm aus ihren Schnurrhaaren.
‚Warum fragst du das?“

Ihr vertrauliches Gespräch wurde unsanft unterbrochen.
Lilly galoppierte auf Ballerinas Rücken in den Speisesaal, gefolgt von einem Rudel Hunde.
Schnitzeljagd war die neue Lieblingsbeschäftigung aller Sternengarten Hunde.
Nicht nur Leo sondern auch Csipi und Bingo machten begeistert dabei mit und suchten den nächsten Hinweis, den Lilly im Speisesaal versteckt hatte. Mittlerweile hatte Lilly offensichtlich längst wieder vergessen, wo ihr Hinweis war und der Lärm wurde immer ohrenbetäubender.

„Hast du Lust auf einen kleinen Ausflug zum Ausguck, meine Liebe?“
Inmitten des Trubels war Valerion, zwischen den Hunden hindurch, zu ihnen an die Tafel geschlüpft .
Luna antwortete ihm mit einem freundlichen Schnurren und damit war das Gespräch mit der weißen Katze vorerst beendet.

„Ich muss dir unbedingt etwas erzählen!
Letzte Nacht hat mir Lilly Katzenminze vor die Türe gelegt. Meine kleine, vergessliche Schwester hat sich tatsächlich gemerkt, wie sehr ich Katzenminze liebe!
Luna schniefte gerührt und bemerkte daher nicht, wie das Leuchten in Valerions Augen für einen kurzen Moment, ein klein wenig verblasste…

„Willst du mir nicht endlich verraten, was du deinem Menschen für einen Traum senden wirst?“
fragte er schließlich.
Und dann begann Luna damit, ihm zu erklären, was sie vorhatte…

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Fortsetzung folgt…

(c) Urheberrechte: Bettina Marie Schneider

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